Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Monogamie

Monogamie

Der Begriff Monogamie entstammt der Biologie und bezeichnet im Ursprung die lebenslange exklusive Fortpflanzungsgemeinschaft zwischen zwei Individuen einer Art. Die Monogamie steht somit im Gegensatz zu polygamen Verhaltensmustern wie Polyandrie, Polygynie und Promiskuität, kann aber nicht als deren genaues Gegenteil aufgefasst werden. So kann zum Beispiel bei der Polyandrie oder der Polygynie der eine Partner wechselnde Sexualpartner haben, während der andere Partner sich diesem gegenüber monogam verhält.

Monogamie und Ehe

Der Begriff Monogamie wurde traditionell häufig auch auf das System der Einehe angewandt, bei der das Rechtsinstitut der Ehe nur für eine Paarbeziehung offensteht, die Mehrehe oder Harembildung jedoch ausgeschlossen wird. Manche Rechtssysteme sanktionieren nicht nur das Eingehen einer Mehrehe, sondern auch den Ehebruch. Die Erwartung der ehelichen Treue besteht in einigen Kulturen sogar über den Tod eines Ehepartners hinaus. Diese Koppelung der Begriffe Monogamie und Ehe ist aber zumindest in der westlichen Welt heute eher unüblich. Monogamie wird hier heute regelmäßig auf die Art des Zusammenlebens mit einem einzigen Sexualpartner angewandt, also unabhängig von der Rechtsform. Schätzungen von Anthropologen über die Häufigkeit monogamer menschlicher Gesellschaften bewegen sich zwischen ca. 20 und 50 Prozent und leiden zudem unter dem Mangel, dass sie nur die gleichsam offiziellen Verhältnisse widerspiegeln, nicht aber die tatsächlich gelebte Praxis. Gleichwohl lassen sich diese Schätzungen dahingehend interpretieren, dass streng eingehaltene Monogamie eine eher seltene Verhaltensweise in menschlichen Gesellschaften ist.

Biologische Wurzeln der Monogamie

Nur wenige Säugerarten leben zumindest in Phasen der Jungenaufzucht streng monogam, aber mehr als 90 Prozent aller Vögel. Von Verhaltensbiologen wird dies dahingehend gedeutet, dass es eine Korrelation zwischen der Intensität der Partnerbindung und dem Aufwand an elterlicher Fürsorge für den Nachwuchs gibt: Je aufwendiger die Jungenaufzucht ist, als desto nötiger gilt eine gemeinsame Versorgung der Jungen durch beide Elternteile und als desto wahrscheinlicher wird monogames Verhalten angesehen. Unter Nestflüchtern sollte daher Monogamie weniger verbreitet sein als unter Nesthockern. Aber auch hier ist zu beachten, dass Monogamie und gemeinsame Jungenaufzucht nicht bedeutet, dass ein Paar ausschließlich miteinander Sexualkontakte hat. Neuere genetische Studien unter monogam lebenden Vögeln haben gezeigt, dass ein erheblicher Teil der Jungtiere nicht vom Männchen gezeugt wurde, das sich in scheinbar fester Paarbindung um "seinen" Nachwuchs kümmert. Den genetischen Grundlagen von monogamem Verhalten war eine Gruppe von US-amerikanischen Neurobiologen auf der Spur, deren Ergebnisse im Juni 2004 in der angesehenen Fachzeitschrift Nature publiziert wurden (Band 429, S. 754 - 757). Die Forscher hatten zwei nahe verwandte Arten der Wühlmaus untersucht: Wiesenwühlmäuse (Microtus pennsylvanicus) und Präriewühlmäuse (Microtus ochrogaster). Wieselwühlmaus-Männchen leben einzelgängerisch und polygam, Präriewühlmaus-Männchen hingegen leben in der Natur in einer lebenslangen Brutpflegegemeinschaft, die jedoch nicht immer sexuell exklusiv ist. Im Gehirn der Tiere konnten die Forscher einen neurophysiologischen Unterschied ausmachen: Die monogam lebenden Präriewühlmaus-Männchen hatten deutlich mehr Rezeptoren für Vasopressin als die männlichen Wiesenwühlmäuse. Bei der Paarbindung wirkt zudem das Hormon Oxytocin mit, das beim Menschen wichtige Funktionen bei der Geburt hat und vermutlich auch beim Aufbau sozialer Bindungen eine Rolle spielt. Die Forscher isolierten das Gen, das für die Herstellung des Vasopressin-Rezeptors verantwortlich ist und schleusten dieses Gen ins Vorderhirn von Männchen der polygamen Art ein. Das Ergebnis beschrieben die Autoren zurückhaltend so: "Wir erhöhen wesentlich die Ausbildung einer Partner-Bevorzugung" ("we substantially increase partner preference formation"). Bereits ein einziges Gen könne also komplexes Sozialverhalten beeinflussen, und dies wiederum könne eine Erklärung dafür sein, dass sich das Sozialverhalten im Verlauf der Stammesgeschichte gelegentlich relativ rasch zu ändern scheint. Einer der Autoren der Studie, Larry Young, äußerte die Hoffnung, dass man, aufbauend auf diesen Erkenntnissen, neue Ansätze zur Therapie von Bindungsstörungen wie Autismus entwickeln könne. Er wies zugleich darauf hin, dass eine Übertragung der Befunde auf menschliches Verhalten nicht möglich sei, weil die Anordnung der Vasopressin-Rezeptoren im Gehirn von Menschen nicht mit jener bei Wühlmäusen vergleichbar sei. Monogamie ist unter Säugerarten mit ca. drei Prozent nicht weit verbreitet, aber sie wird mindestens 14 der rund 200 heute lebenden Primatenarten zugeschrieben. Bei den ausgeprägt monogamen Arten wie den Krallenaffen wurde ein wesentlich größeres Engagement der Männchen bei der Aufzucht der Jungen beschrieben als bei nicht monogamen Arten. Die Gibbons leben monogam auf einem von beiden Partnern verteidigten Territorium, während die dem Menschen näher verwandten Bonobos und Schimpansen polygam sind. Auch weil die stammesgeschichtlich nächsten Verwandten des Menschen einschließlich des Gorillas und des Orang-Utans im Unterschied zu den entfernter verwandten Gibbons polygam leben und zudem keinerlei Kenntnisse über das Verhalten der letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschenaffen und Menschen existieren, ist es unmöglich zu entscheiden, welche Form des Sozial- und Sexualverhaltens bei Menschenaffen und Menschen die stammesgeschichtlich "ursprüngliche" sein könnte. Diverse Studien deuten jedoch darauf hin, dass monogames Verhalten beim Menschen ein stark kulturell beeinflussten Phänomen ist. Aus Untersuchungen von rezessiven Erbanlagen - z.B. Blutgruppen - von Eltern und Kindern wird, je nach Land und Region, ein Anteil von nicht innerhalb der Ehe gezeugten Kindern zwischen 2 % und 30 % gefunden (siehe Literatur).

Siehe auch

Polygamie | Polygynie | Polyandrie | Polygynandrie | Fremdgehen | Polyamorie |Promiskuität | Zeitehe | Ehe | Digamie | Sexualethik | Monogamy (engl.)

Literatur


- Devra G. Kleiman: [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=857268&dopt=Abstract Monogamy in mammals]. Q Rev Biol. 52:1 (März 1977), 39–69.
- Ulrich Reichard: [http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/multimedial/mpForschung/2002/heft02/mpf02_2_62_67.pdf Monogamie – eine "Beziehungskiste" mit Zwischenböden]. MaxPlanckForschung (02/2002), 62–67.
- U. Reichard, C. Boesch(Eds.): [http://www.robertwilliams.org/tpp/reviews/DGeary-rev.html Monogamy: Mating Strategies and Partnerships in Birds, Humans and Other Mammals: Review]. Cambridge University Press, 2003 (engl.)
- Miranda M. Lim, Zuoxin Wang, Daniel E. Olazábal, Xianghui Ren, Ernest F. Terwilliger und Larry J. Young: [http://www.nature.com/nature/journal/v429/n6993/abs/nature02539_fs.html Enhanced partner preference in a promiscuous species by manipulating the expression of a single gene]. Nature 429 (17. Juni 2004), 754–757.
- [ http://www.childsupportanalysis.co.uk/analysis_and_opinion/choices_and_behaviours/misattributed_paternity.htm Sammlung von publizierten Meta-Analysen über Vaterschafts-Reihenuntersuchungen]

Weblinks


- Lukas, Helmut; Schindler, Vera und Johann Stockinger: [http://www.univie.ac.at/Voelkerkunde/cometh/glossar/heirat/ic.htm Monogamie]. In: Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie (1993–1997).
- David P. Barash: [http://www.trinity.edu/rnadeau/FYS/Barash%20on%20monogamy.htm Deflating the Myth of Monogamy
- Das Molekül der Liebe [http://www-oc.chemie.uni-regensburg.de/Reiser/ChemieAlltag/oxytocin/ind.html]
- Susanne Alck: [http://www.morgenwelt.de/futureframe/000424-adultery.htm The Advantages of Infedility] Kategorie:Eheform Kategorie:Sexualverhalten Kategorie:Verhaltensbiologie

Polygamie

Die Polygamie – von griech. πολύς (pollys) (= viel) und γάμος (gamos) (= Ehe) – bezeichnet eine Form der Vielehe und von eheähnlichen Beziehungen. Bei zwei Ehen spricht man von Bigamie. Polygamie wird im Allgemeinen als das Gegenteil von Monogamie verstanden. Polygamie als gesellschaftliche Institution ist zu unterscheiden von Polyamorie, bei der die Partner freiwillig entgegen gesellschaftlichen Normen mehrere offen geführte Liebesbeziehungen eingehen können, und die als Subkultur einen Teil der Queer-Bewegung darstellt. Es wird unterschieden zwischen Polyandrie (Vielmännerei – eine Frau, mehrere Männer) und Polygynie (Vielweiberei – ein Mann, mehrere Frauen) sowie der so genannten Gruppenehe (Polygynandrie) und anderen Eheformen, bei denen mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind.

Polygamie in Deutschland

Grundsätzlich ist die Polygamie in der Bundesrepublik Deutschland laut § 1306 BGB (vgl. Doppelehe) verboten und wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (siehe § 172 StGB). Jedoch ist es nicht mehr strafbar, dass eine Person mit mehreren Männern oder Frauen in Geschlechtsgemeinschaft zusammenlebt; man kann nur nicht mehr als eine staatlich anerkannte Ehe eingehen. Allerdings ist die eheliche Polygamie unter Umständen schützenswert, wenn sie im Ausland rechtmäßig zu Stande kam. So entschied das Oberverwaltungsgericht von Rheinland-Pfalz am 12. März 2004 unter dem Aktenzeichen 10 A 11717/03. OVG, dass die Ausländerbehörde der Stadt Ludwigshafen der Zweitfrau eines Irakers, der seit 1996 in der Bundesrepublik lebte, eine Aufenthaltsbefugnis zu erteilen hatte, da die Ehe der Zweitfrau wie die der Erstfrau rechtsgültig anerkannt wurde. Derartige Urteile wurden von Politikern und einigen Medien jedoch heftig kritisiert. ---- Im Dritten Reich sollten Männer, Angehörige der SS, also „reinen Blutes“ mehrere Frauen gleichzeitig haben, um den Fortbestand und Erweiterung der „Deutschen Rasse“ zu gewährleisten. Frauen wurden also nicht wegen Ehebruchs bestraft, wenn sie außerehelich schwanger wurden, vorausgesetzt, beide Partner waren „arischen Blutes“. Zudem erlaubten Frauen, welche an den Nationalsozialismus glaubten, ihren Männern diese Promiskuitäten.

