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Kreuzigung

Kreuzigung

Die Kreuzigung war eine in der Antike verbreitete Hinrichtungsart. Sie wurde im Orient, besonders im Römischen Reich und zuletzt noch im Osmanischen Reich angewandt. Man verhängte sie vor allem gegen entlaufene oder aufständische Sklaven.

Geschichte

Das Kreuzigen hat sich aus dem Aufhängen entwickelt. Bekannt wurde es zuerst von den Phöniziern, einem syrischen See- und Handelsvolk im Mittelmeerraum. Dort fesselte man Verurteilte an einen Baum - bei den Römern später „arbor infelix“ (Unglücksbaum) genannt - und überließ sie dann den Elementen oder dem Verdursten. Daher dauerte der Todeskampf oft Tage. Um 1000 v. Chr. erlebte diese Hinrichtungsmethode ihre erste Blütezeit. Durch die Handelskontakte der Phönizier gelangte sie ins Zweistromland zu den damals dort herrschenden Assyrern und nach Persien. Dort wurde ein Verurteilter nur festgebunden, aber noch nicht angenagelt. Seit dem Makedonischen Großreich wurde auch das Annageln praktiziert. Nun schuf man auch besondere Richtplätze, meist auf einem Berg oder Hügel, für die Kreuzigung, und benutzte eigens dafür vorgesehene Pfähle. 332 v. Chr. ließ Alexander der Große bei der Eroberung von Tyros etwa 2.000 Menschen so hinrichten. Von den Griechen und Karthagern übernahmen schließlich auch die Römer das Kreuzigen. Im Römischen Reich richtete man vorzugsweise Sklaven so hin, um andere Sklaven von der Flucht abzuschrecken. Nach der endgültigen Niederlage des aufständischen Sklavenheerführers Spartakus 71 v. Chr. wurden um die 6.000 seiner Anhänger entlang der Via Appia gekreuzigt. Seit der römischen Kaiserzeit verbreitete sich die Kreuzigung als Strafe gegen Nichtrömer. Römische Bürger wurden niemals gekreuzigt, sondern zumeist enthauptet oder der Möglichkeit des Freitodes ausgesetzt. Zumeist wurde ein Querbalken an einem Baum als Kreuz benutzt. Manchmal, aber nicht immer, wurden kleine Holzstücke mit dem Tatvorwurf am Querbalken befestigt. Entgegen den Darstellungen in Kirchen (Kreuzigungsszene) wurden die Beine des Delinquenten auf einen kleinen Querbalken gestellt, um zu erreichen, dass er nicht durch sein eigenes Gewicht zu sehr nach unten gezogen und ohnmächtig würde bzw. im Falle der Verwendung von Nägeln einen schnellen Blutverlust erlitte. Durch Arme und Beine wurden nicht immer Nägel getrieben, sondern die Extremitäten wurden durch Fesseln angebunden. Die Kreuzigung stellte im römischen Reich keine schnelle Hinrichtungsmethode dar, sondern sollte den Deliquenten langsam töten. Er sollte als abschreckendes Beispiel dienen. Zumeist wurde dem Gekreuzigten noch mittels eines Schwammes über mehrere Tage etwas Wasser verabreicht, um ihn über längere Zeit am Leben zu erhalten und somit seine Qualen zu verlängern. Nach dem eingetretenen Tod wurde zumeist mittels einer Lanze (Pilum, wenn die Kreuzigung durch römisches Militär vorgenommen wurde) durch einen Stich in den Bauch (und nicht von der Seite durch die Rippen, der Speer würde durch die Rippen und den Brustkorb sonst abgelenkt) sicher gestellt, dass der Hingerichtete auch wirklich tot war. Da die Hinrichtungsplätze üblicherweise nicht bewacht wurden oder umzäunt waren, besteht die theoretische Möglichkeit, dass der eine oder andere Gekreuzigte durch Verwandte oder Bekannte nachts vom Kreuz abgenommen wurde und überlebt haben könnte. Es wurde üblich, die Verurteilten vor ihrer Hinrichtung völlig zu entkleiden und öffentlich zu geißeln. Dies bedeutete eine zusätzliche Qual und Erniedrigung. Besonders grausam war das Aufhängen mit dem Kopf nach unten. Davon konnten Angehörige den Verurteilten jedoch freikaufen. Allerdings führte das Aufhängen mit dem Kopf nach unten dazu, dass der Verurteilte relativ schnell ohnmächtig wurde oder schneller starb, was die Dauer seiner Qualen verringerte. Das Judentum übernahm nur das Aufhängen, nicht das Annageln, von den umgebenden Völkern und wandte es selber nur gegen Fremdherrscher (Josua 8, 29) oder bei extremen religiösen Vergehen wie Gotteslästerung an, denn ein Gehängter galt als von Gott verflucht. Man ließ den Verendeten nur bis zum Abend nach seinem Tod zur Abschreckung hängen und begrub ihn dann, um das Land nicht im religiösen Sinn zu "verunreinigen" (5. Buch Mose 21, 22-23). Das jüdische Königsgeschlecht der Hasmonäer jedoch, darunter der Herrscher Judäas zur Zeit Jesu, Herodes Antipas, waren vom Hellenismus beeinflusst und wandten daher auch die makedonisch-römische Kreuzigung an. Jesus von Nazaret wurde wie zehntausende anderer Juden auch in Judäa gekreuzigt. Seit dem Aufstieg des Christentums zur römischen Staatsreligion wurde die Kreuzigung in ganz Europa bekannt. Da Jesus von Nazareth auf diese Weise hingerichtet worden war, wurde sie nun aber durch andere Hinrichtungsmethoden ersetzt. Zugleich begann ein religiöser Bilderkult um das Kreuz. Im Osmanischen Reich wurde das Kreuzigen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts praktiziert. Auch in Japan entstand als Reaktion auf europäisch-christliche Missionsbestrebungen im 16. Jahrhundert eine Variante der Kreuzigung. Dort wurden zunächst die Missionare selber gekreuzigt, später meist Männer und Frauen aus den niederen Schichten, an denen ein Exempel statuiert werden sollte. Die japanische Form der Kreuzesstrafe ging meist mit einer Zerstückelung des Leibes einher. Sie wurde noch bis ins 20. Jahrhundert ausgeübt.

Kreuzesformen

Anknüpfend an christliche Kruzifixe, prägt heute meist die Form eines kleinen t-Buchstabens unser Bild vom Kreuz. Anfangs benutzte man in Rom dazu jedoch häufig ein Balkendreieck, die sogenannte „Furca“ (Forke). Diese war eigentlich ein landwirtschaftliches Nutzgerät. Man hängte es dem Verurteilten um den Hals und band seine Arme an seinen Schenkeln fest. In dieser Haltung wurde er ausgepeitscht. Dann wurde die Furca an einen eingerammten Pfahl gehängt. Später wurde sie durch einen einfachen Querbalken ersetzt, der am oberen Ende des Pfahls angebracht wurde. Damit ergab sich die Form eines großen T. Man konnte den Querbalken aber auch mit einem Strick am Pfahl aufhängen, so dass die bekannte Kreuzform entstand. Diese war aber eher selten. Beide Balken waren meist roh oder nur grob, nicht fachmännisch behauen oder gar gehobelt. Das "lateinische Kreuz" mit einem Längsbalken, der wesentlich länger ist als der Querbalken (†), ist eine „Erfindung“ von Künstlern späterer Epochen, die keine Kreuzigung mehr wirklich erlebt haben.

Die Methode

Die besondere Grausamkeit dieser Hinrichtungsmethode lag darin, dass ein gekreuzigter Delinquent nicht sofort starb, sondern lange und schwer leiden musste. Es konnte Stunden oder gar Tage dauern, bis sein Tod eintrat. Gerade dieses möglichst lange Überleben der zum Tode Verurteilten sollte Beobachter demütigen, einschüchtern und abschrecken. Die römische Hinrichtungsprozedur bestand genau genommen aus vier nacheinander vollzogenen Teilschritten:
- der vollständigen Entkleidung des Verurteilten und dessen öffentlichen Folterung mit einer Geißel;
- dem erzwungenen Querbalken- Furkatragen zum Hinrichtungsplatz;
- dem Fesseln oder Annageln seines Körpers an eine Furca oder den Querbalken;
- dessen Befestigung an einem Baum oder auf dem vorbereiteten Pfahl. Dabei wurden Mensch und Querbalken hochgehoben und mit dem senkrechten Pfahl verbunden. Die Geißelung mit einer Peitsche, oft zusätzlich mit Nägeln besetzt, wurde in der römischen Kaiserzeit üblich. Sie schwächte den Gepeinigten durch die Anstrengung und Verspannung des Körpers unter den Schlägen, Schmerzen und Blutverlust. Allein dies konnte bereits tödlich sein, weshalb die Zahl der Schläge meist begrenzt wurde. Mit der Befestigung des Körpers auf der Furca oder am Querbalken begann die eigentliche Kreuzigung. Das Annageln geschah so, dass der Blutverlust gering gehalten wurde. Man trieb die Nägel nicht durch die Stellen am Handgelenk, wo sich die Pulsadern befinden, sondern weiter außen. Wurde nur genagelt, so musste der Nagel zwingend zwischen Elle und Speiche platziert werden, da eine Nagelung in der Handfläche – wiederum bei Jesusdarstellungen üblich – die Last des Körpers nicht ausgehalten hätte und ausgerissen wäre. Wurden die Handgelenke jedoch am Balken festgebunden, dann war eine zusätzliche Nagelung in der Handfläche durchaus vorstellbar, um weitere Schmerzen beim Bewegen der Hände zu verursachen. Das Tragen der Furca oder des Querbalkens: Der Delinquent trug diesen aber nicht über der Schulter, wie man einen Pfosten trägt. Er zog auch kein fertiges Kreuz aus gehobelten Balken hinter sich her, wie es viele Darstellungen und Jesusfilme nahelegen. Sondern er musste – bereits am Querbalken befestigt – selbst den Weg vom Richtstuhl zur Richtstätte gehen. Die Beine konnten mit einem Nagel durch die gekreuzten Fußschaufeln befestigt werden, wenn ein schräges Brettchen zusätzlichen Halt gab. Auch diese Version ist durch Jesusdarstellungen bekannt. Eine andere Version ist das Annageln durch die Fußwurzel hindurch, indem der Verurteilte je ein Bein rechts und links am senkrechten Pfahl anlegte. Diese Form der seitlichen Nagelung ist belegt durch einen Skelettfund, wo der Nagel noch in einem der Fußwurzelknochen steckte. Um den Tod hinauszuzögern, befestigte man am senkrechten Kreuzbalken in Höhe des Gesäßes ein kleines Brettchen, Sedile genannt. Ebenso stützte teilweise ein Brettchen (Suppedaneum) die Füße. So konnte der Todeskandidat seine Arme, die am Querbalken befestigt waren, entlasten, was ihm wiederum das Atmen erleichterte. Dort, wo sich Kreuze mit Suppedaneum fest eingebürgert hatten, galt es als Begünstigung, dem Delinquenten nach einiger Zeit die Füße bzw Unterschenkel zu brechen. Da er sich dann nicht mehr abstützen konnte, verstarb er schneller durch Ersticken. Damit der Gekreuzigte nicht vorzeitig verdurstete, reichte man ihm von Zeit zu Zeit ein Getränk: meist Wasser, zum Teil mit Essig versetzt (Pulsum), um so den Speichelfluss anzuregen. Auch wurden dem Wasser schmerzlindernde oder betäubende Extrakte von Heilkräutern beigefügt. Mit Wasser verdünnter Essig war außerdem bei den Römern ein beliebtes Erfrischungsgetränk. Der Tod trat im Allgemeinen - bei nicht schon vorher geschwächten Menschen - nach einem Tag durch Ersticken oder durch Kreislaufkollaps ein. Diese folgten aus der fast völligen Bewegungsunfähigkeit des ans Kreuz gefesselten und/oder genagelten Menschen, besonders wegen der ausgebreiteten Arme. Dem Tod durch Herzversagen gingen Qualen wie Durst, Wundbrand und Verkrampfung der Atemmuskulatur voraus.

