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Homosexualität

Homosexualität

Homosexualität (bzw. Homophilie) bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der Liebe und sexuelles Begehren ausschließlich oder vorwiegend gegenüber Personen gleichen Geschlechts empfunden werden. Homosexuelle Frauen werden auch Lesben oder Lesbierinnen genannt, homosexuelle Männer auch Schwule. Schwul (ca. 490480 v. Chr.)]]

Zum Begriff Homosexualität

480 v. Chr. Der Begriff Homosexualität ist eine hybride Wortneubildung aus dem 19. Jahrhundert, geprägt von dem Schriftsteller Karl Maria Kertbeny aus griech. homo- = gleich, gleichartig + lat. sexus = das männliche und das weibliche Geschlecht.

Deutschsprachige Begriffe

Homosexuelle Männer werden im deutschsprachigen Raum auch als schwul (von schwül »drückend heiß« - in dieser Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert schwül als Parallelbildung zu kühl - oder von Schwulität »Schwierigkeit, Bedrängnis, peinliche Lage«), Frauen als lesbisch (nach der griechischen Insel Lesbos, Heimat der Frauen liebenden Dichterin Sappho) bezeichnet. Ursprünglich abwertend gebraucht, wurde die Bezeichnung schwul später im Rahmen der Emanzipationsbewegung von der Schwulenszene selbst – auch als politischer Kampfbegriff – übernommen und damit die abwertende Bedeutung so weit zurückgedrängt, dass der Begriff heute sogar im Sprachgebrauch der Gesetzgebung auftaucht. In der Jugendsprache findet sich das Wort schwul dagegen immer noch beziehungsweise wieder als Schimpfwort, das als Synonym für langweilig, weichlich beziehungsweise enervierend benutzt wird. Synonym Weitere Begriffe reduzieren die Homosexualität, meist die der Männer, auf Sexualpraktiken. So gibt es Schimpfworte wie Hinterlader, Backenspalter, Rosettenkavalier, "Analpriester" , Nougatstecher, Darmstädter, Arschritter, Hecktriebler, Spinatstecher und Arschficker. Ein anderer Kreis von Begriffen bezieht sich auf das mitunter vorkommende feminine Verhalten bei Männern, z.B. Tunten und Schwuchteln. Bei maskuliner Prägung von Frauen sind es unter anderem die allseits bekannten Begriffe kesser Vater (mittlerweile veraltet, heute eher Butch), Kampflesbe und Amazone. Karl Heinrich Ulrichs prägte im 19. Jahrhundert als erster die Eigenbezeichnungen Urning und Urninde.

Englischsprachige Begriffe

Im englischsprachigen Raum hat die Lesben- und Schwulenbewegung dagegen das Wort Gay (vormals in der Bedeutung von fröhlich und bunt) als Selbstbezeichnung durchgesetzt, um sich von dem abwertenden Ausdruck Queer (»seltsam, komisch«) zu distanzieren. Zunehmend wird in der Community aber das Wort "Queer" als Selbstbezeichnung benutzt, weil "gay" oft als auf Männer allein bezogen verstanden wird, also nicht geschlechtergerecht ist. Ursprünglich eine geschlechtsneutrale Bezeichnung, hat sich der Begriff – ähnlich wie das deutsche Wort schwul – in den 70er Jahren auf Männer verengt, während sich gleichgeschlechtlich liebende Frauen im Zuge des lesbisch-feministischen Separatismus zunehmend als lesbians und dykes bezeichneten. Der Begriff Gay hat sich auch in anderen Sprachen wie dem Französischen (Gai) eingebürgert und findet als Lehnwort auch in Deutschland neuerdings wieder zunehmend Verwendung. Anfang der 90er Jahre kam es innerhalb radikalerer politischer Kreise zu einer Wiederaneignung des Wortes Queer als Überbegriff für Lesben und Schwule, was dann meist Transgender mit einschließt. Dieser Begriff hat die Wörter Gay und Lesbian jedoch nicht verdrängen, sondern nur partiell ersetzen können. Durch Queer Theory erfuhr er eine ähnliche Internationalisierung wie vordem der Begriff Gay. Chichi man oder Battyman sind Begriffe, die aus dem Jamaika-Kreolischen kommen.

Chinesischsprachige Begriffe / Homosexualität in China

Homosexualität in China In der Volksrepublik China hat die Sexualmedizin zunächst die Begriffe tongxing'ai ("Homoerotik") und tongxinglian ("Homosexualität") durchsetzen können. Es handelte sich um Lehnübersetzungen aus dem Japanischen, wo das entsprechende Wort douseiai kurz zuvor in Anlehnung an das Deutsche geprägt worden war. Traditionelle Ausdrücke wie fentao ("den Pfirsich teilen") und duanxiu ("den Ärmel abschneiden"), die anekdotisch auf Geschichten gleichgeschlechtlicher Liebe unter den chinesischen Kaisern anspielten, gingen in den urbanen Regionen aus der Sprache verloren. Als Verben hatten sie eine Beziehung oder einen Akt, aber keine Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet. In den 90er Jahren ersetzten homosexuelle Aktivisten tongxinglian ausgehend von Hongkong und Taiwan zunehmend durch den Terminus tongzhi ("Genosse", "Kamerad"). Nicht nur, weil das Wort die Silbe tong ("gleich") enthielt, sondern auch weil es als Anspielung auf ein bekanntes Zitat von Sun Yat-sen verstanden werden konnte: "Die Revolution hat noch nicht gesiegt, Genossen, lasst uns zusammen kämpfen". Tongzhi ist bis heute zugleich die offizielle Anredeform innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas, was zu einer Reihe von Konflikten beim Import der neuen Bedeutung auf das Festland führte. In Taiwan hat sich während der zweiten Hälfte der 90er Jahre in intellektuellen Kreisen unterdessen auch der Terminus ku'er als lautmalerische Anlehnung an das englische queer verbreiten können. Genau wie in den USA stellt er aber lediglich eine Ergänzung zum dominierenden Begriff – in diesem Fall tongzhi – dar.

Fehlende Begriffe und andere Konzepte

Kommunistischen Partei Chinas Da es sich bei der Idee, gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität seien an einen bestimmten Personentypus gekoppelt oder auf diesen beschränkt, um eine moderne, westlich geprägte Vorstellung handelt, fehlen in fast allen Sprachen indigene Ausdrücke für homosexuelle Personen. So gibt es beispielsweise im Arabischen bis heute keinen feststehenden Begriff für Lesben und Schwule. Der religiöse Begriff luti (لوطي, abgeleitet von der biblischen Figur Lots) entspricht etwa dem christlichen Terminus Sodomit und bezeichnet jemanden, der die vom Islam verbotene Handlung des Analverkehrs praktiziert. Er wird jedoch nicht im westlichen Sinn als Name für eine identitär fixierte Minderheit gebraucht. In Ägypten werden Beteiligte der in den 90er Jahren entstandenen Homosexuellenszene von den Medien stattdessen als shadh (شاذ, wörtlich "anormal", "unregelmäßig" oder "unnatürlich"; auch shadh dschinsiyan شاذ جنسيا, "sexuell abnorm") bezeichnet und diffamiert. Es gibt jedoch auch wertfreie Begriffe, die sich vom arabischen Wort mithl مثل ("gleich") ableiten - mithli متلي für Schwule und mithliya مثلية für Lesben -, wobei مثلية auch "Homosexualität" an sich bedeutet. Diese Begriffe werden auch in der arabischen Wikipedia verwendet. In Ungarn setzt sich zurzeit das Fluchwort buzi als Selbstbenennung von Angehörigen der schwulen Szene durch, obwohl es an sich gar keine Bedeutung hat. Es wird überall dort gebraucht, wo man seinen Ärger darüber Luft machen möchte, dass etwas schief gelaufen ist. Aufgrund seiner spielerischen Konnotationen wird es analog zum englischen Begriff queer verwandt. In Simbabwe benutzt die 1990 gegründete Organisation GALZ (Gays and Lesbians of Zimbabwe) englische Termini, da die Differenz zwischen einem afrikanischen Konzept gleichgeschlechtlicher Beziehungen und einer westlichen Identität als Lesbe oder Schwuler von den damaligen Gründern, die mehrheitlich weiß und wenig politisiert waren, nicht verstanden wurde und die einzige Alternative in der Landessprache Shona der beleidigende Ausdruck ngochani gewesen wäre. Der Name blieb jedoch auch später erhalten, da internationale Menschenrechte auf der Basis einer sexuellen Identität leichter einzuklagen schienen. In der afroamerikanischen Bevölkerung der USA hat sich während der 90er Jahre in Abgrenzung von einer weißen Gay-Identität der Begriff Down-Low oder DL herausgebildet. Er leitet sich von der Wendung to be on the down low ("es nicht an die große Glocke hängen") ab. Um auch gleichgeschlechtlich liebende Männer ohne schwule Identität durch HIV-Präventionskampagnen zu erreichen, benutzen Aids-Organisation mittlerweile den neutralen Terminus "Men who have Sex with Men" (MSM). Diese kultur- und kontextsensitive Strategie hat sich mittlerweile auch auf internationalen Konferenzen durchgesetzt.

Zitat

Tatsächlich wirft die Bekanntschaft mit der Literatur der Antike ein äußerst verblüffendes Problem für den Geisteswissenschaftler auf, das den meisten Personen, die unvertraut mit den Klassikern sind, nicht in den Sinn käme: ob die Dichotomie, die durch die Termini »homosexuell« und »heterosexuell« unterstellt wird, überhaupt mit irgendeiner Realität korrespondiert. [...] Das Bewusstsein über Gründe der Unterscheidung folgt auf das Verlangen zu unterscheiden. Die Frage, wer »schwarz«, »farbig« oder »Mulatte« ist, beunruhigt nur Gesellschaften, die von rassistischen Vorurteilen beeinträchtigt sind [...]. In der antiken Welt kümmerten sich so wenige Menschen darum, ihre Zeitgenossen auf der Basis des Geschlechts zu kategorisieren, zu dem sie sich erotisch hingezogen fühlten, dass keine Dichotomie gebräuchlich war, um diese Unterscheidung auszudrücken. (John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality. Chicago; London 1980. S. 58 f.)

Homosexualität und Gesellschaft

Häufigkeit von Homosexualität

Hauptartikel: Prävalenz von Homosexualität Schätzungen über die Häufigkeit von Homosexualität variieren beträchtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands kompliziert. Im Allgemeinen identifizieren Bevölkerungsumfragen zwischen einem und zehn Prozent der Bevölkerung als lesbisch oder schwul. Allerdings ist anzunehmen, dass Umfragen durch die soziale Stigmatisierung der Homosexualität und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfälscht sind. Der Kinsey-Report stufte 1948 zwischen 90 und 95 Prozent der Bevölkerung als "bis zu einem gewissen Grad bisexuell" ein. Die tatsächliche Häufigkeit von homosexuellem Verhalten hängt aber in hohem Maß von gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. So gab in einer Studie zur Jugendsexualität, die 1970 vom Hamburger Institut für Sexualforschung durchgeführt wurde, beinahe jeder fünfte der befragten 16- und 17-jährigen Jungen an, gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben. Zwanzig Jahre später waren es dagegen nur noch zwei Prozent. Dass solche Studien jedoch nur geringen Aussagewert haben, zeigt eine repräsentative BRAVO-Umfrage aus Heft 14/97, die ergeben hat, dass 25 Prozent aller Jungs zwischen 14 und 17 schwule Erfahrungen gemacht haben. Zwei Prozent gaben an, sie seien schwul, 68 Prozent hätten nichts gegen Schwule.