Polygamie in Großbritannien

1922 gestand eine Britin aus Sheffield mit 61 Männern verheiratet zu sein. Dies ist bisher die höchste bekannte Anzahl von Ehen.

Polygamie in den USA

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, auch als Mormonen bekannt, erlaubte und förderte die Polygamie zwischen 1852 und 1890 offiziell; im Geheimen wurde sie auch schon einige Jahre vorher und noch einige Jahre später gepflegt. Erst im frühen 20. Jahrhundert unter Joseph F. Smith hat sich die Kirche nach einer Zeit der Ambivalenz offensiv gegen die Polygamie gewandt; bekannte Polygamisten werden seitdem rigoros exkommuniziert. Den die Polygamie lehrenden Abschnitt 132 ihrer heiligen Schrift Lehre und Bündnisse hat die Kirche beibehalten, er wird jedoch heute nur noch symbolisch-mystisch interpretiert und wurde um eine Erklärung ergänzt, die die praktische Ausübung der Polygamie verbietet. Die meisten schon vor 1852 abgespaltenen mormonischen Gruppen, darunter die Gemeinschaft Christi, lehnen die Polygamie strikt ab. Heute pflegen nur noch einige meist kleine fundamentalistische Splitterkirchen, die sich meist nach 1890 von der Hauptkirche abgetrennt haben, die Polygamie. Viele dieser Gruppen leben in extrem abgelegenen Örtlichkeiten, in denen außer ihnen niemand siedelt; auf diese Weise dominieren sie auch die dortige Lokalpolitik. Dabei ist meist nur die erste Frau legal mit ihrem Ehemann verheiratet, teilweise werden auch überhaupt keine Zivilehen geschlossen. Einige dieser Kirchen sind totalitäre religiöse Gruppen, die immer wieder negative Schlagzeilen machen – etwa durch Kindesmissbrauch, Inzest, Zwangsheiraten, Vergewaltigung in der „Ehe“, Sozialhilfebetrug, Ehrenmorde an Aussteigern, Bildungsfeindlichkeit, zwangsweise Vertreibung „überzähliger“ junger Männer, Verweigerung jeder Zusammenarbeit mit der Staatsmacht und allgemein äußerst autoritäres Verhalten und Machtmissbrauch ihrer „Propheten“. Daneben gibt es im mormonischen Umfeld noch eine große Zahl individueller Fundamentalisten, die in ihrer eigenen Familie die Polygamie pflegen, ohne einer dieser Splitterkirchen anzugehören. Manche halten dies geheim, um ihre Mitgliedschaft in der Hauptkirche und vor allem ihre Zutrittsberechtigung zu deren Tempeln zu behalten, andere nehmen den Ausschluss in Kauf. Es wird geschätzt, dass heute zwischen 20.000 und 40.000 Einwohner der USA in polygamistischen mormonischen Gruppen oder polygamistischen Einzelfamilien leben, die meisten davon in Utah und dessen Nachbarstaaten. Zum Vergleich: die mormonische Hauptkirche hat heute ca. 12 Millionen Mitglieder. Einige heutige Mitglieder der Hauptkirche behaupten, die früheren Vielehen hätten keine sexuellen Beziehungen beinhaltet, sondern hätten nur der materiellen Versorgung der Frauen, deren Männer nach dem Umzug nach Westen verstorben waren, gedient. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass etwa Brigham Young, der zweite Vorsitzende dieser Kirche, immerhin 57 Kinder von 16 Frauen hatte (Quellen siehe dort), auch wenn er daneben tatsächlich noch etwa 30 solche reinen Versorgungsehen vor allem mit älteren Witwen eingegangen war. Dies wurde seinerzeit auch keineswegs verschwiegen oder geheimgehalten. Auch heutige Kirchenführer verschweigen es nicht und sehen die damaligen sexuellen Beziehungen zu mehreren „rechtmäßig angetrauten“ Ehefrauen als vor Gott gerechtfertigt an, vermeiden das Thema jedoch nach Möglichkeit. Außereheliche sexuelle Beziehungen allerdings führten damals wie heute zu Disziplinarmaßnahmen bis hin zum Ausschluss aus der Kirche.

Polygamie in Afrika

Im südafrikanischen Königreich Swasiland ist Polygamie nichts ungewöhnliches. Der jetzige König Mswati III. hat erst im Mai 2005 seine 12. Frau geheiratet. Sein Vater König Sobhuza II., der 1982 starb, hatte immerhin zehn mal so viele Frauen.

Siehe auch


- Polyamorie
- Monogamie

Weblinks


- [http://attorneygeneral.utah.gov/polygamy/The_Primer.pdf Information der Justizminister von Utah und Arizona bezüglich polygamistischer mormonischer Gruppen (auf Englisch)] Kategorie:Eheform

Polygynie

Die Polygynie ist eine Eheform, d.h. eine spezielle Form der Polygamie, bei der es einem Mann gestattet ist, mehr als eine Frau zu heiraten. Polygynie ist in vielen ethnografischen Regionen weit mehr verbreitet als Polyandrie und Monogamie. Viele polygyne Ehegemeinschaften kennen eine stark ausgeprägte Hierarchie und starke Rivalität zwischen den Frauen. Die (zeitlich) ersten Frauen haben im Normalfall einen höheren Status als die nach ihnen kommenden. Polygynie ist zudem oft ein Ausdruck einer Stratifikation zwischen Alter und Geschlecht: In vielen polygynen Gesellschaften heiraten ältere Männer sehr junge Frauen und jüngere Männer bleiben entweder sehr lange ledig oder heiraten ältere Witwen. Das Auftreten von Polygynie korreliert mit politischen und ökonomischen Systemen, in denen menschliche Ressourcen (und nicht Land oder Güter) die wichtigsten Ressourcen darstellen.

Verbreitung

Polygynie kommt in weiten Teilen Afrikas, im Nahen und Mittleren Osten, in der Volksrepublik China, in Indonesien, Melanesien, Polynesien vor sowie bei verschiedenen Indianerstämmen in Nord- und Südamerika und den Mormonen in Utah.

Formen der Polygynie

Allgemeine Polygynie

Von allgemeiner Polygynie spricht man dann, wenn jeder Mann der betreffenden Gesellschaft die Möglichkeit hat, mehrere Frauen zu heiraten, und dies auch anstrebt. Allgemeine Polygynie kommt tendenziell eher in egalitär organisierten Gesellschaften vor.

Begrenzte Polygynie

Von begrenzter Polygynie wird dann gesprochen, wenn Mehrfachehen nur einer kleinen Schicht von Männern vorbehalten sind. Begrenzte Polygynie kommt tendenziell eher in stark stratifizierten Gesellschaften vor. In einigen Gesellschaften mit begrenzter Polygynie haben nur Anführer oder Häuptlinge das Recht, mehrere Frauen zu heiraten. Bei den Trobriandern z.B. ist die Polygynie ein Statussymbol, mit dem die Macht eines Häuptlings ausgedrückt wird: Durch die Polygynie kann er mehr Kinder und Verwandtschaftsbeziehungen haben, die er wiederum strategisch manipulieren kann. Dadurch verfügt er über eine breitere wirtschaftliche Basis - er kann bis zu einem gewissen Grad nicht nur seine Frauen, sondern auch deren Brüder kontrollieren.

Polygynie mit/ohne Koresidenz

Wenn die Frauen gemeinsam wohnen und leben, wird von Polygynie mit Koresidenz gesprochen. Polygynie mit getrennter Residenz tritt wesentlich seltener auf.

Sororale Polygynie

Sind die Ehefrauen Schwestern, spricht man von sororaler Polygynie. Im kulturellen Vergleich sind die non-sororalen polygynen Ehen häufiger als sororale vertreten.
Diese Eheform sollte nicht verwechselt werden mit dem Sororat.

Polygynie in der Tierwelt

Bei Tieren spricht man von Polygynie, wenn sich ein Männchen innerhalb einer Fortpflanzungsperiode mit mehreren Weibchen paart, die Weibchen jedoch nur mit diesem einem Männchen. Paaren sich auch die Weibchen mit mehreren Männchen, so spricht man von Promiskuität.
Ein klassisches Beispiel für die Polygynie bzw. Polyandrie ist die Heckenbraunelle, die ein flexibles Paarungssystem besitzt und je nach Voraussetzung zwischen Monogamie, Polyandrie, Polygynie und Polygynandrie wechselt. Obligate Polygynie ist bei fast allen Hühnervögeln (Galliformes) und vielen Säugetierarten zu beobachten. Aber auch bei Insekten - wie bei den Feldwespen - ist Polyandrie häufig anzutreffen. Kategorie:Eheform

Ehe

Als Ehe (v. althochdeutsch: ewa = Vertrag, rechtsprachlich hist. Konnubium) bezeichnet man eine sozial anerkannte und durch (Rechts-) Regeln gefestigte Lebensgemeinschaft, traditionell gesehen von Mann und Frau, Ehegatten oder auch Ehepaar genannt. Die Ethnologie bezeichnet mit Ehe herkömmlich eine institutionalisierte Wirtschafts- und Reproduktionsgemeinschaft zwischen zwei oder mehr Personen unterschiedlichen Geschlechts (nicht unbedingt gleichen Rechts), deren gemeinsame Kinder durch die Ehe legitim werden. Die Voraussetzung der Verschiedengeschlechtlichkeit ist jedoch nicht mehr universell anerkannt; die Niederlande oder Spanien, aber auch Deutschland (wenn auch unter anderer Bezeichnung) kennen sie nicht (mehr) oder nur noch eingeschränkt, in den USA gibt es - heftig bekämpfte - Bestrebungen in diese Richtung. In Artikel 143 der offiziellen deutschen Fassung des belgischen Zivilgesetzbuches heißt es nunmehr: „Zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts können eine Ehe eingehen.“ Weiter gefasst umfasst eine Ehe immer eine Art öffentlich (oft religiös) anerkannten Vertrags, sowie ökonomische Rechte und Pflichten zwischen den betroffenen Personen, die durch diesen Vertrag geregelt werden. Die Modalitäten des Vertrages sowie seines Zustandekommens hängen in hohem Maße von der jeweiligen Kultur und Gesellschaft ab. In vielen, insbesondere patrilinearen Gesellschaften hat die Ehe auch die Funktion der Absicherung einer bestimmten legitimen Erblinie. Die Ehe endet durch Scheidung, Aufhebung, Nichtigerklärung oder mit dem Tod eines Partners. Die katholische Eheauffassung allerdings kennt keine Scheidung, sondern nur eine Nichtigerklärung. Eine katholische Ehe kann unter bestimmten Voraussetzungen für nichtig erklärt werden, das heißt sie bestand dann von Anfang an nicht. Kritik an dem "Lebenslang-Konzept" kam beispielsweise vom spanischen Dichter Cervantes; er schlug vor, die Ehe von vornherein auf drei bis fünf Jahre zu befristen, wonach sie, wie andere Verträge auch, beendet oder verlängert werden könnte. An der Vorstellung vom allgemeinen sittlichen Wert der Ehe hat sich bis heute im Prinzip wenig geändert, wie die im deutschen Grundgesetz verankerte staatliche Bevorzugung und Subventionierung der Lebensform Ehe auf allen Ebenen belegt. De facto sind unverheiratete Paare nur in wenigen Ländern verheirateten (fast) gleichgestellt, zum Beispiel in Skandinavien und in den Niederlanden.

