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Heiliger Kampf

Heiliger Kampf

Der Heilige Kampf ist ein von dem Hamburger Islamwissenschaftler Albrecht Noth eingeführter Begriff, der die individuell geführte militärische Tätigkeit zur Bekämpfung von Ungläubigen im Islam meint. Dieser "Heidenkampf", den man auch als Privat-Dschihad bezeichnen könnte, wurde von einzelnen Kämpfern auf eigene Rechung zur Erlangung des im Koran dem Märtyrer (Schahid) versprochenen göttlichen Lohnes an die Grenzen des Gebietes der Ungläubigen (Dar al-Harb) betrieben. Noth lehnt die Übersetzung „Heiliger Krieg“ dafür nicht deswegen ab, weil es sich seiner Meinung bei dieser Tätigkeit nicht um militärische Unternehmungen handelt, sondern weil die militärische Tätitigkeit „[kein] räumlich oder zeitlich begrenztes kriegerisches Unterenehmen bezeichne[t]“. Noth unterschiedet vom "Heiligen Kampf" den "Heiligen Krieg", den er als staatlichen militärischen Kampf zur Erweiterung oder zur Verteidigung des islamischen Gebietes (Dar al-Islam) sieht. Noth stellt bei dieser Art des Dschihad das Adjektiv "heilig" in Frage, da diese Art von Dschihad nicht immer aus religösen, sondern auch oft aus Gründen der Staatsräson geführt wurden. Der "Heilige Kampf" wird vom traditionellen islamischen Schrrifttum als überaus verdienstvoll gewertet. Die moderenen muslimischen Selbstmordattentäter sehen sich als Nachfolger dieser Privat-Mudschahidin. Siehe auch Geschichte des Begriffs Dschihad.

Literatur


- Albrecht Noth: Heiliger Kampf und Heiliger Krieg im Islam und Christentum. Beiträge zur Vorgeschichte und Geschichte der Kreuzzüge. Ludwig Rohrscheid Verlag, Bonn 1966 Kategorie: Islam Kategorie: Islamismus

Islamwissenschaft

Die Islamwissenschaft (veraltet: Islamistik, gelegentlich auch Islamkunde) ist die Lehre vom Islam, seiner heiligen Schrift, dem in arabischer Sprache verfassten Koran, der islamischen Kultur und Geschichte, dadurch eng mit der Arabistik verbunden und Teil der Orientalistik. Islamwissenschaftler werden in älteren Texten gelegentlich als «Islamisten» bezeichnet, dadurch besteht eine Verwechslungsgefahr mit dem neueren Begriff des (fundamentalistischen) Islamisten. Als Studienfach wird die Islamwissenschaft im deutschsprachigen Raum unter anderem an den Universitäten Leipzig, Münster, Erfurt, Berlin und Heidelberg angeboten. Siehe auch: Arabistik, Iranistik, Judaistik, Osmanistik, Semitistik, Turkologie

Literatur


- Lutz Richter-Bernburg: Wozu Wozu Islamwissenschaft? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X

Links


- [http://islamwissenschaft.uni-hd.de/ Islamwissenschaft an der Universität Heidelberg]
- [http://www.uni-erfurt.de/islamwissenschaft/ Islamwissenschaft an der Universität Erfurt]
- [http://www.uni-kiel.de/islam/ Islamwissenschaft an der Universität Kiel]
- [http://www.uni-muenster.de/ArabistikIslam/ Islamwissenschaft an der Universität Münster]
- [http://userpage.fu-berlin.de/~islamwi/ Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin]
- [http://www.uni-bayreuth.de/departments/islamwissenschaft/ Islamwissenschaft an der Universität Bayreuth]
- [http://www.orientalistik.uni-erlangen.de/get.php?page=islamwissenschaft Islamwissenschaft an der Universität Erlangen] Kategorie:Islam Kategorie:Religionswissenschaft Kategorie:Kulturwissenschaft

Islam

Der Islam ( islām Hingabe an Gott; al-islām der Islam) ist mit ca. 1,2 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,0 Milliarden Anhänger) die zweitgrößte Religion der Welt. Seine Anhänger werden als Muslime oder (deutlich seltener und veraltet) als Mohammedaner bezeichnet; letzteres stößt indes als Fremdbezeichnung unter den meisten Muslimen auf Ablehnung, da die Muslime nicht - wie das Wort suggeriert - Mohammed, sondern einzig den einen Gott anbeten. Vor allem in älterer Literatur werden Muslime häufig mit der persischen Variante des arabischen Wortes als Moslems bezeichnet. Der Islam ist eine monotheistische Religion, die sich streng vom Polytheismus und auch von der christlichen Vorstellung von Inkarnation und Trinität abgrenzt. Er gründet sich auf den Koran, der für Muslime das unverfälschte Wort Gottes ist. Zweite Erkenntnisquelle sind die Worte und Handlungen (Sunna) des Propheten Mohammed.

Die Entstehung des Islam

Mohammed]] Der Religionsstifter Mohammed (: der Vielgelobte) wurde um 570 als Sohn eines Händlers in Mekka im heutigen Saudi-Arabien geboren. Nach der Überlieferung soll ihm 610 der Erzengel Gabriel erschienen sein, und ihm die ersten Verse (Ayāt) des Korans übermittelt haben. Im Verlauf der folgenden 23 Jahre soll ihm dann Vers für Vers davon offenbart worden sein. Der Islam begreift sich als Fortsetzung göttlicher Offenbarung. Deshalb sehen sich Muslime in der Kontinuität von Judentum und dem Christentum. Mohammed wird deshalb auch als das „Siegel der Propheten“ bezeichnet. In diesem Sinne werden im Islam auch alle vorher von Gott gesandten Propheten, die in der Bibel genannt werden, als eigene Propheten verstanden. Es gibt aber Abweichungen: So ist nach islamischem Glauben Jesus ein Prophet, der jedoch weder am Kreuz starb noch auferstand. Einige Personen, die im Juden- bzw. Christentum nicht als Propheten gesehen werden, werden im Islam als solche verehrt, zum Beispiel Adam.

Grundlagen des Islam

Die fünf Säulen

Die Grundsätze des Islam, die fünf Säulen, die zu erfüllen jeder Muslim verpflichtet ist, sind:
- Das Glaubensbekenntnis Schahada (): Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. (s.o.) Die Schiiten fügen in der Regel noch den Satz hinzu: und Ali ist der Freund Gottes. Gemeint ist hier Ali ibn Abi Talib. Im Sufismus (islamische Mystik) wird der erste Teil der Schahada auch interpretiert mit: Ich bekenne, dass es nichts außer Gott gibt bzw. Es gibt nichts. Es gibt nur den Einen (die Einheit). Das Aussprechen der Schahada in ehrlicher Absicht (niya) reicht aus, um Muslim zu werden. Sie ist auch das erste, was einem Neugeborenem ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß an einen Sterbenden. In der heutigen islamischen Kultur, verliert ein Moslem, der den Islam verläßt, häufig seine familiären und gesellschaftlichen Bindungen, seine Rechte und Erbansprüche. In der Rechtstheorie, in einigen Ländern auch in der Rechtspraxis, wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.(Siehe: ridda)
- Das Gebet Salat () ist religiöse Pflicht. Es wird zu festgelegten Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: in der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, abends und nach Einbruch der Nacht. Zuvor erfolgt die rituelle Reinigung (arabisch: "wudu'" ;persisch: "âbdast") mit reinem Wasser. Sollte dieses nicht in ausreichender Menge zu Verfügung stehen oder als Trinkreserve benötigt werden, wird symbolisch Sand oder Staub verwendet (tayammum). Das Zusammenlegen oder Nachholen von Gebeten ist unter bestimmten Bedingungen gestattet, z. B. auf Reisen. Am Freitag muss das Mittagsgebet (Freitagsgebet) in der Gemeinschaft (das Gebet in der Moschee ist nicht Pflicht, zwingend ist für das Freitagsgebet die Gemeinschaft) stattfinden, dann (oder davor) wird auch gepredigt (Khutba). Viele Muslime beten aber auch sonst möglichst in der Moschee. Die Teilnahme am Freitagsgebet ist Pflicht für alle männlichen erwachsenen Muslime.
- Die Almosensteuer Zakat (). Die Erträge werden für Bedürftige, Kranke, Befreiung Gefangener, den Dschihad oder zum Aufbau religiöser Schulen verwendet. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5-10% ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen). Zakat stellt eine der drei nach islamischem Recht erlaubten Steuerformen dar; die anderen beiden sind die Grundsteuer (Charadsch) und die Kopfsteuer (Dschizya), die von Nichtmuslimen in islamischen Gesellschaften als Gegenleistung für ihre Duldung (siehe: Dhimmi) verlangt wird. Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zu Gute kommen.
- Das Fasten Saum (). Im Monat Ramadan, der sich jedes Jahr um 10 Tage verschiebt, wird von Beginn der Morgendämmerung - wenn man einen „weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (Koran 2:187) - bis zum vollendeten Sonnenuntergang gefastet, nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und manche andere Enthaltsamkeit im Verhalten geübt. Das Fasten wird nicht aus gesundheitlichen Gründen befolgt, sondern um Gottes Befehl während des Tages zu genügen. Insofern ist das oft praktizierte ausgiebige Fastenbrechen bei Nacht zwar nicht unbedingt ideal, verletzt jedoch auch nicht die religiöse Pflicht. Oft bricht man das Fasten mit einer Dattel und einem Glas Milch, nach Vorbild des Propheten. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens ('Īd al-fitr) beendet.
- Die Pilgerfahrt Haddsch (). Einmal in seinem Leben soll der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Sie findet im letzten Mondmonat statt, und wird dann zur Pflicht für ihn, wenn er dazu in der Lage ist. Entscheidend dafür ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände.Die Einschränkung der ritualrechtlichten Pflicht der Pilgerfahrt ist in Sure 3, Vers 97 begründet: :::"...und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus (d.i. die Kaaba von Mekka) zu machen - soweit sie dazu eine Möglichkeit finden ". Die Interpretation des hier verwendeten Ausdruckes "Möglichkeit finden" erfolgt in einem Prophetenspruch (Hadith), dessen Isnad allerdings als "schwach" eingestuft ist. Demnach ist der Besitz von Reiseproviant und Reittier (arabisch: al-zâd wa-'l-râhila) die Grundvoraussetzung für die Erfüllung dieser rituellen Pflicht. Die Pilger müssen nach ihrer Ankunft in Mekka u.a. die Kaaba sieben Mal umkreisen, auf dem Hügel Arafat verweilen, zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa laufen - damit vollziehen sie den Durst von Hagar und Ismael auf der Suche nach Wasser in der Wüste nach (vgl. 1. Mose 21, 9-21) -, Opferschafe schlachten und den Satan rituell steinigen.