Die Kreuzigung in der Bibel

Eine Analyse der griechischen Texte des Neuen Testaments legt zusätzlich ein noch einfacheres Hinrichtungswerkzeug nahe; gemäß Johannes 19, 25 wurde Jesus an einen σταυρω (sprich: stauró; griechisch für Pfahl, Mast oder Kreuz) gehängt. Unter anderem in Apostelgeschichte 5,30 wird das Hinrichtungswerkzeug zudem mit ξύλου wiedergegeben (sprich xýlon; griechisch für Holz, Stab, Baum); xýlon hat nicht die Bedeutung von zwei Hölzern, weshalb einige Bibel-Übersetzungen es mit Pfahl oder Baum übersetzten. Im Bibelbericht wird erwähnt, dass den zwei Verbrechern zu beiden Seiten Jesu die Beine gebrochen wurden, damit der Todeskampf nicht zu lange dauerte (Johannes 19, 31). Das Hängenlassen der Exekutierten über Nacht war nach jüdischem Gesetz verboten (Deuteronomium 21, 23). Jesus wurden laut den biblischen Berichten die Beine nicht gebrochen, womit sich die Prophezeiung aus Psalm 34,21 erfüllt habe. Letztendlich wurde noch der titulus befestigt. Dabei handelt es sich um eine Tafel, auf der zur Abschreckung für alle, die an der Richtstätte vorbeikamen, der Name des Verbrechers und sein Vergehen (crimen) genannt wurden. Im Falle von Jesus war es das als Abkürzung berühmt gewordene INRI (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum) - Jesus von Nazaret, König (Herrscher) der Juden. Wobei das Verbrechen aus römischer Sicht eben darin bestand, dass Jesus sich die Stellung als der (rechtmäßige) Herrscher der Juden angemaßt haben sollte. Von dieser Tafel sind Darstellung des Kreuzes mit zwei Querbalken abgeleitet, z. B. das Patriarchenkreuz und das Lothringer Kreuz. Auf dem Turiner Grabtuch findet sich das Ganzkörperbildnis eines Gekreuzigten. Unabhängig von der Frage nach der Echtheit ist festzustellen, daß auch eine etwaige Fälschung immerhin eine genaue Kenntnis über den Ablauf und die Folgen einer Kreuzigung voraussetzt. Die Wunden der Nägel sind an den exakt richtigen Stellen zu sehen und auch die Geißelungen entprechen exakt den zu römischer Zeit charakteristischen Verletzungen, wie sie durch die Bleigewichte der Geißel gerissen wurden. In den meisten Bibelübersetzungen steht nicht, daß Christus „an den Pfahl gebracht“, sondern daß er „gekreuzigt“ wurde. Man glaubt nämlich im allgemeinen, bei dem Marterwerkzeug, an das er gehängt wurde, habe es sich um ein „Kreuz“ gehandelt, bestehend aus zwei Holzstücken, und nicht um einen einfachen Stamm oder Pfahl. Nach der Überlieferung — nicht nach der Bibel — soll der Verurteilte nicht beide Teile des Kreuzes getragen haben, sondern nur den Querbalken, patibulum oder antenna genannt. Auf diese Weise suchen einige das Problem zu umgehen, daß die Last viel zu schwer gewesen wäre, als daß ein einzelner Mann sie nach Golgotha hätte tragen oder hinter sich herziehen können. Doch wie lautet in dieser Hinsicht der Bericht der Bibelschreiber selbst? Sie verwandten das griechische Substantiv staurós 27mal und das Verb stauróo 46mal, synstauróo (auch: systauróo; das Präfix syn bedeutet „mit“) 5mal und anastauróo (das Präfix aná bedeutet „wieder“) einmal. Sie gebrauchten auch das griechische Wort xýlon, das Holz bedeutet, 5mal, um das Marterwerkzeug zu bezeichnen, an das Jesus genagelt wurde. Das Wort staurós bedeutet weder im klassischen noch in Koine-Griechisch ein „Kreuz“, das aus zwei Balken besteht. Es hat lediglich die Bedeutung eines aufrecht stehenden Pfahles, Stammes, Spitzpfahles oder Pfostens, wie er für einen Zaun, ein Staket oder eine Palisade Verwendung finden könnte. In Reclams Bibellexikon (1978) heißt es auf Seite 285 unter „Kreuz“: „Das griech. Wort stauros bezeichnet . . . nicht einen Gegenstand oder eine Figur in K.-Form, sondern einen aufrecht stehenden, spitzen Pfahl, der als Palisade oder als Marterwerkzeug verwendet werden konnte.“ Die Tatsache, daß Lukas, Petrus und Paulus das Wort xýlon als Synonym für staurós gebrauchten, ist ein weiterer Beweis dafür, daß Jesus an einen aufrecht stehenden Pfahl ohne Querbalken geschlagen wurde, denn das ist in diesem speziellen Fall die Bedeutung von xýlon (Apg 5:30; 10:39; 13:29; Gal 3:13; 1Pe 2:24). Das Wort xýlon kommt auch in der Septuaginta vor, und zwar in Esra 6:11, wo von einem einfachen Balken oder Stamm die Rede ist, an den ein Gesetzesbrecher geschlagen werden sollte. Daher ist die richtige Bedeutung des griechschen Wortes STAURÒS mit „Marterpfahl“ und des Verbs stauróo mit „an den Pfahl bringen“ oder ähnlich zu wiedergeben. Die Angabe in der Bibel, wonach ein einzelner Mann wie Simon von Kyrene in der Lage war, den Marterpfahl zu tragen, ist absolut vernünftig, denn wenn der Stamm einen Durchmesser von 15 cm hatte und 3,50 m lang war, wog er wahrscheinlich knapp über 45 kg (Mar 15:21). Man beachte, was der Gräzist W. E. Vine zu diesem Thema zu sagen hat: „STAUROS bezeichnet in erster Linie einen aufrecht stehenden Pfahl oder Stamm. Übeltäter wurden zur Hinrichtung daran genagelt. Sowohl das Substantiv als auch das Verb stauroo, an einem Stamm oder Pfahl befestigen, sind ursprünglich von der kirchlichen Form eines aus zwei Balken bestehenden Kreuzes zu unterscheiden.“ Weiter führt Vine aus, das aus zwei Balken bestehende Kreuz sei chaldäischen Ursprungs; die Christenheit habe es im 3. Jahrhundert u. Z. von den Heiden übernommen und es zum Symbol der Hinrichtung Christi gemacht (Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words, 1981, Bd. 1, S. 256). Bezeichnend ist der Kommentar in dem Buch The Cross in Ritual, Architecture, and Art: „Es mutet seltsam an, ist jedoch eine unbestreitbare Tatsache, daß das Kreuz Jahrhunderte vor der Geburt Christi als heiliges Symbol gedient hat und daß es in Ländern, die von den Lehren der Kirche unberührt geblieben sind, heute noch als heiliges Symbol dient. . . . Ein kreuzförmiges Zeichen war bei den Verehrern des griechischen Bacchus, des tyrischen Tammuz, des chaldäischen Bel und des nordgermanischen Odin das Sinnbild dieser Götter“ (von G. S. Tyack, London 1900, S. 1). In dem Buch The Non-Christian Cross von J. D. Parsons (London 1896) heißt es außerdem: „Im griechischen Text der umfangreichen Schriften, die das Neue Testament bilden, ist kein einziger Satz zu finden, der auch nur andeutungsweise den Beweis liefern würde, daß es sich bei dem im Falle Jesu verwandten stauros um einen anderen als einen gewöhnlichen stauros handelte; von einer Andeutung, daß es sich dabei nicht um ein einziges Holzstück, sondern um zwei in einem Winkel übereinander angebrachte Holzstücke gehandelt hätte, ganz zu schweigen. . . . Es ist ziemlich irreführend, daß unsere Lehrer beim Übersetzen der in Griechisch verfaßten Schriften der Kirche in unsere Sprache das Wort stauros mit ‚Kreuz‘ wiedergeben und das dadurch stützen, daß sie in unseren Wörterbüchern die Bedeutung von stauros mit ‚Kreuz‘ angeben, ohne genau zu erklären, daß dies in keinem Fall der ursprünglichen Bedeutung des Wortes in den Tagen der Apostel entspricht und auch lange danach nicht zur Hauptbedeutung wurde, sondern diese Bedeutung bestenfalls erst dann erhielt, als man trotz mangelnder Beweise aus irgendeinem Grund vermutete, daß der besondere stauros, an dem Jesus hingerichtet wurde, diese spezielle Form hatte“ (S. 23, 24; siehe auch The Companion Bible, 1974, Anhang Nr. 162)