Die Geschichte der Ehe

Von der Poly- zur Monogamie

Über die Anfänge der "Ehe" diesseits des Tier-Mensch-Übergangsfeldes wissen wir empirisch nichts, selbst ausdeutbare Grabfunde der Archäologie reichen bislang nicht soweit zurück. Ältere Sozialevolutionisten gingen von einer linearen Evolution der Paarbindungen unter Menschen aus: Zu Beginn der Menschheit habe Promiskuität geherrscht, die sich anschließend zur Gruppenehe und schlussendlich über die Polygamie zur Monogamie entwickelt hätte. Dieser Ansicht nach wurde die Monogamie als die kulturell am höchsten stehende Eheform betrachtet. Nach gleicher Logik (eine spätere Entwicklung stelle zwangsläufig eine "höhere" Entwicklungsform dar) müsste die heutige Scheidungsrate ebenfalls als "höhere" Form der Ehe betrachtet werden, im Vergleich zu der früheren Regelform einer lebenslangen Ehe. Die wenigsten der älteren Sozialevolutionisten ziehen jedoch diese Konsequenz aus solcher teleologischen Logik. Monogam lebende Völker scheinen in vorchristlicher respektive vorislamischer Zeit wenig verbreitet gewesen zu sein (nach Tacitus' Schriften waren die Germanen mit ihrer Einehe eine Ausnahme unter den Barbaren der Antike) und nur bei wenigen herrschte Polyandrie, wo eine Frau mit mehreren Männern verheiratet war. Es sind nur wenige Gesellschaften bekannt, in der Polygynie und Polyandrie gleichzeitig praktiziert wurden (siehe Gruppenehe und Pseudogruppenehe). Vor allem durch die Expansion monotheistischer Religionen und die Missionierung wurde die Monogamie zur weltweit vorherrschenden Eheform. Doch war im alten Judentum und ist im zeitgenössischen Islam die Monogamie kein Zwang. Die Eheschließung war vermutlich primär ein Friedens- und Bündnisvertrag zwischen Sippen, und - mittels oft komplizierter Exogamie- und Endogamieregeln - als Bindeglied zwischen Clans oder Phratrien. Sie galt seit der Antike auch als eine Vorbedingung für den Beginn einer Familie, die als Baustein einer Gemeinschaft und der Gesellschaft angesehen wurde. Damit diente die Installierung der Ehe nicht nur den Interessen zweier Einzelpersonen oder ihrer Kinder, sondern auch den Zwecken religiöser und weltlicher Eliten. (Bis in die Neuzeit hinein war z. B. im Hochadel die "Ehe zur linken Hand" ohne Legitimierung und Erbrecht der Kinder nach dem Vater möglich.)

Neueste Zeit

Die mittlerweile etwas liberalere sexuelle Praxis in der Kultur der westlichen Neuzeit, sowie die verhältnismäßige Einfachheit von Scheidung und Wiederverheiratung haben zu einem Anstieg der so genannt seriellen Monogamie geführt. Sich von einem (Ehe-)Partner zu trennen, um mit dem nächsten zu leben, hat vordergründig weder mit Polygamie noch mit Promiskuität zu tun. Allerdings zeigen sich dabei oft Muster, die den bei der Polygamie herrschenden Mustern gleichen - etwa die Heirat eines Mannes mit einer sehr viel jüngeren, vor allem äußerlich attraktiven Frau als "Trophäe" gegen Ende einer besonders erfolgreichen beruflichen Karriere des Mannes. Seit dem 19. Jahrhundert haben alternative Gruppierungen die Gruppenehe geübt, in der alle erwachsenen Mitglieder miteinander verheiratet waren (siehe Oneida). In noch jüngerer Zeit, nämlich zusammen mit der Queer-Bewegung und der Bi-Bewegung entstand, beginnend in den USA und hier der Region um San Francisco, die Polyamory-Subkultur, in der dauerhafte nichtmonogame und einvernehmliche Liebesbeziehungen zwischen mehreren Partnern gefördert werden.

Inzesttabu

Alle bekannten Zivilisationen haben in unterschiedlichem Grad stets die Ehe mit Bluts-Verwandten tabuisiert, namentlich zwischen Elternteilen und ihren Kindern. Fast alle Völker verbieten die Ehe zwischen Bruder und Schwester. Vielfach untersagt man auch die Ehe zwischen Verwandten zweiten Grades. Viele Völker haben sich weitere Beschränkungen auferlegt, so die Ehe mit Personen gleichen Familiennamens oder mit Personen mit dem gleichen Totemtier. Siehe dazu auch den Artikel Heiratsregeln. Eine Ausnahme bildete das alte Ägypten, wo die Ehe zwischen Bruder und Schwester in der Familie des Pharao gestattet war; dieses Privileg wurde dem Volk verweigert und könnte dazu gedient haben, Macht und Lebenskraft in einer Familie zu konzentrieren (siehe auch Inzest). Die Konsequenz des Inzesttabus ist die Forderung nach exogamer, der auf eine andere Gruppe bezogenen Heirat. Ethnologen betonen, das Inzesttabu diene also dazu, den sozialen Zusammenhalt zu fördern (vgl. Schwägerschaft).

Endogamie

Bestimmte Völker fördern auch die Ehe innerhalb einer bestimmten Gruppe (Endogamie) und fordern auf, jemanden aus dem gleichen Stamm zu heiraten. Auch rassistische Gesetze der Vergangenheit, die Verbindungen unterschiedlicher Rassenangehöriger zu verbieten suchten, lassen sich als Beispiele von Endogamie ansehen.

Scheidung - Ehevertrag

Viele Gesellschaften kennen das Verfahren der Scheidung für die Beendigung der Ehe. Die Anerkennung der Scheidung ist in verschiedenen Weltanschauungen unterschiedlich geregelt. In modernen Rechtssystemen besteht die Möglichkeit, einen Ehevertrag abzuschließen. Dieser Vertrag dokumentiert u. a. die Vereinbarungen der Ehepartner bezüglich die Konsequenzen einer Scheidung. Im deutschen Rechtssystem ist es üblich, dass Eheverträge Regelungen enthalten zu den Themen:
- Zugewinnausgleich
- Versorgungsausgleich
- Unterhalt Während Unterhaltsregelungen auch in anderen Rechtssystemen häufig vorkommen, hängen die Regelungen über Zugewinnausgleich von dem vom jeweiligen Rechtssystem vorgesehenen ehelichen Güterstand ab (Voraussetzung für einen Zugewinnausgleich ist, dass die Form der Zugewinngemeinschaft bekannt ist), sowie von den Möglichkeiten des jeweiligen Sozialsystems (Voraussetzung für einen Versorgungsausgleich ist eine gesetzliche Rentenversicherung o. ä.).

Ehe und Religion

Viele Religionen kennen umfangreiche Regeln für die Ehe.

Christentum

In den östlich-orthodoxen Kirchen ist die Ehe eines der Mysterien. Sie wird durch den Priester gespendet. Ein besonderer Ritus ist dabei die Krönung der Brautleute. Die orthodoxen Kirchen erlauben im Notfall eine oder sogar zwei Scheidungen, die Feier zur Wiederverheiratung ist jedoch weniger festlich als die zu einer ersten Eheschließung; es überwiegt der Gedanke der Buße. Vor einer dritten Heirat wird sogar ein ganzes Bußjahr verlangt. Mehr als drei Ehen dürfen grundsätzlich von keinem geschlossen werden, außer das "Kirchengericht" entscheidet umgekehrt. Für die römisch-katholische Kirche ist die Ehe zwischen zwei getauften Christen eines der sieben Sakramente. Die Partner spenden einander das Ehesakrament selbst. Gültig ist eine Ehe nur, wenn sie nach den kirchlichen Vorschriften geschlossen wird. Dabei erfragt der Geistliche im Beisein von zwei Zeugen den Ehekonsens. Für die Ehe mit einem Nichtchristen oder einem Christen anderer Konfession kann die Erlaubnis erteilt werden, nur standesamtlich oder nach dem Ritus der anderen Konfession zu heiraten. Die Eheleute können sich zwar ("von Tisch und Bett") trennen, aber eine Scheidung ist nicht möglich. Kirchlich kann deshalb nur heiraten, wessen frühere Ehen durch Tod oder Ungültigerklärung (Annullierung) nicht mehr bestehen. In der Schweiz und in Deutschland ist die bürgerliche Trauung rechtliche Voraussetzung, kirchlich getraut werden zu dürfen. Die kirchliche Trauung gibt Gottes Segen für die Ehe, auch wenn sie nicht als Sakrament angesehen wird. Auch Geschiedene können kirchlich getraut werden. Auch die Reformierte Kirche versteht die Ehe nicht als Sakrament, sieht jedoch den Ehestand als heilig an, wie der Heidelberger Katechismus in seiner Auslegung des Siebten Gebotes klar macht.Im Anglikanismus wird die Ehe ebenfalls nicht als Sakramen verstanden (da nicht von Christi eingesetzt, und auch nicht für alle Menschen notwendig), aber dem Eheritus wird ein sakramentaler Charakter zugesprochen (da es ein äußerlich sichtbares Ritus ist, und Mittel zur Gnade). Derzeit gibt es innerhalb des Anglikanismus eine lebendige Diskussion darüber, ob die Ehe auf heterosexuelle Paare weiterhin begrenzt bleiben soll. Auch in manchen Gliedkirchen der EKD werden Segnungszeremonien für gleichgeschlechtliche Paare entwickelt und durchgeführt. Die Metropolitan Community Church feiert seit Jahrzehnten schon gleichgeschlechtliche wie auch verschiedengeschlechtliche Ehen.

Hinduismus

Der Hinduismus sieht in der Ehe eine heilige Aufgabe, die religiöse und soziale Verpflichtungen zur Folge hat.

Buddhismus

Im Buddhismus wird die Ehe weder gestärkt noch wird davon abgeraten. Es wird jedoch gelehrt, wie man eine glückliche Ehe verbringen kann.

Islam

Nach islamischem Verständnis sind die Lebensbereiche von Männern und Frauen grundsätzlich getrennt; die Ehe ist der einzige Ort, in dem diese Trennung - zu einem Teil - legitimerweise aufgehoben ist. Der Koran empfiehlt die Ehe mit diesem Hintergrund in hohem Maße; sie helfe u. a. zur geistigen Vervollkommnung.

Judentum

Orthodoxen Juden ist die Ehe sehr wichtig, weil sie glauben, dass ein Mann die Aufgabe hat, seine zweite Hälfte, also die Frau zu finden. Das Reformjudentum, dem die Ehe ebenfalls wichtig ist, behauptet hingegen, dass es nicht allein die Aufgabe des Mannes sei, eine Frau zu finden, sondern auch umgekehrt. Für beide ist die Eheschließung eine große Mitzwa und wird als eine der größten und wichtigsten Lebensentscheidungen für beide Partner betrachtet.