Schattierungen zwischen homo und hetero

1970 Während in Teilen der europäischen Kultur Homosexualität erst in den letzten Jahrzehnten ihre Position als Tabuthema verloren hat und zugleich in manchen Ländern dieses Tabu noch immer sehr stark ist, ist die Frage nach Hetero- beziehungsweise Homosexualität in anderen Kulturen fast unbekannt. Dort wird weniger streng zwischen homo und hetero unterschieden, was der Charakteristik der menschlichen Sexualität eher gerecht werden dürfte als eine schroffe Polarisierung. Die heute unstrittige Tatsache, dass es verschiedene Grade zwischen Homo- und Heterosexualität gibt, hat man Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Begriff der Bisexualität zu fassen versucht. Viele Sexologen vertreten die Ansicht, dass fast jeder Mensch bisexuelle Anteile besitzt, die manchmal mehr, manchmal weniger stark ausgeprägt sind. Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von der "angeborenen Bisexualität" des Menschen, während er die ausschließliche Fixierung auf ein Geschlecht als Folge einer Einschränkung der Objektwahl betrachtete. Entsprechend habe die Psychoanalyse aufdecken können, dass alle so genannten Normalen neben ihrer manifesten Heterosexualität ein sehr erhebliches Ausmaß von latenter oder unbewusster Homosexualität erkennen ließen.

Coming-out

Hauptartikel: Coming-out Bei vielen Menschen, die sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, kommt es im Laufe ihres Lebens zum so genannten Coming-out. Mittlerweile wird das Coming-out in zwei Phasen beschrieben. Die erste Phase ist die Phase des "Sich-bewusst-Werdens" oder "Sich-Selbst-Eingestehen", stellt also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung dar, dass man für die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Sie wird auch als inneres Coming-out bezeichnet. Die zweite Phase bezeichnet das "Sich-Erklären", also den Schritt nach außen, das Coming-out bei Familie, Freunden und / oder Kollegen. Bei manchen geschieht dieser Prozess schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder mehr Jahren über ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten haben ihr Coming-out mittlerweile im Schulalter, also etwa zum Zeitpunkt der Pubertät. In diesem Alter trauen sich viele nicht, Hilfe von anderen zu erbitten, besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Selbst die eigenen Eltern werden manchmal nicht darüber informiert. Das Coming-out kann manchmal in eine Lebenskrise führen, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten oder realisierter Selbsttötung steigern kann. Beratungsstellen in den größeren Städten und Info-Seiten im Internet versuchen diesen Menschen zu helfen, ihre Homosexualität anzunehmen. Tatsächlich ist die Selbsttötungsrate bei pubertierenden Homosexuellen deutlich höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.

Rechtliche Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Ehe

Pubertät Auch wenn innerhalb der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung umstritten ist, ob man sich der Norm einer Zweierbeziehung als Kopie der bürgerlichen Ehe annähern soll, wird die weitgehende rechtliche Gleichstellung mit Heterosexuellen von Lesben und Schwulen überwiegend begrüßt. Gesetzliche Regelungen für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft gibt es bereits in einer Reihe von europäischen Ländern; in Belgien, den Niederlanden, Spanien, Kanada sowie Massachusetts (USA) wurde die Ehe für Homosexuelle ganz geöffnet; in Skandinavien und anderen europäischen Ländern ist diese Öffnung in der Diskussion. In Deutschland gibt es seit dem 1. August 2001 die so genannte Eingetragene Lebenspartnerschaft. Nach ihrer Verabschiedung durch den Bundestag meldeten einige Politiker Zweifel daran an; die unionsregierten Länder Bayern, Sachsen und Thüringen bemühten sich sogar um eine völlige Aufhebung des Gesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses stellte jedoch klar, dass einer vollständigen Gleichstellung mit der Ehe nichts im Wege stünde, da die Lebenspartnerschaft mit der Ehe schon allein deshalb nicht konkurriere, weil sie einen anderen Personenkreis betreffe. Eine völlige Gleichstellung steht zurzeit noch im Bereich der Steuern, der Hinterbliebenenversorgung und der Möglichkeit der gemeinsamen Adoption von Kindern aus. Am 29. Oktober 2004 wurde einige Änderungen diesbezüglich realisiert: So werden Lebenspartner - wie Ehegatten - im Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, wenn sie nichts anderes vereinbaren. Gleichbehandlung erfolgt nach der Trennung nun auch beim Unterhaltsrecht. Zudem wird ein Verlöbnis eingeführt – Lebenspartner werden sich in Zukunft wie Ehegatten mit Rechtswirkung verloben können. Ferner regelt das Gesetz, dass Homosexuelle das leibliche Kind ihres Lebenspartners adoptieren können. Und schließlich werden nun auch die Regelungen der Hinterbliebenenversorgung in der gesetzlichen Rentenversicherung auf Lebenspartner ausgedehnt. Radikalere Teile der Lesben- und Schwulenbewegung lehnen die Lebenspartnerschaft – als Ehe light verpönt – und die damit verbundene notwendige Sondergesetzgebung für Homosexuelle ab. Stattdessen fordern sie die Abschaffung der Ehe und plädieren für so genannte "Wahlverwandtschaften" auf Zeit. Bundesverfassungsgericht In der Schweiz wurde zuerst im Kanton Genf am 1. Mai 2001 eine PaCS eingeführt, welches die Eintragung von homosexuellen, wie auch heterosexuellen Partnerschaften ermöglichte. Am 22. September 2002 wurde in Zürich eine eingetragene Partnerschaft vom Stimmvolk mit 62.7% JA-Anteil genehmigt. Diese Regelung ging einiges weiter als die Genfer Lösung und stellte eingetragene Lebenspartnerschaften Ehepaaren gleich, so weit dies in der Kompetenz des Kantons lag. Nach Genf und Zürich führte auch der Kanton Neuenburg die registrierte Partnerschaft für unverheiratete Paare ein. Das Kantonsparlament hat am 27. Januar 2004 zugestimmt. Am 5. Juni 2005 hat das gesamte Schweizer Stimmvolk über das Partnerschaftsgesetz (PartG) zur eingetragenen Partnerschaft abgestimmt. Es ist das erste nationale Referendum über diese Frage weltweit. Es haben 58% der Stimmberechtigten zugestimmt. Mehrheiten gab es vor allem im Mittelland von St.Gallen bis Genf. Es war dort eine ziemlich homogene Verteilung der JA-Anteile. Nicht nur Städte haben zugestimmt, sondern auch ländlichere Gebiete. Ablehnend waren vor allem ländlichbäuerliche, katholische Kantone. Zugestimmt haben insgesamt 16.5 von 23 Kantonen. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz schafft eine Gleichstellung mit der Ehe in Steuerfragen, Sozialleistungen, Erbrecht, Besuchsrecht, Zeugnisverweigerungsrecht, etc. Es unterbindet aber ausdrücklich den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin und die Adoption. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz hat Auswirkungen auf den Zivilstand. Der Zivilstand ist nicht mehr "ledig", sondern "eingetragen". Das Gesetz tritt voraussichtlich am 1. Januar 2007 in Kraft.

Regenbogenfamilien

Homosexuelle Partner können miteinander keine Nachkommen zeugen. Dennoch wachsen Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf. Die Wissenschaft diskutiert dieses Phänomen zunehmend unter dem Begriff Regenbogenfamilien.

Homosexualität und Beruf

Ein besonders Problem ergibt sich für Homosexuelle, die zum Beispiel öffentlich angestellt sind (Lehrer, Politiker), in der Jugendarbeit tätig sind, oder einer Beschäftigung im christlich-religiösen Leben nachgehen (Priester). Schwule Lehrer und Jugendleiter werden wegen unterstellter Beeinflussung der Kinder oft mit erheblichem Druck abgelehnt. Politiker, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, konnten sich erst in jüngerer Zeit profilieren. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, dessen öffentliches Outing in die Sprachkultur einging: Ich bin schwul, und das ist auch gut so. Schwule oder lesbische leitende Angestellte (auch Manager) werden häufig als kompromittierbar (erpressbar) angesehen. Dass sie daher häufig in (Schein-)Eheverhältnissen leben, wird zwar immer wieder in der Literatur erwähnt. Dies ist aber empirisch so nicht nachweisbar. Die Entwicklung innerhalb der Wirtschaft geht dagegen eher in die Richtung, dass Unternehmen gezielt Homosexuelle als Mitarbeiter fördern und unterstützen, um auch in der Belegschaft die Gesellschaft widerzuspiegeln (Diversity-Management). Katholische Geistliche mit homosexueller Veranlagung werden zunehmend wahrgenommen, wobei ein homosexueller Lebensstil jedoch meist als nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar angesehen wird.

Bundeswehr

In der Bundeswehr stoßen Homosexuelle noch immer auf Zurückhaltung. Insgesamt hat, nicht zuletzt durch den zunehmenden Anteil von Soldatinnen, die Bundeswehr ihr Bewusstsein für Sexualität weiterentwickeln müssen. Mit dem "Sexualerlass" zur Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/3 ist eine Diskriminierung verboten worden. Mit der letzten Änderung im Juli 2004 ist nach jahrzehntelanger Ächtung homosexueller Vorgesetzter, die unter Billigung höchstrichterlicher Rechtsprechung mit Versetzungen und sogar Entlassungen rechnen mussten, ein liberalerer Umgang mit der Sexualität gewählt worden. Künftig sind grundsätzlich alle Beziehungsformen in den Privatbereich verwiesen. Homosexuelle Beziehungen können außer Dienst auch innerhalb militärischer Anlagen gepflegt werden, auch spielt der Dienstgrad der Beziehungspartner keine Rolle mehr. Die Besonderheiten des Lebens in einer Gemeinschaftsunterkunft - verbunden mit einer Einschränkung der Privatsphäre - aber vor allem in Auslandseinsätzen werden sich jedoch auch zukünftig als Herausforderung darstellen. Inwieweit sich neue Fragen ergeben, muss sich erst in der Praxis erweisen.

Ethische Bewertungen der Homosexualität

Die ethische Bewertung von Homosexualität führt zu unterschiedlichen und sogar zu konträren Ergebnissen der Stellungnahme, unter anderem je nachdem, welche anthropologischen Voraussetzungen und Deutungen der Homosexualität zugrunde gelegt werden. Auch ist die ethische Bewertung nicht selten von einer bestimmten religiösen Sichtweise abhängig oder mit ihr verbunden (siehe dazu den eigenen Artikel Homosexualität und Religion). Dort, wo man die homosexuelle Orientierung der Person entweder als natürliche Gegebenheit oder als Ergebnis einer positiv zu wertenden freien Entscheidung ansieht, wird auch das dieser Orientierung entsprechende homosexuelle Verhalten als sittlich gut angesehen, wenn dabei die allgemein akzeptierten Grundpostulate mitmenschlichen Zusammenlebens geachtet werden. Wenn hingegen die homosexuelle Neigung als solche bereits als Unordnung oder anthropologischer "Defekt" angesehen wird, wird eine darauf aufbauende ethische Bewertung zwar noch nicht diese Neigung als sittlich negativ qualifizieren müssen (soweit und insofern hier das Moment der Freiheit fehlt), wohl aber das freie und damit verantwortliche homosexuelle Verhalten. Aber auch in diesem Fall sind verschiedene Abstufungen der sittlichen Disqualifizierung homosexueller Akte möglich: Von der noch möglichen Toleranz sittlich negativ bewerteter homosexueller Verhaltensweisen bis hin zur Forderung ihrer absoluten Unterlassung und gesellschaftlichen Ächtung oder gar bis zur Forderung nach rechtlicher Verfolgung (im Extremfall mit Todesstrafe) ergibt sich eine große Bandbreite an ethischen Stellungnahmen und Beurteilungen.