Darstellung der Kreuzigung Christi in der Kunst

Turiner Grabtuch Turiner Grabtuch Die altchristliche Kunst scheute sich, die Leidensgeschichte darzustellen. Wenn sie es dennoch tat, so geschah es in einer Weise, welche die rauhe Wirklichkeit verhüllte. Aus den ersten Jahrhunderten ist kein einziges Bild der Kreuzigung überliefert. Die Kreuzigung erscheint erst im 5. Jahrhundert deutlicher, so etwa in Rom am Portal der Basilika Santa Sabina auf dem Aventin (432 n. Chr.). Vor dieser Zeit wurde das Kreuz in den Katakomben äußerst selten dargestellt. Bis ~1100 wurde Christus als ferner Gott am Kreuz, frei von Schmerzen dargestellt. Zu einer Wende kam es um 1300, am Übergang der Romanik zur Gotik. Jesus am Kreuz wird zur Leidensfigur, mit der man mitfühlen soll. Eine Erweiterung des Bildes durch die zusammensinkende Maria umgeben mit den drei tröstenden Frauen scheint logische Folgerung zu sein. Ab dieser Zeit kommt es auch zur Entstehung des Typus des volkreichen Kalvarienbergs, einer Darstellungsform, die nicht nur die klassischen, neu testamentarisch begründeten Figuren mit einbezog, sondern darüberhinaus eine Masse an Zuschauern darstellte. Die Darstellung der Kreuzigung erfolgte in der Romanik mit vier Nägeln, in der Gotik mit drei Nägeln, um dem Körper mehr künstlerische Bewegung und eine Stellung zu geben, die mehr geeignet schien, die Gläubigen zu rühren.

Siehe auch


- Sklavenkriege
- Pfählung
- Hinrichtung mit den Mulden
- Todesstrafe
- Kreuzerhöhung
- Portal:Bibel

Weblinks


- [http://www.Grabtuchvonturin.de Grabtuch von Turin]
- [http://www.elcappuccino.ch/kaffeesatz/bibel/KruxmitKrux.htm Die Krux mit dem Krux - drei Nägel für Jesus]
- [http://www.jesus.ch/index.php/D/print/157/22564/ Das Kreuz mit dem Kreuz]
- [http://www.theologie-systematisch.de/christologie/11passion.htm Aktuelle Literatur zur Kreuzigung Jesu Christi] Kategorie:Todesstrafe ja:磔

Antike

Der Begriff Antike (von lat. antiquus, alt, altertümlich) bezeichnet die Epoche des Altertums im Mittelmeerraum. Sie reicht etwa von 1200 v. Chr. (bzw. 800 v. Chr., siehe zeitliche Abgrenzung) bis ca. 600 n. Chr. und unterscheidet sich von vorhergehenden und nachfolgenden Epochen durch gemeinsame und durchgängige kulturelle Traditionen. Seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. bildete zudem der Mittelmeerraum im Rahmen des Römischen Reichs eine politische und kulturelle Einheit. Im engeren Sinne bezeichnet man mit der Antike die Geschichte des archaischen und klassischen Griechenlands, des Hellenismus und des Römischen Reichs (Republik, Prinzipat und Spätantike). Im weiteren Sinne bezieht die Antike auch die Geschichte der altorientalischen, nahöstlichen Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens, Syriens, Persiens und Kleinasiens mit ein, die etwa mit dem Beginn der Schriftlichkeit um 3500 v. Chr. einsetzt. Dieser universalhistorische, über die Klassische Altertumswissenschaft hinausgehende Ansatz wurde unter anderem von dem Historiker Eduard Meyer im 19. Jahrhundert gefordert. Wieder aufgegriffen wurde dies in letzter Zeit etwa durch den deutschen Althistoriker Josef Wiesehöfer, einen anerkannten Experten für das antike Persien. Josef Wiesehöfer

Epochenabgrenzung

Historisch bezeichnet Antike im Sinne der klassischen Altertumswissenschaft die Zeit von der allmählichen Herausbildung der griechischen Staatenwelt bis zum Ende des weströmischen Reichs im Jahr 476 bzw. bis zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565. Immer öfter wird auch die arabische Expansion ab 632 als Enddatum genannt (siehe Islamische Expansion). Der Anfang der antiken Kultur im klassischen Sinne wird im Allgemeinen mit der Entstehungszeit der Homerischen Epen und dem Beginn der griechischen Kolonisation des Mittelmeerraums im 8. Jahrhunderts v. Chr. angesetzt. Die Griechen verbreiteten ihre Bildung und Kultur in den folgenden Jahrhunderten im gesamten Mittelmeerraum und seit Alexander dem Großen auch im Orient und nach Zentralasien hinein. Die Römer brachten die antike Kultur bis nach Mittel- und Nordwesteuropa, wo sie sich seit dem frühen Mittelalter zur christlich-abendländischen Kultur wandelte. Je nach Forschungsrichtung werden aber durchaus auch die Zeiten der minoischen und der mykenischen Kultur von etwa 19001100 v. Chr. sowie die Epoche der so genannten dunklen Jahrhunderte 1200750 v. Chr. zur griechisch-römischen Antike gerechnet. Als Epochengrenzen zum Mittelalter sind auch die Jahre 325 (Konzil von Nicäa), 393 (letzte Olympische Spiele der Antike), 476 (Absetzung des Romulus Augustulus), 498 (Taufe des Frankenkönigs Chlodwig I.), 529 (Gründung des ersten abendländischen Mönchsklosters durch Benedikt von Nursia; zugleich Schließung der platonischen Akademie als symbolisches Datum in der Philosophie nach dem Tod des "letzten" antiken Philosophen Boëthius 524), der Tod Kaiser Justinians I. 565, das Ende der Völkerwanderung mit dem Langobardeneinfall in Italien 568 oder die Eroberungszüge der Araber im 7. Jahrhundert vorgeschlagen worden. Im Allgemeinen wird das Ende der Antike heute in etwa mit dem Jahr 600 angesetzt; darin kommt zum Ausdruck, dass es letztlich keinen eindeutigen einmaligen Einschnitt zwischen Altertum und Mittelalter gab. Zum Ende der Antike siehe vor allem Spätantike.

Ursprünge der antiken Kultur

Die Ursprünge der europäischen Antike liegen im Dunkeln. Ihre Vorgeschichte ist etwa in der Zeit von ca. 2000- ca. 1600 v. Chr., im Mittelhelladikum anzusiedeln. Zu Beginn dieses Zeitabschnitts - teils auch schon im letzten Abschnitt des Frühhelladikums FH III ca. 2200-2000 v. Chr. - wanderten indoeuropäische Stämme in Griechenland ein. Offenbar unter Einfluss der sogenannten minoischen Kultur auf Kreta, der ersten Hochkultur Europas, die ihre Blüte von ca. 1900 - 1450 v. Chr. hatte, entwickelte sich auf dem Festland aus der Kultur des Mittelhelladikums die mykenische Kultur (ca. 1600 - 1050/00 v. Chr.). Sie hat Ihren Ausgangspunkt vermutlich in der Argolis und erscheint unvermittelt mit reichen Schachtgräbern (ab ca. 1600 v. Chr.). Unter anderem übernahm die mykenische Kultur von der minoischen die Schrift. Die auf Kreta (unter anderem) verwendete sog. Linearschrift A), die aber bisher nicht vollständig entschlüsselt werden konnte, da die Texte in unbekannter Sprache geschrieben sind, wurde zur sog. Linearschrift B modifiziert. Die Linearschrift B begegnet auf zahlreichen Tontäfelchen u.a. der Paläste in Pylos, Theben, Mykene auf dem griechischen Festland und dem mittlerweile mykenisch beherrschtem Knossos auf Kreta. Knossos Bekannt sind die prächtigen Zentren der mykenischen Kultur. Bedeutende Fundorte sind Mykene, Pylos und Tiryns auf der Halbinsel Peloponnes, Orchomenos und Gla in Böotien (letzteres keine Burg), Milet in Westkleinasien usw. Die Zentren hatten eine Oberstädte, Burgen genannt, die im 13. Jh. in vielen Fällen stark befestigt wurden. Reiche Kuppelgräber, feine, teils reich bemalte Keramik, kunstvolle Gold-, Silber und Faiencerarbeiten etc. zeugen vom Reichtum und von der Spezialisierung des Wirtschaftssystems, das zentral gesteuert wurde. Intensive Handelskontakte wurden mit dem Nahen Osten, Assyrien und Ägypten gepflegt. Mykenische Keramik war in weiten Teilen des Mittelmeergebiets beliebt. Wahrscheinlich gab es sogar griechische Handelsniederlassungen in Süditalien. Etwa 1200-750 v. Chr. setzt man traditionell das "Dunkle Zeitalter" an, aus dem uns nur wenig überliefert ist. Zu Beginn dieser Phase werden viele der Burgen des griechischen Festlands zerstört. Die mykenische Tradition besteht jedoch noch ca. 150 Jahre weiter, bevor der Übergang in die sog. Protogeometrische Periode (ca. 1050 - 900 v. Chr.) erfolgt. Der Überlieferung nach setzt ca. 1050 v. Chr. die sehr umstrittene "Ionische Wanderung" ein, in deren Verlauf die Einwohner des griechischen Festlandes die Inseln der Ägäis und Kleinasiens kolonisierten. Auf dem griechischen Festland bietet sich ein diffuses Bild: wenige Siedlungen wurden bisher entdeckt und die meisten machen einen - im Vergleich zur mykenischen Zeit - ärmlichen Eindruck. Ganz anders hingegen Lefkandi auf Euböa: dort wurden neben einer Siedlung mit einem großen Gebäude des Fürsten von Lefkandi Gräber gefunden die sehr reich ausgestattet waren. Das Dunkle Zeitalter hellt sich in den letzten Jahrzehnten - dank vieler neuer Funde - immer mehr auf. Nach Annahme der Homerforschung spiegeln unterschiedliche Passagen der Ilias die Verhältnisse dieser Zeit wider. Sie war offenbar wichtig für die Entwicklung der griechischen Gesellschaft, auch hin zur griechischen Polis. Ab dem 8. Jh. sind die Kontakte zum vorderen Orient wieder sehr intensiv und es entstehen Handelsstationen auf Zypern (Kition) und in Syrien (Al Mina). Vermutlich bereits im späten 9. Jh. v. Chr. hat man von den Phöniziern das Alphabet übernommen.