Glaubensgrundsätze

Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, nämlich den Glauben an:
- Gott (Allah)
- seine Engel
- seine Offenbarung (heilige Bücher: Tora, die Evangelien, den Koran etc.)
- seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed
- den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft bzw. mit dem Paradies belohnt
- die göttliche Vorsehung. Erwähnt werden diese Glaubensartikel sowohl im Koran (z.B. in an-Nisā'(4):136: :::Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt. Auch in Hadithen wie folgendem Ausspruch des Mohammed heißt es: :::Der Glaube besteht darin, dass du an Gott glaubst und an seine Engel, an seine Bücher, an seine Propheten und an den Jüngsten Tag, sowie an die göttliche Vorsehung des Guten und des Bösen. Die genaue Liste der Glaubensartikel varriiert leicht zwischen den Rechtsschulen und gelegentlich sogar zwischen einzelnen Gelehrten. Das Glaubenskonzept der Schia ist praktisch identisch und wird nur durch einige Punkte erweitert, die z.B. die Verehrung der Imame betreffen. Lediglich die Ismaeliten weichen durch ihre monistischen Vorstellungen vom Wesen der Engel und des Prophetentums deutlicher davon ab. Nach muslimischem Verständnis sandte Allah den Koran durch den Erzengel Gabriel als „göttliches Zeichen“ an Mohammed, zur Verkündigung an die Menschen. Die „göttlichen Zeichen“ seien für jeden Menschen erkennbar, sofern er „vernünftig“ überlege. Um den Koran zu verstehen, müsse der Mensch sich von seinen „schlechten Eigenschaften“ und seinen „falschen Ideen“ befreien, damit sein Geist sich durchsetze. Dies erreiche man durch ständige Selbstüberwindung und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Die Menschen sollten „Stellvertreter Allahs auf Erden“ sein, indem sie verantwortlich handelten und für Gerechtigkeit einträten. Der Islam ist eine ausgeprägt monotheistische Religion. Die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit wird missverstanden und daher ausdrücklich als im Ansatz polytheistisch abgelehnt, ebenso jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes. Gott wird durch seine 99 wundervollen Namen beschrieben, die nur ihm alleine zustehen. Die Menschen können über Gott nur wissen, was er ihnen selbst in seiner Gnade offenbart hat, da es die menschliche Vorstellungskraft weit überschreitet, sich direkt ein Bild von Gott zu machen. Anders als Jesus Christus im Christentum ist Mohammed ein sterblicher Mensch, der jedoch von Gott als ein Prophet auserwählt wurde, um den Menschen die Wahrheit zu verkünden. Schon vor ihm habe eine Vielzahl anderer Propheten der Menschheit die göttliche Botschaft überbracht, jedoch sei diese immer wieder verfälscht worden, so dass der Koran die einzige wirklich verlässliche Quelle sei. Unter diesen Propheten finden sich sämtliche Propheten, die in der Bibel genannt werden, einschließlich Jesus (arabisch Isa). Außer ihm werden auch Abraham (Ibrahim), Moses (Musa) und Josef (Yusuf) im Koran erwähnt. Der Mensch ist im Islam nicht an die Vermittlung durch eine Institution gebunden, sondern jedes Individuum kann sich durch seine guten Taten und seine "Gottesfurcht" direkt einen Platz im Himmel verdienen – allerdings nur für sich selbst, nicht für andere. Somit wird die Eigenverantwortung jedes Einzelnen betont. Im Volksislam wird dieses Prinzip durch die Heiligenverehrung etwas aufgeweicht. Neben der Eigenverantwortung steht die Verantwortung für andere: Jeder Muslim ist verpflichtet, zu „gebieten, was recht ist“ und zu „verbieten, was verwerflich ist“ (amr bi-l-ma'rūf wa nahy ani l-munkar ) (mehrfach im Koran, z. B. in Sure 7, Vers 157). Dieser Grundsatz hat, durch den resultierenden Gruppendruck gegen „verwerfliches“ Verhalten, in der islamischen Geschichte zum einen die Gemeinschaft gestärkt, aber auch dafür gesorgt, dass der berühmte Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ in der Praxis nie wirklich relevant wurde. Siehe hierzu auch Hisba. Wer im Islam ehrliche Reue zeigt, kann immer zu Gott zurückfinden. Andererseits strebt der Islam auch auf Erden einen "Idealzustand" an. Dabei sollte man vielleicht eher von einem Zustand sprechen, der unter Berücksichtigung der Mängel und Unvollständigkeiten der Menschen möglichst nahe an den Idealzustand herankommt. Nach der Überlieferung war die frühislamische Gesellschaft ein solcher „Idealzustand“. Der wesentliche Unterschied zwischen „Fundamentalisten“ und „gemäßigten Muslimen“ besteht darin, dass erstere den damaligen Zustand als für alle Zeiten vorbildhaft betrachten. Gemäßigte Muslime glauben zwar auch, dass es die unter den damaligen Umständen in einer Gesellschaft von Wüstenomaden bestmögliche Annäherung war, betonen aber, dass die zu Grunde liegenden Ziele unter geänderten Bedingungen auch auf veränderte Weise angestrebt werden sollen.

Der Dschihad

Der Dschihad (arab. »sich bemühen, sich anstrengen, kämpfen«) ist ein wichtiges Glaubensprinzip. Seine Bedeutung im Islam ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad als sechste „Säule des Islam“ gerechnet werden sollte. Das „Bemühen auf dem Wege Gottes“ umfasst die eigene spirituelle und moralische Verbesserung, die Verbesserung des Gemeinwesens bzw. seiner Mitbrüder, und auch die Verteidigung des Glaubens mit der Waffe. Manche Muslime deuten Dschihad als Feldzug gegen ‚Ungläubige‘, also Nichtmuslime. In der Praxis sind damit oft die westlichen Industrieländer gemeint. Diese Interpretation wird zum Beispiel von Al-Qaida unter Osama bin Laden vertreten, jedoch von den einschlägigen Gelehrten des Islams und der breiten Basis abgelehnt.