Literatur zum Thema


- B. R. Burg (Hrsg.): Gay Warriors : A Documentary History from the Ancient World to the Present. New York 2002. ISBN 0814798861.
- Martin Dannecker; Reimut Reiche: Der gewöhnliche Homosexuelle : eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik. Frankfurt a. M. 1974. ISBN 3100148010.
- Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität (1920). In: Sigmund Freud: Studienausgabe. Band VII. Frankfurt a. M. 2000. ISBN 3108227270.
- Stephen O. Murray: Homosexualities. Chicago; London 2000. ISBN 0226551954. (Sozioethnologischer Überblick über verschiedene Kulturen)
- Norbert Zillich: Homosexuelle Männer im Arbeitsleben. Frankfurt a.M.: Campus-Verlag 1988. ISBN 3593339927

Europäische Ethnologie

Homosexualität und Religion Homosexualität und Religion Eine jüngere Generation von lesbisch-schwulen Soziologen, Philosophen und Historikern wie Mary McIntosh (The Homosexual Role, 1968), Michel Foucault (La Volonté de savoir, 1976), Alan Bray (Homosexuality in Renaissance England, 1982) oder gegenwärtig insbesondere David Halperin (How to do the History of Homosexuality, 2002) betrachtet "Homosexualität" nicht mehr als eine überzeitliche Essenz, sondern als eine Erfindung der europäischen Neuzeit. Damit ist nicht gemeint, dass Frauen und Männer an anderen Orten und zu anderen Zeiten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt hätten. Vielmehr unterstellen die genannten AutorInnen, dass unsere heutige Auffassung von Homosexualität als "Seinsweise", die eine Minderheit von einer Mehrheit unterscheidet, eine verhältnismäßig junge Konstruktion sei.

Die sodomitische Sünde

Das theologische Modell der Sodomie, das dem modernen Begriff der Homosexualität vorausging, steht zu diesem in einem deutlichen Gegensatz. Sodomie – als "widernatürlicher" (Platon) Verkehr zwischen Männern, aber auch zwischen einem Mann und einer Frau – wurde als ein allgemeinmenschliches Laster angesehen und nicht einer bestimmten Kategorie von Personen zugeordnet. Foucault spitzte diesen Unterschied zu, indem er in einer berühmt gewordenen Sentenz behauptete: "Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies." (Siehe auch: Sodomiterverfolgung) Neben dem Diskurs der Sodomie, der sich im Mittelalter vor allem auf den Akt des Analverkehrs bezog, gab es jedoch auch Begriffe, die eine positive Sichtweise ausdrückten, wie etwa den der Freundschaft.

Freundschaft als Lebensweise

"Freundschaft" konnte fast zu allen Zeiten auch eine romantische Beziehung zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts bezeichnen. Küssen, Umarmen und Händchenhalten, das gemeinsame Schlafen in einem Bett (daher der altertümliche Begriff des "Bettgenossen") ebenso wie leidenschaftliche Liebesbekundungen und Treueschwüre wurden unter Männern bis weit in die frühe Neuzeit und oft sogar noch am Beginn des 20. Jahrhunderts als völlig normal wahrgenommen. Unter Frauen ist das – seit Ende des 19. Jahrhunderts allerdings mit immer größeren Einschränkungen – teilweise auch heute noch der Fall. Die Semantiken (Bedeutungsinhalte) von Freundschaft und Liebe waren deshalb kaum voneinander zu unterscheiden. Das griechische Wort philos etwa kann sowohl "Freund" als auch "Geliebter" bedeuten. Im Christentum wurden solche Beziehungen nur selten mit der "monströsen" Figur des Sodomiten in Verbindung gebracht, und wenn, dann meist im Rahmen einer politischen Intrige (wie im Fall von Eduard II. oder dem mittelalterlichen Templerorden).

Christliche Bruderschaften

Die christliche Mystik lud, beeinflusst vom islamischen Sufismus, die Liebe zwischen Freunden sogar mit einer religiösen Bedeutung auf. Ebenso adaptierte das Christentum den sowohl im Gilgamesch-Epos wie in der jüdischen Bibel, aber auch im Satyricon für eine Liebesbeziehung zwischen zwei Männern verwendeten Begriff des 'Bruders' (Schwurbruderschaft). Zu deren Vereinigung hatte die orthodoxe Kirche den Ritus des "Brüdermachens" (Adelphopoiesis) ausgearbeitet, der den beiden Freunden für ihre Liebe, die bis in den Tod anhalten sollte, zahlreiche Heiligenpaare als Vorbilder nannte. Dies schloss die parallele Eheschließung mit einer Frau jedoch nicht aus. Im lateinischen Westen, wo bis weit in die Neuzeit weder Eheleute noch geschworene Brüder (fratres iurati) der Segnung eines Priesters bedurften, sind zumindest eine Reihe von Grabmälern erhalten, in denen Männer- und später auch Frauenpaare miteinander bestattet wurden. Die Gravuren enthalten oft Symbole unsterblicher Liebe wie beispielsweise die Darstellung eines Kusses oder die Inschrift "Im Leben vereint, im Tode nicht getrennt".

Die Erfindung des Homosexuellen

Von der Institution der geschworenen Bruderschaft (s.o.) ist heute nur noch der Begriff des warmen Bruders als Synonym für einen "Schwulen" übrig geblieben. In diesem Begriffswandel offenbart sich der geschichtliche Bruch, der durch das moderne Konzept der Homosexualität verursacht wurde: Gesten der Zuneigung, die früher einfach als Zeichen einer Freundschaft verstanden worden wären, identifiziert man heute als "homosexuell" und stellt sie damit als Abweichung von der gesellschaftlichen Norm unter Verdacht. Die Konsequenz ist ein vor allem unter männlichen Jugendlichen belegbarer drastischer Rückgang gleichgeschlechtlicher Sexualerfahrungen von 18 auf zwei Prozent allein zwischen 1970 und 1990. Diese Entwicklung geht mit wachsender Homophobie einher, weil viele junge Menschen aus Angst, womöglich als "Schwuler" beziehungsweise als "Lesbe" zu gelten, sich von allem Homosexuellen demonstrativ (und teilweise sogar gewaltsam) abgrenzen. Unter jungen Männern ist diese Tendenz zur Abgrenzung im Allgemeinen nochmals deutlich stärker ausgeprägt als unter jungen Frauen. Es ist diese tätige Abwehr, durch die sich das stigmatisierende Etikett der Homosexualität wie von selbst reproduziert.

Globalisierung einer Denkform

Die binäre Kategorisierung von Personen als hetero und homo beziehungsweise "normal" und "andersartig" ist mittlerweile fast weltweit zu einer scheinbar unumstößlichen Realität geworden. Dieser Prozess, der sich in manchen Metropolen Europas wie London, Paris und Amsterdam bereits um 1700 ereignet hat, erreichte Regionen wie China und die dagegen erst Anfang beziehungsweise Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige postkoloniale AutorInnen wie der Hongkonger Soziologieprofessor Zhou Huashan kritisieren die Homophobie in ihren Ländern daher als eine Folge des europäischen Imperialismus.

Literatur zum Thema


- Alan Bray: Homosexuality in Renaissance England. New York 1982. ISBN 0231102895.
- Kenneth J. Dover: Homosexualität in der griechischen Antike, übersetzt v. Susan Worcester. München: C. H. Beck Verlag 1983. ISBN 3406073743 (erstmals engl.: 1978)
- Lilian Faderman: Surpassing the Love of Men : Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. New York 1998. ISBN 0688133304.
- Michel Foucault: Der Wille zum Wissen : Sexualität und Wahrheit ; Bd. 1. Frankfurt a. M. 1993. [Frz. Orig. La Volonté de savoir, 1976]. ISBN 3518283162.
- John C. Hawley (Hrsg.): Post-colonial, Queer : Theoretical Intersections. Albany, NY 2001. ISBN 0791450929.
- Jonathan Ned Katz: Love Stories : Sex between Men before Homosexuality. Chicago; London 2001. ISBN 0226426157.
- Mary McIntosh: The Homosexual Role [1968]. In: Steven Seidman (Hrsg.): Queer Theory/Sociology. Cambridge, Mass.; Oxford 1996. ISBN 1557867402.
- Michael Rocke: Forbidden Friendships : Homosexuality and Male Culture in Renaissance Florence. New York; Oxford 1996. ISBN 0195122925.
- Andrew Calimach: Lovers' Legends. The Gay Greek Myths. New Rochelle: Haiduk Press 2002. ISBN 0971468605.

Geschichte und Homosexualität: Soziale Bewegung und Emanzipation

Schwulenverfolgung

Imperialismus Bis zum Hochmittelalter galt der Analverkehr im christlichen Bereich als Sünde, aber noch nicht als Verbrechen; folglich drohte maximal eine Kirchenbuße und ein zeitweiser Ausschluss von der Eucharistie, aber noch keine weltliche Strafe. Vom 13. Jahrhundert bis zur Aufklärung wurde Analverkehr zwischen Männern dann in fast ganz Europa unter der Bezeichnung "Sodomie" durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht, hier wird noch von der Sodomiterverfolgung gesprochen. Tatsächliche Urteile waren jedoch äußerst selten. Zu größeren Verfolgungen und jeweils Hunderten von Hinrichtungen kam es allerdings während des Spätmittelalters in Norditalien und Spanien sowie während des gesamten 18. Jahrhunderts auch in England, Frankreich und den Niederlanden. Die Ideen der Französischen Revolution führten in zahlreichen Staaten, die sich am französischen Code Napoléon orientierten, um 1800 herum zur Abschaffung aller Gesetze gegen die "widernatürliche Unzucht" (so etwa in den Niederlanden, im Rheinland und in Bayern, Gesetze gegen die Homosexualität). Preußen wandelte 1794 mit der Einführung des Allgemeinen Landrechts die Todesstrafe in eine Zuchthausstrafe um. 1871 wurde der preußische Paragraph in das Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs aufgenommen und als Paragraph 175 in der folgenden Zeit immer häufiger angewandt. Bis zur Reform des Paragraphen 175 im Jahr 1969 arbeitete die Polizei dabei mit Spitzeln in der schwulen Subkultur und geheimen Rosa Listen, auf denen zahlreiche Namen von homosexuellen Männern verzeichnet waren. Da Homosexualität strafbar war und bis in die 70er Jahre als psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, konnten Homosexuelle auch auf unbestimmte Zeit freiheitsentziehend in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Ein Beispiel ist die "Behandlung" des britischen Mathematikers Alan Turing im Jahr 1952. Alan Turing Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden ca. 10.000 Schwule in Konzentrationslager verschleppt, wo sie den rosa Winkel tragen mussten (Schwule während des Nationalsozialismus). Nur etwa 40 Prozent von ihnen überlebten. Obwohl es kein Gesetz gegen die lesbische Liebe gab, verhaftete die Gestapo auch eine unbekannte Zahl von Frauen wegen ihrer Homosexualität und kennzeichnete sie in den Konzentrationslagern als "Asoziale" mit dem schwarzen Winkel. In der Bundesrepublik Deutschland bestand der Paragraph 175 bis 1969 in der von den Nazis verschärften Fassung weiter, was vom Bundesverfassungsgericht 1957 als rechtmäßig anerkannt wurde. Erst 1994 fiel er im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR weg. In vielen Staaten werden Homosexuelle auch heute noch beziehungsweise wieder verfolgt und mit dem Tode bedroht, so etwa in Jamaika, Simbabwe, Namibia, Nepal, Nigeria und zahlreichen islamischen Staaten. Aber auch im Osten Europas, zum Beispiel in Serbien, Rumänien, Albanien und sogar in manchen der neuen EU-Länder ist die Lage der Menschenrechte zurzeit bedenklich: So werden in Polen und Lettland Demonstrationen für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben von offiziellen Stellen verboten oder teilweise mit massiver Gewalt konfrontiert, die von den Kirchen und rechtsradikalen Nationalisten geschürt wird. In Polen sind in letzter Forderungen einiger führender Politiker laut geworden, Homosexuelle in Lager zu stecken bzw. aus Polen zu eliminieren. In der UNO versuchen der Vatikan und die islamischen Staaten gemeinsam, schon die Diskussion über die Menschenrechtslage für Schwule und Lesben zu verhindern. In der Geschichte und in der Gegenwart waren auch Homosexuelle selbst oft große Feinde und Verfolger anderer Homosexueller. So ist bekannt, dass es oft latent Homosexuelle sind, die aus Angst vor dem Bekanntwerden der eigenen Neigung, alle anderen, vor allem sich offen bekennende, Homosexuelle bekämpften und bekämpfen.