Anfänge des klassischen Griechenland

Mit dem so genannten archaischen Zeitalter begann im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. die eigentliche Antike. Seit dem Jahr 776 v. Chr. ist die Siegerliste der olympischen Spiele überliefert. Von etwa 770 bis 540 v. Chr. breiteten sich die Griechen während der Großen Kolonisation im westlichen Mittelmeer (vor allem Sizilien und Unteritalien, siehe auch Magna Graecia), an der nördlichen Ägäis und am Schwarzen Meer aus. In Kleinasien waren Griechen bereits vorher ansässig. In dieser Zeit (etwa zwischen 750 und 650 v. Chr.) wurden auch die Homerischen Epen (Ilias und Odyssee) schriftlich fixiert, die ältesten Literaturdenkmäler des Abendlands; auch Hesiod wirkte um diese Zeit (700 v. Chr.) (siehe auch: altgriechische Literatur)

Entstehung der Polis

Zugleich bildete sich das System der griechischen Stadtstaaten, der Poleis heraus, wobei die Mehrzahl nur über eine sehr kleine Bevölkerung verfügte. Der werdende Militärstaat Sparta im Süden der Peloponnes unterwarf zwischen 720-600 v. Chr. Messenien und kontrollierte damit den gesamten südwestlichen Teil der Halbinsel. Die Stadt mit ihrer oligarchischen Verfassung kann als das erste Beispiel der fortan beherrschenden Polis-Struktur gelten.
Auch in vielen anderen griechischen Stadtstaaten regelten Verfassungen das Zusammenleben der Bürger, aber auch die Tyrannis, wie sie um 650 v. Chr. beispielsweise in Korinth und Megara bestand, war keine Seltenheit. In Athen bildete sich Schritt für Schritt ein demokratisches System heraus. Nach den Gesetzgebungen Drakons (621 v. Chr.) und Solons (594/593 v. Chr.) gelang es Peisistratos und seinen Söhnen etwa zwischen 561 und 510 v. Chr. zwar noch einmal, eine Tyrannis zu errichten. Bis 501 v. Chr. brachten die Reformen des Kleisthenes von Athen aber den endgültigen Durchbruch für die attische Demokratie.

Blütezeit Athens

Mit Athens Unterstützung der kleinasiatischen Griechenstädte im Ionischen Aufstand um 500 v. Chr. begann ein annähernd zweihundertjähriger Konflikt mit dem Perserreich, zunächst in Gestalt der Perserkriege, über die uns der "Vater der Geschichte", der Historiker Herodot, mal mehr, mal weniger zuverlässig informiert. Als die Perser zu einer Strafexpedition in Griechenland einfielen, wurden sie 490 v. Chr. von den Athenern in der Schlacht bei Marathon besiegt. Zehn Jahre später unterlag der persische Großkönig Xerxes I. der athenischen Flotte unter Themistokles in der Seeschlacht von Salamis und 479 v. Chr. den vereinigten Heeren der griechischen Poleis in der Schlacht von Plataiai. Persien war vorerst zurückgedrängt, während die griechischen Poleis in Kleinasien befreit wurden. Kleinasien Mit der Gründung des Attischen Seebunds 477 v. Chr. unter der Vorherrschaft Athens setzte die Blütezeit der Stadt ein, die bis zum Ende der Regierungszeit des Perikles im Jahr 429 v. Chr. reichte. Damals entstanden einige der bedeutendsten philosophischen, literarischen und architektonischen Werke der griechischen Antike, etwa die Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides oder der Parthenontempel auf der Akropolis. Auch der Philosoph Sokrates, der Lehrer Platons, wirkte damals in Athen.

Kampf um die Hegemonie

Die zunehmende Rivalität zwischen der Seemacht Athen und der Landmacht Sparta mündete 431 v. Chr. in den fast 30 Jahre währenden Peloponnesischen Krieg, den der Historiker Thukydides eindringlich beschrieb. Der sehr wechselhaft verlaufende Konflikt endete, auch aufgrund der Unterstützung Spartas durch das Perserreich, 404 v. Chr. mit der vollständigen Niederlage Athens und der Errichtung einer zeitweiligen spartanischen Hegemonie über Griechenland.
In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. führten die griechischen Städte einen fast permanenten Krieg aller gegen alle - in wechselnden Koalitionen und unter fortwährender Einmischung der Perserkönige, wobei die Sehnsucht nach einem allgemeinen Frieden auch zu propagandistischen Zwecken eingesetzt wurde (siehe den Königsfrieden von 386 v. Chr.). Theben löste Sparta 371 v. Chr. nach der Schlacht von Leuktra als Hegemon ab, doch auch Thebens Vorherrschaft war nur von kurzer Dauer; der Peloponnesische Krieg hatte somit, wie sich im Nachhinein zeigte, das Machtgleichgewicht nachhaltig destabilisiert. Auf Sizilien behauptete sich derweil das mächtige Syrakus gegenüber der Handelsrepublik Karthago, welche mit den griechischen Poleis ("Westgriechen") seit dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. im Konflikt lag. Auf Sizilien hielt sich zudem, im Gegensatz zum Mutterland, in vielen Städten die Tyrannis als Regierungsform (siehe Dionysios I. von Syrakus, Agathokles von Syrakus und andere). Dem andauernden Machtkampf im griechischen Mutterland machte erst die gewaltsame Einigung Griechenlands durch Philipp II. von Makedonien ein Ende. Der von Athenern wie Demosthenes als nicht-griechischer Barbar betrachtete König errang mit seinem glänzend geschulten Heer in der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. die Hegemonie über Hellas, die im Jahr darauf im Korinthischen Bund bekräftigt wurde.

Zeit des Hellenismus (336 bis 30 v. Chr.)

Hellenismus Nach der Ermordung Philipps 336 v. Chr. führte sein Sohn Alexander der Große ein griechisch-makedonisches Heer nach Asien und eroberte in wenigen Jahren das gesamte Perserreich. Der Alexanderzug bahnte der griechischen Kultur im ganzen damals bekannten Orient den Weg, von Ägypten über Mesopotamien und Persien bis zu den Grenzen Indiens. Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. in Babylon teilten seine Nachfolger, die Diadochen, in lange währenden Kriegen das Reich unter sich auf. In allen Teilreichen - vom ptolemäischen Ägypten im Westen bis zum Seleukidenreich im Osten - bildete der Hellenismus in den folgenden Jahrhunderten die prägende Kultur. Das Zeitalter des Hellenismus war geprägt von einem fast andauernden Kampf der drei Großmächte (Ptolemäer, Seleukiden und Antigoniden) um die Vorherrschaft. Rom intervenierte zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Griechenland. 146 v. Chr. unterstellte das Römische Reich die Mitglieder des unterlegenden Achaiischen Bundes der Provinz Macedonia; Korinth als führende Polis wurde zerstört. Jedoch blieben viele Poleis wie Athen und Sparta zumindest vorerst formell unabhängig. Bald darauf folgte der Erwerb Pergamons und 64/63 v. Chr. die Beseitigung der Überreste des Seleukidenreiches. Als letzter Nachfolgestaat des Alexanderreichs wurde im Jahre 30 v. Chr. das ptolemäische Ägypten, dessen letzte Herrscherin Kleopatra VII. war, ins Römische Reich eingegliedert. Damit war die hellenistische Staatenwelt als machtpolitischer Faktor ausgelöscht. Die griechische Kultur jedoch lebte mit unverminderter Kraft im Römischen Reich fort und prägte es bis zu seinem Untergang im Westen 476 und darüber hinaus bis in die Zeit des Byzantinischen Reiches.

Römisches Reich

Nach den Griechen wurden die Römer zu den zweiten Trägern und Vermittlern der antiken Kultur. Je weiter sie als Eroberer in die Länder der Levante vordrangen, desto stärker ließen sie sich von deren Kultur beeinflussen. Literatur, Philosophie, Kunst, Architektur und Alltagskultur der Griechen wurden von den Römern dann auch im westlichen Mittelmeerraum verbreitet - und weit darüber hinaus bis zum Rhein und zu den britischen Inseln.

Ursprünge Roms

Rom, der Legende nach 753 v. Chr. gegründet, entstand neueren Forschungen zufolge erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aus dem Zusammenschluss mehrerer dörflicher Siedlungen an einer Furt am Unterlauf des Tibers. Politisch und kulturell stand Rom lange unter etruskischem Einfluss. Die Etrusker wiederum unterhielten schon früh Kontakt mit griechischen Kolonisten.

Die Römische Republik (ca. 500 bis 27 v. Chr.)