Die Scharia

Unter Scharia (arab. »der Weg zur Wasserstelle«) versteht man das islamische Recht, d.h. die Gesamtheit von religiösen Regeln und Pflichten der Muslime (Gebet, Reinigung, Fasten, etc.) zum einen, und die Regelungen zwischenmenschlicher Beziehungen (Ehe- Kauf- Vertragsrecht usw.), ferner das Strafrecht (hudùd / 'uqùbât), aber auch das Kriegsrecht (siyar), d.h. die Regelung der Beziehungen zu der nichtmuslimischen Welt zum anderen. Im Sufismus (islamische Mystik) hat die Scharia den Stellenwert der Basis für den Weg des Gottessuchenden. Weitere Stationen sind in der Reihenfolge: Tariqa (der mystische Weg), Haqiqa (Wahrheit) und Ma'rifa (Erkenntnis).

Richtungen

Sunniten

Der Islam ist in mehrere Richtungen gespalten. Die Sunniten bilden mit etwa 90% die zahlenmäßig größte Gruppierung. Sie unterteilen sich wiederum in die sunnitischen Rechtsschulen der Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten.

Wahhabiten

Der Wahhabismus ist eine äußerst strenge Auslegung der hanbalitischen Rechtsschule der Sunniten, zum Zeitpunkt seiner Entstehung auch eine politische Strömung.

Schiiten

Die Schiiten sind die zweite große Richtung. Deren Hauptrichtung sind die so genannten Imamiten oder Zwölferschia, die vor allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und dem Libanon weit verbreitet sind. Weiter gibt es die Anhänger der Siebenerschia (Ismailiten), die vorwiegend auf dem indischen Subkontinent (Mumbai, Karatschi und Nordpakistan) sowie in Afghanistan und Tadschikistan leben. Die Zaiditen oder Fünferschia finden sich heute nur noch im Jemen.

Charidschiten

Die Charidschiten sind heute die kleinste Richtung des Islams, die heute noch bestehde Untergruppierung heißt Ibaditen. Sie leben vor allem in Südalgerien (Mzab), auf der tunesischen Insel Djerba und in Oman.

Sufismus

Wie fast alle Religionen bzw. religiöse Richtungen besitzt auch der Islam einen inneren (esoterischen) und einen äußeren (exoterischen) Aspekt. Die mystische innere Dimension des Islam ist der Sufismus (arabisch tasawwuf ). Der innere Aspekt wird auch Tariqa, der äußere Schari'a genannt. Nach Auffassung der Sufis gehören diese beiden Aspekte untrennbar zusammen, als Beispiel dient das Symbol einer Öllampe: Die Flamme der Lampe steht für Tariqa, also für die Essenz der Religion, die ohne das schützende Glas beim ersten Windhauch erlöschen würde. Das Glas, also die Hülle, steht für Schari'a, aber ohne eine Flamme hätte das Glas alleine als Lampe keinen Sinn. Von puritanischen Gruppen wie den Wahhabiten werden die Sufis oft als Ketzer bezeichnet und deswegen abgelehnt.

Weitere Gruppen

Weitere Gruppen sind die Aleviten und die Ahmadiyya. Aus dem schiitischen Islam haben sich auch die eigenständigen Religionen der Drusen, der Jesiden, des Babismus und die Religion der Baha'i entwickelt.

Geschichte

Die politische Geschichte des Islam und des Kalifats wird in eigenen Artikeln behandelt. Eine Herrscherliste bietet die Liste der Kalifen.

Gegenwart

Liste der Kalifen]] Heute ist der Islam in vielen Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas, Zentral- und Südostasiens verbreitet. Hauptverbreitungsgebiet ist dabei der Trockengürtel, der sich von der Sahara im Westen über den Nahen Osten und den Kaukasus bis nach Zentralasien im Osten zieht. Das bevölkerungsreichste muslimische Land ist Indonesien. Muslimisch geprägte Länder in Europa sind Bosnien und Herzegowina, der europäische Teil der Türkei und Albanien. Viele weitere Länder haben muslimische Minderheiten. Die Anhängerzahl des Islam wird auf zwischen 900 Millionen und 1,4 Milliarden geschätzt.

Islamische Konferenz

Die islamischen Länder sind in der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) organisiert, der auch einige Staaten mit größeren muslimischen Minderheiten angehören.

Umsetzung der Scharia

Seit der Kairiner Deklaration 1990 soll die Scharia wieder Basis der Gesetzgebung in allen islamischen Ländern sein. Die praktische Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich. in Tunesien beschränkt sich die Umsetzung nur auf das Zivilrecht, in Saudi-Arabien und Sudan hingegen kommt sie vollständig zur Geltung. In der Türkei wird die Scharia in der Rechtssprechung überhaupt nicht praktiziert. Allerdings sieht die soziale Realität in Teilen der Gesellschaft anders aus. So existiert z.B. die offiziell nicht anerkannte islamische Ehe. Zuweilen gilt die Scharia nur in islamisch dominierten Landesteilen (Nigeria). Besonders drakonische Strafen (Amputation, Steinigung), die oft international kritisiert werden, finden in relativ wenigen islamischen Ländern Anwendung und werden auch innerhalb des Islams teilweise kritisiert, weil dabei meist die in der Scharia vorgeschriebenen strengen Schutzbedingungen für Angeklagte außer Acht gelassen werden, so zum Beispiel die Pflicht, mindestens vier erwachsene männliche Muslime als Zeugen vorzuführen, welche die Tat selbst mit eigenen Augen gesehen haben. Es gibt allerdings hier eine Grauzone, z. B. bei sogenannten «Ehrendelikten» (beispielsweise Tötungen wegen Ehebruchs). Selbst in der laizistischen Türkei konnte bis vor kurzem noch bei solchen Delikten mit mildernden Umständen gerechnet werden. Erst 2004 wurde ein Gesetz durch das Parlament beschlossen, das so genannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Ein Bereich der Scharia, der wohl nur noch im Sudan und in Mauretanien existiert, ist die Sklaverei.

Wirtschaftliche und soziale Situation

Alle islamischen Staaten gehören zu den Schwellenländern oder Entwicklungsländern. Keines der Länder hat den Sprung zu einem Industrieland geschafft, was manche Forscher in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen der entsprechenden Länder bringen. Die arabischen Länder, wo der Islam seinen Ursprung hat, bestehen zudem im Wesentlichen aus Wüsten mit verhältnsmäßig wenigen fruchtbaren und bewohnbaren Flächen. Der Wassermangel behinderte, und erschwert auch heute, eine etwa mit Europa vergleichbare wirtschaftliche Entwicklung. Im Wirtschaftsleben besteht durch das Verbot Zinsen zu nehmen ein grundlegender Unterschied zum Kapitalismus westlicher Prägung. Nicht zuletzt waren die meisten muslimischen Länder Afrikas und Asiens bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von europäischen Kolonialmächten besetzt. Aber das derzeit mit Abstand größte hinderniss für einen wirtschaftlichen Aufstieg dieser kernregion des Islam ist der Analphabetismus: Laut dem Arab Human Development Report (AHDR) der UNO sind die Hälfte aller Frauen und ein Drittel aller Männer in der Arabischen Welt Analphabeten. 32 Millionen Menschen leiden an Unterernährung. Das Bruttosozialprodukt aller 22 Länder der Arabischen Liga (300 Millionen Einwohner) lag 1999 mit 531,2 Milliarden Dollar noch unter dem des christlichen Spanien (40 Millionen Einwohner) mit 595,5 Milliarden Dollar. Zehn Millionen Kinder unter 15 Jahren besuchen keine Schule. Fast 40 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Algerien sind arbeitslos, in Marokko und Ägypten jeweils 35 Prozent. In den meisten Staaten mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung sind autokratische Regierungen an der Macht. Die Reaktion auf diese Lage ist in manchen Ländern eine verstärkte Zuwendung der Bevölkerung zu islamistischen Gruppierungen, zumal diese sich stark im sozialen Bereich einsetzen. Der militante Islam (der Islamismus) spiegelt nach dem früheren deutschen Außenminister Klaus Kinkel, "die wirtschaftliche, politische und kulturelle Enttäuschung" der Muslime wider.