Emanzipationsbewegungen

islam Hauptartikel: Lesben- und Schwulenbewegung Erste Forderungen nach urnischen Ehe wurden von Karl Heinrich Ulrichs 1867 auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern erhoben. Auch wenn sein Vortrag mit Spott und Ablehnung aufgenommen wurde, beginnt an diesem Tag die Geschichte der Homosexuellen-Emanzipation. Der Beginn der organisierten homosexuellen Emanzipationsbewegung wird im Allgemeinen mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) durch den Berliner Arzt Magnus Hirschfeld im Jahr 1897 angesetzt. Es handelte sich dabei jedoch um eine Honoratiorenvereinigung, die nur ca. 500 Mitglieder umfasste und nach außen hin nicht als homosexuelle Bewegung in Erscheinung trat. Stattdessen warb sie ausschließlich mit wissenschaftlichen Argumenten für eine Streichung des Paragraphen 175. Zahlenmäßig weit bedeutsamer waren die nach 1919 gegründeten Freundschaftsbünde. Als Dachgruppen konkurrierte der im August 1920 gegründete Deutsche Freundschafts-Verband (DFB) mit dem im Mai 1922 entstandenen Bund für Menschenrechte (BfM). Letzterer erwies sich in seiner Größenentwicklung als das bei weitem erfolgreichere Modell. Bereits 1924 zählte er über 12.000, 1929, gegen Ende der Weimarer Republik, sogar mehr als 48.000 Mitglieder. Ausländische angegliederte Gruppen soll es laut Angaben des Vereins in der Schweiz, in Österreich, in der Tschechoslowakei, in New York City, Argentinien und Brasilien gegeben haben. Allerdings ist kaum etwas über diese Gruppen bekannt. Der Schwerpunkt der Freundschaftsbünde lag in der Planung von Geselligkeitsveranstaltungen, umfasste jedoch auch politische und publizistische Aktivitäten sowie die Gewährleistung von Rechtsschutz für jene Mitglieder, die vom Paragraphen 175 betroffen waren. Nach der Zerschlagung dieser ersten Emanzipationsbestrebungen durch die Nazis wanderte der Schwerpunkt der Homosexuellenbewegung in die Vereinigten Staaten. Im Frühjahr 1951 gründete Harry Hay, Mitglied der CPUSA, zusammen mit Bob Hull, Chuck Rowland, Dale Jennings und Rudi Gernreich die Mattachine Society. 1955 entstand unter Führung von Del Martin und Phyllis Lyon die Lesbenorganisation Daughters of Bilitis. Beide Gruppen bezeichneten sich als homophil, um sich der Reduzierung von Homosexualität auf den Akt des Beischlafs zu entziehen. Unter dem Druck der McCarthy-Ära entpolitisierten sich diese Organisationen und wurden zu Debattierclubs, die in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung traten. Erst Mitte der 60er Jahren fand mit Dick Leitsch (New York) und Frank Kameny (Washington) eine Neuorientierung an den Protestformen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung statt. Am 28. Juni 1969 kam es anlässlich einer Polizeirazzia in der New Yorker Schwulenbar Stonewall zu einem Aufstand in der Christopher Street, der drei Tage andauerte. Dieses Ereignis führte zu einer Radikalisierung zahlreicher Lesben und Schwuler. In Anlehnung an linke Bewegungen der damaligen Zeit gründeten sich gemischte Gruppen wie die Gay Liberation Front und die Gay Activists Alliance. Am 1. Mai 1970 machte schließlich die Gruppe Radicalesbians auf sich aufmerksam, indem sie in New York den Zweiten Jahreskongress zur Vereinigung der Frauen mit einem geplanten Happening unterbrach. Das dort verteilte Manifest der frauenidentifizierten Frau begründete das sich für die Frauenbewegung als einflussreich erweisende Konzept des politischen Lesbianismus: Lesbischsein wurde nicht als eine sexuelle Orientierung, sondern als die einzig mögliche Strategie des Widerstands gegen patriarchale Bevormundung und Unterdrückung aufgefasst. Sämtliche dieser politischen Strategien und Konzepte wurden in den 1970er Jahren nach Europa getragen. In der Bundesrepublik Deutschland gründeten sich nach der Liberalisierung des Paragraphen 175 im Jahre 1969 und nach der Fernsehausstrahlung des Filmes Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt die ersten Schwulengruppen. Die offene und provozierende Darstellung von Schwulen durch den Regisseur Rosa von Praunheim, der sich hierzu eines politischen Textes des Soziologen und Sexualforschers Martin Dannecker bediente, stieß in der Öffentlichkeit, aber auch bei konservativen und angepassten Homosexuellen auf Ablehnung. Ähnlich wie in den USA trennten sich Lesben in der Bundesrepublik schon sehr früh von den männlich dominierten Schwulengruppen und engagierten sich stattdessen in der Frauenbewegung, wo gleichgeschlechtliche Liebe zu einem nicht nur anerkannten, sondern oft sogar präferierten Lebensstil wurde. In den 80er und 90er Jahren kam es zu einer breiten Ausfächerung, aber auch zu einer fortschreitenden Entpolitisierung der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Gleichzeitig fand eine Wiederannäherung von Lesben und Schwulen statt. Seit etwa Mitte der 80er Jahre veranstalten sie gemeinsam in fast sämtlichen europäischen und amerikanischen Metropolen alljährliche Demonstrationen zur Erinnerung an den Stonewall-Aufstand. In den 90er Jahren wurden daraus gewaltige Umzüge, die unter der Bezeichnung Christopher Street Day bzw. Gay Pride Parade in den Tagen zwischen Juni und Juli weltweit mehrere Millionen Menschen auf die Straße ziehen. Nur noch selten verbinden die Teilnehmer mit ihrer Anwesenheit jedoch eine konkrete politische Aussage. Entsprechende Gegenentwürfe zur Repolitisierung des CSD in Deutschland sind der Transgeniale CSD in Berlin-Kreuzberg und die Queerrr Street Days in Hamburg. Eine neue Erscheinung bildet der Wunsch nach territorialen Abgrenzung von der Hetero-Welt, der häufig als Gay Nationalism bezeichnet wird. So wurde von einer Gruppe australischer Aktivisten am 14. Juni 2004 eine winzige Koralleninsel namens Cato besetzt und das Gay and Lesbian Kingdom ausgerufen. Der neue Staat stellte sich ziemlich rasch als eine Micronation unter vielen heraus, denn weder der Imperator Dale Parker Anderson noch sonst jemand bereit war, sich auf Cato niederzulassen. Die Unstimmigkeiten innerhalb der Führungsriege führten zur Zersplitterung der Bewegung in mehrere Gruppen.

Literatur zum Thema


- Lutz van Dijk: Homosexuelle : Zwischen Todesstrafe und Emanzipation. München 2001. ISBN 357014612X.
- Bernd-Ulrich Hergemöller, Einführung in die Historiographie der Homosexualitäten, edition diskord 1999, ISBN 3892956782
- Schwules Museum (Hrsg.); Akademie der Künste, Berlin (Hrsg.): Goodbye to Berlin? : 100 Jahre Schwulenbewegung ; eine Ausstellung des Schwulen Museums und der Akademie der Künste, 17. Mai bis 17. August 1997. Berlin 1997. ISBN 3861490625.
- Hans-Georg Stümke: Homosexuelle in Deutschland : eine politische Geschichte. München 1989. ISBN 3406331300.
- Andreas Pretzel und Gabriele Roßbach: Wegen der zu erwartenden hohen Strafe. Homosexuellenverfolgung in Berlin 1933-1945, herausgegeben vom Kulturring in Berlin e.V., Verlag rosa Winkel, Berlin, 2000, ISBN 3-86149-095-1
- Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich, Verlag F. Schöningh, Paderborn, 1990, ISBN 3506774824

Homosexualität und Medizin

Die psychiatrische Pathologisierung der Homosexualität begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde als Symptom einer inneren Verkehrung des Geschlechtsempfindens ("konträre Sexualempfindung", "Inversion") aufgefasst. 1869 publizierte der Berliner Nervenarzt Carl Westphal den ersten wissenschaftlichen Aufsatz zu diesem Thema, in welchem er auch den Terminus "conträre Sexualempfindung" einführte. Homosexualität wurde 1974 von der American Psychiatric Association (APA) auf Grund eines Beschlusses aus dem Jahr zuvor aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen. Zuvor galt Homosexualität als psychische Erkrankung. Allerdings existierte von da an im DSM-II die "sexuelle Orientierungsstörung", später im DSM-III "ich-dystone Homosexualität" genannt, mit der ein Zustand anhaltenden Leidens an der eigenen Homosexualität diagnostiziert werden konnte. Seit 1980 (ab DSM-III-R) besteht auch diese Diagnose nicht mehr. Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die Homosexualität erst 1992 mit der Publikation der ICD-10 entfernt. In der ICD-8 wurde jedoch Homosexualität bereits als umstrittenes Krankheitsbild dargestellt. Trotz der offiziellen Entpathologisierung der Homosexualität und der Entwicklung spezieller Psychotherapieansätze für Schwule und Lesben (Gay Affirmative Psychotherapy) gibt es weiterhin eine Minderheit an Medizinern bzw. Psychotherapeuten, die Homosexualität als Störung auffassen (z.B. Charles Socarides, Joseph Nicolosi), insbesondere aus dem Umfeld konservativer protestantisch-fundamentalistischer Gruppierungen in den USA (Ex-Gay-Bewegung).

Aids

Ex-Gay-Bewegung schützen]] Zur Emanzipation der Schwulen trug – ebenfalls neben der Öffentlichkeitsarbeit – auch stark die so genannte Aids-Epidemie zu Beginn der 1980er Jahre bei. Dies klingt zunächst widersprüchlich, da sich Aids in den westlichen Ländern, vermutlich aufgrund der höheren Promiskuität und der hohen Ansteckungsgefahr insbesondere bei Analverkehr, zunächst stark in schwulen Kreisen verbreitete. Durch die von den AIDS-Hilfen und der deutschen Bundesregierung angestoßenen Aufklärungs-Kampagnen geriet das Tabu-Thema Homosexualität aber stärker in den Blick der Öffentlichkeit. Dadurch wurde nicht nur Aufklärung über HIV und das Aids-Syndrom erreicht, vielmehr wurde als Vorsichtsmaßnahme für sichere Sexualpraktiken (Safer Sex) geworben. Dabei konnten auch viele Fehlmeinungen und Vorurteile im Massenbewusstsein über Schwule und Lesben korrigiert werden. Es lässt sich eine stetig steigende Toleranz in der Bevölkerung gegenüber Homosexualität feststellen. Die moralischen Gesellschaftswerte haben sich verschoben, auch wenn manche Menschen Homosexualität verurteilen oder homosexuelle Menschen abwerten. Viele Menschen bringen schwule Sexualität automatisch mit Aids in Verbindung. Schwule sind jedoch nach herrschender medizinischer Ansicht nur dann dieser besonderen Risikogruppe zuzurechnen, wenn sie ungeschützten Analverkehr haben, da die Verletzungsgefahr bei analer Penetration höher ist als bei vaginaler Penetration.