Ehe heute in Deutschland

Bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Eheschließung ausschließlich Sache der Kirchen. Der Einfluss des französischen Rechts (vgl. Code Civil) begünstigte die Zivilehe, denn in vielen Territorien im westlichen Deutschland kam französisches Personenstandsrecht zur Anwendung. Zu ersten ganz eigenständigen deutschen partikularrechtlichen Gesetzen kam es erst in den 1850er Jahren (Frankfurt, Oldenburg u. a.). Die erste in Oldenburg durchgeführte zivilrechtliche Trauung erfolgte 1855 in Varel. Geheiratet haben damals der Baptistenprediger Haese und Meta Schütte. Gerade "Dissidenten" wie sie, die keiner der damaligen großen Konfessionen angehörten und denen mancherorts eine rechtlich anerkannte kirchliche Eheschließung verweigert wurde, trugen zur Einführung und Durchsetzung der Zivilehe bei. Als Folge von Kulturkampf und dem späteren Reichskonkordat wurden die staatlichen Standesämter eingeführt, in denen die Ehe unabhängig von einem weltanschaulichen Bekenntnis geschlossen wird (Zivilehe). Eine kirchliche Eheschließung darf zusätzlich, jedoch erst nach der bürgerlich-rechtlichen Eheschließung stattfinden. Wegen der Religionsfreiheit und da religiöse Zeremonien vom Staat sowieso nicht als rechtlich bindend anerkannt werden, kann über die Verfassungskonformität dieser Bestimmung des Personenstandsgesetzes diskutiert werden. In Österreich ist eine rein kirchliche Eheschließung ohne weiteres möglich und hat keinerlei Rechtsfolgen. Der Nationalsozialismus deformierte die bürgerliche Ehe hin zu einer dem Staate vollständig nützlichen Institution. Er verbot "rassische Mischehen" durch ein Ehegesetz, trennte häufig solche Ehen und förderte die "reinrassige" Reproduktion für den Staat (Erbgesundheitsgesetz). Die verfassungsrechtliche Ausgestaltung des Art. 6 Grundgesetz nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich auch vor diesem Hintergrund verstehen: Die Ehe steht unter dem besonderen Schutz des Staates, doch ihr Kernbereich wird dessen direktem Zugriff entzogen. Für die heutige Form der Ehe gilt grundgesetzlich das Leitbild der Gleichberechtigung. Im Eherecht des BGB umgesetzt wurde dies nicht schon 1949, sondern in mehreren Schritten seit 1953. Ehegatten werden ökonomische Vorteile eingeräumt wie zum Beispiel das Ehegattensplitting bei der Berechnung der Einkommensteuer; das Ehegattensplitting bringt jedoch vor allem dann ökonomische Vorteile, wenn die Einkommen der Ehegatten sich deutlich voneinander unterscheiden und ist damit als Anreiz zur "Hausfrauenehe" in die Kritik geraten. Weitere Vorteile wie Vertrauen und gegenseitige Anregung werden von verschiedenen Gruppen gefördert (Marriage Encounter, Familienwerke von politischer oder weltanschaulicher Seite und andere). Unklar ist jedoch, wie der Staat zwischen Eheleute zum erhöhten Vertrauen beitragen kann oder soll, außer durch das bereits bestehende Zeugnisverweigerungsrecht. Die in Deutschland am 1. August 2001 gesetzlich eingeführte Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Partner bringt alle rechtlichen und sozialen Pflichten einer Ehe mit sich, bietet aber nur manche ihrer Vorteile. Im Steuerrecht, Beamtenrecht und Adoptionsrecht hat der Bundesrat bislang keiner Gleichstellung zugestimmt. Die Form der Ehe wird seit längerem immer seltener von Paaren zur Gestaltung ihres Zusammenlebens gewählt. Während 2002 in Deutschland noch 388.000 Paare heirateten, waren es im Jahr darauf nur noch 383.000, was einem Rückgang von 1,4 Prozent entspricht. Viele Paare binden sich heute ohne Trauschein oder gehen wechselnde Partnerschaften ein. Doch verweist die Familiensoziologie darauf, dass vor dem 19. Jahrhundert die Lage statistisch ähnlich war, und dass die soziale Bedeutung der "Ehe" deswegen nicht unbedingt gemindert werde. siehe auch: Eherecht

Soziologische Komponenten

Aus religiösen, soziologischen und psychologischen Gründen hat eine Zusage zur Ehe vor Freunden, der Familie und der Öffentlichkeit - für welche die Trauzeugen und der Priester bzw. Standesbeamte stehen - ein besonderes Gewicht. Ähnlich einem Eid vor Zeugen hat daher das gegenseitige Versprechen eines Ehepaares im Regelfall eine größere Tragfähigkeit als eine ganz private (manchmal gar nicht definitiv ausgesprochene) Entscheidung.

Psychologische Komponenten

Unter dem Begriff Ehepaar wird oft besondere Vertrautheit und Gütergemeinschaft der Partner subsumiert (denn ein tiefes Verständnis des ehelichen Güterrechts, was eben statt Gütergemeinschaft die Zugewinngemeinschaft vorsieht, ist bei der überwiegenden Mehrheit der Eheleute nicht vorhanden), andererseits heute auch oft die Gefahr von Verengung, erkaltender Liebe oder Scheidung. Die zunehmende Sicht auf negative Aspekte hat einerseits mit wachsender Bindungsangst zu tun, andererseits mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Freiheiten. Ehepaare, die gerne verheiratet sind, suchen und finden im Laufe der Zeit ihre jeweils eigene Balance zwischen persönlicher Freiheit und Verbundenheit. Ein solches (veränderliches) Gleichgewicht erlaubt freie Kontakte nach außen, das Bewahren eines eigenen Freundeskreises und die Pflege gemeinsamer Kontakte. Mit wachsender Vertrautheit (aber auch durch Enttäuschungen und Krisen) entwickeln sich besondere Formen der Kommunikation im verbalen, nonverbalen und sexuellen Bereich. Sie sind wichtig, um der möglichen Gefahr des schleichenden "Verstummens" zu begegnen. Auch die Balance zwischen Sicherheit und Wandel, zwischen Gewohnheiten und Neuem ist im Gespräch öfters zu hinterfragen.

Vorbereitung und Beratung

Ein spezieller Bereich die Ehe betreffend ist der Kontakt von Ehepaaren zu den jeweiligen Herkunftsfamilien. In der Ehevorbereitung, von Seelsorgern und Eheberatern wird die Wichtigkeit betont, dem Partner klaren Vorrang vor den eigenen Eltern zu geben. Die notwendige Loslösung wird schon im Alten Testament treffend beschrieben: ... Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen .... Mit der Geburt oder Adoption von Kindern ändert sich die eheliche Partnerschaft in vielen Bereichen. Nun ist es besonders wichtig, Irritationen offen, aber behutsam anzusprechen und mit möglichen seelischen Verletzungen gut umzugehen. Freundschaften zu anderen jungen Familien oder Eherunden erleichtern diese Phase.

Ehe heute in Belgien, den Niederlanden, Kanada, Spanien

Diese Länder weisen die Besonderheit auf, dass sowohl verschieden- als auch gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen können. Im kanadischen Provinz von Ontario ist es notwendig, vor der Ehe, eine Lizenz von der kommunalen Verwaltung zu beantragen. Mit der Lizenz ist es dann möglich, vor einem Beamten der Stadtverwaltung, einem Richter, oder einer anerkannten religiösen Figur die Ehe einzugehen.

Soziologische Komponenten

Aus religiösen, soziologischen und psychologischen Gründen hat eine Zusage zur Ehe vor Freunden, der Familie und der Öffentlichkeit - für welche die Trauzeugen und der Priester bzw. Standesbeamte stehen - ein besonderes Gewicht. Ähnlich einem Eid vor Zeugen hat daher das gegenseitige Versprechen eines Ehepaares im Regelfall eine größere Tragfähigkeit als eine ganz private (manchmal gar nicht definitiv ausgesprochene) Entscheidung.

Psychologische Komponenten

Unter dem Begriff Ehepaar wird oft besondere Vertrautheit und Gütergemeinschaft der Partner subsumiert (denn ein tiefes Verständnis des ehelichen Güterrechts, das in diesen Ländern unterschiedlich ausgestaltet ist, und die Gütergemeinschaft nicht immer vorsieht, ist bei der überwiegenden Mehrheit der Eheleute nicht vorhanden), andererseits heute auch oft die Gefahr von Verengung, erkaltender Liebe oder Scheidung. Die zunehmende Sicht auf negative Aspekte hat einerseits mit wachsender Bindungsangst zu tun, andererseits mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Freiheiten. Ehepaare, die gerne verheiratet sind, suchen und finden im Laufe der Zeit ihre jeweils eigene Balance zwischen persönlicher Freiheit und Verbundenheit. Ein solches (veränderliches) Gleichgewicht erlaubt freie Kontakte nach außen, das Bewahren eines eigenen Freundeskreises und die Pflege gemeinsamer Kontakte. Mit wachsender Vertrautheit (aber auch durch Enttäuschungen und Krisen) entwickeln sich besondere Formen der Kommunikation im verbalen, nonverbalen und sexuellen Bereich. Sie sind wichtig, um der möglichen Gefahr des schleichenden "Verstummens" zu begegnen. Auch die Balance zwischen Sicherheit und Wandel, zwischen Gewohnheiten und Neuem ist im belgischen, niederländischen, spanischen bzw. kanadischem Gespräch öfters zu hinterfragen.

Vorbereitung und Beratung

Ein spezieller Bereich die Ehe betreffend ist der Kontakt von Ehepaaren zu den jeweiligen Herkunftsfamilien. In der Ehevorbereitung, von Seelsorgern und Eheberatern wird die Wichtigkeit betont, dem Partner klaren Vorrang vor den eigenen Eltern zu geben. Es ist auch für belgische Verlobte möglich, aber keinesfalls üblich, sich von deutschen Eheberatern in dieser Hinsicht beraten zu lassen. Die notwendige Loslösung wird schon im Alten Testament treffend beschrieben: ... Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen .... Das Alte Testament wird auch in diesen Ländern, und nicht nur in Deutschland gelesen. Mit der Geburt oder Adoption von Kindern ändert sich die eheliche Partnerschaft in vielen Bereichen. Nun ist es besonders wichtig, Irritationen offen, aber behutsam anzusprechen und mit möglichen seelischen Verletzungen gut umzugehen. Freundschaften zu anderen jungen Familien oder Eherunden erleichtern diese Phase. Nicht nur junge deutsche Ehepaare schließen untereinander Freundschaften, sondern auch in Kanada ist dieses Phänomen bekannt.

Ehe heute in den USA

Das US-amerikanische Eherecht wird von den einzelnen Bundesstaaten geregelt. Das ergibt ein komplexes Flickwerk von verschiedenen Güter- und Scheidungsrechten. Als eine Art Vertrag zwischen den beiden Eheleuten werden Ehen, die in einem Bundesstaat geschlossen werden, auch in anderen Bundesstaaten anerkannt. Eine Ausnahme hierzu sind gleichgeschlechtlichen Ehen; hier erlaubt es das Defense of Marriage Act aus 1996, dass der Bund und die einzelnen Staaten zur Anerkennung dieser Ehen nicht verpflichtet sind. Da dieses Gesetz nicht Verfassungsrang hat, wie die Vorschrift über gegenseitiges Anerkenntnis von Verträgen, ist es derzeit umstritten, ob es verfassungskonform ist. Der Landtag von Kalifornien hat einen Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtlichen Paaren verabschiedet; Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat jedoch sein Veto angekündigt. Viele Wirkungen der Ehe, z. B. bei der Veranlagung zur Bundeseinkommenssteuer, oder bei Migrationsfragen, werden vom Bund geregelt. Bis 1967 wurden Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher Rasse nicht in allen US-Bundesstaaten zugelassen. In diesem Jahr verurteilte das Supreme Court den Staat Virginia dazu, eine im District of Columbia geschlossene Ehe zwischen einem Mann europäischer und einer Frau afrikanischer Herkunft anzuerkennen. Vor der Eheschließung muss eine Heiratsserlaubnis (marriage license) beantragt werden. Nur durch sie wird die Ehe gesetzlich anerkannt. In den USA kann die religiöse und die gesetzliche Zeremonie zur Eheschließung gleichzeitig stattfinden. Falls die Ehe von einem Geistlichen geschlossen wird, kann er gleichzeitig als Standesbeamter handeln und die Ehe damit auch rechtlich in Kraft setzen. Dies erfordert die Unterzeichnung der Heiratserlaubnis. Eine rein religiöse Zeremonie wird vom Gesetz nicht anerkannt.