Die Heiligen Städte des Islam

Im Islam gilt eine Vielzahl von Städten als heilig, wobei dreien eine besondere Bedeutung zukommt: Zuerst natürlich Mekka als Geburtsort Mohammeds mit der Kaaba als zentralem Heiligtum des Islam, das die Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt. Darauf folgt mit Medina, nördlich von Mekka gelegen, der Ort, an dem der Islam erste politische Wirkungskraft entfaltete, und schließlich Jerusalem, das nach muslimischer Überlieferung die erste Qibla-Richtung vorgab und der Ort ist, den die Muslime als geographische Position der im Koran (Sure 17, „Die nächtliche Reise“) erwähnten al-Aqsa-Moschee definiert haben. Daneben gibt es eine große Zahl an Wallfahrtsorten unterschiedlicher Bedeutung. Meist handelt es sich dabei um Grabstätten, etwa von Gefährten Mohammeds, der Imame der Schia oder von Sufi-Scheichs. Führend in der Zahl heiliger Orte ist vermutlich der nordafrikanische Volksislam mit unzähligen Grabstätten von Marabuts. Abgesehen von den ersten drei heiligen Stätten ist der Status der «heiligen» Städte - wie die Heiligenverehrung selbst - im Islam ein äußerst kontroverses Thema. Marabut]] Jerusalem stellt in der Liste der heiligen Städte insofern einen Sonderfall dar, als sich der aus dem Koran hergeleitete Anspruch historisch nicht belegen lässt. Trotzdem ist er für Muslime einhellig eine Glaubenswahrheit, was ihn in der praktischen Auswirkung einer „historischen Wahrheit“ gleichstellt.

Der Islam und andere Religionen

Der Islam unterscheidet bei seiner Betrachtung Andersgläubiger zwischen monotheistischen und polytheistischen Religionen. Juden, Christen und Johanneschristen haben eine Sonderstellung als "Leute der Schrift", wie sie im Koran genannt werden. Im islamischen Staat haben sie die Stellung der sogenannten "Dhimmi", die eine Schutzsteuer entrichten müssen, dafür weder die gesetzliche Armensteuer zahlen müssen, noch in der Armee dienen müssen. Ihnen muss vom Staat gewährleistet werden, dass ihnen Gotteshäuser zur Verfügung gestellt werden und sie ihre Religion frei ausüben können. Trotz der Aussage "kein Zwang im Glauben" [Koran: Sure 2 Vers 256] werden nach der Scharia Polytheisten nicht geduldet, siehe dazu auch Glaubensfreiheit im Islam. Der Islam teilt die Welt in zwei Gebiete, zum einen das "Gebiet des Islam" (Dar al-Islam) in dem der Islam schon herrscht und das "Gebiet des Krieges" (Dar al-Harb), die übrige Welt dessen Bewohner noch mittels oft kriegerischer Mittel, von den Vorzügen des Islams "überzeugt" werden müssen.

Siehe auch


- Euroislam
- Liste islamischer Begriffe auf Arabisch
- Islamische Organisationen in Deutschland
- Islamische Organisationen in Österreich
- Islamische Organisationen in der Schweiz
- Kein Zwang im Glauben - zur Religionsfreiheit im Islam
- Islamischer Kalender
- Berühmte Muslime
- Islamismus
- Fiqh

Literatur

Übersetzungen und Literatur zum Koran und den Hadithen finden sich in den entsprechenden Artikeln und werden deshalb hier nicht aufgeführt.

Grundwissen


- Ralf Elger (Hrsg.): Kleines Islam-Lexikon. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47556-6
- Ralf Elger: Islam. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2002, ISBN 3-596-15368-9
- Gerhard Endreß: Der Islam. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1997 (C.H. Beck Studium), ISBN 3-406-42884-3
- John L. Esposito: Von Kopftuch bis Scharia. Was man über den Islam wissen sollte. Leipzig 2004 (Reclam Leipzig), ISBN 3-379-20105-7
- Richard Hartmann: Die Religion des Islam. Berlin 1944 - Nachdruck Wiss. Buchgesellschaft 1992, ISBN 3-534-80132-6
- Malise Ruthven: Der Islam. Eine kurze Einführung. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-018057-0
- Udo Schaefer: Glaubenswelt Islam. Eine Einführung. Religionswissenschaftliche Texte und Studien, Band 7. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2002, ISBN 3-48710-159-9
- Annemarie Schimmel: Die Religion des Islam. Eine Einführung. Reclam, Stuttgart 1990, ISBN 3-15-008639-6
- Montgomery W. Watt: Der Islam. 3 Bände. Kohlhammer, Stuttgart 1980-1990 (Band 2: ISBN 3-17-005707-3)
- Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, GTB 786, 5. Auflage 1996, ISBN 3579007866

Geschichte


- Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert der Hidschra. Springer, Berlin 1991-1995 (sechs Bände)
- Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Heinz Halm: Der Islam. Geschichte und Gegenwart. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-519172
- Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14118-0
- Marcel Rebiai: Islam, Israel und die Gemeinde Schleife 2004, ISBN 3-907-82742-2
- Hans Küng: Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft. München/Zürich 2004, ISBN 3-492-04647-9
- Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37981-8
- Albrecht Noth, Jürgen Paul (Hrsg.): Der islamische Orient. Grundzüge seiner Geschichte. Ergon, Würzburg 1998, ISBN 3-932004-56-6

Verhältnis zum Westen und aktuelle Probleme


- Adel Theodor Khoury: Der Islam und die westliche Welt. Primus Verlag, ISBN 3-89678-437-4
- Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen. Goldmann-Verlag, 2002, ISBN 3-442-15190-2
- Mark A. Gabriel: Islam und Terrorismus. Resch, Lake Mary/Florida 2004, ISBN 3-935197-39-X
- Bat Ye'or: Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam. Resch-Verlag, Gräfelfing 2002, ISBN 3-935-19719-5

Weblinks


- [http://www.islam.de/72.php Darstellung des Islam durch den Zentralrat der Muslime in Deutschland]
- [http://www.bpb.de/publikationen/5IY8HR,0,0,Der_Islam.html „Der Islam“ von der Bundeszentrale für politische Bildung]
- [http://wwwuser.gwdg.de/~mriexin/euroislam.html Der Islam in Westeuropa-Linkliste] ja:イスラム教 ko:이슬람교 ms:Islam simple:Islam th:ศาสนาอิสลาม

Koran

Der Koran ( ) ist eine arabische Parallelbildung zu dem syrischen qeryânâ für "Perikopenlesung". Er ist die heilige Schrift des Islam, die gemäß dem Glauben der Muslime Gottes wörtliche Offenbarung an Muhammad, vermittelt durch den Erzengel Gabriel, enthält. Der Koran besteht aus 114 mit Namen versehenen Suren, von denen 113 mit der Basmala (bi-smi llāhi r-rahmâni r-rahīm Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen) anfangen. Der Koran entstand in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahrzehnten. Nach dem Ort der Offenbarung wird zwischen mekkanischen und medinischen Suren unterschieden. Die Suren bestehen aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen wobei die Suren - bis auf die erste - fast durchgehend immer kürzer werden. Der Koran ist die Hauptquelle des islamischen Gesetzes, der Schari'a, weitere Quelle ist die Sunna.

Entstehungsgeschichte des Textes

Die Entstehung des Korans wird in der islamischen Tradition folgendermaßen geschildert: Der Koran wurde von den Anhängern Mohammads von Anfang an schriftlich festgehalten, zunächst als Sammlungen von losen Blättern. Zusätzlich gab es immer eine ganze Reihe von Muslimen, die den bis dahin vorhandenen Text komplett auswendig beherrschten. Sobald Mohammad ein weiterer Text offenbart wurde, war dies in der damaligen Gemeinschaft der Muslime Gegenstand höchster Aufmerksamkeit - wegen der zum Teil unmittelbaren Auswirkungen auf den Alltag, beispielsweise beim Alkoholverbot. Mohammad trug jede Erweiterung zunächst den Männern der Gemeinde vor und danach einer Versammlung der muslimischen Frauen. Vor dem Tod des Propheten war die Schriftsammlung abgeschlossen, und nach Abstimmung mit allen, die den Koran sowohl mündlich (Hifz) als auch schriftlich bewahrt hatten, entstand auf Anordnung des dritten Kalifen Uthman ibn Affan (644-656) der erste offizielle, gebundene Koran ( mushaf). Damals hatte die arabische Schrift noch keine Vokalzeichen und keine Punkte, durch die in der heutigen arabischen Schrift einige ansonsten gleich aussehende Konsonanten unterschieden werden; deshalb war das mündliche Beherrschen des Textes wichtig, und die Schriftform diente vor allem als Gedächtnishilfe. Mindestens fünf Abschriften wurden versandt, und zwar nach Medina, nach Mekka, nach Kufa, nach Basra und nach Damaskus. Gleichzeitig erging die Anordnung, alle privaten Koranaufzeichnungen zu verbrennen. Man nahm früher an, dass die Abschrift, die nach Medina gesandt wurde, sich heute in Taschkent befindet und ein zweites Exemplar im Topkapi Museum in İstanbul verwahrt wird. Beide Exemplare sind aber in kufischer Schrift, die sich in das 9. Jahrhundert n.Chr. datieren lässt, aufgeschrieben worden und somit wohl 150 bis 200 Jahre nach ihrem Original entstanden. Siehe auch: Geschichte des Korantexts