Wissenschaft und Homosexualität

Bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Homosexualität (beispielsweise unter biologischen, evolutionären oder psychologischen Aspekten) ging es häufig immer um einen ähnlichen Fragenkomplex. Nach moderner Sichtweise erscheinen allerdings viele dieser Fragestellungen als diskriminierend:
- Können besondere Faktoren ausgemacht werden, die zu Homosexualität beim Menschen führen?
- Ist die Homosexualität bei allen homosexuellen Menschen, oder bei einem Teil, durch angeborene Faktoren bedingt?
- Ist sie bei allen Homosexuellen oder bei einem Teil durch erworbene Faktoren bedingt?
- Ist Homosexualität als Gesamterscheinung, oder aber bei einzelnen Homosexuellen als abnorm oder krankhaft einzustufen? Das würde auch bedeuten, dass eine Heilung oder Bekehrung möglich oder notwendig wäre.
- Kann es sich auch um eine freie Willensentscheidung handeln, wenn jemand homosexuell wird? Welche Faktoren beim Einzelnen zu Homosexualität führen lässt sich nicht sicher sagen; es werden zwar immer wieder körperliche oder psychische Faktoren entdeckt, die sich aber bisher in keinem Fall empirisch belegen ließen. Zum einen wird behauptet, dass die sexuelle Orientierung schon vor der Geburt angelegt ist. Dagegen wird gehalten, dass sich Homosexualität erst durch gewisse Identifikationsprozesse in der frühen Kindheit oder auch besondere Abläufe in der Pubertätsphase oder auch später ausprägen würde. Außerdem werden Mischtheorien vertreten, die besagen, dass eine Kombination von beidem vorläge. Der wissenschaftliche Streit über die Ursachen ist sehr alt. So lange jedes homosexuelle Verhalten strafbar war, waren die Argumentationen in diesem Streit oft von dem Bestreben geleitet, entweder die "Unausweichlichkeit" homosexuellen Verhaltens zu belegen und damit die Forderung nach dessen Straflosigkeit zu begründen oder aber es als Erscheinung "moralischen Verfalls" zu kennzeichnen, dem mit Bestrafung entgegengewirkt werden müsse. In der Schwulen- und Lesbenbewegung wird die Forschung nach Ursachen der Homosexualität oft kritisch gesehen, weil befürchtet wird, dass die Erforschung der Ursache dem Zweck dienen könne, als schwul beziehungsweise lesbisch vermutete Föten abzutreiben oder ggf. gentechnische Korrekturen vorzunehmen. Hinzu kommt, dass eine objektive Ursachen-Forschung auch die Untersuchung der Ursache von Heterosexualität einschließen müsste. Außerdem wird oder wurde oft nur nach der Bestätigung von Vorurteilen, das heißt z.B. einer biologischen 'Verweiblichung' homosexueller Männer oder einer 'Vermännlichung' homosexueller Frauen gesucht. So scheint so manche Untersuchung gezielt nach dem Motto "Was ist hier wohl falsch gelaufen?" vorzugehen und bei der Interpretation von Ergebnissen in Klischeevorstellungen passende Dinge bei homosexuellen Menschen herauszuheben und bei heterosexuellen Menschen zu ignorieren. Eine Zusammenfassung und Kritik der aktuelleren Ansätze und Untersuchungen zur männlichen Homosexualität liefert Robert Allen Brookey 2002 mit seinem Band Reinventing the Male Homosexual.

Psychologie der Homosexualität

Die sexuellen Neigungen als solche bestimmen noch nicht die psychologische Identität eines Menschen, da dazu wesentlich die freie Stellungnahme gehört. Nicht jede/r so genannte "Homosexuelle" empfindet Neigungen derselben Art und Intensität wie ein andere/r. Manche haben starke und dauernde homosexuelle Empfindungen; bei anderen sind diese nur leicht und vorübergehend. Es wäre eine Reduktion einer komplexen Realität, wollte man dabei alles über einen Kamm scheren. Dabei würde man den jungen Menschen, die auf der Suche nach ihrer Identität sind, gerade nicht helfen.

Homosexualität und Biologie

Homosexuelles Verhalten unter Tieren

Identität Homosexuelles Verhalten ist unter Vögeln und Säugetieren weit verbreitet. Es lässt sich beispielsweise unter den Zwergschimpansen beobachten, die nicht nur, was für Menschenaffen ungewöhnlich ist, über eine matriarchale Gesellschaftsstruktur verfügen, sondern auch eine vollständig bisexuelle Tierart sind. Obwohl das auch für die Männchen gilt, sind die Bonobos vor allem für ihren Lesbianismus bekannt. Einige Trauerschwäne Australiens bilden darüber hinaus sexuell aktive männliche Paare, die entweder Nester stehlen oder zeitweilige Dreierbeziehungen mit Weibchen eingehen, um in den Besitz von Eiern zu gelangen. Sobald die Eier gelegt sind, wird das Weibchen vertrieben. Ihr gemeinsamer Nachwuchs erreicht das Erwachsenenalter dabei häufiger als derjenige von gemischtgeschlechtlichen Paaren. Im Zoo von Bremerhaven (Deutschland) leben momentan drei homosexuelle Paare von Pinguinen.

Genetische Diskussion

1993 wollte der amerikanische Forscher Dean Hamer ein "Schwulen-Gen" auf dem X-Chromosom entdeckt haben, das für die männliche Homosexualität mitverantwortlich sein soll. Es h

Sexuelle Orientierung

Sexuelle Orientierung bzw. Sexualorientierung, oder auch sexuelle Neigung, bezeichnet die Hauptzielrichtung der sexuellen Interessen einer Person in Hinblick auf die gewünschten Partner.

Arten

Der Begriff wird im Zusammenhang mit der Abgrenzung sexueller Interessen verwendet, die unter anderem durch folgende Begriffe bezeichnet werden:
- Nach der Übereinstimmung mit dem Geschlecht des Partners:
  - Heterosexualität – Partner des anderen Geschlechts sind von Interesse
  - Homosexualität – Partner des gleichen Geschlechts sind von Interesse
  - Bisexualität – Partner beiderlei Geschlechts sind von Interesse
- Nach dem Alter des Partners:
  - Pädophilie – Kinder sind von Interesse
  - Ephebophilie – Jugendliche sind von Interesse
  - Gerontophilie – wesentlich ältere Menschen sind von Interesse
- Nach der Anzahl der Partner:
  - Monogamie oder Monoamorie - nur ein Partner ist von Interesse
  - Polyamorie - es besteht eine Orientierung zu mehreren Partnerschaften oder Liebesbeziehungen
- Sonstige:
  - Amelotatismus – behinderte Menschen sind von Interesse
  - Zoophilie – Tiere sind von Interesse
  - Nekrophilie – Leichen sind von Interesse

Historische Aspekte

Der Gedanke einer sexuellen Orientierung existierte vor dem 19. Jahrhundert noch nicht; heterosexueller Vaginalverkehr galt als allgemeine Normalität, andere Formen von Sexualverkehr als ein ebenfalls allgemein verbreitetes Laster, also nicht als etwas das nur bestimmte, besondere Personen betraf. In vielen nichtwestlichen Kulturen hat sich der Gedanke einer sexuellen Orientierung erst in den letzten Jahrzehnten verbreitet. Ab dem 19. Jahrhundert bis weit ins 20. hinein wurde häufiger der Begriff "sexuelle Veranlagung" gebraucht. Daran war von verschiedenen Seiten die Kritik erhoben worden, dass damit implizit eine Vererblichkeit und eine Unabänderlichkeit behauptet würde, für die es keine Belege gebe. Der Begriff "sexuelle Orientierung" trägt dem Umstand Rechnung, dass es im Laufe des Lebens Veränderungen der sexuellen Orientierung geben kann.

Rechtliche Aspekte

Der Begriff hat inzwischen auch Eingang in die Rechtssprache gefunden. Artikel 2 Absatz 3 der Landesverfassung von Thüringen verbietet die Bevorzugung und die Benachteiligung von Personen wegen ihrer sexuellen Orientierung. Ein Verbot der Diskriminierung wegen der "sexuellen Identität" findet sich in den Landesverfassungen von Berlin, Brandenburg und Bremen. "Sexuelle Identität" soll jedoch im Gegensatz zu "sexueller Orientierung" auch Transsexuelle und Transgender mit einschließen; dies ist aber äußerst umstritten, da es sich bei Transgendern gerade nicht um eine Frage der Sexualität oder Partnerschaft handelt. Das Recht der Europäischen Gemeinschaft verwendet an einigen Stellen den Begriff "sexuelle Ausrichtung", der mit "sexueller Orientierung" identisch sein dürfte, z.B. in der Charta der Grundrechte (Art. 21 Absatz 1; Verbot der Diskriminierung) und in der Richtlinie 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf, die neben anderen Diskriminierungen solche wegen der "sexuellen Ausrichtung" bekämpfen soll.

Psychologische Aspekte

Im Allgemeinen wird die sexuelle Orientierung als sehr früh im Leben erworben aufgefasst, sei es auf Grund angeborener oder in frühester Kindheit erworbener Disposition. Neuere Studien legen nahe, dass gerade bei Frauen die sexuelle Orientierung flexibler ist und sich im Erwachsenenalter noch ändern kann, während Männer wesentlich fixierter sind.

Psychiatrische Aspekte

Laut ICD-10 ist die sexuelle Orientierung als solche nicht als Störung anzusehen. Wohl aber können "Psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit der sexuellen Entwicklung und Orientierung" diagnostiziert werden (Code F66). Hierzu zählen die "Ichdystone Sexualorientierung" (F66.1), bei der die/der Betreffende wünscht, ihre/seine sexuelle Orientierung zu ändern, die "Sexuelle Reifungskrise" (F66.0), die sich auf psychische Probleme im Zusammenhang mit Unsicherheit oder Wandel der Sexualorientierung bezieht und die "Sexuelle Beziehungsstörung" (F66.2), bei der die Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung Probleme bereitet im Hinblick auf bestehende oder angestrebte sexuelle Beziehungen. NB: Unter "sexueller Orientierung" werden hier nur Hetero-, Homo- und Bisexualität verstanden, nicht die Paraphilien, d.h. von der "Norm" abweichenden sexuelle Vorlieben. ----- Siehe auch: Paraphilie ----- Mit der sexuellen Orientierung nicht zu verwechseln sind die folgenden Begriffe:
- Intersexualität – nicht eindeutig weibliche oder männliche Geschlechtsmerkmale
- Transgender – andersgeschlechtliche oder geschlechtsneutrale Geschlechtsidentität oder Rollenverhalten
  - Transsexualität – Gegengeschlechtliche Geschlechtsidentität
  - Transvestitismus – Tragen der Bekleidung des anderen Geschlechts Diese stammen aus dem (umstrittenen, [siehe oben]) Bereich sexuelle Identität (siehe Identitätsgeschlecht, Sex und Gender) Kategorie:Sexualität Kategorie:Sexuelle Neigung ja:性的指向

Sexualität

Sexualität (sinngemäß „Geschlechtlichkeit“, von spätlat.: sexualis; aus lat.: sexus Geschlecht) bezeichnet im weiteren biologischen Sinne die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern.

Evolution der Sexualität

Die Herausbildung der Sexualität ist ein Faktor und gleichzeitig das Ergebnis der biologischen Evolution. So gilt die Entstehung genetisch unterschiedlicher Geschlechter als Ausgangspunkt für die Entwicklung höherer Lebewesen aus den ursprünglich geschlechtslosen Einzellern. Man nimmt an, dass sich die Sexualität erst spät in der Evolution - vor ca. 600 Millionen Jahren etabliert hat. Haben sich anfangs die Lebewesen durch einfache Zellteilung zu vermehren vermocht, ist am Ende dieser Evolution der Reproduktionsapparat auf die bekannten zwei Geschlechter verteilt. Eine Reproduktion stellt sich nur noch als Folge dessen, was wir Sexualität nennen, ein. Sexualität ist demzufolge keine Höherentwicklung, sondern der Versuch der Natur die Reproduktionsfähigkeit zu erhalten. In der Zoologie erschließt sich der Erfolg für das Prinzip "Reproduktion durch Sexualität" erst durch des Verständnis eines zwangsläufig begleitenden Evolutionsschrittes. Es mussten Sinnessysteme (Sinnesorgane mit nachgeordneten verhaltensrelevanten Instanzen) entwickelt werden, die eine Suche und Findung potenzieller Geschlechtspartner der eigenen Art erst möglich machten. Anfangs sicher noch auf biochemischen Sinnesreizen basierend entwickelte sich in der Folge eine Vielzahl von Sinnessystemen, bei denen die des Menschen an Leistungsfähigkeit oftmals überboten werden. Und es ist kein Zufall, dass noch heute einer der angenehmeren Reize in dem Anblick eines potenziellen Sexualpartners besteht. Dass diese Sinnessysteme dann auch in dem anderen Lebensbereich - dem Selbsterhalt - einen Selektionsvorteil versprachen, ist nachzuvollziehen. Auch der allseits zitierte Vorteil der Möglichkeit einer genetischen Rekombination ist so mehr als Folge denn als Ursache des Erfolges der sexuellen Reproduktion zu sehen. Wenn auch für männliche Individuen gilt, dass sie mit dem Geschlechtsakt ihren Teil zur erfolgreichen Reproduktion beigetragen haben, deuten die ethologischen Erkenntnisse der letzten Jahre in eine andere Richtung. Für viele Tierarten und Menschen stellt die gemeinsame Sexualität die Basis für vielfältigste weitergehende Sozialstrukturen dar, die im Extremfall die lebenslange exklusive Sexualpartnerschaft zwischen einem Weibchen und einem Männchen bedeutet. An diesem Beispiel deutet sich ein weiteres wichtiges Merkmal der Sexualität an. Allen uns bisweilen skurril anmutenden Sexualverhaltensmustern, die oft nach einem sehr starren Schema ablaufen, ist eines zwangsläufig gemeinsam: Diese Muster sind auf etwas oder jemanden in der Außenwelt des Individuums gerichtet; in der optimalen und biologisch sinnvollen Form auf einen gegengeschlechtlichen Artgenossen. Nur so kann die Weitergabe der Gene über den reproduktiven Erfolg organisiert worden sein. Dieses Verhalten wie auch seine Orientierung hat die Natur niemals einem mehr oder weniger zufälligen Sozialisationserfolg überlassen. Auch noch bei Säugetieren sind diese Funktionen in bestimmten Gehirnarealen zu lokalisieren und durch Hirnreizungsexperimente auszulösen. So lässt sich z.B. durch Liäsionen die Gerichtetheit des Sexualverhaltens aufheben, sodass die Versuchstiere ein Kopulationsverhalten auch mit artfremden Partnern anstreben.

Einzeller und Bakterien

Einzeller wie das Pantoffeltierchen betreiben Konjugation als sexuellen Akt. Sogar Bakterien zeigen sexuelle Phänomene, sie entwickeln so genannte F-Pili, durch die sie Teile des Erbguts austauschen; dies erfolgt unabhängig von der Vermehrung, die durch Zellteilung erfolgt.

Pflanzen und Tiere

Bei Eukaryonten (d.h. Tieren, Pflanzen, Pilzen und Protisten) bedeutete die Trennung in verschiedene Geschlechter den Übergang zur geschlechtlichen Fortpflanzung und Vermehrung durch den Austausch und die Rekombination von Erbgut bei der Befruchtung und die Bildung einer befruchteten Keimzelle. Die Entwicklung eines durch Hormone gesteuerten Systems war ein weiterer Schritt zur Herausbildung sexueller Verhaltensweisen. Neben der Fortpflanzung mittels Austausch von Erbinformationen hat geschlechtlicher Verkehr bei höheren Organismen teils auch eine soziale Bedeutung, insbesondere bei den Primaten wie dem Menschen und den Zwergschimpansen (Bonobo). Zur Entstehung der Sexualität bei Pflanzen und ihrer Modifikation im Verlauf der Stammesgeschichte siehe auch: Generationswechsel.

Sexualität des Menschen

Beim Menschen scheint die Sexualität im Gegensatz zu fast allen Tieren kein reines Instinktverhalten zu sein, sondern sie unterliegt auch bewussten Entscheidungsprozessen. Menschen drücken ihre sexuelle Anziehung zum Anderen durch unterschiedliche Formen und Aspekte aus: Zärtlichkeit, verschiedene sexuelle Praktiken, Worte, im negativen Sinne durch besitzergreifendes Verhalten und im Extrem durch Formen sexueller Gewalt. Ab welchem Alter sich Sexualität beim Menschen zeigt, ist noch heute Gegenstand von Diskussion. Der Triebtheorie von Sigmund Freud zufolge, die heute noch gültige Lehrmeinung ist, entsteht sie nicht erst in der Pubertät, sondern bereits ab der Geburt (siehe kindliche Sexualität). Ein Vorhandensein des Sexualtriebes und sexuell gefärbter Handlungen bereits bei Kindern wird heute von den meisten Fachleuten bestätigt und ist in den Bereichen Psychologie, Pädagogik und Medizin allgemeine Lehrmeinung. Bei Säuglingen findet laut Freud die Entwicklung der Sexualität ihren Anfang mit der oralen Phase, ein explizites Interesse an den Geschlechtsteilen findet erst später, etwa ab 3. bis 5. Lebensjahr statt. Die Sexualität des Menschen beeinflusst seine Psyche, seine persönliche Entwicklung, die Formen seines Zusammenlebens sowie - auch beeinflusst von der Sexualmoral - die gesamte Sozialstruktur, also die Kultur und Gesellschaft, in der er lebt. Da zwischen der Sexualität des Mannes und der Sexualität der Frau teils erhebliche Unterschiede bestehen, führt diese Diskrepanz bei der Heterosexualität zu mannigfaltigen Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Geschlechtern. Nicht nur sexuelle Funktionsstörungen bei Frau und Mann sind damit allerdings oft die Folge mangelnder Anpassung auf beiden Seiten. Abweichend von der am weitesten verbreiteten Ausrichtung des Sexualverhaltens, der Heterosexualität, sind im Sexualverhalten des Menschen weitere sexuelle Orientierungen vorhanden wie zum Beispiel die Homosexualität, also die gleichgeschlechtliche Ausrichtung des Sexualtriebs, sowie die Bisexualität, die sich auf beide Geschlechter richtet. Früher teilweise tabuisiert und verboten, gewinnen sie heute in aufgeklärten Gesellschaften zunehmend an Akzeptanz und sind in vielen Ländern heute gesetzlich legal. Andere Abweichungen des menschlichen Sexualverhaltens, wie die Ausrichtung des Sexualtriebs auf Kinder (Pädophilie), Tiere (Sodomie), Tote (Nekrophilie) werden in Deutschland strafrechtlich verfolgt.

Sexualität und Gesellschaft

"Aufklärungsfilme"

Schon 1917 hatte Richard Oswald den Aufklärungsfilm über Geschlechtskrankheiten "Es werde Licht!" im Auftrage des Kriegsministeriums gedreht. Der Film brachte eine Filmlawine ins Rollen. Allein dieser Film hatte drei Folgen. 1919 brachte Oswald das Problem Homosexualität und Erpressung in einer kriminalistischen Handlung unter: "Anders als die anderen". Weil vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1920 keine Filmzensur in Deutschland existierte, folgte 1919 auf die Welle der "Aufklärungsfilme" die der eigentlichen spekulativen Sexfilme, damals noch Sittenfilme genannt. In den 60er Jahren wiederholte sich das Geschäft auf eine erstaunlich ähnliche Weise.

Spielfilme zum Thema 'Liebe' und 'Sexualität'


- Helga (Premiere 22. September 1967) (mit Entbindungsszene!!)
- Oswalt Kolle: Dein Mann, das unbekannte Wesen (1968)
- Eis am Stiel (Teile 1-8)
- Woody Allen: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten (USA 1972)
- Filme von François Truffaut und Eric Rohmer
- Mike Nichols: Die Reifeprüfung (USA 1967; mit Dustin Hoffman)
- Michel Deville: Die Vorleserin (Frankreich 1988)
- Jean-Charles Tacchella: Der kleine Tod der feinen Damen (Frankreich 1990)
- Denys Arcand: Love and Human Remains, Kanada 1993
- Patrice Chéreau: Intimacy (2001)
- Steven Shainberg: Die Sekretärin (2002)

Siehe auch


- AIDS, Safer Sex
- BDSM
- Empfängnisverhütung
- Fortpflanzung
- Geschlechtspartner
- Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität
- Hominisation
- Libido, Triebverzicht
- Monogamie, Polyamorie, Polygamie
- Nacktheit
- Orgasmus
- Pornografie
- Pornografiesucht
- Portal:Zusammenleben, Partnerschaft und Sexualität
- Psychoanalyse
- Sexualität der Frau
- Sexualpraktik
- Sexualkunde, Sexualpädagogik
- sexuelle Dysfunktion
- sexuelle Aufklärung, sexuelle Revolution

Literatur


- Ariés/Béjin/Foucault u.a.: Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit / Zur Geschichte der Sexualität im Abendland (1982), ISBN 3100009029
- Meyers Lexikonredaktion: Schülerduden Sexualität (1997), ISBN 3411054913
- Georges Bataille, Die Erotik, München 1994
- Erwin Haeberle: dtv-Atlas Sexualität (2005)
- Ernest Borneman: Lexikon der Liebe. Materialien zur Sexualwissenschaft. 4 Bde. (1978)
- Erwin Haeberle: Die Sexualität des Menschen (1978) [http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/index.html]
- Michel Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt am Main 1983
- Masters und Johnson: Liebe und Sexualität (1993)
- Michael Carrera: Sex. Facts, Acts, Feelings (1981; dt. 1982), ISBN 3550077106
- Alex Comfort: The Joy of Sex (1972; dt. Freude am Sex, 1976), ISBN 3550077777
- Lonnie Barbach: Welche Farbe hat die Lust? Frauen erzählen ihre erotischen Phantasien (1987), ISBN 355007820X
- Helen Fisher: Anatomie der Liebe (1993), ISBN 3426266636
- Renate-Berenike Schmidt: Lebensthema Sexualität (2003) ISBN 3-8100-3516-5
- [http://www.hejj.de Andreas Hejj]: Traumpartner - Evolutionspsychologie der Partnerwahl, 1996, ISBN 3540605487
- Rüdiger Lautmann, Michael Schetsche: Sexualität im Denken der Moderne. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hg. Joachim Ritter und Karlfried Gründer, Band 9, Basel: Schwabe & Co, Spalte 730-742.
- Phillipp Balzer, Klaus Peter Rippe (Hrsg.): Philosophie und Sex München: dtv. ISBN 3-423-30728-5
- Christian Schuldt: Der Code des Herzens. Liebe und Sex in den Zeiten maximaler Möglichkeiten (2005), Frankfurt a.M.: Eichborn, ISBN 3821855924
- Wolfgang Müller (1990): Das "Fremde" in deutschen Wörterbüchern: die Sexualität; in: Akten des VIII. Internationalen Germanisten-Kongresses , Tokyo 1990, Band 4, iudicium Verlag, Seite 237 bis 246
- Wolfgang Müller (1994): Sexualität und Sprache; in: Let´s talk about sex - Eine sexualpädagogische Schrift als Streitobjekt; Reihe "Blickpunkt Gesundheit"
- 2; (Hg.) Peter Sabo/Reiner Wanielik, Seite 14 bis 20
- Wolfgang Müller (1996): Sexualität in der Sprache. Wort- und zeitgeschichtliche Betrachtungen; in: Jugendliche Sexualsprache - eine gesellschaftliche Provokation. Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik; Landauer Universitätsschriften, Knecht Verlag (Hg. Norbert Kluge), S. 137 bis 171
- Wolfgang Müller (1996): Die schönste Sache der Welt. Über Sexualität sprechen und schweigen; in: ide, Zeitschrift für den Deutschunterricht in Wissenschaft und Schule, Informationen zur Deutschdidaktik, Klagenfurt, 2/96, Seite 31 bis 44
- Wolfgang Müller (1998): Wörterbücher der Zukunft oder: Terrae incognitae; in: Wörterbücher in der Diskussion III; Lexicographica. Series Maior, Band 84, darin: Das Wörterbuch der lexikalisch und der lexikographisch dokumentierten Sexualität, Seite 250 - 259
- Wolfgang Müller (2001): Seid reinlich bei Tage und säuisch bei Nacht (Goethe) oder: Betrachtungen über die schönste Sache der Welt im Spiegel der deutschen Sprache - einst und jetzt; in: Rudolf Hoberg (Hg.): Sprache - Erotik - Sexualität. Berlin (Erich Schmidt Verlag), Seite 11 bis 61
- Wolfgang Müller (2001): Von galant bis vulgär. Wortschatz und Geschichte der Sexualsprache; in: pro familia magazin, 04/2001; Seite 4 - 7
- Wolfgang Müller (2003): Wörter und Bezeichnungen für Sexuelles im Großen Wörterbuch der deutschen Sprache in 10 Bänden (Duden); in: Untersuchungen zur kommerziellen Lexikographie der deutschen Gegenwartssprache I, Lexicographica Series Maior, Band 113, Seite 303-316
- Wolfgang Müller (2004): Sage mir, woran du dabei denkst, und ich weiß etwas über dich. Oder weniger sibyllinisch: Von der Mehrdeutigkeit der Wörter; in: tribüne (Wien) 2/2004, S. 8-13
- Pschyrembel Wörterbuch Sexualität, bearbeitet von Stephan Dressler und Christoph Zink, Berlin 2003
- Jody Skinner (1999): Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen. Band I: Eine lexikologische Analyse und eine lexikographische Aufgabe; Band II: Ein Wörterbuch, Essen 1999
- Max Marcuse: Handwörterbuch der Sexualwissenschaft. Neuausgabe mit einer Einleitung von Robert Jütte; Nachdruck von 1926; Berlin 2001