Soziologische Komponenten

Aus religiösen, soziologischen und psychologischen Gründen hat eine Zusage zur Ehe vor Freunden, der Familie und der Öffentlichkeit - für welche die Trauzeugen und der Priester bzw. Standesbeamte stehen - ein besonderes Gewicht. Ähnlich einem Eid vor Zeugen hat daher das gegenseitige Versprechen eines Ehepaares im Regelfall eine größere Tragfähigkeit als eine ganz private (manchmal gar nicht definitiv ausgesprochene) Entscheidung.

Psychologische Komponenten

Unter dem Begriff Ehepaar wird oft besondere Vertrautheit und Gütergemeinschaft der Partner subsumiert (denn ein tiefes Verständnis des ehelichen Güterrechts, das in den verschiedenen US-Bundesstaaten unterschiedlich ausgestaltet ist, und die Gütergemeinschaft nicht immer vorsieht, ist bei der überwiegenden Mehrheit der Eheleute nicht vorhanden), andererseits heute auch oft die Gefahr von Verengung, erkaltender Liebe oder Scheidung. Die zunehmende Sicht auf negative Aspekte hat einerseits mit wachsender Bindungsangst zu tun, andererseits mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Freiheiten. Ehepaare, die gerne verheiratet sind, suchen und finden im Laufe der Zeit ihre jeweils eigene Balance zwischen persönlicher Freiheit und Verbundenheit. Ein solches (veränderliches) Gleichgewicht erlaubt freie Kontakte nach außen, das Bewahren eines eigenen Freundeskreises und die Pflege gemeinsamer Kontakte. Mit wachsender Vertrautheit (aber auch durch Enttäuschungen und Krisen) entwickeln sich besondere Formen der Kommunikation im verbalen, nonverbalen und sexuellen Bereich. Sie sind wichtig, um der Gefahr des schleichenden "Verstummens" zu begegnen, die auch in USA vorhanden ist. Auch die Balance zwischen Sicherheit und Wandel, zwischen Gewohnheiten und Neuem ist im Gespräch öfters zu hinterfragen.

Vorbereitung und Beratung

Ein spezieller Bereich die Ehe betreffend ist der Kontakt von Ehepaaren zu den jeweiligen Herkunftsfamilien. In der Ehevorbereitung, von Seelsorgern und Eheberatern wird die Wichtigkeit betont, dem Partner klaren Vorrang vor den eigenen Eltern zu geben. Aufgrund der großen Entfernungen, aber auch wegen der sprachlichen Barrieren ist es keinesfalls üblich, dass US-amerikanische Verlobte sich von deutschen Eheberatern in dieser Hinsicht beraten lassen. Zudem hat die US-amerikanische Eheberatung eine eigene Tradition entwickelt. Die notwendige Loslösung wird schon im Alten Testament treffend beschrieben: ... Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen .... Das Alte Testament wird in USA mindestens so häufig wie in Deutschland gelesen. Mit der Geburt oder Adoption von Kindern ändert sich die eheliche Partnerschaft in vielen Bereichen. Nun ist es besonders wichtig, Irritationen offen, aber behutsam anzusprechen und mit möglichen seelischen Verletzungen gut umzugehen. Freundschaften zu anderen jungen US-amerikanischen oder ausländischen Familien oder Eherunden erleichtern diese Phase.

Literatur


- Marianne Weber: Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung. Tübingen 1907.
- Dieter Schwab: Grundlagen und Gestalt der staatlichen Ehegesetzgebung in der Neuzeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Bielefeld 1967.
- Klaus Jürgen Matz: Pauperismus und Bevölkerung. Die gesetzlichen Ehebeschränkungen in den süddeutschen Staaten während des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1980.
- Arne Duncker: Gleichheit und Ungleichheit in der Ehe. Persönliche Stellung von Frau und Mann im Recht der ehelichen Lebensgemeinschaft 1700-1914. Köln u.a. 2003.
- Josef Prader/Heinrich J.F. Reinhard: Das kirchliche Eherecht in der seelsorglichen Praxis, Ludgerus-Verlag, Essen 2001, ISBN 3-87497237-2 Belletristik über die Ehe ist zahlreich, wenn auch bei Weitem nicht so umfangreich wie über die Liebe. So gehören zum Beispiel "Die Wahlverwandtschaften" (Goethe 1809) oder die "Künstlerehe" (Schefer 1828) zu den Glanzstücken.
- Felicitas von Lovenberg: Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie? Die Sehnsucht nach der romantischen Liebe. Droemer Verlag 2005, ISBN 3-426-27368-3

Verwandte Themen


- Generell: Portal:Zusammenleben, Partnerschaft und Sexualität - Familie - Verlöbnis - Heiratsverbot - Heiratsregeln - Verwandtenheirat - Hochzeitsbräuche - Frauenraub - Brautgabe - Bräutigamsgabe- Mitgift - Heirat - Matrimonium - Hochzeit - Eingetragene Lebenspartnerschaft - Eheformen - Gynäogamie - Arrangierte Heirat - Geschwisterheirat - Vernunftehe - Morganatische Ehe - Außereheliche Beziehung - Ehebruch - Scheidung - Witwe - Josefsehe - Wilde Ehe - Kameradschaftsehe - Unehelich - Vorehelich - Lebensgemeinschaft - Handschuhehe - Verliebtheit - Flitterwochen - Beziehung - Eheberatung - Marriage Encounter
- Mittelalter: Friedelehe - Muntehe - Wittum - WahlbruderschaftKebsehe - Winkelehe

Weblinks


- http://www.ehetherapie.de
- EKHN: [http://www.ekhn.de/inhalt/leben/trauung/index.htm Infos zur Trauung (christliche Bedeutung, Antworten zu häufigen Fragen, Tipps zur Mitwirkung, ...)]
- [http://www.katholisch.de/3791.htm Katholische Kirche in Deutschland: Die Ehe]
- [http://www.eurasien.net/antworten/?aktion=antwort&text=ehe Buddhismus und Ehe]
- [http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/maike/mittelalter/MaV.htm Ehe im Mittelalter]
- [http://www.law.umkc.edu/faculty/projects/ftrials/conlaw/loving.html Urteil in Loving vs. Virginia] ! Kategorie:Feste & Brauchtum Kategorie:Familienrecht ja:結婚 ko:결혼

Harem

Der Ausdruck Harem (arabisch haeraem = absondern, verbieten, weihen) bezeichnete einen abgeschlossenen und bewachten Wohnbereich eines Serail oder Hauses, in dem die Frauen eines orientalischen Würdenträgers oder Familienoberhaupts lebten. Die Frauen standen in der Regel unter der Aufsicht der ersten Frau (oder auch eines Eunuchen). In Fürstenhäusern gilt diese Frau auch als Fürstin. Haremsstrukturen waren und sind noch weit verbreitet. Sprichwörtlich für sie waren die "Haremsintrigen", doch konnten sie auch eine Stätte hoher Kultur und hoher Künste sein. Die aus den Frauen des Harems vom Sultan für sich selbst ausgesuchten Frauen nannte man Kadinen (Kadynen, d.h. Damen), sie führten streng abgeschlossen im Serail ihren eigenen Hofstaat mit Agas, Eunuchen und den Haremsdienerinnen (Odalisken). Odaliske

Judentum

Der große Harem des israelitischen Königs Salomo wird geschildert, wobei hier aber auch ungläubige, heidnische Frauen Teil des Harems waren, was zu vielen Diskussionen mit der Priesterschaft führte.

Ägypten

Auch die ägyptischen Pharaonen hatten einen Harem. Hier wie auch in jüdischen Harems wurden regelmäßig auch erworbene oder zwangsrekrutierte Sklavinnen eingebracht.

Weblinks zu Gemälden von Harems


- [http://www.turkologie.com/kultur/harem/ Tuerkishe Harem]
- [http://www.travelinstyle.com/turkey/harem/Harem's%20Private%20Partycopy.jpg]
- [http://bama.ua.edu/~emartin/gn571/ingres/images/harem.jpg] Kategorie:Orient Kategorie:Arabische Geschichte ja:ハレム

Treue

Treue bezeichnet eine wesentlich emotional gefestigte Charaktereigenschaft, die Dauerhaftigkeit von gemeinschaftlichen Bindungen verschiedener Art gewährleistet, aber auch das auf dieser Eigenschaft basierende äußere Verhalten. Sozial wird sie üblicher Weise als wechselseitige Verpflichtung aufgefasst, als Schwur, Gelöbnis oder Versprechen. Sie setzt voraus, dass sie erwidert wird (Wickert, Das Buch der Tugenden, S. 621). Danach sind Voraussetzungen für Treue
- Gegenseitigkeit
- Vertrauen / Verbundenheit
- kritisches Überprüfen (Kontrolle) =Alternative Definitionen=

Definition nach Otto F. Bollnow

Otto Friedrich Bollnow definiert in seinem Buch Wesen und Wandel der Tugenden (S. 160) folgende vier Merkmale der Treue:
- Festlegung für die Zukunft: Treue beruht auf einer in der Vergangenheit eingegangenen Bindung, mit der sich ein Mensch für die Zukunft festlegt.
- Konkrete Beziehung zu einem anderen Menschen: Treue betrifft immer eine konkrete Beziehung, ein konkretes Verhältnis zum Anderen, also des Ich zum Du.
- Verhältnis, das den Menschen in seinem innersten Kern erfasst: Treue wurzelt immer im tiefsten Kern der menschlichen Persönlichkeit, sie setzt voraus, dass sich ein Mensch in seiner Ganzheit einzubringen bereit und in der Lage ist.
- Unbedingtheit und Unwandelbarkeit: Ihrem Wesen nach ist Treue "Ewige Treue", wobei sich hier das Problem einstellt, inwieweit der Mensch überhaupt in dieser Form über seine Zukunft verfügen kann. Eine Zukunft, die er oftmals selbst nicht vorhersagen kann und in deren Verlauf er Wandlungen unterworfen ist, auf die er nur bedingten Einfluss hat: innere Wahrhaftigkeit und äußere Treue können daher in Widerspruch geraten (s. Bollnow aaO, S. 161).