Römische Republik Um 500 v. Chr. befreiten sich die Römer vom etruskischen Stadtkönigtum und bildeten wohl um 475 v. Chr. eine republikanische Regierungsform aus. In den Zwölftafelgesetzen, die um 450 v. Chr. entstanden, wurden die ersten zivil-, straf- und prozessrechtlichen Normen des römischen Rechts festgehalten. Die Verfassung sah von da an ein Zusammenwirken der drei Institutionen Senat, Magistratur und Volksversammlung vor, die sich in ihrer Macht theoretisch gegenseitig beschränkten. Die offizielle Bezeichnung der Republik lautete S.P.Q.R. für Senatus Populusque Romanus (dt.: Senat und Volk von Rom). Faktisch dominierte jedoch der Senat, der sich aus Angehörigen der adligen Familien, der Patrizier zusammensetzte. Aus ihm gingen auch die Konsuln hervor, die beiden auf ein Jahr gewählten obersten Magistrate der Republik. Das höchste den nichtadligen Plebejern zugängliche Amt war das des Volkstribunen, der ein Vetorecht gegen Senatsbeschlüsse besaß. Vetorecht Bis zum Jahr 272 v. Chr. unterwarfen die Römer ganz Italien südlich der Poebene. In den Punischen Kriegen gegen die Seemacht Karthago im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. begann der Aufstieg Roms zur antiken Supermacht, die für Jahrhunderte die gesamte Mittelmeerwelt beherrschte. Nach 200 v. Chr. mischte sich Rom auch in die Politik der hellenistischen Großmächte ein und wurde zur Protektoratsmacht im östlichen Mittelmeerraum. 148 v. Chr. wurde das Makedonien der Antigoniden, 63 v. Chr. das Reich der Seleukiden, und schließlich 30 v. Chr. das Ägypten der Ptolemäer römische Provinz. Gleichzeitig kam es jedoch im Inneren zu einer ganzen Reihe von Krisen, in denen der Kampf der an den überkommenen sozioökonomischen Strukturen festhaltenden Optimaten gegen die auf Reformen drängenden Popularen sich spiegelte. In der Epoche der Bürgerkriege erreichte die Krise der späten Römischen Republik ihren Höhepunkt und es zeichnete sich ab, dass die Republik als solche sich überlebt hatte: So wurde der Prinzipat möglich. Bereits Gaius Julius Caesar hatte als Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuus) eine quasi-monarchische Stellung erlangt. Als erster römischer Kaiser gilt jedoch sein Großneffe und Erbe Augustus, dem es gelang, mit dem Prinzipat eine dauerhafte monarchische Staatsordnung an die Stelle der zerrütteten Republik zu setzen.

Die Römische Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.)

Das von Augustus errichtete Kaiserreich (Prinzipat) wurde von ihm und seinem Nachfolger Tiberius noch sicher geführt. Unter Caligula, Claudius und Nero kam es nach einem Krisenjahr (Vierkaiserjahr) zum Regierungsantritt der Flavier (Vespasian, Titus, Domitian) die insgesamt recht erfolgreich herrschten. Nach der Ermordung Domitians folgte allerdings eine weitere Krise des Herrschaftssystems, die jedoch unter den so genannten Adoptivkaisern weitgehend behoben werden konnte. Das Imperium erlebte seine größte Blüte und Ausdehnung denn auch unter eben diesen Adoptivkaisern in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts (Expansion unter Trajan, Rücknahme und Sicherung der Grenzen unter Hadrian). Bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. wuchs jedoch der Druck auf die Reichsgrenzen immer stärker an. Im Norden und Nordosten bedrängten die Germanen, im Osten die Parther (die sich trotz mancher Niederlage behaupten konnten) und später die Sassaniden das Reich. Mit dem Tod von Mark Aurel, dem Philosophenkaiser im Geiste der Stoa, der sich entgegen seinen Neigungen bald nach Übernahme der Herrschaftsfunktionen nahezu ständig zu kriegerischer Verteidigung der Reichsgrenzen genötigt sah, endete im Jahre 180 ein Zeitalter, das viele als ein goldenes begriffen hatten – was aber wohl nur mit Abstrichen gelten kann. Nach dem schwachen Commodus stabilisierten die Severer die Grenzen wenigstens teilweise, bevor es unter den so genannten Soldatenkaisern zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts kam, die geprägt war von raschen Regierungswechseln, zentrifugalen Tendenzen im Inneren (Abspaltung des Imperium Galliarum; Verlust mehrerer Provinzen an Palmyra) und dem stetig wachsenden Druck auf die Grenzen. Neben den verschiedenen Germanenstämme (wie die Alamannen und Goten), übte vor allem das Sassanidenreich im Osten einen enormen Druck aus. Nach dem Sturz des letzten Partherkönigs im Jahr 224, erneuerten die Sassaniden das Perserreich in Anlehnung an das Reich der Achämeniden. Großkönig Schapur I. besiegte mehrmals ein römisches Heer und nahm Kaiser Valerian sogar gefangen – ein einmaliger Vorgang in der römischen Geschichte. Auch die Nachfolger Schapurs sollten sich den Römern als in der Regel gewachsene Gegner erweisen.

Die Spätantike (284 bis 565/632 n. Chr.)

Es gelang gegen Ende des 3. Jahrhunderts mit der Einführung der Tetrarchie durch Kaiser Diokletian noch einmal eine Stabilisierung des Reiches zu erreichen. Diese Zeit der beginnenden Spätantike ist gekennzeichnet von Umbrüchen. Die Anerkennung und Privilegierung des Christentums unter Kaiser Konstantin I. (welches vorher teils blutig verfolgt worden war) stellte bereits eine wesentliche Abkehr von der antiken Kultur dar, insbesondere von der antiken Philosophie und dem Religionspluralismus.
Ein letzter Versuch, die heidnischen Kulte durch die Verbindung mit neuplatonischem Gedankengut wieder zu beleben, scheiterte mit dem Tod Kaiser Julians im Jahr 363; alle nachfolgenden Kaiser waren Christen.
Valentinian I. stabilisierte den Westen des Reiches, doch kam es im Zuge der Völkerwanderung 378 zur Schlacht von Adrianopel und zu einer neuen Krisenzeit. Kaiser Theodosius I. wiederum konnte den Osten des Reiches stabilisieren und war zugleich der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium Romanum herrschen sollte; er erklärte das Christentum schließlich zur Staatsreligion. Allerdings lassen sich noch bis mindestens in das 6. Jahrhundert hinein Heiden auf dem Boden des Imperiums nachweisen. Nach der Teilung des Reiches unter den Söhnen des Kaisers Theodosius 395 erwies sich letztlich nur das von Konstantinopel (Byzanz) aus regierte, überwiegend griechischsprachige Oströmische Reich auf Dauer als lebensfähig (Latein blieb hier aber noch bis ins 7. Jahrhundert Amtssprache). Das so genannte Weströmische Reich hatte dem Ansturm der Hunnen und Germanen immer weniger entgegenzusetzen. Es kam zu einer langsamen Auflösung des weströmischen Heeres, während die Germanen von mehreren Westprovinzen direkten Besitz ergriffen und dabei an die Stelle der römischen Autoritäten traten. Die Veränderungsprozesse im Zuge der Völkerwanderung scheinen dabei bei weitem nicht so einfach gewesen zu sein, wie man lange glaubte, und sind heute wieder Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. 410 wurde Rom von den Westgoten, 455 von den Vandalen geplündert. Im Jahr 476 setzte der Germanenfürst Odoaker, ein Skire, den letzten Westkaiser Romulus Augustulus ab (obwohl der letzte anerkannte Westkaiser Julius Nepos noch bis 480 lebte) und unterstellte sich der nominellen Oberherrschaft des oströmischen Kaisers.
Die traditionelle Geschichtsschreibung sah in diesem damals nur wenig beachteten Akt oft das "Ende der Antike"; heute ist man von dieser Sichtweise abgekommen. Vielmehr wird das 6. Jahrhundert heute meist mit gutem Grund noch zur Antike gezählt. Der oströmische Kaiser Justinian I. (527-565) versuchte noch einmal mit recht beachtlichem Erfolg eine Wiederherstellung des Gesamtreiches, die letztlich jedoch nicht gelang - zumal an der Ostgrenze die Sassaniden das Reich weiter unter Druck setzten. Im Oströmischen Reich lebten antike Kultur und Geisteswelt aber noch bis weit ins Mittelalter fort, allerdings bildete hier die arabische Expansion des 7. Jahrhunderts einen deutlichen Einschnitt, der das spätantike frühbyzantinische Reich vom Byzanz des Mittelalters trennte.

Bedeutung und Nachwirken der Antike

Die Bedeutung der Antike für den weiteren Verlauf der Weltgeschichte kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. In dieser Epoche liegen die Wurzeln für die Entwicklung der westlichen Welt. Ionische Naturphilosophie, attische Demokratie, römisches Recht und religiöser Pluralismus waren Hinterlassenschaften, an die neuzeitliche Aufklärer, Staatstheoretiker, Naturwissenschaftler, Menschenrechtsverfechter u.a.m. anknüpfen konnten. Bis heute erhaltene Zeugnisse der Antike sind - neben überlieferten Texten philosophischer, literarischer oder historischer Natur - zahlreiche Objekte der griechischen und römischen Kunst: von großen Skulpturen bis zur Kleinkunst, Töpferei etc. Wichtige Antikensammlungen befinden sich in Rom, Athen, Neapel, Paris, London, München, St. Petersburg, Wien und Berlin. Für die Kenntnis des antiken Alltags sind vor allem archäologische Ausgrabungen wie die in Pompeji, Olympia, Delphi oder Pergamon von Bedeutung. Als man im Italien des 15. Jahrhunderts die erhaltenen (meist römischen) Überreste neu zu schätzen lernte und in der Kunst nachahmte, bezeichnete man dies als Renaissance, als Wiedergeburt der Antike. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Antike dem Mittelalter auch nie völlig entschwunden war und es, neben den Byzantinern und Arabern, unter anderem der Tätigkeit der Mönche und der Karolingischen Renaissance zu verdanken war, dass nicht noch mehr verloren ging. In der neueren Forschung wird auch betont, dass durchaus gewisse Kontinuitätslinien zwischen der Antike und dem Mittelalter bestehen. Seit dem 18. Jahrhundert trat infolge der Arbeiten von Johann Joachim Winckelmann die klassische griechische Kunst zunehmend ins Zentrum des Interesses. Im 19. Jahrhundert sprach man im Zusammenhang mit den Arbeiten von Architekten und Künstlern wie Karl Friedrich Schinkel, Franz Karl Leo von Klenze und Berthel Thorwaldsen von der "Renaissance der griechischen Antike", heute vom Neuhumanismus. Vor allem aber setzte die Wiedergeburt des antiken Geistes in der Renaissance der jahrhundertelangen Dominanz religiösen Denkens ein Ende und mündete schließlich in die Epoche der europäischen Aufklärung und in die Moderne. Fast alle Ideen der neuzeitlichen Aufklärung haben antike Vorläufer. Ohne griechische Wissenschaft und Philosophie, ohne das römisches Recht, ohne Architektur und Kunst von Griechen und Römern sind die neuzeitliche westliche Kultur und Zivilisation nicht denkbar. Siehe auch: Klassizismus, Philosophie der Antike