Wirkung

Der Koran bildete die Grundlage für zahlreiche Zweige der arabischen Wissenschaft. Seine Sprache beeinflusste stark die Entwicklung der arabischen Grammatik – neben den erhaltenen Fragmenten der vorislamischen Dichter galt und gilt das koranische Arabisch als Richtschnur für die Korrektheit sprachlicher Ausdrücke. Aus dem Bedürfnis nach Auslegung (Exegese) des Offenbarungsinhalts entwickelte sich die ilm at-tafsir, die Wissenschaft der (Koran)-Interpretation. Ausführliche, oft Dutzende Bände füllende Kommentarwerke sind vom 2. muslimischen Jahrhundert an entstanden; zu den berühmtesten zählen die von 'Abd al-Razzâq al-San'ânî, al-Baghawî, Ibn Abî Hâtim, Tabari, Qurtubi, Risale-i Nur, Ibn Kathir und andere. Auch westliche Kommentatoren liefern immer wieder Beiträge zum Versuch, den Koran zu deuten und zu verstehen. Ungewöhnliche, aber auch sehr umstrittene Interpretationsansätze liegen zum Beispiel von dem deutschen Philologen Christoph Luxenberg vor, der u.a. eine neue Interpretation der Jenseitsbeschreibungen im Koran vorstellt. Es handelt sich bei den Ausführungen von Luxenberg um eine einzelne, sehr spezielle, und in der Fachwelt äußerst umstrittene Position.

Anordnung der Suren

Name, Anzahl der Verse und Offenbarungsort -- Mekka oder Medina -- werden gewöhnlich im Titel der Suren gedruckt. Danach folgt (außer in Sure 9) jeweils die Eröffnungsformel "Bismillahi 'r-Rahmani 'r-Rahim" (anhören): Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers, die so genannte Basmala. Diese wird - außer bei der ersten Sure (die Eröffnungssure ) - nicht als Vers mitgezählt. Lediglich bei der Ahmadiyya-Ausgabe wird die Eröffnungsformel als erster Vers mitgezählt, wodurch sich die Zählung der folgenden Verse jeweils um einen Vers verschiebt. Die im Arabischen übliche Zitierweise des Korans ist "<Name der Sure>, <Versnummer>"; im Westen ist dagegen "Koran, Sure <Surennummer>:<Versnummer>" üblich. Diese Zitierweise ist auch in Studien in arabischer Sprache nunmehr verbreitet. Die heutige Anordnung der Suren in der Druckausgabe von al-Azhar von 1923-1924 geht der traditionellen, jedoch wissenschaftlich nicht gesicherten Auffassung nach auf die Redaktion des dritten Kalifen Uthmân ibn Affân zurück. Allerdings verzeichnet die arabisch-islamische bibliographische Literatur noch im späten 10. Jahrhundert unterschiedliche Surenanordnungen der Kodices, ein Umstand, der eine einheitliche, auf den Propheten Mohammed zurückgehende Surenabfolge mehr als fraglich erscheinen läßt. Die Handschriftenfunde in der Großen Moschee von San'a bestätigen, daß Korankodices aus dem ersten muslimischen Jahrhundert erhebliche Unterschiede in der Orthographie, in den Lesarten und Surenanordnungen aufweisen. Siehe auch: Liste der Koransuren

Rolle des Korans im islamischen Leben

Der Koran wird schon heranwachsenden Kindern beigebracht. Der Koran erfährt von Muslimen höchste Wertschätzung. So werden Koranausgaben zum Beispiel von vielen Muslimen nur berührt, wenn sie sich im Zustand der rituellen Reinheit (Tahāra) befinden. Auch wird man in den Wohnungen vieler Muslime kein Buch finden, das im Raum an einer höheren Stelle untergebracht ist, als der Koran. Der Text wird oft bis in die kleinste Einzelheit studiert, wobei für Muslime jedes Detail, jeder Buchstabe und jeder Punkt als von Allah unmittelbar so geoffenbart verstanden wird und deshalb als unendlich wichtig verstanden wird. In den regelmäßigen Gebeten ist die erste Sure Al-Fatiha fester Bestandteil, andere Suren oder Teile davon werden den ersten beiden Gebetseinheiten hinzugefügt. Darüber hinaus wird der Koran auch privat studiert, rezitiert, und live oder von Kassetten oder CDs angehört. Kassetten von einigen bekannten Rezitatoren sind in der ganzen islamischen Welt erhältlich. Es gab schon zu Zeiten des Propheten Muhammad bis heute immer eine grosse Zahl von Muslimen, die den Koran komplett und wortwörtlich auswendig konnten (genannt Hafiz), viele weitere beherrschen ihn zumindest teilweise. In der Wertschätzung gläubiger Muslime steht ein solcher auswendiger Vortrag an höchster Stelle.

Hürden bei der ersten Annäherung an den Koran

Nicht-Muslimen erscheint der Koran auf den ersten Blick oft sperrig. Während viele Muslime nicht verstehen, dass der westliche Leser bei seiner Lektüre nicht sofort vollauf begeistert ist, gerät dieser, wenn er zum ersten Mal den Koran in die Hand nimmt und "vorne" anfängt zu lesen, häufig sofort in eine erste Schwierigkeit. Da am Anfang vor allem längere Suren stehen, stößt der Leser zu Anfang auf die längeren medinischen Suren, die später entstanden sind. In ihnen werden eher Fragen des Zusammenlebens wie zum Beispiel Erbschaftsangelegenheiten oder das Verhalten bei Geschäften untereinander geregelt. Die früheren, mekkanischen Suren, in denen in bildgewaltiger, poetischer Sprache gesprochen wird und die oft nur wenige Zeilen umfassen, stehen am Ende des Koran. Deswegen empfielt es sich für eine erste Annäherung durchaus, nach westlichem Verständnis "von hinten" bei der 114. Sure "An Nas" anzufangen und sich dann nach vorne durchzuarbeiten. Für Johann Wolfgang von Goethe war der Koran ein Buch, "das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt." Was ihm nicht gefiel: Die nachgeordnete Stellung der Frau, das Weinverbot und die Anfeindung der Poesie (Katharina Mommsen: Goethe und der Islam; Insel Verlag, Frankfurt am Main 2001).

Koranübersetzungen

Siehe auch: Koranübersetzung Eine wirkliche Übersetzung des Korans gilt in der traditionellen islamischen Theologie als unmöglich, da jede Übersetzung zugleich eine Interpretation beinhaltet. Daher wird das Studium des Korans im arabischen Originaltext empfohlen. Einige Sufis zum Beispiel glauben, es sei segensreicher, sich die arabischen Buchstaben eines Korantextes anzuschauen, auch wenn man kein arabisch versteht, als eine schlechte Übersetzung zu lesen. Der Orientalist Friedrich Rückert hat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Teile des Koran in gebundener Sprache ins Deutsche übertragen. Rückerts Übersetzung ist für ihre sprachliche Ausdrucksstärke berühmt, die so viel wie möglich vom Klang des koranischen Arabisch ins Deutsche hinüberzuretten versucht. Als Manko dieser Übersetzung wird von vielen Lesern allerdings empfunden, dass Rückert nach eigenem Ermessen Textstellen einfach ausgelassen hat, so dass auf der Grundlage dieser Übersetzung kein vollständiges Bild vom Koran gewonnen werden kann. Tilman Nagel setzt demgegenüber bei verschiedenerlei zu verstehenden Passagen die zusätzlichen Übersetzungsmöglichkeiten in Klammern dahinter. Trockener und schwerer lesbar, dafür vollständig und auch näher am Text bleibt die moderne wissenschaftliche Übersetzung von Rudi Paret, die in Fachkreisen als die philologisch zuverlässigste gilt. Daneben existieren die Ahmadiyya-Übersetzungen (zweisprachige Ausgaben mit dem arabischen Originaltext auf jeder geraden Buchseite in über 50 Sprachen), sowie Übersetzungen des arabisch-christlichen Theologieprofessors Adel Khoury (traditionsgebunden, vom Islamischen Weltkongress unterstützt), von Lazarus Goldschmidt, von Ahmad von Denffer und von Max Henning (Reclam). Der Umgang mit dem Ahmadiyya-Koran und der Goldschmidt-Übersetzung ist nicht unumstritten. Bei den Ahmadiyya handelt es sich um eine von anderen muslimischen Gruppen nicht als muslimisch anerkannte Gruppe, deren Glaubensvorstellungen angeblich den Islam mit Elementen des Buddhismus und Hinduismus vermischen. Goldschmidt wiederum wird von arabischen Moslems mangelnde Neutralität vorgeworfen, weil er Jude ist. Die Henning-Ausgabe ist aktuell von Murad Wilfried Hofmann überarbeitet und behutsam und zurückhaltend mit Anmerkungen versehen worden. Eine zeitgenössische Übersetzung, die auch den arabischen Text und gleichzeitig zu jedem Vers eine Auswahl aus wichtigen, ins Deutsche übersetzten Kommentaren bringt, wurde von einer Gruppe deutschsprachiger Musliminnen unter Leitung von Fatima Grimm unter dem Titel Die Bedeutung des Koran herausgegeben. Eine weitere Übersetzung hat Muhammad Rassoul unter dem Titel "Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur'an Al-Karim" bei der Islamischen Bibliothek veröffentlicht.
- Der Koran. Übersetzung von Adel Khoury. Gütersloh 1987 (2001, 3. Auflage).
- Der Koran. Übersetzung von Rudi Paret. Stuttgart 1966 (2004, 9. Auflage).
- Hartmut Bobzin (Hg.): Der Koran in der Übersetzung von Friedrich Rückert, 4. Aufl., Würzburg 2001.
- Die Bedeutung des Koran. SKD Bavaria Verlag, München, 2.Aufl. 1998 (5 Bände). ISBN 3-926575-40-9.
- Der Koran. Übersetzung von Max Henning. Stuttgart 1960. Überarbeitet und leicht kommentiert von Murad Wilfried Hofmann, Diederichs 3.Aufl. 2001.