"Treu und Glauben" als Rechtsbegriff

In § 242 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist für Deutschland geregelt, dass der Schuldner verpflichtet ist, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern. Zum Begriff von Treu und Glauben siehe dort. =Grenzen= In der Verbindung mit Standhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Einsatzbereitschaft und Besonnenheit gilt Treue als eine hoch positive charakterliche Eigenschaft. In unkritischer, naiver bzw. erstarrter Form kann sie jedoch zu sozialer und seelischer Abhängigkeit, Fixiertheit, ungerechtfertigter Anhänglichkeit oder auch zu konservativen Haltungen führen. Zwiespältige oder gar fatale Folgen von Treue (z.B. zu Unwürdigen) sind literarisch ein beliebtes Thema (vgl. die "Nibelungentreue" in der Nibelungensage). Die Extremform einer bedingungslosen Treue mit möglicherweise auch verbrecherischen Konsequenzen ist im Wahlspruch der Waffen-SS erreicht ("Meine Ehre heißt Treue"). =Gegensatz: Verrat, Untreue= Der Gegensatz zur Treue ist Verrat, der schon darin liegen kann, "dass man einem Freund in der Not nicht beisteht oder dass man sich nicht zu ihm bekennt, sondern ihn verleugnet, wo man sich mit dem Bekenntnis zu ihm zu kompromittieren glaubt", man ihn also "fallenlässt". (Otto F. Bollnow, Wesen und Wandel der Tugenden, S. 159 f.). Treue bewährt sich damit immer erst in Not- bzw. Krisensituationen Einschlägiges Sprichwort: Freunde in der Not | gehn tausend auf ein Lot. Zum Treubruch siehe auch Untreue. =Auswirkungen= Die Treue hat im wesentlichen bewahrende, erhaltende und überdauernde Wirkung. Treue führt zu Vertrauenswürdigkeit und Vertrauen, Berechenbarkeit des Verhaltens in der Gegenwart sowie Hoffnung auf die Zukunft. Treue zu sich selbst ("Ich bleibe mir selbst treu.") setzt die Ausbildung eigener Identität, Integrität und Selbstachtung voraus. =Beispiele=
- soziale Bindungen als Partner-Treue (in z.B. Liebe, Ehe, Freundschaft)
- Treue zur Gruppe oder Gemeinschaft (z.B. zur Familie)
- Treue zwischen Patron und Klienten
- Bindungen von Jüngern an Heilande, Gurus, Meister (vgl. Charisma)
- Treue zu Orten oder Landschaften als Heimat-Treue
- Bindungen an Ideen und Grundsätze als Prinzipien-Treue
- Bindungen an Sitten, Überlieferungen und Gebräuche als Traditions-Treue =Literatur=

Deutsche Klassik

Friedrich Schiller


- "Die Bürgschaft: [http://gutenberg.spiegel.de/schiller/gedichte/buergsch.htm Friedrich Schiller, Die Bürgschaft]

Märchen

Madame Leprince de Beaumont, Die Schöne und das Tier

:Ein ehedem reicher Kaufmann, der all sein Hab und Gut verlor, wohnt mit seinen drei Töchtern in einem winzigen Häuschen. Eines Tages wird er zum Hafen gerufen: eines seiner verloren geglaubten Schiffe sei dort. Lisette und Ninette, die älteren Schwestern, wünschen sich Kleider, Schuhe und Juwelen. Die Schöne, die jüngste, bittet bescheiden um eine Rose vom Wegesrand. Aber die Rose, die der Vater bei einem Schloss tief im Wald pflückt, gehört dem hässlichen Tier. Es nimmt ihn gefangen und lässt ihn nur unter der Bedingung frei, dass eine seiner Töchter seinen Platz einnimmt. Die Schöne steht für ihren Vater ein. Obwohl sie von der Hässlichkeit des Tieres abgestoßen ist, erkennt sie doch dessen Gutherzigkeit und kann es schließlich durch ihre bedingungslose Liebe von seiner schrecklichen Gestalt erlösen. : Französisch: http://www.fh-augsburg.de/~harsch/gallica/Chronologie/18siecle/Leprince/lep_bell.html : Deutsch: [http://www.maerchenlexikon.de/etexte/425C/te425C-001.htm Die Schöne und das Tier]

[http://gutenberg.spiegel.de/grimm/maerchen/johannes.htm Gebrüder Grimm: lol]

Gedichte

Johann Wolfgang von Goethe

Frage nicht, durch welche Pforte
Du in Gottes Stadt gekommen,
Sondern bleib am stillen Orte,
Wo du einmal Platz genommen.
Schaue dann umher nach Weisen
Und nach Mächtigen, die befehlen;
Jene werden unterweisen,
Diese Tat und Kräfte stählen.
Wenn du nützlich und gelassen
so dem Staate treu geblieben,
Wisse! niemand wird dich hassen,
Und dich werden viele lieben.

Theodor Fontane, [http://gutenberg.spiegel.de/fontane/gedichte/douglas.htm Archibald Douglas]

Ludwig Heinrich Christoph Hölty

Üb immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab!
Dann suchen Enkel deine Gruft
Und weinen Tränen drauf,
Und Sommerblumen, voll von Duft,
Blühn aus den Tränen auf.

Johann Gottfried Herder

Liebe schwärmt auf allen Wegen,
Treue wohnt für sich allein;
Liebe kommt Euch rasch entgegen,
aufgesucht will Treue sein

Sonstige


- Stefan Zweig, in Sternstunden der Menschheit: Die Flucht zu Gott (Dialog zwischen Leo Tolstoj und revolutionären kommunistischen Jugendvertretern)
- In der zweiten Strophe des Deutschlandliedes rühmt Hoffmann von Fallersleben die Deutsche Treue.

Sekundärliteratur

Monographien


- Otto Friedrich Bollnow, Wesen und Wandel der Tugenden, S. 159 ff. (Die Treue)
- Albert Schweitzer, in Ehrfurcht vor dem Leben: Über die Treue
- Ruthard Stäblein (Herausgeber), Treue. Zwischen Vertrauen und Starrsinn. ISBN: 3891514018
- Ulrich Wickert, Das Buch der Tugenden, ISBN 3455110452, S. 619 ff. (Zuverlässigkeit und Treue)

Aufsätze in Zeitschriften


- Friedrich Graf von Westphalen, Die Grenzen des Wortgebrauchs, die Wahrhaftigkeit und das Recht, AnwBl. 2004, 665, 668 (über die eheliche Treue)

Zitate


- Auf Erden gibt's nicht bessern Fund als treues Herz und stillen Mund. Sprichwort
- Sicher ist nicht jede Liebe treu; aber jede Treue ist immer liebevoll. (André Comte-Sponville)

Siehe auch

Vertrauen, Versprechen
und als Einzelbeispiele einer auf Nichtmenschen projizierten "Treue"-Vorstellung: Argos (Hund) und Greyfriars Bobby Polyamorie als eine Fassung von Treue in Liebesbeziehungen, die nicht auf sexueller Ausschließlichkeit (Monogamie) basiert Kategorie:Tugend Kategorie:Wertvorstellung

Kultur

Kultur (lat. cultura), Pflege (des Körpers, aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Dies schließt einerseits physische Dinge wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur steht insofern in Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation und der sie erhaltenden menschlichen Arbeit. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als Ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur). Frühe Kulturen haben entscheidend mit der gesellschaftlichen Praxis der Ernährung ihrer Träger zu tun (Jäger- Hirten/Nomaden- oder Bauernkultur).

Definition

Das Wort Kultur (von lat. cultura: Landbau, Pflege, auch des Körpers und Geistes) bezeichnet im Deutschen: 1. die Pflege und Bebauung des Bodens, die Zucht von Bakterien - 2. die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. eines Volkes und - bezogen auf einzelne Menschen - seine Bildung, Gesittung und verfeinerte Lebensweise. Kultur ist die Summe aller Bestrebungen, die Grundbedürfnisse der menschlichen Natur zu befriedigen; eingeschlossen sind die Hilfsmittel dazu sowie die Erträge dieser Leistung ( z.B. Arbeitsgeräte, Techniken, sittliche, religiöse und politische Ordnungen).

Weitere Definitionsmöglichkeiten

William James Durant gibt in seinem Werk (Kulturgeschichte der Menschheit) folgende populäre Definition. Dieser Kulturbegriff spart prähistorische Kultur aus: :"Kultur ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeiten begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natürlichem Antrieb dem Verständnis und der Verschönerung des Lebens entgegen." Nach Albert Schweitzer ist Kultur "Fortschritt, materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitäten". Der Fortschritt bestehe "zunächst darin, dass für die Einzelnen wie für die Kollektivitäten der Kampf ums Dasein herabgesetzt" werde. Letztes Ziel der Kultur ist nach Albert Schweitzer "die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen": :"Der Kampf ums Dasein ist ein doppelter. Der Mensch hat sich in der Natur und gegen die Natur und ebenso unter den Menschen und gegen die Menschen zu behaupten. Eine Herabsetzung des Kampfes ums Dasein wird dadurch erreicht, dass die Herrschaft der Vernunft über die Natur sowohl wie über die menschliche Natur sich in größtmöglicher und zweckmäßigster Weise ausbreitet. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach. Sie verwirklicht sich in der Herrschaft der Vernunft über die Naturkräfte und in der Herrschaft der Vernunft über die menschlichen Gesinnungen." (Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504, S. 35) Im engeren Sinne versteht man unter Kultur folgende Bereiche: Sprache, Literatur, Religion und Ethik, Medizin, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung. Die interkulturelle Kommunikation versteht unter Kultur ein gültiges Sinnsystem oder die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen. Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von Kulturschaffenden entwickelt und zu Allgemeingut wurden. Johann Wolfgang von Goethe ging sogar soweit, dass in seinem Kulturbegriff "weder die Kleidung noch die Eß- und Trinkgewohnheiten, weder die Geschichte noch die Philosophie, weder Künste noch die Wissenschaft, weder die Kinderspiele noch die Sprichwörter, weder das Klima noch die Landschaftsformen, weder die Wirtschaft noch die Literatur, weder das Politisch noch das Private noch der Hinweis auf ‚Schäden durch Abholzung der Berge’ fehlen." Neben der oben genannten Definition gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch eine weitere Verwendung des Wortes im Sinne von Kultiviertheit, der stets aber Unkultiviertheit gegenübersteht, die es -da Kultur alles umfasst- eigentlich nicht gibt. Verschiedene Definitionen des Begriffes spiegeln verschiedene Theorien der Bewertung und des Verständnisses menschlichen Tuns wider. 1952 haben Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn eine Liste von über 200 verschiedenen Definitionen in ihrem Buch (Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions) zusammengetragen. In der nordamerikanischen cultural anthropology (der in der englischen Sozialwissenschaft die social anthropology entspricht) wird culture ("Kultur") oft gleichbedeutend mit society ("Gesellschaft") benutzt (vor allem bei Stammesgesellschaften, vergleiche Anthropologie, Ethnologie und Soziologie).

Etymologie

Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort cultura bedeutet Landwirtschaft, Feldbestellung, bebautes Land (zurückgehend auf das Verb colo, colui, cultus - pflegen) - als Gegensatz zu Natur - und so wurde das Wort Kultur bis ins 19. Jahrhundert verwendet, während für die heutige Bedeutung des Begriffes Kultur mehrheitlich das Wort Kunst seine Anwendung findet.

Entstehung der Kultur

Die vier entscheidenden Schritte des Menschen auf dem Weg zum Kulturwesen (Hominisation) sind vielleicht folgende gewesen, wobei sich der Übergang von der natürlichen zur kulturellen Weiterentwicklung nicht scharf trennen lässt und die Reihenfolge nicht chronologischen Anspruch erhebt.
- Die Entwicklung der Sprache (=>Sprachkultur)
- Die extensive Nutzung von Werkzeugen
- Die Zähmung des Feuers
- Die Entwicklung von expliziten Regeln und Formen des Zusammenlebens (Religion, Ethik, Diakonie und Medizin Rechtsprechung)

Entwicklung des Kulturbegriffs

Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts und viele Menschen heutiger Zeit setzen Kultur gleich mit Zivilisation und sehen beides im Gegensatz zur Natur. So wurden Menschen, denen Elemente einer Hochkultur fehlten, oft als naturverbunden, bodenständig und im negativen Sinne als unzivilisiert bezeichnet. Die gehobene Kultur wurde kritisiert oder auch verteidigt, da sie angeblich die menschliche Natur unterdrücken würde. Kultur in Abgrenzung zur Barbarei war und ist teilweise heute noch definiert als das Fehlen ökonomischer Notwendigkeit und Betonung des Rituellen, so z.B. ein nach allen Regeln der Kunst gedeckter Tisch als Gegensatz zu ausschließlich "sinnvoller" Bestückung. Im späten 19. Jahrhundert plädierten Anthropologen für eine breitere Definition des Begriffes Kultur. Sie wollten das Wort auf eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften anwenden können. Sie argumentierten, dass die Kultur der menschlichen Natur entspräche. Die Kultur habe ihre Wurzeln in der menschlichen Fähigkeit, Versuche systematisch auszuwerten und deren Ergebnisse in Schrift und Sprache weiterzugeben. 1 Deswegen entwickeln Menschen, die getrennt voneinander leben, einzigartige Kulturen. Trotzdem können sich Elemente verschiedener Kulturen heute leicht von einer Menschengruppe zu einer anderen ausbreiten. Es wurde also notwendig, methodisch und theoretisch nützlichere Definitionen des Wortes Kultur zu entwickeln. Dabei unterscheiden die Anthropologen zwischen einer
- materiellen Kultur und einer
- symbolischen Kultur (Schrift und Sprache). Der Unterschied spiegelt nicht nur verschiedene menschliche Tätigkeiten wider. Man braucht auch verschiedene Untersuchungsmethoden, um beide Bereiche zu beschreiben und zu untersuchen. In der Regel konzentrieren sich die Archäologen auf die materielle Kultur und die Kulturanthropologen auf die symbolische Kultur. Beide wollen aber letztendlich auch wissen, wie diese zwei Bereiche zusammenhängen. Darüberhinaus bezieht sich der Begriff Kultur für die Anthropologen nicht nur darauf, wie Güter verbraucht werden, sondern auch darauf, wie sie produziert werden und wie sie für die Menschen bedeutsam werden. Die Anthropologen wollen darunter auch die sozialen Beziehungen und Handlungsweisen verstehen, in welche die Dinge des täglichen Lebens einbezogen werden. 2000 wurde von Anthropologen gefordert, den Kulturbegriff auf Primaten auszudehnen. Kultur ist in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung auch ein Modewort geworden: Kultur wird mit großem Aufwand als Event inszeniert und als ein wirtschaftlicher Impulsgeber konsumierbar gemacht ("Kulturalismus").

Verwandte Themen


- Alltagskultur
- Baukultur
- Enkulturation
- Gegenkultur
- Internetkultur
- Investmentkultur
- Jugendkultur
- Kulturkapitalismus
- Kulturalismus
- Kulturdarwinismus
- Kulturell Kreativ
- Kulturindustrie
- Kulturkreis
- Kulturschock
- Kulturtechnik
- Kultur und Entwicklung
- Mobilitätskultur
- Subkultur
- Tradition
- Unternehmenskultur
- Zivilisation

Siehe auch


- Aborigines-Kultur
- Afrikanische Kultur
- Arabische Kultur
- buddhistische Kultur
- chinesische Kultur
- christliche Kultur
- deutsche Kultur
- europäische Kultur
- französische Kultur
- indianische Kultur
- Indische Kultur
- islamische Kultur
- Israelische Kultur
- Japanische Kultur
- Koreanische Kultur
  - Südkoreanische Kultur
- Russische Kultur
- Schweizer Kultur
- Türkische Kultur
- US-Kultur

Antike Kulturen


- Ägyptische Kultur
- Gallo-römische Kultur
- Griechische Kultur
- Harappa-Kultur
- Keltische Kultur
  - Hallstatt-Kultur
  - La Tène-Kultur
- Minoische Kultur
- Mykenische Kultur
- Römische Kultur

Kulturen Alteuropas


- Aunjetitzer Kultur
- Baalberger Kultur
- Bandkeramik-Kultur
- Clovis-Kultur
- Dorset-Kultur
- Folsom-Kultur
- Fremont-Kultur
- Gaterslebener Kultur
- Girza-Kultur
- Helladische Kultur
- Hilversum-Kultur
- Hunsrück-Eifel-Kultur
- Indus-Kultur
- Koban-Kultur
- Kretisch-minoische Kultur
- Lausitzer Kultur
- Linearbandkeramische Kultur
- Maglemose-Kultur
- Megalith-Kultur
- Michelsberger Kultur
- Rössener Kultur
- Thule-Kultur
- Villanova Kultur
- Vlaardingen-Kultur
- Wessex-Kultur

Kulturen Altamerikas


- Amra-Kultur
- Badari-Kultur
- Cochise-Kultur
- Cucuteni-Kultur
- Mississippi-Kultur
- Mogollon-Kultur
- Naqada-Kultur
- Nazca-Kultur
- Negade-Kultur
- Nok-Kultur
- Pueblo-Kultur
- Talayot-Kultur
- Tisza-Kultur
- Vinča-Kultur

weitere


- Popkultur
- Postmoderne Kultur

Weblinks


- [http://www.turkologie.com/kultur/ Tuerkische Kultur, Aberglauben, Aussteuer..]
- http://www.111er.de/lexikon/begriffe/kultur.htm
- http://dickinson.edu/departments/germn/glossen/heft3/negt.html Was ist das: Kultur? (Vortrag von Oskar Negt)

Publikationshinweise


- Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504 ja:文化 simple:Culture zh-min-nan:Bûn-hoà

Anthropologie

Die Anthropologie (griechisch ανθρωπολογία, anthropo~ von άνθρωπος - der Mensch und ~logie von λόγος - die Lehre) ist die Wissenschaft vom Menschen und von der Menschheit. Sie befasst sich mit dem einzelnen menschlichen Wesen wie auch mit der Gesamtheit aller Menschen sowie der menschlichen Kultur. Mit überartlichen Fragestellungen befasst sich übergeordnet die Primatologie, die Wissenschaft von Affen, Halbaffen, Menschenaffen und Menschen. Wichtige Themen der Anthropologie sind u.a. die Fähigkeiten des Menschen, die Welt abstrakt zu erfassen, zu lernen und zu lehren, und die (Um-)Welt zu beeinflussen oder zu verändern.

Differenzierungsbereiche

Philosophische Anthropologie

Die philosophische Anthropologie betrachtet die Stellung des Menschen in der Gesamtwirklichkeit. Sie erarbeitet sein Wesen. Außerdem fragt sie sich: "Was ist der Mensch?". Dabei erfasst sie insbesondere seine Stellung zur unbelebten Welt, zu den Tieren, zu anderen Menschen sowie zu Gott. Nietzsche bezeichnete den Mensch als das "nicht festgestellte Tier" da es zwar auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten gibt, aber auf den zweiten Blick doch sehr viele Unterschiede. Der größte Unterschied ist, dass der Mensch sich selbst deuten kann (also wenn wir vorm Spiegel stehen erkennen wir uns selbst) und das Tier kann das nicht. Außerdem hat der Mensch den Drang dazu sich immer zu "verhalten". So gut wie jedes Handeln wird überlegt und nicht wie beim Tier aus Instinkt getan. In Deutschland sind hier vor allem Max Scheler als Begründer der Philosophischen Anthropologie sowie Helmuth Plessner und Arnold Gehlen zu nennen (zur neueren Auseinandersetzung damit vgl. auch die biosoziologischen Studien von Dieter Claessens). Weiterhin zu nennen sind Ernst Cassirer und seine Philosophie der symbolischen Formen sowie Wilhelm Kamlah als einer der Begründer des Erlanger Konstruktivismus. Eine breite Einführung in die Philosophische Anthropologie bietet Kuno Lorenz mit seinem gleichnamigen Buch, welches einen dialogischen Ansatz bietet. Vergleiche auch die gleichnamige Kategorie.

Theologische Anthropologie

Die theologische Anthropologie betrachtet die Stellung des Menschen vor Gott und im Fall der christlichen Anthropologie die Beschädigung von Gottes Abbild in Adam und seine Wiederherstellung in Christus.

Biologische Anthropologie

Die biologische Anthropologie (engl. physical anthropology) versteht sich als die vergleichende Biologie des Menschen. Mit 'vergleichend' setzt sie sich ab von ihrem fernen Ursprung, der Anatomie. Teilgebiete sind Primatologie, Evolution des Menschen, historische (prähistorische) Anthropologie, Bevölkerungsbiologie, Populationsgenetik, Wachstum (Auxologie), Konstitution, Forensik. Dabei wird stets sowohl beschrieben als auch kausal analysiert, werden genetische Grundlagen ebenso berücksichtigt wie umweltbestimmte. Übergeordnete Fächergruppen sind Biologie (mit den weiteren Fächern Zoologie, Botanik, Mikrobiologie etc) oder Humanbiologie (mit den weiteren Fächern Anatomie, Physiologie, Psychologie etc). Institutionen im Deutschraum gibt es an Universitäten und an Museen in Kiel, Hamburg, Berlin, Göttingen, Jena, Gießen, Frankfurt, Mainz, Ulm, Freiburg, München, Zürich und Wien. Meist ist dort die Bezeichnung nur 'Anthropologie', Zusätze wie biologisch werden erst in jüngerer Zeit notwendig, weil der konkurrierende amerikanische Begriff von 'anthropology' auch hier bekannt wird. Darin werden Humanbiologie, Ethnologie, Linguistik und Soziologie zusammen gefasst. http://www.nhm-wien.ac.at/AG/MAG128/Roesing.html

Forensische Anthropologie

Forensische Anthropologie ist eine der drei gerichtlichen Wissenschaften vom Menschen, neben der Rechtsmedizin und der forensischen Odontologie. Gebiete der forensischen Anthropologie:
- Identifikation nach Bildern,
- Identifikation von Skeletten und teilskelettierten Leichen, auch in Massengräbern
- Altersdiagnose, insbesondere bei jungen Straftätern
- Abstammungsgutachten (morphologisch)
- Zwillingsdiagnose Es gibt mehrere Praxen für forensische Anthropologie, Hauptgebiet ist dort die Identifikation nach Bildern. Einige nennen sich auch "Büro" oder gar "Institut". Internetseiten:
- [http://www.gfanet.de/ags/fa.php Gesellschaft für Anthropologie]
- [http://www.dgrm.de/ Gesellschaft für Rechtsmedizin]
- [http://www.bildidentifikation.de Arbeitsgruppe Identifikation nach Bildern]
- http://www.dr-buck.net/
- http://Praxis-FAU.com/
- http://www.forens.com/ Die forensische Anthropologie dient mit den Mitteln der Anthropologie bei der Aufklärung von Verbrechen. Forensische Anthropologen haben vor allem mit der Identifikation von Bankräubern, Schnellfahrern etc. zu tun, dann auch häufig mit stark verwesten oder vollständig skelettierten Leichen. Nicht selten sind sie die letzte Hoffnung zur Aufklärung eines Verbrechens.

Historische Anthropologie

Der Begriff historische Anthropologie wird in mindestens zwei verschiedenen Bedeutungen benutzt: Als Teil der Geschichtswissenschaften, dann ist das eine Geschichtsschreibung, die besonders das Wesen und das Schicksal des Menschen berücksichtigt. Als Teil der Anthropologie = vergleichende Biologie des Menschen. Dort werden vor allem Skelette aus historischen Gräberfeldern bearbeitet, bezüglich Sterblichkeit, körperlichen Merkmalen, Krankheiten etc.

Kultur- und Sozialanthropologie

Unter Kulturanthropologie und Sozialanthropologie versteht man die Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung; sie untersucht das Wesen "Mensch" in seiner Eigenart und seiner besonderen Stellung in Natur und Geschichte. In Deutschland sind die Begriffe "Völkerkunde" und Ethnologie gebräuchlicher. Siehe auch: Ethnosoziologie

Kybernetische Anthropologie

Als kybernetische Anthropologie bezeichnet man den Versuch der terminologischen Kopplung von Anthropologie und Kybernetik mit einer technikinduzierten Theoriebildung.

Pädagogische Anthropologie

Ist eine wissenschaftliche Subdisziplin, mit deren Hilfe die impliziten und expliziten Annahmen der Pädagogik über den Menschen reflektiert werden. Die Pädagogische Anthropologie nutz die neusten Erkenntnisse der Forschung (im Besonderen der Gehirnforschung). Sie ist bestrebt, die Erkenntnisse nutzbar für die Erziehung zu machen.

Berühmte Anthropologen


- G. Acsadi
- Herbert Bach
- Johann Jakob Bachofen
- Gregory Bateson
- Alfred Czarnetzki
- Egon Freiherr von Eickstedt
- Paul Ekman
- Brian M. Fagan
- Fernando Ortíz Fernández
- Helen Fisher
- Gisela Grupe
- Hans Friedrich Karl Günther
- Marvin Harris
- Winfried Henke
- Bernd Herrmann
- Rainer Knußmann
- Louis Leakey
- Mary Leakey
- Rudolf Martin
- Margaret Mead
- J. Nemeskeri
- Adolf Portmann
- Friedrich Wilhelm Rösing
- Karl Saller
- Friedemann Schrenk
- Ilse Schwidetzky
- M. Stloukal
- Maria Teschler-Nicola
- Fei Xiaotong

Literatur


- Christoph Wulf (2004): Anthropologie. Geschichte, Kultur, Philosophie. Reinbek: Rowohlt.
- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Winfried Henke, Hartmut Rothe (2003): Menschwerdung. Fischer (Tb.), Frankfurt, ISBN 3596155541.

Populärwissenschaftliche Literatur


- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung. Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
- Aldous Huxley: "Schöne neue Welt",die Betrachtung der zukünftigen Welt. Fischer
- Bücherei,Frankfurt a.M.,Oktober 2004,ISBN 3-596-50802-9

Weblinks


- [http://www.antropologi.info/blog/ethnologie Antropologi.Info]
- [http://www.anthropologie.ch/bulletin/bulletin_pdf/04_Czarnetzki_Pusch_Text.pdf Prinzipien der Paläanthropologie gestern, heute morgen]

Siehe auch


- Cultural studies
- Ethnologie
- Medienanthropologie
- Nicht zu verwechseln mit Anthroposophie ! Kategorie:Kulturwissenschaft ja:人類学 ko:인류학 ms:Antropologi simple:Anthropology th:มานุษยวิทยา zh-min-nan:Jîn-lūi-ha̍k

Verhaltensbiologie

Die Verhaltensbiologie ist eine Teildisziplin der Biologie und erforscht das Verhalten der Tiere und des Menschen. Sie beschreibt das Verhalten, stellt Vergleiche zwischen Individuen und Arten an und versucht, das Entstehen bestimmter Verhaltensweisen im Verlauf der Stammesgeschichte zu erklären, also den "Nutzen" für das Individuum. Wissenschaftshistorisch betrachtet ist die Verhaltensbiologie eine Nachbardisziplin der Psychologie. Ihre heutigen, äußerst vielgestaltigen Zweige wurzeln in der Tierpsychologie des späten 19. Jahrhunderts und der "klassischen" vergleichenden Verhaltensforschung (Ethologie) des frühen 20. Jahrhunderts. Die Aussagen und Ergebnisse der Verhaltensforschung finden über die Biologie hinaus auch in mehr oder weniger weit entfernten wissenschaftlichen Disziplinen wie der Soziologie und der Pädagogik Beachtung.
- Eine Übersicht über wichtige verhaltensbiologische Fachbegriffe findest Du HIER.
- Eine Übersicht über bedeutende Verhaltensforscher findest Du HIER.

Die zentrale Frage: Welche Ursachen hat ein Verhalten?

Verhaltensbiologen analysieren insbesondere
- welche inneren und äußeren Faktoren das Verhalten auslösen
- wie Verhalten gesteuert wird und
- wie Umwelt und Verhalten einander beeinflussen. Der Grund für die heute festzustellende Vielfältigkeit der Teildisziplinen der Verhaltensbiologie und ihrer Arbeitsmethoden wird anhand einer knappen Frage rasch erklärlich: Warum bebrüten Vögel Eier? Diese Frage lässt sich nämlich ohne viel Federlesen allein durch veränderte Betonung vierfach aufspalten: # Warum bebrüten Vögel Eier? # Warum bebrüten Vögel Eier? # Warum bebrüten Vögel Eier? # Warum bebrüten Vögel Eier? Die Verhaltensbiologen müssen sich in diesem Fall also u.a. beschäftigen mit folgenden Aspekten des Verhaltens: # Woran erkennt ein Vogel (s)ein Ei? Wie unterscheidet er es von einem Stein? # Welche physiologischen Prozesse hindern den Vogel daran, das Ei kurzerhand aufzufressen? Warum scheint der Vogel zu wissen, dass er beim Brüten auf dem Ei sitzen muss und dass das Ei zerbrechlich ist? # Warum zeigen gerade die Vögel solches Brutverhalten, nicht aber Hunde und Schildkröten? # Welchen Überlebenswert hat das Erbrüten von Jungen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Brutverhalten, Flugfähigkeit und “maximal zulässigem Fluggewicht” einer werdenden Vogelmutter? Nikolaas Tinbergen beschrieb 1963 in seinem Buch On aims and methods of ethology die vier Ebenen der Erklärung von Verhalten so:
- Proximate Ursachen - proximate causation (lat. proximus, der Nächste) - „Wirkursache“, die Frage danach, wie etwas funktioniert:
  - Mechanismen der Verhaltenssteuerung (Physiologie, Neurophysiologie, Theorie der Neuronalen Netze, Systemtheorie)
  - Mechanismen der Verhaltensentwicklung (Physiologie, Genetik, Humanethologie)
    - ontogenetisch - ontogenetic development (Physiologie, Genetik)
    - phylogenetisch - evolutionary development (Evolutionstheorie, Populationsgenetik, Spieltheorie).
- Ultimate Ursachen - ultimate function (lat. ultimus, der Letzte) - „Zweckursache“, die Frage nach der Funktion des Merkmals: Evolutionstheorie, Populationsgenetik. Die klassische vergleichende Verhaltensforschung ("Ethologie") beschäftigt sich vorwiegend mit der Frage, wie etwas passiert: also mit den Mechanismen der Verhaltenssteuerung (vergl. hierzu Instinkttheorie), d.h. mit den proximaten Ursachen des Verhaltens. Die neueren Zweige der Verhaltensbiologie (insbesondere die Verhaltensökologie und die Soziobiologie) beschäftigen sich vorwiegend mit der Frage, warum etwas passiert: also mit der evolutionären Angepasstheit eines Verhaltensmerkmals, d.h. mit den ultimaten Ursachen des Verhaltens.

Die wichtigsten Zweige der Verhaltensbiologie

Die Verhaltensbiologie ist eine synthetische Wissenschaft, deren Arbeitsmethoden und Fragestellungen in erheblichem Maße Überlappungen mit anderen Fachgebieten aufweisen.

Vergleichende Verhaltensforschung

Die anfangs Tierpsychologie und später Ethologie genannte, “klassische” vergleichende Verhaltensforschung wurde in den 1930er-Jahren von Oskar Heinroth, Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen begründet. Diese Forscher gingen von dem damals grundlegend neuen Ansatz aus, dass die äußerst vielfältig und komplex erscheinenden Verhaltensabläufe der Tiere aus bestimmten Grundbausteinen des Verhaltens aufgebaut sind, den sogenannten Erbkoordinationen oder Instinktbewegungen. Daher bemühten sie sich vor allem um eine genaue Beschreibung der Verhaltensweisen einzelner Tiere mit Hilfe von Ethogrammen, wozu auch experimentell gearbeitet wurde (u.a. zum Phänomen der Prägung). Ferner gingen sie, in krassem Gegensatz zum Behaviorismus, von inneren, spontanen Antrieben für das Verhalten aus.
- Zentrale Konzepte der klassischen Ethologie wurden 1990 von Prof. Wolfgang Wickler, einem Schüler von Konrad Lorenz und 1992 von Prof. Hanna-Maria Zippelius, einer Schülerin von Karl von Frisch, kritisiert (vergl. hierzu u.a. Übersprungbewegung und Leerlaufhandlung).
- Der Begriff “Ethologie” wird gelegentlich auch als gleichbedeutende Bezeichnung (als Synonym) für die gesamte Verhaltensbiologie verwendet.

Humanethologie

Die Humanethologie erforscht insbesondere jene Verhaltensweisen des Menschen, die als angeboren gelten und die daher als Anpassungen an die natürliche Umwelt verstanden werden. Solche Verhaltensweisen müssen die sich im Verlauf der Stammesgeschichte entwickelt haben und sollten daher bei Menschen unterschiedlichster Kulturen in ähnlicher Ausprägung nachweisbar sein. Tatsächlich haben sich im Kulturenvergleich zum Beispiel zahlreiche Gesten und viele Aspekte der Gesichtsmimik als erstaunlich ähnlich herausgestellt.
- Der bekannteste deutsche Forscher auf diesem Gebiet ist Irenäus Eibl-Eibesfeldt.

Neuroethologie (Verhaltens-Neurologie)

Die Neuroethologie ist in gewissem Sinne eine Fortsetzung der “klassischen” vergleichenden Verhaltensforschung mit den Methoden der Neurologie. Beispielsweise untersucht sie die neurophysiologischen Entsprechungen für Phänomene wie spontanes Instinktverhalten und angeborene Auslösemechanismen, aber auch Rezeption (Aufnahme), Fortleitung und Verarbeitung von Lichtsinneseindrücken. Arbeitsmethoden sind hierfür u.a. die Ableitung von elektrischen Impulsen aus einzelnen Zellen, die Nutzung moderner bildgebender Verfahren, die elektrische Reizung bestimmter Hirnareale und das Untersuchen von Ausfallerscheinungen.

Ethoendokrinologie (Verhaltens-Endokrinologie)

Die endokrinologische Verhaltensforschung untersucht die Wechselwirkungen von Hormonsystem und Verhalten, also beispielsweise den Einfluss von Adrenalin und Serotonin sowie der Endorphine auf das Verhalten und - umgekehrt - den Einfluss des Verhaltens auf die Ausschüttung von Hormonen. Bekannt (aber nicht verstanden) sind solche Wechselwirkungen beispielsweise schon lange aus dem Gebiet des Sexualverhaltens und der Erforschung von Stressoren.

Ethoökologie (Verhaltens-Ökologie)

Die Verhaltensökologie (Verhaltensökobiologie, Ethoökologie) beschreibt und analysiert das Verhalten der Lebewesen in einer spezifischen Umwelt und untersucht die evolutionäre Angepasstheit des Verhaltens an spezifische Umweltbedingungen. Grundlage für diese Forschungsrichtung ist die Evolutionstheorie, was besagt, dass die Angepasstheit eines Merkmals an die Umwelt des Merkmalsträgers (des Individuums) letztlich das Ergebnis einer Selektion ist, die zur Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit (zur Fitnessmaximierung) führt. Unter anderem versucht man in mathematischen Modellen zu beschreiben, wie sich optimal angepasste Individuen verhalten sollten.

Soziobiologie

Die Soziobiologie kann als Teilbereich der Verhaltensökologie aufgefasst werden; sie beschäftigt sich mit dem Sozialverhalten der Tiere und des Menschen: untersucht werden zum Beispiel die Bedingungen, unter denen soziale Gruppen (Sozialverbände, Insektenstaaten) und Hierarchien entstehen; das Phänomen der Territorialität und des Altruismus (siehe hierzu auch: Eintrageverhalten); Fortpflanzungsstrategien (Monogamie, Polygamie, Polygynie).

Evolutionäre Psychologie

Die Evolutionäre Psychologie versteht sich als biologische Grundlage für viele Disziplinen innerhalb der Psychologie und versucht, menschliche Handlungsweisen aus der Perspektive der evolutionären Entwicklung zu verstehen.

weitere Teilgebiete

Weitere Zweige der Biologie, die der Verhaltensforschung nahe stehen, sind die Verhaltens-Genetik, die Psychobiologie, die Chronobiologie, die Biologie des