Quellen in Auswahl

Der Großteil der antiken Literatur (und damit auch der Geschichtsschreibung) ist uns nicht erhalten, sodass unser Wissen über die Antike zum Teil sicher durch Überlieferungszufälle verzerrt wird. Man hat geschätzt, dass uns kaum 10% der griechischen Literatur überliefert ist (siehe H. Strasburger: Umblick im Trümmerfeld der griechischen Geschichtsschreibung, in: Historiographia antiqua, Festschrift W. Peremans, Leuven 1977, S. 3-52). In Teilen sieht es besonders trostlos aus (Hellenismus), in anderen Bereichen etwas besser (klassische Zeit Griechenlands sowie Spätantike). Insgesamt ist die Quellenlage jedoch problematisch. Neben den erzählenden Quellen müssen natürlich auch Inschriften und Reden sowie archäologische und numismatische Quellen etc. herangezogen werden. Eine Zusammenfassung mit ausführlichen Angaben bieten die entsprechenden Artikel (Geschichtsschreibung) im Pauly (RE; KlP; DNP) oder anderen Lexika. Im folgenden seien einige der wichtigsten (erhaltenen) antiken Autoren genannt.
- Herodot, Historien
- Thukydides, Der Peloponnesische Krieg
- Xenophon, Hellenika
- ders., Der Zug der Zehntausend
- Arrian, Alexanders des Großen Zug durch Asien
- Pausanias, Beschreibung Griechenlands
- Plutarch, Große Griechen und Römer
- Polybios, Historien
- Livius, Römische Geschichte
- Diodor, Bibliothek
- Sallust, Die Verschwörung des Catilina
- ders., Der Krieg gegen Jugurtha
- Caesar, Der Gallische Krieg
- ders., Der Bürgerkrieg
- Tacitus, Annalen
- ders., Germania
- Flavius Josephus, Der jüdische Krieg
- Sueton, Leben der Caesaren
- Ammianus Marcellinus, Res Gestae
- Zosimos, Neue Geschichte
- Anonymus, Historia Augusta
- Prokopios von Caesarea, Kriege, Bauten und Geheimgeschichte Eine äußerst wichtige Sammlung stellt Jacoby dar: Felix Jacoby, Fragmente der Griechischen Historiker (FGrHist), Berlin (später Leiden) 1923 ff. [http://www.klassphil.uni-muenchen.de/%7Ewaiblinger/jacoby.html Vorläufiges Register]

Literatur

Allgemein: Ausführliche Angaben sind entweder den Bibliographien der unten genannten Werke (besonders sei dabei auf The Cambridge Ancient History und Oldenbourg Grundriss der Geschichte hingewiesen) zu entnehmen oder den Bibliographien, die in der HU-Linkliste aufgeführt sind (siehe beispielsweise [http://www.uni-essen.de/geschichte/alte_seite/6A1-HilfsmittelAG.htm Bibliographie des Hist. Seminars der Uni Essen]). Zu den in der Alten Geschichte üblichen Ankürzungen vgl. neben den Lexika auch [http://www.archeolinks.com/aristarchos.htm Aristarchos].

Einführungen


- Manfred Clauss: Einführung in die alte Geschichte, München 1993.
- Rosemarie Günther: Einführung in das Studium der Alten Geschichte, Paderborn 2001.

Allgemeine Überblickswerke


- The Cambridge Ancient History, diverse Hrsg., 14. Bde. (teils in Teilbänden), 2. völlig neubearb. Aufl., Cambridge 1970ff. Umfassende und sehr wichtige Gesamtdarstellung des Antike. Die zweite Aufl. ist vollständig neubearbeitet worden.
- Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, hrsg. von H.-J. Gehrke und H. Schneider, Stuttgart 2000. ISBN 3-476-01455-X Grundlegende Einführung!
- Geschichte kompakt Antike der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft; noch im Entstehen begriffen. Gute Einführungen mit einem teils hervorragenden, in die Darstellung integrierten Forschungsüberblick (z.B. R. Schulz, Athen und Sparta, Darmstadt 2003).
- Das Erste Europa, 1000 v. Chr. – 500 n. Chr. (Handbuch der Geschichte Europas, Band 1), von Wolfgang Schuller, Stuttgart 2004. Sehr knappe Darstellung der Ereignisgeschichte, wofür eine gute strukturelle und forschungsgeschichtliche Darstellung geboten wird.
- Oldenbourg Grundriss der Geschichte, hrsg. von Jochen Bleicken und anderen, Bd. 1-4, versch. Auflagen, München 1980 ff. Dreiteilung jedes Bandes: 1) sehr knappe Darstellung, 2) Forschungsüberblick und 3) umfassende Bibliographie. Unersetzbar für den Einstieg in die wissenschaftliche Arbeit!
- Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Antike, hrsg. von Eckhard Wirbelauer, München 2004. Umfassender und zugleich origineller, witziger Einstieg in die antike Geschichte, der alle wichtigen Themen abdeckt; die Ereignisgeschichte wird aber nur sehr, sehr knapp behandelt.

Chronologisch geordnete Darstellungen neueren Datums

Älteren Datums, aber immer noch sehr nützlich, sind die Darstellungen zur griechischen Geschichte von Karl Julius Beloch, Georg Busolt und Eduard Meyer.
- Hermann Bengtson: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die römische Kaiserzeit, Handbuch der Altertumswissenschaft III. 4, Reprint der 5. durchgesehen und erg. Auflage von 1977, München 1996. ISBN 3-406-06660-7 (als Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Griechische Geschichte, 9. Auflage, München 2002. ISBN 3-406-02503-X)
- Detlef Lotze: Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis zum Hellenismus. München 2000. (Siehe auch weitere Bände aus dieser Reihe von Baltrusch, Bringmann, Brandt, Funke, Mischa Meier, Welwei etc. Jedoch: nur für den ersten Überblick geeignet.)
- Michael Stahl: Gesellschaft und Staat bei den Griechen, 2 Bde., Paderborn 2003. Sehr gutes Überblickswerk.
- Oswyn Murray: Das frühe Griechenland, München 1982. Ausgezeichnete Darstellung der griechischen Frühzeit bis hin zu den Perserkriegen.
- Simon Hornblower: The Greek World, Routledge Ancient History, 3. Aufl., London-New York 2002. Hervorragende Gesamtdarstellung der "klassischen Zeit".
- John K. Davies: Das klassische Griechenland und die Demokratie, München 1982.
- Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin 1993. Großartige Gesamtdarstellung Athens im 5. Jahrhundert, aber ohne Fußnoten, dafür gut geschrieben.
- Frank W. Walbank: Die hellenistische Welt, München 1983.
- Graham Shipley: The Greek World after Alexander, Routledge Ancient History, London-New York 2000. Mit die beste Gesamtdarstellung des Hellenismus.
- Ernst Kornemann: Weltgeschichte des Mittelmeerraumes. Von Philipp II. von Makedonien bis Muhammed, München 1967.
- Hermann Bengtson: Grundriss der Römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr., Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5, München 1982. ISBN 3-406-08617-9
- Klaus Bringmann: Geschichte der römischen Republik, München 2002. Solide Darstellung.
- Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, 4. aktual. Aufl., München 2002. Beste deutsche Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin dem Großen.
- David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180-395. Routledge History of the Ancient World, London u.a. 2004. ISBN 0-415-10058-5 Hervorragende Darstellung, die auch soziokulturelle Aspekte mit einbezieht.
- Alexander Demandt: Die Spätantike, Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989. (als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat: Geschichte der Spätantike, München 1998. ISBN 3-406-44107-6)
- Averil Cameron: The Mediterranean World in Late Antiquity. AD 395-600, London/New York 1993 Eine ganz ausgezeichnete englische Einführung in die Spätantike.
- Arnold H. M. Jones: The Later Roman Empire 284-602. A Social, Economic and Administrative Survey, 3 Bde., Oxford 1964 (ND in 2 Bde. Baltimore 1986). Umfassendste moderne, von einem Autor verfasste Darstellung der Spätantike, jedoch durch die Faktendichte teils schwer lesbar und inzwischen teilweise überholt.

Spezialisiertere Darstellungen


- Jochen Bleicken: Verfassungs- und Sozialgeschichte des Römischen Kaiserreiches, 2 Bde., Paderborn, München, Wien, Zürich 1981
- Ders.: Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Stuttgart 1995.
- Donald Kagan: The Peloponnesian War, London 2003. Siehe auch Kagans vierbändige Darstellung des Pelop. Krieges; hier eine intelligente und zusammenfassende Darstellung für ein breiteres Publikum.
- Karl-Wilhelm Welwei: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999. Detaillierte Darstellung der Politik Athens und dessen Aufstieg zur Hegemonialmacht.
- Karl-Wilhelm Welwei: Sparta. Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht, Stuttgart 2004. Wohl die beste deutschsprachige Darstellung der Geschichte Spartas.
- Karl-Wilhelm Welwei: Die griechische Polis. Verfassung und Gesellschaft in archaischer und klassischer Zeit, 2. Aufl., Stuttgart 1998.
- Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., 3. Auflage, Artemis und Winkler, Düsseldorf/Zürich 2002. Gutes Überblickswerk bezüglich des antiken Persiens; dort auch weitere Hinweise.