Literatur


- Bobzin, Hartmut (2004). Der Koran: Eine Einführung (5. Aufl.). München: Beck. ISBN 3-406-43309-X
- Cook, Michael (2002). Der Koran: Eine kurze Einführung. Stuttgart: Reclam. (Orig. ersch. 2000)
- Hoffmann, Murad (2002). Koran. München: Diederichs. ISBN 3-7205-2316-0
- Luxenberg, Christoph (2000). Die syro-aramäische Lesart des Koran. Berlin: Verlag Das Arabische Buch. ISBN 3-89930-028-9
- Nagel, Tilman (1983). Der Koran: Einführung - Texte - Erläuterungen. München. ISBN 3-406-43886-5
- Nöldeke, Theodor: Geschichte des Qorans.
- —— (1909). Über den Ursprung des Qorans. Leipzig.
- —— (1919). Die Sammlung des Qorans. Leipzig.
- —— (1938). Die Geschichte des Qorantextes. Leipzig.
- Watt, William Montgomery (1967). Companion to the Qur'an, based on the Arberry translation. London.

Siehe auch


- Portal:Religion
- Portal:Islam

Weblinks

Der Koran Online


- [http://gutenberg.spiegel.de/anonymus/koran/inhalt.htm Projekt Gutenberg: Der heilige Koran]
- [http://www.islam-basis.de/index.php?option=com_quran&Itemid=119 Koranmodul mit Suchfunktion in deutscher und arabischer Sprache]

Links zum Thema Koran


- http://www.tafsir.com Der Tafsir gemäß der im Artikel erwähnten Tafsir-Wissenschaften unter anderem von Ibn Kathir; englisch
- [http://www.wiko-berlin.de/kolleg/projekte/AKMI/hermeneutik/korangenese?hpl=1 Wissenschaftskolleg Berlin: Symposiumsbericht] u.a. zu Luxenbergs Thesen Kategorie:Islam ! Kategorie:Literarisches Werk ja:クルアーン ko:코란 ms:Al-Quran simple:Qur'an th:อัลกุรอาน

Dar al-Harb

Der arabische Begriff Dār al-Harb ( dāru l-harb) heißt wörtlich übersetzt „Haus" oder besser "Gebiet des Krieges“ und bezeichnet alle nicht unter islamischer Herrschaft stehenden Gebiete der Welt. Weitestgehend mit gleicher Bedeutung wird auch der Begriff Dar al-Kufr (), wörtlich „Gebiet des Unglaubens“ gebraucht. Im Gegensatz dazu werden Gebiete unter islamischer Herrschaft Dar al-Islam () genannt. Kriegszüge gegen den Dār al-Harb werden aus traditioneller Sicht des Islam nicht als Kriege betrachtet und deshalb auch nicht als Kriege, sondern als Öffnungen ( Futuhat) bezeichnet. Nach traditioneller islamischer Auffassung kann es keinen Salam (Frieden) mit dem Dār al-Harb geben, sondern nur eine zeitlich begrenzte Waffenruhe Hudna. Kriege gegen den Dār al-Harb werden traditionell als Dschihad bezeichnet, siehe dazu auch Geschichte des Begriffs Dschihad. Derjenige, der den Dschihad betreibt, wird als Mudschahid (), pl. Mudschahidun (), bzw. im Genitiv und Akkusativ Mudschahidin () bezeichnet. Der Dschihad ist eine Pflicht der Gesamtheit der Muslime, nicht des individuellen Muslims (fard kifâya). Wer während des Dschihad getötet wird, geht als Schahid (), wörtlich übersetzt „Zeuge, Märtyrer“ unmittelbar in den Himmel ein, wo er von den so genannten Paradiesjungfrauen (Huri) und anderen Freuden umgeben ist. Eigentlich ist es nach ursprünglicher Auffassung einem Muslim verboten, im Dār al-Harb zu leben und er muss, wenn es ihm irgend möglich ist, von dort in den Dar al-Islam auswandern (Hidschra, „Auswanderung“, wie einst der Prophet Mohammed aus Mekka, als es noch nicht islamisch war, ins islamische Medina). In späterer Zeit wurden Begriffe wie Dar as-Sulh (Gebiet mit Friedensvertrag) und gleichbedeutend Dar al-'Ahd geschaffen. Sie bezeichneten Gebiete, die einen Vertrag mit dem Dar al-Islam geschlossen hatten und tributplichtig waren. Aus diesen Gebieten mussten Muslime auch nicht zwingend auswandern. Nach der britischen Eroberung Indiens erklärten Relgionsgelehrte wie Shâh 'Abdul'azîz Dihlawî, dass jedes Land, in dem die Muslime ihre Religion praktizieren dürfen, als Dar al-Aman (Gebiet mit Sicherheitsgarantie) zu betrachten sei, womit die Pflicht zu Dschihad oder Auswanderung entfalle. In diesem Sinne betrachteten nach der Teilung Indiens 1947 viele Muslime Indien als Dar al-Aman. Viele indische Muslime blieben aber der traditionellen Auffassung treu und wanderten nach Pakistan aus („Muhadschirun“). Diese späteren Begriffe sind aber umstritten, da die islamischen Madhhabib etwa seit dem 11. oder 12. Jahrhundert jegliche Neuerungen ablehnen. Genaueres über Neuerungen steht im Artikel Fiqh. Siehe auch: Liste islamischer Begriffe auf Arabisch, Dār as-Salām kategorie:islam

Dar al-Islam

Dār al-Islām (Deutsch: Haus des Islam) bezeichnet im islamischen Recht das Gebiet der Muslime, d.h. das Gebiet der islamischen Länder, im Gegensatz zum nichtislamischen Dār al-Harb "Gebiet des Krieges". Die klassische und fundamentalistische Position sieht nur Gebiete, in denen die Scharia herrscht, als Dār al-Islām an. Synonym wird manchmal der Begriff Dār as-Salām gebraucht. Kategorie:Islam