Weblinks


- Archiv für Sexualwissenschaft http://www2.hu-berlin.de/sexology/
- [http://www2.hu-berlin.de/sexology/IES/xmain.html The International Encyclopedia of Sexuality (ed. R.T.Francoeur)]
- [http://www2.rz.hu-berlin.de/sexology/GESUND/ARCHIV/GUS/PREFACE.HTM Growing Up Sexually], Studie zur sexuellen Entwicklung in primitiven Gesellschaften
- [http://www.online-club.de/~rp10524/index.htm Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung]
- http://www.sexualberatung4you.de
- http://www.geschichte-der-sexualitaet.de ! ja:性行為 ko:성문제

Lesbe

Als Lesben oder Lesbierinnen werden homosexuelle Frauen bezeichnet, also Frauen, die sich emotional und sexuell zu anderen Frauen hingezogen fühlen und/oder Geschlechtsverkehr mit ihnen haben und/oder mit einer Frau in Partnerschaft leben (wollen). Das Wort Lesbierin wird von vielen Lesben als veraltet abgelehnt. Das Wort lesbisch leitet sich von der griechischen Insel Lesbos (Λέσβος; heutige Aussprache: Leswos) ab, die sich im ostägäischen Meer befindet. Die antike griechische Dichterin Sappho, die im 6. Jahrhundert v. Chr. auf Lesbos lebte, hatte in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen besungen. Wie viele Wörter aus dem Sexualbereich wird das Adjektiv lesbisch bisweilen pejorativ (abwertend) gebraucht. Seit der Bürgerrechtsbewegung Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre, in deren Zusammenhang auch homosexuelle Frauen und Männer für ihre Gleichberechtigung demonstrierten, werden die Ausdrücke „Lesbe“ bzw. „lesbisch“ in selbstbewusster Form als Selbstbezeichnung verwendet (ebenso wie "schwul"). Die lesbische Subkultur hat sich immer (mehr als die Schwulenbewegung) auch als politische Bewegung verstanden, Lesben waren und sind dabei insbesondere häufig in der allgemeinen Frauenbewegung aktiv, und verstanden den Kampf für die Rechte von Lesben lange nur als Teil des allgemeinen Kampfes für die Rechte von Frauen. Eine starke eigene Lesbenbewegung entstand daher erst später, in den 1980er Jahren, zu einer breiteren Zusammenarbeit mit der Schwulenbewegung oder bei LGBT-Projekten (Lesbisch, Gay, Bisexuell und Transgender) kam es noch später. Nicht alle Lesben und/oder lesbischen Organisationen sind zu solchen Zusammenarbeiten bereit.

Butches und Femmes

Bis in die 1970er Jahre war in der lesbischen Subkultur die Unterteilung in "Butches" (im angloamerikanischen Raum, im deutschsprachigen Raum auch als KV = „kesser Vater“ bezeichnet), betont maskulin auftretende Frauen, und "Femmes", betont weiblich auftretende Frauen, durchaus gängig, allerdings meist nicht zwingend. Butches fühlen sich meist zu Femmes hingezogen, genauso gab und gibt es aber auch "butch-butch"- oder "femme-femme"-Beziehungen. Diese klassische Unterscheidung in Butch und Femme galt nach dem Aufkommen des Feminismus während der 1970er und 1980er Jahre als „nicht politisch korrekt“ und wurde in der Lesbenszene abgelehnt. Dieser Teil lesbischer Geschichte wird beispielsweise in Leslie Feinbergs Träume in den erwachenden Morgen dargestellt. (1) Seit der Mitte der 1990er Jahre tauchen Butches und Femmes wieder vermehrt in der lesbischen Subkultur auf, aber keineswegs alle Lesben sind entweder das eine oder andere, auch gibt es "Switcher", die mal die eine, und mal die andere Rolle genießen. Butches und Femmes sind vor allem vor dem Hintergrund der Kategorienkritik der Queer Theory umstritten. Außerdem wird in der Lesbenszene kritisiert, dass Femmes und Butches "Heterokopien" seien, die negative patriarchale Strukturen und Machtverhältnisse stützen würden. Es gibt zunehmend wieder Femmes und Butches, die sich von dieser Kritik und den Vorurteilen emanzipieren und betonen, Femme/Butch sei keineswegs eine "Heterokopie", da zum einen die Femme ja eine (wenn auch "maskuline") Frau wählt und keinen Mann, und die Butch eine lesbische Frau (die femme), und keine heterosexuelle Frau. Zum anderen wurde mit Judith Butler eingewandt, dass das Konzept einer Kopie ein Original voraussetzt, das indessen nicht existiere, da es keine ontologischen Kriterien gebe, nach denen Heterosexuellen bzw. femininen Frauen und maskulinen Männern die „natürliche“, „nicht abgeleitete“, „richtige“ Genderperformanz zugesprochen werden könnte.

Lesbischsein in der heutigen Zeit

Seit dem Ende der 1990er Jahre ist eine zunehmende Integration der 'lesbischen Subkultur' sowohl in die mediale als auch in die reale Lebenswirklichkeit zu beobachten. Nicht zuletzt durch das Lebenspartnerschaftsgesetz treten pragmatische Fragen (z.B. steuerrechtliche Bedingungen, Adoptionsrecht) in den Vordergrund.

Lesben und Transsexualität

Mehr noch als Butches und Femmes werden Drag Kings und Transmänner, insbesondere solche, die eine Verbindung zur lesbischen Subkultur haben oder hatten, kritisiert. Insbesondere Transmänner, welche geschlechtsangleichende Maßnahmen vornehmen ließen, wurden besonders nach dem Erscheinen von The Transsexual Empire 1979 (2) aus lesbischen Kreisen ausgeschlossen. Dies hat sich erst in den letzten Jahren wieder geändert, weil sich die Vorstellung, dass Transmänner grundsätzlich Lesben seien, welche lediglich einem gesellschaftlichen Druck zur Normativität (und eben nicht ihrer eigenen Geschlechtsidentität) nachgäben und damit Frauen und Lesben verrieten, als falsch herausstellte. Mittlerweile ist in weiten Teilen der lesbischen Subkultur (aber nicht überall) auch Männlichkeit in diesen Formen meist zugelassen, ausschlaggebend ist die Selbstidentifikation der betreffenden Personen. Die meisten Drag Kings betrachten sich selber als Lesben, und zunehmend betrachten sich Transmänner, welche vor dem Geschlechtsrollenwechsel Teil der lesbischen Szene waren, weiterhin als lesbisch. Problematisch ist auch die Integration von lesbischen Transfrauen in die lesbische Subkultur; das bereits angesprochene Transsexual Empire bezeichnete solche Transfrauen nämlich als „gestörte Männer“, welche Teil einer patriarchalischen Verschwörung seien, um Frauenräume mit Männern zu besetzen und durch die körperliche Angleichung Frauenkörper zu „vergewaltigen“. Auch die hauptsächlich dadurch erfolgende Ablehnung lesbischer Transfrauen lässt erst seit einigen Jahren nach; während viele Lesben- und Frauengruppen, -veranstaltungen usw. auch für Transfrauen offen sind, stehen andere weiterhin strikt nur „geborenen Frauen“ offen. Siehe auch: Queer, Bisexualität, Feminismus, Christopher Street Day, Drag King, Polyamorie, Themenliste Homosexualität

Literatur zum Thema weibliche Homosexualität

Belletristik


- Patricia Highsmith Carol ISBN 3257224877
- Leslie Feinberg Traeume in den erwachenden Morgen ISBN 3930041359
- Klaus Mann Anja und Esther, 1925 ISBN 3936618097
- Kate Millett Sita DTV, Mchn. 1989
- Kate Millett Fliegen I/II Kiepenheuer u. W., Köln 1982

Jugendbücher


- Mirjam Müntefering: Flug ins Apricot
- Marion Dane Bauer (Hg.): Am I Blue
- Doris Meißner-Johannknecht: Amor kam in Leinenschuhen

Sachbücher


- Waltraud Dürmeier u.a. (Hg.): Wenn Frauen Frauen Lieben ISBN 3-88104-196-6
- Lilian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present ISBN 0688133304
- JoAnn Loulan, M. Nichols, M. Streit u.a. (Hg.): Lesben Liebe Leidenschaft ISBN 3-922166-80-6
- Felice Newmann: Sie liebt sie: Das Lesbensexbuch ISBN 3-929823-76-4
- Stephanie Kuhnen: Rettet die Delphine-lesbische Lästereien, Quer-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89656-043-3
- Christa Schulte: Tantra für Genießerinnen ISBN 3930041251

Lesben und Transsexualität


- Janice G. Raymond The Transexual Empire: The Making of the She-Male ISBN 0807762725

Filme zum Thema weibliche Homosexualität/Auswahl


- Better than Chocolate
- Women love Women
- Aimée und Jaguar
- Raus aus Amal
- But I'm a cheerleader - Weil ich ein Mädchen bin
- Two Girls in love
- Kissing Jessica Stein
- Lost & Delirious
- When night is falling Siehe auch: Homosexualität im Film, Homosexualität im Fernsehen

Weblinks

Organisationen


- http://www.lesbenring.de/ Webseite des größten bundesweiten Lesbenverbandes
- http://www.lsvd.de Website des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD)
- http://www.los.ch Lesbenorganisation Schweiz

Portale/Communitys


- http://www.shoe.org Weltweit größte Lesbian Online Community
- http://www.lesben.org Größtes lesbisches Online-Portal
- http://www.lesbian.ch Lesbenportal Schweiz/Deutschland/Österreich
- http://www.her2her.com Lesbenportal/Deutschland/Schweiz/Österreich
- http://www.lesarion.de Online-Community für Lesben/Deutschland
- http://www.lesben-heute.de Lesbenportal Deutschland
- http://www.lesben-magazin.com Das lesbische Online-Magazin
- http://www.schwubs.info Schwule und Lesben in der Oberlausitz

Magazine


- http://www.lespress.de Großes deutsches Lesbenmagazin, Termine und Infos
- http://www.siegessaeule.de Lesbische Zeitschrift/Magazin ko:레즈비언 simple:Lesbian

480 v. Chr.


Zu diesem Jahrhundert v. Chr. existieren auch Wikipedia-Artikel zu den Jahrzehnten:
---- Das 5. Jahrhundert v. Chr. begann am 1. Januar 500 v. Chr. und endete am 31. Dezember 401 v. Chr..

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen


- Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. - König Alexander I. von Makedonien wird Olympionike bei den Olympischen Spielen.
- 500 v. Chr. - Tarent war eine Monarchie
- 497 v. Chr. - Einsetzung der Saturnalien
- 497 v. Chr. - Sieg der Römer über die Latiner in der Schlacht am See Regillus.
- 494 v. Chr. - In Rom wird das Amt des Volkstribuns eingeführt.
- 494 v. Chr. - Zerstörung Milets durch die Perser
- 493 v. Chr. - Bündnisvertrag zwischen Latinern und Römern.
- 490 v. Chr. - Schlacht bei Marathon: Niederlage Persiens gegen die Griechen
- 483 v. Chr. - Beginn der buddhistischen Zeitrechnung
- 482 v. Chr. - Themistokles betreibt in Athen ein Flottenbauprogramm und den Ausbau eines Krieghafens im Piräus
- 480 v. Chr.
  - Frühjahr: Perserkönig Xerxes I. zieht mit einem Heer von über 100.000 Mann nach Griechenland
  - 11. August: Erste Schlacht bei den Thermopylen, gleichzeitig Seeschlacht von Kap Artemision . Spartanerkönig Leonidas fällt samt seiner 300 Mann starken Leibgarde und ca. 1.000 Thespiern bei der Sicherung des Thermopylenpasses, um den Rückzug des griechischen Bündnisheeres und die Loslösung der griechischen Flotte vom Feind zu sichern
  - danach Plünderung Athens durch die Perser, Zerstörung der Akropolis
  - September: Seeschlacht von Salamis. Der Athener Themistokles lockt die Persische Flotte in einen Hinterhalt im Sund der Insel Salamis. Die griechische Flotte ist mit ihren Ruderschiffen der weit größeren Flotte der Perser, die auf engem Raum nur schwerfällig operieren kann, überlegen
- 479 v. Chr.
  - 27. August - An oder um diesen Tag finden mit der Schlacht von Platää und der annähernd gleichzeitigen Seeschlacht von Mykale die Perserkriege ein Ende. Die Perser werden von den verbündeten griechischen Kleinstaaten geschlagen.
  - Bau der Stadtmauer von Athen gegen den Einspruch der Spartaner
- 477 v. Chr.
  - Die Römer unterliegen im Krieg gegen die Veji
  - Der Stadtstaat Athen gründet den Delisch-Attischen Seebund
- 476 v. Chr. - Der größte griechische Chorlyriker Pindar wird an den Hof des Tyrannen Hieron I. nach Syrakus berufen.
- 474 v. Chr. - Seeschlacht vor Cumae, die Etrusker unterliegen den Griechen und verlieren ihren Einfluß in Suditalien.
- 464 v. Chr. - Schweres Erdbeben in Sparta, über 20.000 Todesopfer.
- 457 v. Chr. - Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems durch Artaxerxes
- 449 v. Chr. - Kalliasfriede: Das Perserreich schließt einen Kompromissfrieden mit Athen.
- 446 v. Chr. - Athen und Sparta schließen einen befristeten Frieden auf 30 Jahre.
- 443 v. Chr. - In Rom wird das Amt des Censors eingeführt.
- 442 v. Chr. - Die Antigone von Sophokles wird aufgeführt.
- 431-404 v. Chr. - Peloponnesischer Krieg
- 431-421 v. Chr. - Archidamischer Krieg
- 430 v. Chr. - Pestepidemie in Athen
- 429-427 v. Chr. - Belagerung von Plataeae
- 425 v. Chr. - Ein schweres Erdbeben erschüttert Athen, tausende Todesopfer. Durch die darauf folgende Flutwelle wurde Euböa zur Insel.
- 424-420 v. Chr. - die Samniten bringen Kampanien unter ihre Herrschaft.
- 415-413 v. Chr. "Sizilianische Expedition". Athen unterstützt Segesta gegen Syrakus und Selinus; Belagerung von Syrakus.
- 413 v. Chr. - Die Athenische Flotte wird im Hafen von Syrakus vernichtet.
- 413 v. Chr. - Dekeleischer Krieg
- 411 v. Chr. - Athen führt die Oligarchie ein, diese wird jedoch noch im selben Jahr durch Alkibiades gestürzt. Die Demokratie wird gestärkt, das allgemeine Klagerecht eingeführt.
- 404 v. Chr. - Athen kapituliert vor Sparta; Auflösung des Seebundes.
- Gründung von Phalassarna

Persönlichkeiten

Geboren


- um 500 v. Chr. - Perikles, athenischer Staatsmann († 429 v. Chr.)
- um 497 v. Chr. - Sophokles, griechischer Dramatiker († um 406 v. Chr.)
- 490 v. Chr. - Ion von Chios, vorsokratischer Philosoph und Dramatiker († 421 v. Chr.)
- um 485 v. Chr. - Herodot, griechischer Geschichtsschreiber († um 425 v. Chr.)
- um 480 v. Chr.
  - Antiphon (Redner), griechischer Philosoph (Sophist) († 411 v. Chr.)
  - Euripides, griechischer Dramatiker († 407 v. Chr.)
  - Gorgias, griechischer Philosoph (Sophist) († 380 v. Chr.)
- 469 v. Chr. - Sokrates, griechischer Philosoph († 399 v. Chr.)
- 460 v. Chr.
  - Demokrit, griechischer Philosoph († 371 v. Chr.)
  - Hippokrates, griechischer Arzt († um 375 v. Chr.).
- 455 v. Chr. - Thukydides, griechischer Geschichtsschreiber († um 400 v. Chr.)
- um 450 v. Chr. - Alkibiades, griechischer Feldherr († 404 v. Chr.)
- um 450 v. Chr. - Thrasymachos, griechischer Vorsokratiker (Sophist) aus Chalkedon
- um 448 v. Chr. - Agathon von Athen
- um 445 v. Chr. - Aristophanes, griechischer Satiriker und Komödiendichter († um 385 v. Chr.)
- um 435 v. Chr. - Philoxenos, griechischer Dithyrambendichter († 380 v. Chr.)
- 427 v. Chr. - Platon, griechischer Philosoph († um 347 v. Chr.)
- um 426 v. Chr. - Xenophon, griechischer Schriftsteller und Politiker († 355 v. Chr.)
- 408 v. Chr. - Antiphanes

Gestorben


- 497 v. Chr. - Aristagoras, Tyrann von Milet
- 493 v. Chr. - Histiaios, Tyrann von Milet
- 490 v. Chr. - Pheidippides, griechischer Bote
- 486 v. Chr. - Darius I., persischer König und Neuorganisator des persischen Großreichs
- 483 v. Chr. - Buddha, Religionsstifter des Buddhismus aus Süd-Nepal/Nord-Indien (
- 563 v. Chr.)
- 479 v. Chr. - Konfuzius, chinesischer Philosoph (
- 551 v. Chr.)
- 465 v. Chr. - Xerxes I., persischer König (
- um 519 v. Chr.)
- um 460 v. Chr. - Themistokles, griechischer Feldherr (
- um 525 v. Chr.)
- um 460 v. Chr. - Epicharmos, griechischer Philosoph, Komödienschreiber und Arzt (
- um 540 v. Chr.)
- 456 v. Chr. - Aischylos, griechischer Dichter (
- 525 v. Chr.)
- 429 v. Chr. - Perikles stirbt während des Peloponnesischen Krieg an der Pest (
- um 500 v. Chr.)
- 428 v. Chr. - Anaxagoras, griechischer Philosoph (
- um 500 v. Chr.)
- um 425 v. Chr. - Herodot, griechischer Geschichtsschreiber (
- um 485 v. Chr.)
- 421 v. Chr. - Ion von Chios, vorsokratischer Philosoph und Dramatiker († 490 v. Chr.)
- 411 v. Chr. - Antiphon (Redner), griechischer Philosoph (Sophist) (
- um 480 v. Chr.)
- 407 v. Chr. - Euripides, griechischer Dramatiker (
- um 480 v. Chr.)
- 406 v. Chr. - Sophokles, griechischer Dramatiker (
- um 497 v. Chr.)
- 404 v. Chr. - Alkibiades, griechischer Feldherr (
- um 450 v. Chr.)

Erfindungen und Entdeckungen


- Herodot (
- 485 v. Chr., † 425 v. Chr.) berichtet von der optischen Signalübertragung durch Feuerzeichen bei den Persern.
- Demokrit (
- 460 v. Chr., † 371 v. Chr.) postuliert die Existenz von Atomen als kleinste und unteilbare Teilchen, aus denen alle Materie zusammengesetzt ist.
- Im Peloponnesischen Krieg (431 v. Chr. bis 404 v. Chr.) werden militärische Geheimbotschaften mit Hilfe der Skytale verschlüsselt. 00-05 ja:紀元前5世紀 ko:기원전 5세기

Begriff

Begriff (mittelhochdeutsch begrif oder begrifunge) ist eine Zusammenstellung von Merkmalen, die in Gegenständen und Sachverhalten als deren identische Eigenschaften „begriffen“ werden. Der Begriff Begriff lässt sich nicht eindeutig vom Begriff Wort (der Bezeichnung eines Begriffs) trennen: Synonyme sind unterschiedliche Wörter für einen identischen Begriff, ein Homonym ist ein Wort, das für verschiedene Begriffe stehen kann. Unter einer Begrifflichkeit versteht man die Menge der Begriffe, die im Zusammenhang mit einem konkreten Thema, in einem bestimmten Kontext oder in einer bestimmten Theorie verwendet werden. Die Begriffe innerhalb einer Begrifflichkeit stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang und können häufig nur relativ aufeinander bezogen erläutert und definiert werden. In der Philosophie nimmt man die Begriffe als elementare Einheiten des Denkens an.

Begriffsumfang, Begriffsdefinition und Begriffsinhalt

Einige Theorien unterscheiden Begriffsumfang und Begriffsinhalt. Der Begriffsumfang (= Extension) ist die Menge (oder Klasse) aller Gegenstände, die der gegebene Begriff umfasst. Beispielsweise ist der Begriffsumfang des Begriffes „weiß“ die Menge aller weißen Gegenstände. Begriffe, die denselben Begriffsumfang haben, heißen äquipollent, umfangsgleich oder extensional gleich und gelten bei logischen Untersuchungen, insbesondere in der mathematischen Logik, häufig als identisch (siehe auch: Extensionalitätsprinzip). Wird ein Begriff weiter unterteilt, ist auf Dichotomie bei der Einteilung des Begriffsumfangs zu achten, um Fehlschlüsse zu vermeiden. Siehe Pseudodichotomische Einteilung eines Begriffsumfangs. Die Definition eines Begriffes wird in der Logik als angemessen bezeichnet, wenn Definiendum und Definiens, d.h. der zu definierende Begriff und der Ausdruck, der diesen definiert, gleichen Umfang besitzen. Zum Beispiel ist in der Definition : Ein Quadrat ist ein Rechteck mit vier gleich langen Seiten. diese Bedingung erfüllt: Die Begriffsumfänge von Quadrat, dem Definiendum, und Rechteck mit vier gleich langen Seiten, dem Definiens, decken sich völlig. Der Begriffsinhalt (= Intension) bezeichnet die Gesamtheit derjenigen im Bewusstsein vorhandenen Eigenschaften und Beziehungen von Gegenständen, die zur Begriffsbildung dienen. Zum Inhalt des Begriffes Zootechnik gehören z.B. alles, was als Eigenschaft dieser Technik verstanden wird. Wenn er aber kurz definiert werden soll, wenn die Grenzen des Begriffes festgestellt werden sollen, wählt man nur die wesentlichen Eigenschaften aus, und definiert z.B. „Zootechnik als die Technik von der Aufzucht, Fütterung, Haltung und richtigen Nutzung landwirtschaftlichen Nutzviehs zur Gewinnung hochwertiger Produkte“.

Historische Definitionen

Nach der klassischen auf der Antike fußenden Definition wird ein Begriff durch Abstraktion und Unterscheidung gewonnen. Im Mittelalter wurden Begriffe auch als Universalia post res (lat.: post = nach + res = Sache) bezeichnet, da im Begriff die Gemeinsamkeiten aller Exemplare der Sache, aus welcher der Begriff abstrahiert ist, enthalten sind (s.u.). In die Terminologie der deutschen Philosophie wurde der "Begriff" durch Christian Wolff eingeführt als eine jede Vorstellung einer Sache in Gedanken. Für