Lexika


- RE: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, hrsg. von G. Wissowa et al., in 2 Reihen. Stuttgart 1894–1980. (Pauly-Wissowa) Trotz des Alters in seiner Gesamtheit nicht überholtes Grundlagenwerk.
- KlP: Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, hrsg. von K. Ziegler – W. Sontheimer, 5 Bde., Stuttgart – München 1964–1975. Hervorragendes Lexikon auf Grundlage der RE, jedoch mit verkürzten und neugeschriebenen Artikeln.
- DNP: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, hrsg. von H. Cancik - H. Schneider, Stuttgart – Weimar 1996 ff. Teils stark schwankende Qualität der Beiträge.
- LAW: Lexikon der Alten Welt, hrsg. von C. Andresen et al., Zürich – Stuttgart 1965.
- RGA: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, begründet von Johannes Hoops, 2., völlig neu bearb. und stark erw. Aufl., hrsg. von Heinrich Beck - Herbert Jankuhn - Hans Kuhn - Kurt Ranke - Reinhard Wenskus, Berlin-New York 1973 ff. Noch im Entstehen begriffene Neubearbeitung des wichtigen Lexikons von Hoops.
- OCD: The Oxford Classical Dictionary, hrsg. von S. Hornblower - A. Spawforth, verbesserte 3. Aufl., Oxford 2003. Bestes einbändiges Lexikon über die Antike mit teils herausragenden Artikeln.
- RAC: Reallexikon für Antike und Christentum, hrsg. von Th. Klauser et al., Stuttgart 1950 ff. Noch nicht abgeschlossen; besonders Augenmerk gilt der Spätantike.

Klassische, teils veraltete Darstellungen


- Edward Gibbon: Verfall und Untergang des römischen Imperiums, 6 Bde, dtv, München 2003 (Zum ersten Mal komplett und ungekürzt bis zum Ende Westroms, die Geschichte von Byzanz ist immer noch ausgespart.)
- Karl Julius Beloch: Griechische Geschichte, 4 Bde. in 8 Teilbände, Straßburg 1893ff., 2. überarb. Aufl. 1912ff. (Bedeutende, aber nicht immer unumstrittene Darstellung.)
- Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus, Berlin 1877.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte, Berlin 1902.
- Georg Wissowa: Religion und Kultus der Römer, Beck, München 1902; 2. Aufl. 1912, Nachdruck 1971 (Handbuch der Altertumswissenschaft V.4) ISBN 3-406-03406-3
- Eduard Meyer: Caesars Monarchie und das Prinzipat des Pompejus. Innere Geschichte Roms von 66 bis 44 v. Chr., 1918; 3. Aufl. 1922
- Helmut Berve: Sparta, Bibliographisches Institut, Leipzig 1937 (politisch stark gefärbt)
- Matthias Gelzer: Julius Caesar. Der Politiker und Staatsmann, 3. Aufl., Callwey, München 1941.

Siehe auch für einen detaillierteren Überblick


- Portal:Antike Übersichtsportal, siehe dort für weitere Angaben zu den einzelnen Epochen.
- Liste antiker Stätten
- Philosophie der Antike
- Staatsformen der Antike
- Dunkle Jahrhunderte
- Perserreich
- Antikes Griechenland
- Hellenismus und Diadochen
- Römisches Reich
- Römische Republik
- Römische Kaiserzeit
- Weströmisches Reich
- Byzantinisches Reich
- Spätantike
- Untergang des Römischen Reiches
- [http://la.wikipedia.org Die lateinische Wikipedia]

Anderes thematisch Verwandtes


- Griechische Literatur
- Römische Literatur
- Mythologie
- Gesellschaft für antike Philosophie

Weblinks


- [http://ag.geschichte.hu-berlin.de/site/lang__de/3853/Default.aspx Umfangreiche und hervorragend ausgesuchte Linkliste der HU Berlin.]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html KIRKE - Wohl das beste Linkportal in deutscher Sprache zum Thema Antike.]
- [http://www.perseus.tufts.edu/ Perseus Project - antike Texte mit englischer Übersetzung, und gleichzeitig wohl die wichtigste Quellensammlung zur antiken Geschichte im Netz.]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi - Umfangreiche Materialsammlung für Alte Sprachen und Antike Geschichte im Gymnasialunterricht und darüber hinaus.]
- [http://www.livius.org/ Livius.org (englisch) - mit teils sehr empfehlenswerten Artikeln]
- [http://elearning.unifr.ch/antiquitas/index.php?lang=2&antiquitas=cc95589a8f137bed667e87eca4461e11 Antiquitas - Einführung in die Alte Geschichte]
- [http://rsw.beck.de/rsw/shop/default.asp?docid=155108 Linkliste, erstellt von Prof. Hartmut Leppin (ergänzend zu seiner Einf

Hinrichtung

Eine Hinrichtung ist die Tötung eines sich in der Gewalt der Hinrichtenden befindlichen, gefangenen Menschen, meist als Vollzug einer von den Justizbehörden eines Landes ausgesprochenen Todesstrafe.

Hinrichtungsarten

Zur Hinrichtung wurden und werden folgende Hinrichtungsarten verwendet:
- Tod durch Erhängen (Galgen; Genickbruch oder Ersticken)
- Tod durch Genickbruch (Galgen; Garrotte)
- Tod durch Erschießen (Erschießung, Kopfschuss, Genickschussanlage), im militärischen Bereich spricht man von Füsilieren
- Tod durch Kreuzigung (im römischen Reich)
- Tod durch Vergiftung (Gaskammer, Giftspritze oder Einspritzung von Barbiturat (Hexobarbital), Muskelrelaxans (Pancuronium) und Kaliumchloridlösung; die möglicherweise bekannteste historische Hinrichtung mit Gift: der Schierlingsbecher des Sokrates)
- Tod durch Ersticken bzw. Ertränken (Gaskammer, Garrotte, Kreuzigung, Säcken oder Lebendigbegraben)
- Tod durch Enthauptung (mit Guillotine/Fallbeil, Handbeil oder Schwert), wenn öffentlich, dann auf dem Schafott
- Tod durch Auseinanderreißen des Körpers (Vierteilung)
- Tod durch Verbrennen (Scheiterhaufen)
- Tod durch Verfaulen (Hinrichtung mit den Mulden)
- Tod durch Erschlagen (Rädern, Fustuarium, Herabstürzen aus großer Höhe, z. B. von Türmen, Brücken), Steinigung (im alten Testament und in der Schari'a des fundamentalistischen Islam, Katapultieren)
- Tod durch Verbluten (Pfählen)
- Tod auf dem elektrischen Stuhl (nur in den USA, seit 1889 und Philippinen 1924 - 1976 )
- Tod durch Tiere: Schlangengrube, Zerreißen durch Löwen, Zertrampeln durch Elefanten, den Haien oder Krokodilen vorwerfen, u.a. (siehe auch Christenverfolgung und Tierhetzen im Römischen Reich)
- Tod durch Verhungern und Verdursten (durch Einmauern, Hungerbunker)

Symbolische Hinrichtung

In manchen Fällen wird das Schauspiel einer öffentlichen Hinrichtung vollzogen ohne dabei tatsächlich jemanden zu töten:
- Wenn das Opfer bereits tot ist (posthume Hinrichtung), so geschehen z.B. bei dem englischen Politiker Oliver Cromwell oder bei der Leichensynode.
- Wenn das Opfer nicht zugreifbar ist, z.B. wurden von der spanischen Inquisition geflohene Ketzer häufig in effigie, also in Gestalt einer Strohpuppe verbrannt. Auch heute noch ist bei radikalisierten politischen Kundgebungen manchmal das Verbrennen oder Erhängen von Puppen zu beobachten, die besonders gehasste Personen darstellen. Offenbar ist in solchen Fällen die Propagandawirkung der Hinrichtung, also die drastische Darstellung des Missfalles der durchführenden Partei gegenüber dem Hingerichteten, als Abschreckung oder verbindendes Gemeinschaftserlebnis, trotzdem noch vorhanden.

Deutsche Geschichte

Im Mittelalter wurden auch Arten der Folter angewandt, die schließlich zum Tode führten (z. B. während der Hexenverfolgung). Die einzelnen Hinrichtungsmethoden sind meist bestimmten Delikten zugeordnet, gelegentlich in Form spiegelnder Strafen. Bloße Lust an der Grausamkeit spielte wohl eine deutlich geringere Rolle als der unbefangene neuzeitliche Blick auf die Rechtspraxis des Mittelalters vortäuscht. Todesurteile wurden oft öffentlich grausamer vollstreckt als sie tatsächlich waren. Betäubungsmittel wurden bei der Folter, beim Gottesurteil und bei der sogenannten verschärften Hinrichtung eingesetzt. Das Retentum, eine Milderung, die man in Form einer geheimen Urteilsklausel einfügte, konnte z.B. bestimmen, dass der Hinzurichtende vor dem Rädern heimlich zu erdrosseln sei, der Hexe solle vor dem Verbrennen ein Sack mit Schießpulver um den Hals gehängt oder dem Delinquenten ein Betäubungsmittel eingegeben werden. Ein »Taumelbecher« als Gnadenakt wird bereits im Bibelbuch Sprüche (31,6f.) und bei Christi Kreuzigung (Myrrhen- bzw. Gallenwein) erwähnt (Lexikon des Mittelalters Bd. 1, Sp. 2083).