Staatsräson

Der Begriff der Staatsräson zielt von seiner Idee her auf ein Streben nach Sicherheit und Selbstbehauptung des Staates um jeden Preis und mit allen Mitteln ab. Nach Wolfgang Kersting stellt er eine "Rangordnungsregel für Interessens- und Rechtskollisionen" dar. Die Berufung auf diese Perspektive rekurriert zumeist auf die klassische Trias von voluntas, necessitas und utilitas als Legitimationsgrößen zugunsten staatlicher Handlungen. Die Staatsräson ist in diesem Sinne als ein vernunftgeleitetes Interessenskalkül einer Staatsführung, unabhängig von der Regierungsform zu verstehen, dem einzigen Leitsatz der Aufrechterhaltung eines funktionierenden Staatsgebildes verpflichtet. Das Lexikon der Politik definiert den Begriff "Staatsräson" als ein "in der italienischen Renaissance (vor allem Machiavelli) erstmals auf den Begriff gebrachtes, grundsätzliches Orientierungs- und Handlungsprinzip, welches die Erhaltung des Staates bzw. der staatlichen Autorität und / oder sogar deren Steigerung zur entscheidenden politischen Maxime erklärt..." Demgegenüber bietet das Wörterbuch zur Politik drei verschiedene Definitionen der Staatsräson: Als erstes wird Staatsräson als "Vorrang der Staatsinteressen vor allen anderen Interessen" interpretiert, eine zweite Definition sieht Staatsräson als "Staatsnotwendigkeit, im Gegensatz zur individuellen Vernunft und Notwendigkeit". Eine dritte und letzte Unterscheidung erkennt in ihr einen "Grundsatz, dem zufolge oberster Maßstab staatlichen Handelns die Wahrung und Vermehrung des Nutzens des Staates ist, auch unter Inkaufnahme der Verletzung von Moral und Rechtsvorschriften". Die Idee der Staatsräson ist direkt entgegengesetzt zur Philosophie des deutschen Grundgesetzes, welches Menschen und nur ihnen einen primären und unantastbaren Rechtsstatus zugesteht und nur dort Notwendigkeit zur Regulierung sieht, wo es Interessenkonflikte zwischen Menschen gibt. Dem Staat selbst wird kein Rechtsstatus zugestanden, der einem Menschen ebenbürtig oder sogar überlegen sei. Die Idee der Staatsräson aber sieht den Staat als mindestens ebenbürtig zu wenn nicht höherwertig gegenüber einem Menschen an, sodass es nach dieser Philosophie im Falle von Konflikten zu Entscheidungen kommen kann, die den abstrakten Staat bevorteilen, konkrete Menschen aber benachteiligen. Der Terminus der Staatsräson, auch ratio status, ragione di stato, raison d`état oder reason of state genannt, ist zum Synonym für eine politische Klugheitslehre, eine Strategie des "prudenter loco et tempore" geworden.

Literatur


- Herfried Münkler: Im Namen des Staates. Die Begründung der Staatsräson in der Frühen Neuzeit, Frankfurt/Main 1987
- Herfried Münkler: Staatsräson und politische Klugheitslehre. In: Iring Fetscher/Herfried
- Münkler (Hrsg.): Pipers Handbuch der politischen Ideen. Band 3, München und Zürich 1985, ISBN 3492029531
- Wolfgang Kersting: Niccolò Machiavelli. 2. Auflage, München 1998
- Maurizio Viroli: From Politics to Reason of State, Cambridge 1992, ISBN 0521414938

Weblinks


- http://www.diplomarbeiten24.de/rd/vorschau/10897.html Kategorie:Politischer Begriff

Selbstmordattentäter

Ein Selbstmordattentat ist ein Anschlag auf eine oder mehrere Personen oder Objekte, wobei der Verlust des eigenen Lebens planmäßig in Kauf genommen wird.

Klassifizierungen

Unterschieden wird in der Art, wonach der eigene Tod eintritt:
- Dem 'klassischen' Selbstmordattentat, bei dem sich der Täter im gleichen Moment mit den Opfern tötet. Meist erfolgt dies durch Sprengstoff, der am Körper , z.B. in einen Sprengstoffgürtel, oder in einem Fahrzeug gelagert ist und vom Attentäter gezündet wird. Dieses klassische Selbstmordattentat wurde erst Anfang der 1980er Jahre im Umfeld der späteren Hizbollah im Libanon entwickelt und verbreitete sich dann von dort aus in die Welt.
- Einem Attentat, bei dem er sich nach selbigem tötet.
- Einem Attentat bei dem der vom (vermeintlichen) Haupt-Täter getragene Sprengsatz von einem Mittäter mit einer Fernsteuerung oder durch einen Zeitzünder zur Explosion gebracht wird. (z.B. bei den sog. schwarzen Witwen). Dies kann mit oder ohne Wissen des Haupt-Täters erfolgen, dem dabei zumindest teilweise auch eine Opferrolle zukommen kann.
- Einem Angriff, bei dem der Täter von anderen getötet wird, umgangssprachlich Himmelfahrtskommando genannt. Weiterhin unterscheidet man noch den Zweck des Selbstmordattentats:
- eine starke Wirkung in der öffentlichen Meinung zu erzeugen.
- im Rahmen der dafür interpretierten Religion, ein Märtyrertum zu erlangen, das ein "Leben im Paradies" schaffen soll.
- Darüber hinaus entfällt bei einem Selbstmordattentat der hohe logistische Aufwand, sein Leben während und nach dem Attentat zu schützen und sich selbst unverletzt vom Anschlagsort zu entfernen. Gleichzeitig erzielt dies eine höhere Wirkung des Attentats. Manche Anschläge wären anders gar nicht durchführbar gewesen, wie z.B. die Anschläge auf das World Trade Center in New York 2001.
- Außerdem hat ein Selbstmordattentat für die Hintermänner den Vorteil, dass "keine Gefangenen gemacht werden", die Ermittlungen sind dadurch entsprechend erschwert und häufig auf Festnahmen bei mißlungenen Selbstmordattentaten beschränkt. Selbstmordattentäter folgen häufig einem vermeintlich höheren Ziel und sehen sich selbst als Widerstands- oder Glaubenskämpfer.

Wurzeln und Geschichte

Frühe Selbstmordattentate gab es in der Antike bei den Circumcellionen in Nordafrika und im Mittelalter bei den Assassinen im vorderen Orient. Im Alten Testament im Buch der Richter, Kapitel 16 wird ein Selbstmord von Samson beschrieben, bei dem über 3000 Männer und Frauen starben. Manche sehen in diesem Selbstmord, der ursächlich für den Tod vieler war, unter Vernachlässigung der Umstände ein Selbstmord-Attentat. Im 20. Jahrhundert haben zunächst während des 2. Weltkrieges die Angriffe der japanischen Kamikazeflieger wie auch das deutsche Projekt Selbstopfer von sich reden gemacht. Die Märtyrerangriffe der Bassidschis während des ersten Golfkrieges zwischen dem Irak und den Iran waren der Ausgangspunkt zur Entwicklung des klassischen Selbstmordattentats im Libanon ab 1982

Geschichte des klassischen Selbstmordattentats

Das klassische Selbstmordattentat wurde in den Jahren 1982 und 1983 während des libanesischen Bürgerkrieges von schiitischen Gruppen entwickelt, aus denen später die Hisbollah hevorging. Die Hisbollah verwendet Selbstmordattentate nur sehr gezielt und sparsam und hat ein System zur Versorgung der Angehörigen der Selbstmordattentäter entwickelt, die einen hohen sozialen Status genießen. Dies wird auch durch aufwändige Propaganda erreicht, wie etwa "Märtyrervideos" und "Märtyrerplakate". Die Selbstmordattentate der Hisbollah führten zum Rückzug der US-Amerikaner und Franzosen aus dem libanesischen Bürgerkrieg und später zum Rückzug Israels aus dem Südlibanon. Die Tamil Tigers in Sri Lanka übernahmen ab 1987 Selbstmordattentate, wobei das erste eine recht genaue Kopie des Anschlags auf das US-Hauptquartier in Beirut 1983 war. 1991 töteten die Tamil Tigers Rajiv Gandhi durch ein Selbstmordattentat. Der ceylonesische Oppositionsführer Gamini Disanyake wurde 1994 durch ein Selbstmordattentat getötet. Chandrika Bandaranaike Kumaratunga überlebte 1999 ein Selbstmordattentat, verlor dabei jedoch ein Auge. In Kaschmir wurden 1989 die ersten Selbstmordattentate begangen, ohne sich jedoch stark auszubreiten. Ab 1993 wurden Selbstmordattentat auch unter Palästinensern populär, wobei die ersten Attentate vom Islamischen Dschihad durgeführt wurden. Bald jedoch folgten auch andere Gruppierungen wie etwa die Hamas. Bis heute wurden bei etwa 140 Anschlägen die Täter und weitere 500 Menschen getötet und über 3 000 Personen -zum Teil schwer- verletzt. In Tschetschenien oder von Tschetschenen in Russland wurden Selbstmordattentate etwa seit dem Jahre 2000 begangen. Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA machten Selbstmordattentate schlagartig zum Zentrum der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Seit dem Jahre 2002 werden Selbstmordattentate in immer weiteren Ländern verübt, darunter auch Afghanistan, Marokko, die Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien. Seit dem Einmarsch der US-Amerikaner in den Irak 2003 wird das Land immer mehr zum weltweiten Schwerpunkt von Selbstmordattentaten.

Maßnahmen

In Israel wurden bis vor kurzem die Häuser von Angehörigen von Selbstmordattentätern zerstört.

Literatur


- Christoph Reuter: Mein Leben ist eine Waffe: Selbstmordattentäter, Psychogramm eines Phänomens. Bertelsmann, 2002. ISBN 3-570-00646-8
- Christoph Reuter: Selbstmordattentäter: warum Menschen zu lebenden Bomben werden. Goldmann, 2003. ISBN 3-442-15240-2
- Joseph Croitoru: Der Märtyrer als Waffe: die historischen Wurzeln des Selbstmordattentats. Hanser, 2003. ISBN 3-446-20371-0
- Gerhard Scheit: Suicide Attack: Zur Kritik der politischen Gewalt. Ca ira Freiburg, 2004.

Siehe auch


- Attentat
- Selbsttötung
- erweiterter Suizid
- Terrorismus
- Smertnizy

Weblinks


- [http://www.amconmag.com/2005_07_18/article.html The Logic of Suicide Terrorism]
- [http://www.akdh.ch/terrorismus_extremismus.htm Abhandlung über die Psyche von Selbstmordattentätern] Kategorie:Terrorismus

Geschichte des Begriffs Dschihad

Der Begriff Dschihad hatte in der Geschichte des Islams nicht immer die gleiche Bedeutung. Im Koran kommt das Wort Dschihad nur viermal vor. Zweimal bezeichnet es kriegerisches Handeln (9, 24 und 60, 1), einmal friedliches Handeln (25, 52) und in einem Fall ist es unklar worauf es sich bezieht (22, 78). Eine Deutung aus dem jeweiligen Vers allein macht jedoch noch nicht deutlich, worauf sich das Wort Dschihad bezieht. Erst eine umsichtige Übersetzung, wie die von Rudi Paret, oder eine Auslegung zeigt die Bedeutung des Wortes. Diese mangelnde Klarheit wird aber durch viele andere Koranverse ausgeglichen, die klar sagen, dass Krieg gegen Nichtmuslime äußert verdienstvoll sei, etwa Sure 4, 95 (nach Paret). „Diejenigen Gläubigen, die daheim blieben (statt in den Krieg zu ziehen) - abgesehen von denen die eine (körperliche?) Schädigung (als Entschuldigungsgrund vorzuweisen) haben -, sind nicht mit denen gleich(zusetzen), die mit ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person um Gottes willen Krieg führen. Gott hat diejenigen, die mit ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person Krieg führen, gegenüber denjenigen, die daheimbleiben, um eine Stufe höher bewertet.“ Sure 4, 95 Aus der Lebensgeschichte Mohammeds von Ibn Ishaq/Ibn Hischam wird auch deutlich, dass Mohammed keineswegs nur defensiv Krieg geführt hat, es sei denn man sieht das Vorhandensein von Nichtmuslimen schon als Bedrohung an, gegen die man "defensiv" Krieg führen muss. Nach den Tode Mohammeds eroberten die Muslime durch offensives Kriegführen eine riesiges Gebiet. Auf der arabischen Halbinsel wurden alle Bewohner zwangsislamisiert. Die sich bald herausbildenden Rechtsschulen (madhhabs) benutzen den Begriff Dschihad ausschließlch in der Bedeutung "Krieg gegen Nichtmuslime", andere Bedeutungen kommen nicht vor. Das historische Schrifttum benutzt das Wort Dschihad in gleicher Weise. Bald bildete sich auch eine Form von individuellem Krieg von Muslimen gegen Nichtmuslime heraus, die Albrecht Noth "Heiliger Kampf" nennt. Auch die frühen Sufis benutzten das Wort Dschihad nur im Sinne von Kriegführen. Erst Al-Ghazali († 1111) interpretierte Vers 95 der Sure 4 in völlig neuer Weise und begründet so die Lehre von "Inneren Dschihad" als Kampf gegen das eigene "niedere Ich" (nafs). Auf die Praxis des kriegerischen Dschihad hattet dies jedoch keinerlei Auswirkungen. In wieweit der innere Dschiahd in dieser Zeit tatsächlich irgendwie relevant wurde, ist zweifelhaft. David Cook schreibt dazu:
- “…that the internal jihad has no reality what-soever – that it is a theoretical, scholarly construct for which we have little to no practical evidence.” Bestimmungen, dass etwa ein gerechter muslimischer Herrscher (imam 'adil) einmal im Jahr das Gebiet der Nichtmuslime (Dar al-Harb) angreifen muss oder dass es keinen Frieden zwischen dem Gebiet der Muslime und dem Gebiet der Nichtmuslime geben könne, galten unangefochten bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Muslime Opfer der haushoch überlegenen christlichen Mächte wurden. Von Britisch-Indien ausgehend verbreiteten nun muslimische Neuerer die Lehre, dass Dschihad nur ein defensiver Kampf sei, was zu dieser Zeit in Indien und anderen Gebeiten, die die Kolonialmächte beherrschten, wegen der Überlegeheit der Kolonialmächte auch stimmte. In anderen muslimischen Gebieten, wie etwa in Westafrika, wurde offensiver militärischer Dschihad bis 1898 betrieben, auf der arabische Halbinsel dauerten die Kämpfe gegen die als ungäubig angesehenen Feinde bis 1929. Dennoch erklärten immer mehr muslimische Intellektuelle, kaum aber Rechtsgelehrte, Dschihad sei ausschließlich defensiv. Seit den 1970er Jahren verbreitete sich dann zunehmend die offensive Dschihad-Lehre von Sayyid Qutb, der vier Phasen des Dschihad unterscheidet, die vom friedlichen Kampf bis zum offensiven Krieg gegen alle Nichtmuslime reicht. Die Muslime müssten, nach Qutb, je nach dem verschiedene Arten von Dschihad führen, wenn sie jedoch stark genug seien, müsste sie einen offensiven, militärischen Dschihad führen. Qutbs Ideen sind seither von vielen Dschihadgruppen in die Tat umgesetzt worden. Seit dem 19. Jahrhundert wird der "Innere Dschihad" von Islam-Apologeten immer mehr in den Vordergrund gestellt. Kategorie:Islam

Kategorie:Islamismus

Diese Kategorie beschäftigt sich mit Artikeln, die Themen des Islamismus behandeln. Kategorie:Islam Kategorie:Ideologie Kategorie:Politik

Kunyomi

El Kun'yomi (訓読み) es la lectura de un Kanji en japónes, yamatokotoba, sobre su pronunciación en chino. Muchos kanjis pueden tener varias pronuniaciones kun, o bien ninguna pronunciación kun'yomi. Por ejemplo la palabra este (東) su pronunciación en Onyomi (lectura china) es "tou". Los japoneses sin embargo siempre tuvieron una palabra para el concepto de este que se pronuncia "higashi" y algunas veces "azuma". Por lo que el Kanji 東, tomo la pronunciación "higashi" o "azuma". La lectura Kunyomi se caracteriza por tener una estructura balanceada constante-vocal como el España. La mayoría de los sustantivos y adjetivos de kunyomi son de dos o tres silabas de largo, mientras que los verbos kunyomi tienen una longitud de uno a dos silabas, no se debe incluir en la cuenta al Okurigana que acompaña al verbo.

Temas relacionados


- Hiragana
- Katakana
- Kanji
- Okurigana
- Furigana
- Romaji
- On'yomi

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Kercos
Kercews an jî Kercos bajarokeke li bakurê kurdistanê ye. Li başûr û rojavayê wê Midyad, li başûrê rojhilat kerboran û li bakûr bi Heskîfê re Cîran e. Aboriya bajêr bi giştî li ser çandinî û xwedîkirina ajelan e. Pişesazî bi pêş ve neçûyi ye. Nifusa bajarok bi gelemperî Kurdên sunî ne. Ji xeynî ve kêm
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Piştiwananî Îslam le Kurdistan êni Ansar al-Îslam (erebî: انصار الاسلام) êw groupê Îslami Jihadê Kurdistane, hata tiwa 2001`an damezrandin. Serokê Pishtiwanani Îslam la Kurdistan Najm al-Din Faraj Ahmada.

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- [http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/2285703.stm Îraqi Kurdi]
- [ht

Yekîtiya Îslamiya Kurdistan
Yekîtiya Îslamiya Kurdistan (erebî: مالَثةرِي حزبي يةكطرتووي كوردستان / عيَراق) êw Organisationê Îslamiya Kurdistane Îraqe Sala 1994 hata damezrandin. Serokê Yekîtiya Îslamiya Kurdistan Ali Muhammad Ahmada.

Grêdanên derve


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Hudûdên Depe ê li bakûr bi Gêxî yê va, li rojava bi Mêzgirtê va, li başur bi Qowancîyan ra û li rojhilat jî bi Bîngolê ve tê gir


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