Deutsches Reich

Im Deutschen Reich fand die Hinrichtung in einem umschlossenen Raum statt. Teilnahmeverpflichtung bestand für zwei Personen des Gerichts der ersten Instanz, einen Gerichtsschreiber, einen Gefängnisbeamten und einen Vertreter der Staatsanwaltschaft. Der Ort, in dem die Hinrichtung stattfand, konnte zwölf ehrenwerte Bürger abstellen, die freiwillig an der Hinrichtung teilnehmen konnten. Diese sollten die früher übliche Öffentlichkeit darstellen, die jedoch mit vielen unangenehmen Begleiterscheinungen einhergegangen war. Der Verteidiger und andere Personen (Geistliche, Verwandte) konnten auf Antrag ebenfalls der Hinrichtung beiwohnen. Über den Vorgang war stets ein Protokoll aufzunehmen. Der Leichnam des Hingerichteten war den Verwandten auszuhändigen, die ihn ohne größere Feierlichkeiten zu bestatten hatten.

Die letzten Hinrichtungen in Deutschland

Die letzte Hinrichtung in Deutschland fand am 26. Juni 1981 in der DDR, im Keller des Gefängnisses von Leipzig, statt: der 39-jährige Stasi-Hauptmann Dr. Werner Teske, dem vorgeworfen wurde, dass er sich mit Akten in den Westen absetzten wollte (Spionagetatbestand), wurde mittels des "unerwarteten Nahschuss" hingerichtet. Hierbei verkündete der Staatsanwalt dem völlig ahnungslosen Delinquenten die beiden Sätze "Das Gnadengesuch ist abgelehnt. Ihre Hinrichtung steht unmittelbar bevor." Daraufhin trat hinter Teskes Rücken und unbemerkt von diesem der letzte deutsche Henker Hermann Lorenz an das Opfer heran. Ohne weitere Umschweife schoss dieser Teske mit seiner Armeepistole in den Hinterkopf. Lorenz hat auf diese Weise etwa zwanzig Hinrichtungen vollstreckt und wurde für seine fragwürdigen Verdienste später zum Major befördert. Das letzte zivile, nicht-militärische Todesurteil in der DDR wurde am 15. September 1972 an dem Kindermörder Erwin Hagedorn aus Eberswalde vollzogen. In Westdeutschland wurde am 12. Mai 1949 der 24-jährige Raubmörder Berthold Wehmeyer mit dem Fallbeil hingerichtet. Dies war die letzte von einem westdeutschen Gericht angeordnete Hinrichtung. Nur wenige Tage später, am 23. Mai 1949, wurde mit der Verkündung des Grundgesetzes die Todesstrafe in Westdeutschland abgeschaft. Ungeachtet dessen wurden auf westdeutschem Boden am 7. Juni 1951 weitere Hinrichtungen vorgenommen: Im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg wurden sieben zum Tode verurteilte deutsche Kriegsverbrecher erhängt, darunter Oswald Pohl, Otto Ohlendorf und Werner Braune. Siehe auch: Exekution, Tierprozesse, Todesstrafe

Weblinks


- [http://www.todesstrafe.de todesstrafe.de]
- [http://www.tdcj.state.tx.us/stat/deathrow.htm Todesstrafe in Texas] ! ja:刑罰の一覧 simple:Execute

Orient

Orient (vom lat.: oriens = aufgehend, d.h. Aufgang der Sonne) auch Morgenland genannt, ist das Gegenstück zum Okzident (Abendland), der europäischen Welt (im griechischen nennt man den Orient Anatole und im italienischen Levante). Im Lauf der Geschichte hat das Bedeutungsspektrum dieses Begriffs eine Wandlung erfahren. Während früher die gesamte asiatische Welt, d.h. die arabischen Länder, Indien und die heutige Volksrepublik China als Orient galt, später dann nur die Länder Vorderasiens mit Ägypten und die meisten islamischen Kulturen dazu zählte, tendiert man heute im Sprachgebrauch dazu, den Begriff auf den Nahen Osten und die arabisch-islamische Welt – einschließlich der Türkei und Nordafrika, aber ohne die islamischen Staaten Südostasiens – zu beschränken. Orient wird meist weniger in einem politischen oder geographischen, sondern eher in einem kulturellen Sinne verwendet. Die Welt des Orients inspirierte viele Dichter und Schriftsteller, siehe z.B. Goethes „West-östlicher Diwan“ oder Hesses Roman „Morgenlandfahrt“.

Geschichte

Die Arabische Halbinsel, Kleinasien (die heutige Türkei), Nordafrika und Vorderasien (Irak, Iran, Afghanistan) werden zum Kulturkreis des Orients gezählt. Seit jeher war das Zweistromland ein fruchtbares Gebiet. Die Gegend des heutigen Afghanistan war stets von verschiedenen Mächten umkämpft. Im Orient befanden sich viele frühe Hochkulturen, wie zum Beispiel die Sumerer im Zweistromland und das antike Perserreich. Alexander der Große zog auf seinen Eroberungszügen durch Vorderasien und gründete griechische Städte. Später standen das Imperium Romanum und das Persische Reich im kriegerischen Gegensatz. Missionare und Mönche verbreiteten das Christentum. Nach dem Tode Mohammeds verbreiteten arabische Heere und Händler den Islam, der die dortige Gesellschaft stark beeinflussen sollte. Das Osmanische Reich umfasste Kleinasien, Teile des Balkans, weite Gebiete der arabischen Halbinsel und Vorderasien. Im 1. Weltkrieg wurden der Irak und der Iran von britischen und amerikanischen Truppen besetzt. Beim Kongress von Verona 1922 suchten die europäischen Großmächte die sogenannte Orientalische Frage zu lösen. 1923 wurde das Osmanische Reich von neuen Staaten abgelöst. Durch zahlreiche Erdölfunde wurden einige Staaten zu den reichsten Ländern der Welt, zum Beispiel Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrein.

Freimaurerei

In der Freimaurerei bezeichnet Orient den Ort, von dem das Licht ausgeht. Es bezeichnet sowohl den Standort der Loge als auch die Stelle in der versammelten Loge, an welchem der Meister vom Stuhl seinen Sitzplatz hat.

Siehe auch

Orientalistik, Alter Orient, Naher Osten, Mittlerer Osten, Ferner Osten, Deutsche Orient-Gesellschaft, Orientalismus

Weblinks


- [http://www.ex-oriente-lux.de/index.htm ex-oriente-lux]. Eine der ausführlichsten deutschen Websites über den Orient.
- [http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ost/default.html Telepolis Orient]
- [http://www.uni-graz.at/franz.koelbl/index2.html Bilder und Eindrücke von mehreren Reisen in den Orient] Kategorie:Orient Kategorie:Kultur Kategorie:Freimaurerei ja:東洋

Römisches Reich

Das Römische Reich (lateinisch: Imperium Romanum) war das von der Stadt Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch weder zur vorrömischen Epoche noch zum Byzantinischen Reich möglich. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile Britanniens und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich). Das Römische Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits seiner Grenzen aus. In der östlichen Reichshälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen, während der Westen latinisiert wurde. Latein, die Sprache Roms, wurde zur Amtssprache des Reiches, in Teilen des Reichs blieben aber auch andere Sprachen erhalten. Aus dem Lateinischen entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr viele Lehnwörter finden sich zudem in den germanischen und in den slawischen Sprachen. Vor allem das Rechts- und Staatswesen in Europa ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels genauer beschrieben werden; zu Details siehe die entsprechenden Verweise im Artikel (Beispiel: Prinzipat): # Königszeit (753 v. Chr.510 v. Chr.) # Die Zeit der Republik (509 v. Chr.133 v. Chr.) # Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.) # Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.) # Spätantike, in der älteren Forschung auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.) # Untergang des Reiches im Westen und Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)

Römische Königszeit und frühe Republik

395 n. Chr.]] Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik (Republik = res publika, die öffentliche Sache), während derer alljährlich zwei Konsuln die oberste Regierungsgewalt ausübten. Der letzte aller römischen resp. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, weil er eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion, die als Parallele zum Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. gesehen werden kann. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr. Als ersten, einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.
Über die römische Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später. Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v. Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Der Aufstieg Roms - Expansion in Italien und im Mittelmeerraum

Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte. Im Ersten Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) dehnte sich Rom nach vorherigen Spannungen auf Sizilien bis in karthagische Gebiete aus. Nachdem Karthago, solcherart provoziert, die Römer von See aus angegriffen und geschlagen hatte, baute Rom eine Flotte auf, um der Seemacht Karthago entgegentreten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom schließlich, besonders auf Sizilien Fuß zu fassen und die karthagische Flotte mehrmals zu schlagen. Karthago verlor fast alle seine sizilianischen Besitzungen und sann fortan auf Rache. Im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) gelang es dem genialen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.) schmerzte, die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italien zu zerstören. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom mit seiner neuen Provinz Hispanien zunehmend an Einfluss gewann. Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte Roms Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. In diese Zeit, genauer gesagt in die Zeit ab 200 v. Chr., fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche. Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200-197 v. Chr. in Griechenland intervenierte, um den makedonischen Einfluss zurück zu drängen. Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg. Auf ein Hilfegesuch hin kam es 192-188 v. Chr. zum Krieg gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur De-facto-Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (150-146 v. Chr.) wieder an Macht gewonnen hatte. Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. Gleichen Status erhielt 64/63 v. Chr. das Restreich der Seleukiden, das nicht mehr lebensfähig war und von Pompeius, der eine Neuordnung des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Protektorat wurde, behielt seine Unabhängigkeit, ehe es im Jahre 30 v. Chr. ebenfalls im Römischen Reich aufging. So glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren – im Inneren erodierte allmählich die republikanische Ordnung.

Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege

Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich. So sollte die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform die Grundbesitzverhältnisse reformieren und den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu Land und Einkommen verhelfen. Die Reform scheiterte allerdings am Widerstand der konservativen Senatskreise, der zugrundeliegende Konflikt blieb weiter bestehen: die Popularen und Optimaten bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzen. Auch machten sich innere Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, sodass es 91-89 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten "Vesper von Ephesus": Nach der Ermordung Zehntausender römischer Siedler in Kleinasien zog Rom in den Krieg gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen. Pontos Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, in dem sich wieder Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla blieb siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich wieder bekämpften. Die Krise der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar, der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus und der reiche Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (