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| Salat (Gebet) |
Salat (Gebet)Der arabische Begriff salāt (Plural salawāt; persisch namāz; Paschto muns) bezeichnet im Islam das zu verrichtende Glaubensgebet der Muslime, das fünfmal am Tag in Richtung Mekka (Standort der Kaaba) verübt werden soll. Vor dem Gebet muss die rituelle Waschung (Abdest oder auch Wudu genannt) durchgeführt werden. Andere Begriffe um salāt von persönlicher Zwisprache mit Gott zu unterscheiden sind: Tageszeitengebet, Pflichtgebet und Ritualgebet; sie bezeichen alle einen seiner Aspekte. Bei den Sufis gilt salāt als das größte dhikr.
Der Muezzin ruft mittels Adhan (Gebetsruf) zum täglichen Gebet. Die fünf Gebete sind folgende:
#Fadschr () (Morgengebet)
#Dhuhr () (Mittagsgebet)
#ʿAsr () (Nachmittagsgebet)
#Maghrib () (Abendgebet)
#Ischaʾ () (Nachtgebet)
Die Gebetszeiten sind folgende:
#zwischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang
#nachdem die Sonne den Zenit überschritten hat, bis der Schatten eines Menschen die Länge seiner Körpergröße erreicht hat (in arabischen Breitengraden; hierzulande so nicht anwendbar)
#sobald der Schatten eines Gegenstandes doppelt so lang wie der Gegenstandes selbst ist, bis 40 Minuten vor Sonnenuntergang
#ab dem Sonnenuntergang bis ca. eine Stunde und 20 Minuten danach
#ab Ende des Abendgebets bis kurz vor der Morgendämmerung
Genau zu Sonnenaufgang, Zenit und Sonnenuntergang darf nicht gebetet werden. Dies hat den Grund, das islamische Gebet von einer heidnischen Sonnenverehrung abzugrenzen.
Die verschiedenen Tagesgebete folgen dabei jeweils dem gleichen Ablauf an Körperhaltungen und Anrufungen, allerdings werden diese je nach Tageszeit unterschiedlich oft wiederholt.
Eine Voraussetzung, das Gebet korrekt verrichten zu können, ist der Zustand der rituellen Reinheit (arabisch Tahāra ()). Hierfür vollzieht man eine rituelle Waschung, den sogenannten Wuًًdu' () oder Abdest. Außerdem soll man sich an einem sauberen Ort befinden, wofür der Gebetsteppich gebraucht wird, der sonst für nichts anderes verwendet wird. Hat man keinen Gebetsteppich zur Hand, kann man als Ersatz ein sauberes Kleidungsstück (z.B. Jacke) oder eine Zeitung nehmen. Eine andere wichtige Voraussetzung für das Gebet ist die niya (Absicht), die man zu Beginn des Gebets formulieren muß. Ohne sie ist das Gebet wertlos und nicht viel mehr als eine körperliche Übung und kein spirituelles Gebet.
Das islamische Gebet kann nicht ohne weiteres mit dem christlichen Gebet verglichen werden. Durch den rituellen Charakter ist es eher ein Gottesdienst, darüber hinaus existiert im Islam auch eine persönliche Form des Gebets (arabisch Duʿāʾ (دعاء)), das wie das christliche ein Bittgebet oder Dankgebet ist und in freier Form gesprochen wird. Dieses Du'a kann am Ende eines rituellen Gebets und auch zu jeder Tages- und Nachtzeit gesprochen werden.
Das islamische Pflichtgebet ähnelt in einigen Aspekten dem liturgischen Gebet der christlichen Ostkirchen (siehe z.B. Metanie). Nach islamischem Glauben lässt sich das dadurch erklären, dass die "Urchristen" wie auch Jesus Muslime gewesen seien und deshalb auf diesselbe Weise wie die heutigen Muslime gebetet hätten. In den altorientalischen Kirchen (z.B. Kopten) existiert eine ähnliche Form des Gebets, weil diese in ihrem Ritual dem "Urchristentum" näher sind als beispielsweise die Katholiken, aber auch wegen der jahrhundertelangen Beeinflussung dieser Kirchen durch ihre islamische Umwelt. Dieses orientalisch-christliche Gebet wird allerdings üblicherweise nur dreimal täglich ausgeübt und umfasst auch Elemente, die im Islam undenkbar wären, wie zum Beispiel die Bekreuzigung.
Im Islam heißt es, dass dem Propheten Muhammad vom Erzengel Gabriel die Form des Gebets gezeigt worden sei, wie sie schon immer von den Gläubigen in der Welt praktiziert worden sei.
Von der äußerlichen Sicht gleichen die einzelnen Bewegungen im Gebet den arabischen Buchstaben alif (Stehen) [], dal (Verbeugung) [] und mim (Niederwerfung) []. Aneinandergereiht ergeben diese den arabischen Namen des ersten islamischen Propheten Adam.
Eine besondere Rolle hat das Freitagsgebet.
Siehe auch: Portal:Religion
Kategorie:Islam
Kategorie:Gebet
ms:Solat
Arabische Sprache
Die arabische Sprache (auf Arabisch: اللغة العربية)
gehört zum südlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Der Language Code ist ar bzw. ara (nach ISO 639).
Allgemeines
Die einzelnen arabischen Dialekte in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und sind, wenn sie weit auseinander liegen (z. B. Marokko - Irak), auf basilektaler Ebene oft gegenseitig nicht oder nur schwer verständlich, in etwa vergleichbar mit den verschiedenen deutschen Mundarten.
Algerische Filme, die natürlich im dortigen Dialekt gedreht worden sind, werden zum Teil hocharabisch untertitelt, wenn sie in den Golfstaaten ausgestrahlt werden.
Die arabische Sprache in einem erweiterten Sinne umfasst eine Vielzahl von verschiedenen Sprachformen, die in den letzten anderthalb Jahrtausenden gesprochen wurden und werden.
Was all diese Sprachformen zu einer Sprache zusammenbindet, ist vor allem der Islam und speziell der Koran. Das Beispiel des Maltesischen zeigt sehr deutlich die große Rolle des Islam, was die Einheit des Arabischen angeht. Das Maltesische ist eine den maghrebinischen Dialekten der arabischen Sprache nah verwandte Sprache, die aber weitestgehend zu einer modernen, eigenständigen Standardsprache ausgebaut worden ist.
Aus dem Alt-Arabischen, das dem klassischen Hocharabisch sehr nahe stand, hat sich eine Vielzahl von Dialekten entwickelt, die neuarabischen Dialekte; für alle Sprecher dieser Sprache außer dem Maltesischen ist das unverändert geschriebene Hocharabisch weiterhin Schriftsprache und Dachsprache.
Ob Hocharabisch als moderne Standardsprache zu betrachten ist, ist umstritten (siehe auch Halsbandsittich in vielen Sprachen). Die panarabischen Satellitensender könnten es dazu werden lassen. Es fehlt oft noch an einem einheitlichen Wortschatz für viele Dinge der modernen Welt, sowie am Fachwortschatz für viele Bereiche der modernen Wissenschaften. Darüber hinaus ist Hocharabisch innerhalb der einzelnen arabischen Ländern relativ selten ein Mittel zur mündlichen Kommunikation.
Das Arabische im Semitischen
Das klassische Hocharabisch unterscheidet sich nicht wesentlich von der alt-arabischen Sprache. Versucht man durch Vergleich aller semitischen Sprachen die Wurzel eines Wortes zu ermitteln, findet man oft, dass sie genau der klassisch-arabischen Form gleicht. Dadurch kommt dem klassischen Hocharabisch eine zentrale Stellung innerhalb der semitischen Sprachen zu.
Lange betrachteten viele Semitisten das klassische Arabisch als die ursprünglichste semitische Sprache überhaupt. Erst langsam stellt sich durch den Vergleich mit anderen afro-asiatischen Sprachen heraus, dass vieles doch nicht so ursprünglich ist, wie man dachte. Klassisches Hocharabisch stellt wohl eine neuere Schicht semitischer Sprachen dar, die viele Möglichkeiten, die in der Grammatik der semitischen Sprachen angelegt sind, konsequent ausgebaut hat. Es hat einen sehr reichen semitischen Wortschatz bewahrt und sogar noch weiter ausgebaut. Die heutigen Dialekte haben viele Veränderungen durchgemacht, wie sie andere semitische Sprachen schon sehr viel früher (2000-3000 Jahre) durchgemacht haben. So fällt beispielsweise auf, dass Alt-Hebräisch und moderne arabische Dialekte, was Lautgestalt und Grammatik angeht, viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Es gibt Spekulationen, dass die Aufgabe der nomadischen Lebensweise und die Überlagerung anderer Sprachen immer wieder ähnliche sprachliche Entwicklungen hervorgerufen haben.
Verbreitung
Varianten des Arabischen werden von ca. 200 bis 300 Millionen Menschen gesprochen. Es ist (nicht immer alleinige) Amtssprache in folgenden Ländern: Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Komoren, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate. Darüberhinaus ist es eine der sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen.
In aller neuester Zeit gewinnt das gesprochene Hocharabische wieder an Raum, Schrittmacher ist dabei u.a. der Fernsehsender Aljazeera in Katar. Dort gibt es sehr lebendige Diskussionen von Sprechern aus allen Ecken der Arabischen Welt, die sich bemühen eine dem Hocharabischen nahe kommende Sprache zu gebrauchen.
Durch die dominierende ägyptische Film- und Fernsehproduktion (u.a. bedingt durch die Bevölkerungszahl) gilt der gesprochene Kairoer Dialekt des Arabischen in der arabischen Welt als allgemein verständlich, sozusagen "gemeinsprachlich". Gewöhnliche Filme auf hocharabisch zu drehen ist nicht üblich, da diese Sprache eher ernsten Themen wie den Fernseh- und Rundfunknachrichten, religiösen Sendungen und Gottesdiensten vorbehalten ist.
Geschichte
Schon in vorislamischer Zeit existierte auf der arabischen Halbinsel eine reichhaltige Dichtersprache, die nur mündlich weitergegeben wurde. Auf dieser Dichtersprache fußt zum Teil das Arabische des Korans, das aber wohl schon modernere Züge aufwies, wie man am Konsonantentext sehen kann. Wohl erst nachträglich hat man durch Zusatzzeichen das Koran-Arabisch für neue nicht arabische Muslime einfacher gemacht. In frühislamischer Zeit wurden viele Gedichte dieser Sprache schriftlich festgehalten. Bis heute ist das Memorieren (Auswendiglernen) von Texten ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur. So gibt es bis heute viele sehr geachtete Menschen, die den gesamten Koran auswendig vortragen können (Hafiz oder Hafidh).
Das klassische Hocharabisch ist insbesondere die Sprache des Korans, das sich aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel, dem Hedschas, im Zuge der islamischen Eroberungen über den ganzen Vorderen Orient verbreitete.
Der Kalif Abd al-Malik erhob in den 90er Jahren des 7. Jahrhunderts diese Form des Arabisch zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Sprache dann immer mehr, was jedoch zum Teil an der Schrift nicht zu erkennen ist, da die kurzen Vokale außer im Koran nicht geschrieben wurden und man sich bemühte die alten Regeln bei der Schreibung beizubehalten.
Das klassische Hocharabisch wird als Muttersprache heute von niemandem mehr gesprochen. Es wird allerdings auch heute noch, nur im Wortschatz verändert, als geschriebene Hochsprache benutzt, in der fast alle Bücher und Zeitungen erscheinen (außer in Tunesien, Marokko und in etwas geringerem Maße in Algerien, wo sich das Arabische diese Rolle mit dem Französischen teilen muss). Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird in den anderen arabischen Ländern aus Mangel an einem spezifischen Fachwortschatz oft Englisch gebraucht.
Bei offiziellen Anlässen wird diese normalerweise nur geschriebene Sprache auch mündlich gebraucht, ebenso teilweise in Fernsehen und Rundfunk. Diese Sprache wird oft auch als modernes Hocharabisch bezeichnet. Es unterscheidet sich vom klassischen Hocharabischen vor allem im Wortschatz und je nach Bildungsgrad des Sprechers teilweise auch in Grammatik und oft in der Aussprache.
Siehe auch: Geschichte der arabischen Literatur
Phonologie
Das Hocharabische Lautsystem ist wenig ausgeglichen. Es gibt nur drei mit den Lippen gebildete Laute (M م, B ب, F ف), P und das deutsche W fehlen. Der Laut و, den man mit W in der Umschrift wiedergibt, ist ein Halbvokal, der einem englischen W [] entspricht.
Dagegen gibt es sehr viele an den Zähnen gebildete Laute: L ل, N ن, D د, T ت, stimmloses und stimmhaftes (wie im Englischen ausgesprochene) "TH" (TH ث, DH ذ), stimmloses und stimmhaftes S (س und ز) und SCH ش. Hinzu kommen die dem Arabischen eigenen emphatischen Laute, d. h. stimmhaftes und stimmloses S (ص und ظ) sowie T ط und D ض, die "dumpf" ausgesprochen werden. Neben dem Zungen-R ر gibt es ein streng davon unterschiedenes Zäpfchen-R غ, normalerweise GH umschrieben.
An Gaumenlauten gibt es DSCH ج, K ك, CH خ und den Halbvokal J ي, das G fehlt. Des Weiteren gibt es ein tief in der Kehle gesprochenes K, das mit Q ق umschreiben wird, sowie das mit dem Kehlkopf ausgesprochene Hamza und einen stimmhaften Kehlkopf-Presslaut ع, den man "Ain" nennt, den es aber nur in sehr wenigen anderen Sprachen gibt, sowie eine stimmlose Entsprechung ح, die wie unser H auch mit H umschrieben wird. Unser H ه gibt es auch noch. Die Konsonanten werden sehr genau ausgesprochen, beeinflussen aber stark die Vokale, die deshalb in vielen Varianten vorkommen, obwohl es eigentlich nur A, I, U sowohl lang als auch kurz gibt. Insgesamt entsteht so der kehlige, raue Lauteindruck des Arabischen.
Die Dialekte haben dieses Ungleichgewicht zum Teil ausgeglichen: in vielen Dialekten gibt es ein G, TH und DH fehlen meist, deutsche W und P gibt es oft in Fremdwörtern. Meist gibt es auch langes E und O.
Schrift
Hauptartikel: Arabische Schrift
Geschrieben wird das Arabische von rechts nach links mit dem arabischen Alphabet, das nur Konsonanten und Langvokale kennt. Es gibt allerdings als Lern- und Lesehilfe ein nachträglich hinzugefügtes System mit Kennzeichen (اشكال) für die Kurzvokale A, I und U, und das in der klassischen Grammatik wichtige End-N, Konsonantenverdopplungen und Konsonanten ohne nachfolgenden Vokal. Der Koran wird immer mit allen Zusatzzeichen geschrieben und gedruckt. Grundsätzlich wäre das vokalisierte und mit Zusatzzeichen versehene Schriftarabisch gleichzeitig eine präzise Lautschrift, diese wird jedoch fast nur für den Koran genutzt. Bei allen anderen Texten muss man die kurzen Vokale selbst finden, was nur möglich ist, wenn man die Grundvokale jedes Wortes auswendig kennt und die grammatische Struktur vollständig analysieren kann, so dass man die richtigen Endungen einfügen kann. Aus diesem Grunde ist das Auswendiglernen langer Texte und die ständige Kontrolle eines anwesenden Lehrers fast unumgänglich, da so gut wie niemand im Alltag Hocharabisch spricht und man es auch nicht, den Koran ausgenommen, durch Lesen selbständig lernen kann.
Die arabische Schrift ist eine Kurrentschrift, die sich im Laufe der Geschichte verschliffen hat. Als immer mehr Buchstaben in der Gestalt zusammenfielen, entwickelte man ein System, diese durch Punkte über und unter den alten Konsonanten zu unterscheiden. Da die Buchstaben in einem Wort verbunden werden, gibt es bis zu vier verschieden Formen eines Buchstabens: allein stehend, nach rechts verbunden, nach links verbunden und beidseitig verbunden. Ohne die Punkte fallen beispielsweise in der beidseitig verbundenen Form die Buchstaben N, T, TH, B, Y und P zusammen. Die Punkte für das P übernahm man aus dem Persischen, um Fremdwörter, die ein P enthalten, wiederzugeben. In einer früheren Form der arabischen Schrift, dem Kufi (كوفى), in der es noch keine Punkte gab, wurden viele Texte fast nicht mehr lesbar, da wie gesagt nur die Konsonanten geschrieben wurden und einige davon auch nicht mehr zu unterscheiden waren. Die neuentwickelte Schrift mit den Punkten nennt man Nas-ch (نسخ).
Aussprache
In vielen islamischen Ländern gibt es Bestrebungen, sich bei der Aussprache der modernen Hochsprache einem Standard zu nähern, der dem nahe kommen soll, was als Aussprachestandard für das klassische Hocharabisch gilt. Grundlage dabei ist meistens der Aussprachestandard der Rezitation (ar. tilāwa تلاوة) des Korans, der weitgehend kodifiziert ist und in modernen Korandrucken auch durch Diakritika wiedergegeben wird. Diese Ausspracheform genießt ein hohes Prestige, wird allerdings in der Regel nur im religiösen Kontext verwendet.
Die frühere Aussprache des Hocharabischen ist nicht mit Sicherheit in allen Einzelheiten bekannt. Ein typischer Fall, wo bis heute keine völlige Klarheit über die Aussprachenormen des klassischen Hocharabisch besteht, ist die so genannte Nunation, also die Frage, ob die Kasusendungen bei den meisten unbestimmten Nomina auf n auslauten oder nicht (kitābun vs. kitāb). Für beide Varianten lassen sich Argumente finden, und da in alten Handschriften das Vokalzeichen der Endung nicht geschrieben wurde, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, wie diese Formen ausgesprochen wurden.
Grammatik
Das Arabische kennt indeterminierte (unbestimmte) und determinierte (bestimmte) Nomina. Determiniert wird ein Nomen durch den vorangestellten Artikel al, der nach Zahl und Fall unveränderlich ist, der aber sein A verliert, wenn er auf einen anderen Vokal folgt, und sein L an nachfolgende Substantive, die mit Sonnenbuchstaben beginnen, assimiliert.
Durch ein nachfolgendes Wort im Genitiv (s.a. Status constructus) oder durch ein direkt an das Wort angeschlossenes Personalsuffix wird ein Wort ebenfalls determiniert. Eigennamen sind von Haus aus determiniert und tragen keinen Artikel, ausgenommen die meisten Ländernamen.
Indeterminierte und determinierte Nomina unterscheiden sich zusätzlich durch unterschiedliche Endungen. Attribute werden dem zugehörigen Nomen nachgestellt.
Im Arabischen gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich, die meisten weiblichen Wörter enden auf ah, das bei angehängten Endungen zu at wird. Weibliche Personen (Mutter, Schwester etc.) Eigennamen von Ländern und Städten, und die Namen doppelt vorhandener Körperteile (Fuß, Hand) sind auch ohne weibliche Endung weiblich. Daneben kennt das Arabische noch ein Kollektivum.
Es gibt drei Numeri: Einzahl, Zweizahl (Dual) und Mehrzahl, und drei Fälle: Nominativ, Genitiv und Akkusativ, die fast ausschließlich durch kurze Vokal-Endungen bezeichnet werden. Diptoten sind Eigennamen oder indefinierte Substantive, welche anstatt der üblichen drei Deklinationsendungen nur deren zwei aufweisen, d.h. zwischen Genitiv und Akkusativ nicht formal unterscheiden.
Die wirkliche Komplexität der arabischen Sprache liegt in der Vielfalt ihrer Verbformen und daraus abgeleiteten Verbalsubstantive, Adjektive, Adverbien und Partizipien. Jedes arabische Verb verfügt über zwei Grundformen im Perfekt und Imperfekt, Beispiel: kataba - yaktubu: "er schrieb - er schreibt". Dazu kommt als dritte wichtige Form das Verbalsubstantiv ("das Schreiben"). Da sich die meisten Verbformen schematisch ableiten lassen, sind sie viel leichter zu erlernen, als ein Arabisch-Schüler vermuten mag. Zwar gibt es nur zwei Hauptzeiten, wobei das Perfekt eine vollendete, das Imperfekt eine unvollendete Handlung ausdrückt. Trotzdem hat das Arabische eine Vielzahl von Zeitstufen ausgebildet. Viele Verben existieren in zahlreichen, durch Umbildung der Wurzel abgeleiteten Stämmen, die jeweils bestimmte Bedeutungsaspekte haben, wie zum Beispiel Intensivierung oder reflexive Bedeutung. Jeder Stamm besitzt bestimmte Eigenschaften, z.B. ein Präfix, Verlängerung, Änderung oder Wegfall eines Vokals oder auch Verdopplung des mittleren Radikals (d.h. Wurzelkonsonanten). Die Art und Reihenfolge dieser Konsonanten ändern sich hingegen innerhalb einer Wortfamilie nie.
Eine Eigenheit der arabischen Grammatik erleichtert die mündliche Wiedergabe des Hocharabischen sehr: Am Ende eines Satzes fällt im Hocharabischen die Vokalendung meist weg. Man nennt diese Form traditionell "Pausalform". Nun werden aber die drei Fälle und auch zum Teil die Modi gerade durch diese Endungen ausgedrückt, die bei einer Sprechpause wegfallen. Deshalb benützen viele Sprecher, wenn sie modernes Hocharabisch sprechen, sehr häufig diese "Pausalform" und ersparen sich so einen Teil der manchmal komplizierten Grammatik. Da aber auch gerade diese Vokalendungen in allen Dialekten wegfallen, erleichtert dies das moderne Hocharabisch sehr. Das komplizierte System der Verbformen ist in vielen Dialekten noch weitestgehend erhalten, so dass die Dialektsprecher damit weniger Schwierigkeiten haben. Obwohl wie unten beschrieben die Bedeutung eines Wortes meist an den Konsonanten hängt, sind es gerade die kurzen Vokale, die einen großen Teil der komplizierten Grammatik ausmachen.
Arabische Wörterbücher sind häufig so angelegt, dass die einzelnen Wörter nach ihren Wurzeln, also quasi ihren "Wortfamilien", geordnet sind. Daher ist es beim Erlernen des Arabischen wichtig, die Wurzelkonsonaten eines Wortes identifizieren zu können. Der überwiegende Teil der Wörter hat drei Wurzelkonsonanten, einige auch vier. Durch das Abtrennen bestimmter Vor-, Zwischen- und Endsilben erhält man die Wurzel eines Wortes. Gerade Anfänger sollten solche nach Wurzeln geordnete Wörterbücher benutzen, da der Gebrauch "mechanisch-alphabetisch" geordneter Lexika bei geringen Grammatikkenntnissen oft dazu führt, dass eine Form nicht erkannt und falsch übersetzt wird.
Wortschatz
Die meisten arabischen Wörter bestehen aus drei Wurzelkonsonanten (Radikalen). Daraus werden dann verschiedene Wörter gebildet, beispielsweise kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:
- KaTaBa : er schrieb
- yaKTuBu : er schreibt
- KiTaaB : Buch
- KuTuB : Bücher
- KaaTiB : Schreiber (Einzahl)
- KuTTaaB : Schreiber (Mehrzahl)
- KaTaBah : Schreiber (alternative Mehrzahlform)
- maKTaB : "Ort des Schreibens", d.h. Büro
- maKTaBah : Bibliothek, Buchhandlung
Die hier angegebenen Formen sind Pausalformen. Im klassischen Hocharabisch treten noch die meist nicht geschriebene Endungen -a, -i, -u, -an, -in, -un, -ta, -ti, -tu, -tan, -tin, -tun oder auch keine Endung auf. Das T in den Endungen kommt so zustande, dass man das heute stumme End-H zum T uminterpretiert, indem man ihm die Punkte von T beigibt. Das N in diesen Endungen wird auch nicht durch den Konsonanten-Buchstaben N gekennzeichnet, sondern durch die wenig gebräuchlichen Zusatzzeichen.
Der Wortschatz ist zwar extrem reich, aber oft nicht klar normiert und mit Bedeutungen aus der Vergangenheit überfrachtet. So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort "Nation" relativ genau entspricht. Das dafür gebrauchte Wort (أمة, Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute "Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime); oder z.B. "Nationalität" (جنسية, dschinsiyya) eigentlich "Geschlechtszugehörigkeit" im Sinne von "Sippenzugehörigkeit", "Geschlechtsleben" z.B. heißt (حياة الجنسية, Hayāt al-dschinsiyya) wobei Hayāt "Leben" heißt. Das Wort für "Nationalismus" (قومية, Qaumiyya) bezieht sich ursprünglich auf die Rivalität vom (Nomaden)-"Stämmen" und kommt von Qaum ursprünglich und bis heute oft noch "Stamm" im Sinne von "Nomandenstamm". So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. "Umma" z.B. gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück. Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken. Andererseits hat jede Sprache eine Anzahl von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. So sind ca. 10% der spanischen Wörter arabischen Ursprungs. Vgl.:Arabischer Einfluss in der spanischen Sprache
Die zehn häufigsten Wörter des Arabischen
Die drei häufigsten Wörter des Arabischen werden im arabischen mit dem nächsten Wort verbunden geschrieben (in der Umschrift mit Bindestrich abgetrennt); es sind "al" der/die/das, "wa" und sowie "bi" in/mittels ال و ب
# في fi (in)
# من min (von, aus)
# على ala (auf, über, an, bei)
# أن anna (dass)
# إن inna (gewiss, wahrlich auch Verstärkungspartikel)
# إلى ila (zu, nach, bis, bis zu)
# كان kana (sein [Verb])
# هذا، هذه hadha, hadhihi (das, diese[r, s])
# أن an (dass)
# الذي der (Relativpronomen)
Sprachprobe
Die erste Zeile zeigt die Originalschreibweise, die zweite ist eine buchstabengetreue Umschrift, die dritte Zeile gibt die Lautgestalt im modernen Hocharabischen an, wobei die eingeklammerten Kurzvokale wegfallen, weil man oft Pausalformen gebraucht, die letzte Zeile ist eine recht wörtliche Übersetzung. Das End-N in ahlan und sahlan ist eine erstarrte klassische Endung, bei der das N nie geschrieben wird. Siehe auch: Salam, Traditionelle afrikanische Begrüßungsformen
Erster Sprecher:
!صباح الخير
S-B-alif-H alif-L-CH-Y-R!
sabaah(u) l-chair(i)!
Morgen der Güte!
Guten Morgen!
Zweiter Sprecher:
?صباح النور, يا أخي! كيف حالك
S-B-alif-H alif-L-N-W-R, Y-alif alif-CH-Y! K-Y-F H-alif-L-K
sabaah(u) n-nuur(i), ya achi! kaif(a) haaluk(a)?
Morgen des Lichts, o mein Bruder! Wie ist dein Zustand?
Guten Morgen, mein Freund, wie geht es dir?
Erster Sprecher:
!بخير, الحمد لله
B-CH-Y-R alif-L-H-M-D L-L-H
bi-chair(in), al-hamdu lillah(i)!
Mit Güte, Lob sei Gott!
Gut, Gott sei Dank!
Zweiter Sprecher:
?الحمد لله! وأنت, كيف حالك
alif-L-H-M-D L-L-H! W-alif-N-T, K-Y-F H-alif-L-K?
al-hamdu lillah(i)! wa anta, kaif(a) haaluk(a)?
Lob sei Gott! Und du, wie ist dein Zustand?
Gott sei's gedankt! Und wie geht's dir?
Erster Sprecher:
!الحمد لله جيد
alif-L-H-M-D L-L-H, DSCH-Y-D!
al-hamdu lillah(i), dschayyid(un)!
Lob sei Gott, gut!
Gott sei Dank, gut!
Zweiter Sprecher:
!أهلا وسهلا بك
alif-H-L-alif W-S-H-L-alif B-K!
ahlan wa-sahlan bik(a)!
etwa: Sei willkommen!
Erster Sprecher:
.أهلا بكم
alif-H-L-alif B-K-M.
ahlan bikum.
etwa: Ich fühle mich (bei dir) willkommen.
Dieses Beispiel zeigt eine typische Begrüßung auf Hocharabisch, wie sie zwischen etwa gleichaltrigen jüngeren, nicht zu sehr vertrauten Männern stattfinden würde.
Der eine grüßt den anderen, dieser grüßt zurück, woraufhin der erste den anderen einlädt, einzutreten und der andere sich dafür bedankt.
Dieses Beispiel müsste jeweils mehr oder minder von der Lautgestalt her in den Dialekt übertragen werden. Was Grammatik und Wortschatz angeht, ist der Unterschied zu den Dialekten hier eher gering, da es sich in diesem Beispiel fast nur um alte feststehende Redewendungen handelt.
Verwandte Artikel
- Arabische Dialekte
- Arabische Schrift
- Arabisches Alphabet
- Arabische Literatur
- Arabischer Name
- Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen
Literatur
- Borg, Tawfik: Modernes Hocharabisch. Konversationskurs. 5. Auflage. Hamburg 2004. ISBN 3921598230 - Konversationsbezogenes Lehrwerk, das z. T. jedoch ägyptisches statt hocharabischen Vokabulars verwendet.
- Harder, Ernst; Schimmel, Annemarie: Arabische Sprachlehre. Heidelberg 1997 ISBN 3872760017 - Knappe Einführung in die arabische Sprache und Grammatik.
- Krahl, Günther; Reuschel, Wolfgang; Schulz, Eckehard: Lehrbuch des modernen Arabisch. 5. Auflage. Berlin, München 2002. ISBN 3324006139 - Ein umfangreiches und akademisch geprägtes Standardwerk, Lehrbuch an vielen deutschsprachigen Universitäten.
- Mace, John: Arabic Grammar. A Revision Guide. Edinburgh 1998. ISBN 0748610790 - Übersichtliche, auf das Arabisch der Gegenwart bezogene Grammatik.
- Schregle, Götz: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Wiesbaden 1977. ISBN 344701623X - Gilt als das Standardwörterbuch Deutsch - Arabisch.
- Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch-Deutsch. 5. Auflage. Wiesbaden 1985. ISBN 3447019980 - Das Standardwörterbuch der arabischen Gegenwartssprache, nach Wurzeln geordnet.
Weblinks
- [http://www.lessan.org/ Deutsch-Arabisches Online-Wörterbuch]
- [http://www.nicoweb.com/sirpus/ Arabische Schrift und Spache auf MP3]. Arabische Schrift und Spache auf MP3. Neu.
- [http://www.arabmed.de/deutsch/magazin/022002/S50-51.pdf So viel Arabisch steckt im Deutsch]
- [http://www.nicole.ksc.ch/kurs/ksc_abschlussarbeit/arabisch_dt.shtml Arabisch in der deutschen Sprache]
- [http://www.ex-oriente-lux.de/arabischeserbe2.htm Deutsche Wörter arabischen Ursprungs]
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Arab.html Informative Seite über Arabisch der Universität Erfurt]
- [http://www.arabia-institut.de/download/ Nützliche PDF-Dokumente zum Arabischlernen]
- [http://www.schriften-lernen.de/Schrift/Arab/Arab1.htm Einführung in die arabische Schrift]
- [http://lexicons.ajeeb.com/ Arabische Standard-Wörterbücher المعاجم العربية online auf einer Seite]
- [http://www.chj.de/ Arabische Schrift und Sprache]
- [http://www.muftah-alhuruf.com Muftah-Alhuruf.com]: Schreibt und schickt arabische E-Mails ohne eine arabische Tastatur oder Betriebssystem zu haben.
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:arabische Sprache
Kategorie:Orientalistik
Kategorie:Afrikanische Sprache
ja:アラビア語
ko:아랍어
ms:Bahasa Arab
simple:Arabic language
th:ภาษาอาหรับ
Persische Sprache
Die persische Sprache oder kurz: Persisch (lokal: فارسی Fārsi oder auch Dari genannt) ist die wichtigste indogermanische Sprache im südwestwestlichen Asien. Sie gehört zum iranischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Persisch wird von ca. 60 Millionen Menschen als Muttersprache und von weiteren 60 Millionen als Zweitsprache gesprochen, die vor allem im Iran und in angrenzenden Gebieten leben. Etwa 35-40 Millionen Muttersprachler leben im Iran, weitere 7 Millionen in Afghanistan (siehe Tadschikische Sprache), 15 Millionen in Tadschikistan (lokal Dari genannt) und in Teilen Usbekistans, Pakistans und Indiens. Daneben gibt es bedeutende Persisch-sprachige Gemeinden in Bahrain, Irak und in den USA.
Kleinere Sprachinseln gibt es unter anderem in Georgien, in Aserbaidschan und im Pamir-Gebirge. Starken Einfluss hat Persisch auch auf Schrift und Sprache in Usbekistan und Kirgisistan genommen sowie auf das Urdu (Pakistan), in geringerem Maß auch auf Arabisch, Türkisch und auf die Sprachen des heutigen Indiens. Die Deutsche Welle sendet auch in Persisch ([http://dw-world.de/persian/ Farsi] - [http://www2.dw-world.de/dari/ Dari]).
Persisch ist Amtssprache im Iran, in Tadschikistan und in Afghanistan; in Tadschikistan wurde es ab 1928/29 erst in lateinischer, seit 1939/40 in kyrillischer Schrift geschrieben.
Viele persische Wörter wurden in europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen kennt man unter anderem die Wörter Basar (Bazaar), Scheck, Karawane, Pistazie, Schach, Paradies, Schal oder Magier.
Der Language Code ist fa bzw. fas oder per (nach ISO 639).
Kurze Geschichte der persischen Sprache
ISO 639
Das Persische wird seit der Islamisierung in arabischer Schrift geschrieben, aber mit einigen zusätzlichen Buchstaben wegen der sehr unterschiedlichen Sprache. Es besitzt zahlreiche arabische Lehnwörter sowie eine umfangreiche Literatur.
Die Entwicklung der iranischen Sprachen wird in drei Perioden gegliedert: altiranisch (bis 100 v. Chr.), mitteliranisch (100 v. Chr. bis etwa 900 n. Chr.) und neuiranisch (ab 900 n. Chr). Von den altiranischen Dialekten sind nur Altpersisch und Avestisch ausreichend dokumentiert, die anderen Sprachen dieser Gruppe nur indirekt. Die Bezeichnung "Avestisch" der nordöstlichen Sprache im antiken Perserreich kommt von der Avesta, den heiligen Schriften des Zoroastrismus. Abgesehen von seiner religiösen Verwendung starb es aber schon Jahrhunderte vor dem Aufkommen des Islam aus; wahrscheinlich löste sich die Sprache im verwandten Baktrisch auf. Das Altpersische ist aus dem Südwesten des Achämenidenreiches (um 560 bis 330 v. Chr.) in Keilschrift-Texten überliefert. Gesprochen wurde es dort länger, als Verwaltungssprache diente aber eher das Aramäische. Altpersisch und Avestisch sind dem Sanskrit und damit dem Ur-Indogermanischen sehr nahe; sie gehören ebenso wie Griechisch und Latein zu den flektierenden Sprachen, und sind die Vorfahren des heutigen Neupersisch.
Im Unterschied zu den jüngeren Sprachstufen hatte das Altpersische noch eine komplexere Grammatik mit bis zu sieben Kasus und drei Genera. Auch der Dual ist neben Singular und Plural noch erhalten. Das Verbalsystem ist gegenüber dem altertümlicheren Avestischen jedoch schon vereinfacht: Das Altpersische hat keine Differenzierung von Imperfekt, Aorist und Perfekt mehr, sondern kennt nur noch ein Präteritum.
Die für das Altpersische verwendete Keilschrift wurde eigens dafür erfunden und ist eine rechtsläufige gemischte Laut- und Silbenschrift (wie die indischen Schriften), die durch 8 Wortzeichen und besondere Zahlzeichen ergänzt wird. Überliefert sind vor allem Monumentalinschriften auf Felsen oder Gebäuden. Meist steht neben der altpersischen Version noch eine elamische und eine babylonische.
Mitteliranisch
Mitteliranisch waren nicht nur Mittelpersisch und das ihm verwandte Parthische, sondern auch einige andere Sprachen Zentralasiens, wie z.B. Baktrisch oder Sogdisch. Parthisch wurde im Arsakidenreich (etwa 250 vor- bis 226 nach Christus) gesprochen. Es ist gut durch Inschriften der ersten Sassaniden-Könige dokumentiert, obwohl es damals schon langsam ausstarb. Es beeinflusste aber das Mittelpersische (auch Pehlewi genannt), die Sprache des Sassanidenreichs (226-641).
Mittelpersisch ist grammatisch einfacher als Altpersisch und wurde meist in einer Aramäischen Schrift aufgezeichnet - also mit Buchstaben, die zum Teil mehrere Laute repräsentieren. Es verlor nach der Eroberung Persiens durch die Araber (7. Jahrhundert) an Bedeutung, doch wurde seine Literatur vielfach ins Arabische übersetzt. Leider gingen nach der Islamisierung die meisten Schriften verloren.
Andere mitteliranische Sprachen des sassanidischen Raums und Zentralasiens sind Charismisch (Corismisch) in Choresm, Soghdisch im Land Sogdiana (siehe Samarkand und Buchara), Baktrisch in Baktrien (heute Nordafghanistan) und Sakisch unter einigen Skythen in Chinesisch-Turkistan und für buddhistische Schriften. In sogdischer Sprache entstand sowohl christliche als auch buddhistische und weltliche Literatur. Baktrisch ist in einigen Inschriften erhalten, die unlängst in Afghanistan und Zentral-Asien entdeckt wurden, charismische Texte entstanden auch noch nach der Islamisierung.
Das Neupersische
Afghanistan
Neupersisch entwickelte sich bis zum 9. Jahrhundert als internationale Standardsprache von Zentral- und Südwestasien. Sie besitzt neben parthischen und mittelpersischen Anteilen (siehe oben) auch solche aus anderen iranischen Sprachen. In seiner Allgemeinheit ist das Neupersische eine Mischung der wichtigsten Sprachen des antiken Iran. Auch wenn die Sprache heute Persisch heißt, sind ihre Ursprünge nicht ausschließlich dem aus der Provinz Fars stammenden Altpersischen oder Mittelpersischen zuzuordnen. Da sich die Sprache in Zentralasien entwickelte, ist es wahrscheinlich, dass die ostiranischen Sprachen (Baktrisch, Parthisch, Sogdisch) diese Sprache erheblich beeinflusst haben. Die Anzahl von parthischen und sogdischen Lehnwörter im modernen Neupersisch ist beträchtlich, aber im Kernbereich ist die ursprüngliche persische (südwestiranische) Basis immer noch erkennbar.
Neupersisch ist die Kultur- und Amtssprache des Iran, Afghanistans und Tadschikistans und wird in einer um vier Buchstaben erweiterten syrisch-aramäischen („arabischen“) Schrift geschrieben. Doch ist das Verhältnis zwischen gesprochenem Neupersisch und arabischer Schrift als problematisch einzustufen. Persisch hat eine regelmäßigere und daher einfachere Grammatik als Mittelpersisch, sowie ein einfaches Lautsystem und viele arabische Lehnwörter. Viele altpersische Flexionen gingen verloren (z.B. die Kasusflexion), ebenso wie das grammatische Geschlecht. Solche Sprachvereinfachungen (insbesondere bei Flexionen) treten in vielen modernen Sprachen auf - z.B. im Englischen, Französischen und Neugriechischen.
Dari
Dari, die neupersische Schriftsprache, ist die literarische Abkürzung der persischen Wörter Parsi-e Darbâri . Wörtlich übersetzt bedeutet das persische Wort Dar „Tor, Tür, Schwelle“ während das Wort Bâr „Audienz, Anhörung“ bedeutet. Darbâri bedeutet also wörtlich übersetzt Tor zur Audienz und im erweiterten Sinn königlicher Hof; Parsi-e Darbâri bedeutet Persisch des königlichen Hofes und entwickelte sich als Schriftsprache im 9. Jahrhundert n. Chr. aus dem Mittelpersischen in den kulturellen Zentren der persischen Samaniden in Zentralasien. Von dort aus verbreitete sie sich in ganz Persien. Der erste Autor der Literatur des Dari ist Rudaki. Der in der azarbaijanischen Stadt Gendsche geborene Nezami leistete mit seinen Pandsch Gandsch („fünf Schätze“) einen großen Beitrag zur Entwicklung der Dari-Literatur.
Im Gegensatz zum normalen Persisch (Farsi), handelt es sich bei Dari um die geschriebene Sprache, nicht um die gesprochene Sprache. Dari ist quasi das Skelett des modernen Neupersisch (Farsi), welche in Afghanistan, Tadschikistan und Iran die offizielle Landessprache ist. Dari kennt keine Dialekte und ist auch selbst kein Dialekt. Jedoch kann man alle Dialekte des modernen Farsi auf seine geschriebene Urform Dari zurückführen.
Parsi-e Darbâri (Neupersisch) bedient sich, im Gegensatz zum Parsi-e Pahlavi (Mittelpersisch), der syrisch-aramäischen (arabischen) Schrift und beinhaltet viele arabische Wörter und Fachbegriffe - besonders aus der Wissenschaft und Theologie.
Dari war lange Zeit die Lingua Franca des Orients und dient auch heute als solche in vielen Teilen Zentral- und Südasiens. Zudem gilt Dari als die Sprache des Sufismus, des mystischen Islams. Einige der größten Werke des Sufismus, unter anderem die Werke der Dichter Rumi, Hafiz, Saadi, Omar Chayyām, Onsori und Ansari, wurden in Dari verfasst.
Als Musterwerk des Parsi-e Darbâri gilt das "Schah-Nameh" ("Buch der Könige") des Dichters Abū l-Qasem-e Ferdousī. 35 Jahre arbeitete der Dichter an diesem Werk, das eines der frühesten Werke des Neupersischen ist und zudem nur sehr wenige Fremdwörter (arabische Wörter) enthält. Bis heute hin ist Ferdousīs "Schah-Nameh" die Basis des persischen Nationalbewustseins im Iran, in Afghanistan und - vor allem - in Tadschikistan.
Seit einiger Zeit wird des Öfteren das Wort Dari mit "afghanisches Persisch" übersetzt. Das ist in der Tat eine falsche Übersetzung. In den 60er Jahren wurde im Zuge der Paschtunisierung Afghanistans immer mehr versucht, die persische Kultur und Geschichte Afghanistans zu entfremden und der paschtunischen Kultur unterzuordnen. So hießen persische Lesebücher bis in die späten 60er noch "Farsi-Lehrbücher", wurden dann in "Farsi-e Dari Lehrbücher" umbenannt und schließlich nur noch zu "Dari-Lehrbücher" reduziert.
Ursprung des Wortes Persisch
Das Wort Perser bzw. Farsi hat seinen Ursprung im Wort Persis, einer Region im Süden des heutigen Iran und einstiges Zentrum des persischen Weltreiches.
"Pars" war die Altbezeichnung für Persien sowie der Name der heutigen Provinz Fars.
Die Anhänger Zarathustras in Indien werden als Parsen und die persisch-sprechenden Einwohner in Afghanistan als Parsiwan bzw. Farsiwan bezeichnet (siehe auch Parsismus, Deutsch, Pagan und Apagan).
Das Wort war ursprünglich der Name nur eines einzigen iranischen Stammes. Doch nach dem Siegeszug der Makedonen, die alle iranisch-stämmigen Menschen im Perserreich Perser nannten, wurde dieser Begriff immer mehr zur Selbstbezeichnung der persischsprachigen Bevölkerung dieser Region, die iranischer Abstammung war.
Die Araber, die im 7. Jahrhundert n. Chr. Persien im Zeichen des Islam eroberten, konnten den Laut "p" nicht aussprechen. Somit wurde das alte griechisch-persische Parsi zu Farsi. Heute ist dieser Begriff sowohl der Name der Bevölkerung, als auch umgangssprachlich der Name der persischen Sprache.
Bis zum Siegeszug der Araber war das Wort Parsi keine Selbstbezeichnung der Perser. Wie alle iranischen Stämme bevorzugten auch sie die Identität ihrer arischen (=iranischen) Vorfahren, und bezeichneten sich selbst Iranier und ihr Land Iran (mit verschiedenen Aussprachen: Aryana, Eran, Eron, Iran-Shahr etc.)
So bezog sich der Prophet Zarathustra direkt auf die iranischen Völker, und auch der persische Dichter Ferdousi erzählt in seinem Schahnama von Iran und Iraniern.
1936 bat der damalige Staat Persien die internationale Gemeinschaft, das Land fortan nur noch Iran zu nenen - unter massiven Protesten des Nachbarstaates Afghanistan, welcher, wie heute auch Tadschikistan, ebenfalls den Begriff kulturell für sich beansprucht.
Heute unterscheidet man zwischen:
- Iraner = Staatsbürger der Islamischen Republik Iran
- Iranier = Menschen iranischer Abstammung, d.h. Nachkommen der einstigen iranischen Baktrier, Perser, Meder, Sogdier, Parther, etc. Im engeren Sinn handelt es sich dabei hauptsächlich um die heutigen Perser (Tadschiken), Kurden und Paschtunen. In der persischen Mythologie bezieht sich das Wort nur auf die Perser.
- Perser (Farsi) = persischsprachige Bevölkerung iranischer Herkunft. Die Kurden und Paschtunen sind demnach keine Perser, weil sie kein Persisch sprechen, sondern ihre eigenen iranischen Sprachen haben.
- Tadschiken = Alttürkische Bezeichnung für Perser, die in Zentralasien leben. Heute bezieht sich das Wort fast ausschließlich auf die persischsprachige, iranische Bevölkerung in Tadschikistan, Usbekistan und Afghanistan. Im Gegensatz zum Wort Perser hat sich das Wort Tadschik bis heute nicht als Selbstbezeichnung jener Bevölkerung durchgesetzt.
- Persisch (Farsi) = die eigentliche persische Sprache
- Dari = die persische Schriftsprache und direkter Vorgänger der heutigen modernen persischen Dialekten. Dari ist ebenfalls der offizielle Name der persischen Sprache in Afghanistan und der Name eines altertümlichen Dialekts von zoroastrischen Persern im Süden des heutigen Iran.
Das Persische kennt keinen Artikel. Bestimmtheit kann gegebenenfalls mithilfe des Akkusativs wiedergegeben werden, Unbestimmtheit durch Anhängen eines -i. Ein grammatisches Geschlecht existiert nicht.
Anstelle von Possessivpronomen wird entweder das Personalpronomen oder eine Personalendung an das Substantiv oder die Präposition angehängt. Dies geschieht mittels der Ezafe ("Hinzufügung"), die auch bei der Genitivverbindung zweier Nomen verwendet wird (Substantiv + Substantiv oder Substantiv + Adjektiv).
Der Plural wird meist regelmäßig durch das Anhängen einer Endsilbe gebildet. Die regelmäßigen Endungen setzen sich allmählich auch bei den Lehnwörtern aus dem Arabischen durch.
Verben
Die persischen Verben besitzen einen Präsens- und einen Präteritalstamm. Diese Stämme bilden die Grundlage für alle Zeitformen.
Präsens und Präteritum werden gebildet, indem man an den entsprechenden Verbstamm eine Personalendung anfügt. Im Präsens wird noch die Vorsilbe mi- vor den Verbstamm gehängt, außer bei den Verben budan (sein) und dâschtan (haben).
Perfekt und Plusquamperfekt werden ähnlich wie im Deutschen durch Verwendung des Partizips Perfekt gebildet; für das Futur wird eine Konstruktion mit dem Verb "wollen" benutzt.
Der Konjunktiv wird in ähnlicher Art und Weise wie in romanischen Sprachen und häufiger als im Deutschen verwendet. Als wichtige Zeitform ist noch der Durativ zu nennen, der eine fortdauernde oder wiederholte Tätigkeit ausdrückt.
Da der Verbstamm innerhalb einer Zeitform nicht verändert wird (im Gegensatz z. B. zu einigen Verben im deutschen Präsens: du gibst, wir geben), ist die persische Verbkonjugation sehr regelmäßig.
Wortschatz
Die Verwandtschaft zu den indogermanischen Sprachen ist in zahlreichen Fällen deutlich erkennbar, vgl. z.B. (in Umschrift):
mādar "Mutter", pedar - lat. pater "Vater", morde - lat. mors, mortis "tot",
barādar "Bruder", dochtar "Tochter", nām "Name", setāre "Stern", zamin - russ. zeml’a "Erde", to "du", do - frz. deux "zwei", pandsch - altgriech. penta "fünf", schesch "sechs",
bordan - "bürden, tragen", dādan - lat. dare - "geben", gereftan "er-greifen", na "nein", yogh "Yoch", garm "warm", u.v.a.
Eine Besonderheit besteht im Persischen darin, dass ursprüngliche Konsonantengruppen der indoeuropäischen Wurzel im Anlaut durch einen Vokal aufgebrochen wurden, vgl. z.B. b[a]râdar "Bruder", g[e]reftan "er-greifen", s[e]târe "Stern". Dies dürfte unter dem Einfluss des Arabischen geschehen sein.
Ein großer Teil des heutigen persischen Wortschatzes stammt aus dem Arabischen, wobei sich trotz angepasster Aussprache exakt an die ursprüngliche arabische Orthographie gehalten wird. Für viele dieser Wörter gibt es persische Entsprechungen, die aber zum Teil einer anderen Stilebene zuzuordnen sind oder schlicht seltener verwendet werden. Besonders deutlich wird der Einfluss des Arabischen bei den zusammengesetzten Verben, die oft aus einem arabischen Substantiv und einem persischen Verb mit vergleichsweise unspezifischer Bedeutung (z.B. "machen" oder "geben") bestehen.
Umgekehrt hat auch das Arabische zahlreiche Wörter aus dem Persischen entlehnt.
Auch im Deutschen finden sich Lehnwörter aus dem Persischen, wie z. B. Orange aus pers. nārendsch (نارنج) "Bitterorange" oder Schal aus pers. schāl (شال) "Umschlagtuch".
Die Bezeichnung Pfirsich geht ebenfalls auf einen persischen Ursprung zurück. Sie hat sich aus dem vulgärlateinischen Wort persica entwickelt und bedeutete ursprünglich "persisch" oder "persische Frucht".
Sonderzeichen
Das heutige Persisch wird mit arabischen Buchstaben geschrieben (Zur lateinischen Umschrift siehe Persische Transkription). Um verschiedene Laute wiedergeben zu können, die es im Arabischen nicht gab, wurde das arabische Alphabet um vier Buchstaben erweitert. Das persische Alphabet umfasst insgesamt 32 Buchstaben.
Zwei Buchstaben werden im Persischen in der isolierten Stellung graphisch etwas anders ausgeführt als im Arabischen:
Literatur
Das wohl bekannteste Werk der persischen Literatur im Westen ist die Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht, eine Nacherzählung vieler iranischer Volkssagen und Märchen.
Geprägt wurde das heutige Persisch vor allem durch die persische Dichtkunst (siehe auch: Persische Literatur). Zwei bekannte Dichter Persiens waren Sa'adi und Hafis. Auch Goethe ließ sich im "West-östlichen Diwan" von Hafis inspirieren. Andere bekannte Dichter sind Rumi, Omar Chayyām, Rudaki, Ferdousi oder Dschami. Auch viele Werke von persischen Wissenschaftlern - wie z.B. der Mathematiker Al Khorezmi oder der Arzt Ibn Sina (Avicenna) - sind hier zu erwähnen.
- Persische Literatur
Weblinks
- http://www.europasprachen.de/Weltsprachen/Persisch/persisch.html
- http://www.weikopf.de/body_indoeuropaisch.html
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Iranische Sprache
Kategorie:Persisches Reich
Kategorie:Iran
Kategorie:Afghanistan
Kategorie:Tadschikistan
Kategorie:Usbekistan
ja:ペルシア語
ko:페르시아어
th:ภาษาเปอร์เซีย
Paschtunische Sprache
Paschtu, auch Paschto bzw. Pashto oder Afghanisch, ist die Sprache der Paschtunen und wird in Afghanistan (dort Amtssprache neben Dari) und Pakistan von ca. 25 Millionen Menschen gesprochen. Als iranische Sprache gehört sie zur indoiranischen Untergruppe der indogermanischen Sprachen. Genauer gesagt gehört Paschto zu der südöstlichen Gruppe der ostiranischen Sprachen.
Die ostiranischen Sprachen, deren prominentester Vertreter heute das Paschto ist, variieren von anderen iranischen Sprachen durch bestimmte Lautgesetze, die ihre unterschiedliche Entwicklung erklären. Indische Elemente in der Sprache der Paschtunen, wie z.B. retroflexe Konsonanten oder Ergativ-Bildung, deuten auf eine eindeutig südöstliche Abstammung der Sprache. Damit unterscheidet sich Paschto als südöstliche iranische Sprache von den nordöstlichen iranischen Sprachen, wie z.B. Yaghnobi (heutige Form des antiken Sogdisch) oder dem antiken Baktrisch. Da Paschto nur von Paschtunen gesprochen wird und keinen bedeutenden Einfluss auf benachbarte Sprachen hatte, kann man somit direkte Rückschlüsse auf die Abstammung und das Abstammungsgebiet des Volkes der Paschtunen ziehen. Demnach müsste das Ursprungsgebiet der Paschtunen im südöstlichen Teil des iranischen Hochlands, d.h. südlich des Hindukusch, gelegen haben. Das erklärt auch den starken Einfluss indischer Sprachen auf Paschto. Viele Wörter des Paschto lassen sich insgesamt nicht auf die ursprünglichen iranischen Sprachen der Region zurückführen, was auch auf eine (teilweise) nicht-iranische Herkunft hindeutet.
Persische und arabische Lehnworte sind recht häufig, was nicht zuletzt eine Folge der dominierenden Rolle des Persischen nach der Verlegung der afghanischen Hauptstadt von Kandahar nach Kabul im 18. Jahrhundert ist.
Paschtu wurde 1936 unter dem Regenten Hashim Khan zur Nationalsprache in Afghanistan erklärt.
Grammatik und Wortschatz
Im direkten Vergleich mit Persisch zeichnet sich Paschtu durch eine komplexere Phonologie und Morphologie aus. Im Präteritum finden sich Ergativ-Strukturen. Paschtu wurde in der Zeit der Ausbreitung des Islam in Zentralasien in einer modifizierten Form der arabischen Schrift geschrieben. Heutzutage wird aber auch, nicht zuletzt wegen des verbreiteten Gebrauchs im Internet, eine Umschrift im lateinischen Alphabet verwendet. Die Wortstellung ist SOV.
Das afghanische Alphabet enthält 40 Buchstaben.
Einige Worte im Paschtu zeigen noch deutlich ihre indogermanische Herkunft,
vor allem die Zahlen:
"Dua" دوه (Zwei), "Dree" دری (Drei), "Ate" اته(Acht),نهه "noha" (neun)
aber auch Wörter aus anderen Bereichen,
z.B. "Stori" ستوری (Stern), "newä" نوی(neu), na نه (nein).
Literatur
Paschtu brachte eine durchaus nennenswerte, jedoch außerhalb des paschtunischen Sprachraums kaum beachtete bzw. wenig bekannte Literatur, hervor.
Als bekannteste Dichter und Literaten dieser Sprache gelten Khoshal Khan Khattak (1613-1689), der als Mann des Schwertes und der Feder gilt, Rahman Baba, ein Mystiker und Hamid, ein feinfühliger Liebesdichter. Das erste bekanntgewordene Gedicht des Paschtu soll im 8. Jahrhundert verfasst worden sein von Amir Koror, der aus der Provinz Ghor in Afghanistan stammte.
Aber auch der erste König Afghanistans, Ahmad Schah Durrani (1724-1773), ging nicht nur als Herrscher, sondern auch als großer Dichter in die Geschichte ein.
Weblinks
- [http://www.afghanic.org/whatistwhat/pashto_literatur.htm Einführung in die afghanische Literatur auf Paschtu]
- [http://www.lmp.ucla.edu/profiles/profp03.htm Paschtu Sprachprofil des UCLA Language Materials Projects (englisch)]
- [http://www.afghan-network.net/Ethnic-Groups/pashtu-history.html, Geschichte der Sprache Paschtu in Englisch]
Kategorie:Iranische Sprache
th:ภาษาพาชตู
Gebet
]
Das Gebet ist eine zentrale Handlung vieler Religionen. Im Gebet wendet sich der Mensch an eine Gottheit.
In theistischen Religionen unterscheidet sich das Gebet durch seine deutlich persönliche und kommunikative Komponente von anderen religiösen Praktiken wie Meditation, Beschwörung oder Magie. Im Buddhismus und Hinduismus entspricht ein Gebet oftmals einer Meditation. Im Konfuzianismus und Taoismus spielen Gebete eine eher untergeordnete Rolle; in indigenen Religionen zum Beispiel Australiens sind Gebetspraktiken bisher kaum erforscht worden.
Viele Religionsgelehrte und Theologen haben das Paradox zu lösen versucht, den unveränderlichen Willen der Gottheit durch menschliche Gebete ändern zu wollen. Es gilt als allgemein anerkannt, dass der göttliche, das Gute erstrebende Wille nicht zu ändern ist, dass aber die Gebetstätigkeit in der Lage ist, den Willen des Menschen zu stärken, seine Seele zu läutern und somit eine ganzheitliche Änderung zum Guten zu bewirken. So kann das Gebet dem betenden Menschen neue Erkenntnisquellen öffnen und ihm inneren Antrieb zur Erfüllung seiner Bitten und Wünsche verleihen.
Gebetet werden kann im Gottesdienst, in einer Gruppe oder allein. Ganze Gottesdienste können als Gebet verstanden werden, wie der jüdische Gottesdienst am Shabbat in der Synagoge, die Eucharistiefeier der orthodoxen Kirchen, das christliche Stundengebet oder das Freitagsgebet der Muslime. Viele Religionen kennen festgesetzte Gebetszeiten.
Gebete können gesungen, laut ausgesprochen oder im stillen für sich formuliert werden. Es gibt dabei je nach Religion und Konfession unterschiedliche Körperhaltungen und Gesten: stehen, knien, niederwerfen, den Kopf senken, die Hände erheben oder falten. Ebenso mag die Haltung individuell völlig frei gewählt werden. Im Zusammenhang mit Gebeten werden oftmals Symbole verwendet, wie zum Beispiel der Rosenkranz im katholischen Gottesdienst, im Islam und Buddhismus oder das Kreuz in christlichen Gebeten.
Es gibt tradierte liturgische Gebete mit feststehenden Wortfolgen, manchmal mit Rede und Antwort in Form einer Litanei, Gebete mit Vorlagen oder spontan formulierte Gebete. (Siehe auch: Inkantation)
Inkantation
Judentum
Gebet (hebr. תפלה, Tefillah)
Das Judentum ist eine Religion der Tat. Das tägliche Gebet ruft jedem Juden dies in Erinnerung. Religiöse Juden – Männer wie Frauen - beten drei Mal täglich: morgens Schacharit, nachmittags Mincha und abends Maariv. Beim Gebet bedecken Juden den Kopf mit einer Kippa oder einer anderen Kopfbedeckung (die Kippa ist eine moderne Erscheinung!) und benutzen beim werktäglichen Morgengebet Tefillin (Gebetsriemen) und Tallit (Gebetsschal) - letzterer wird auch am Shabbat und an Festtagen verwendet.
Die Gebete werden nach einem Grundmuster gebetet, das je nach Wochentag oder Festtag leicht variiert. Das Gebetbuch, das diese Gebete enthält, heißt Siddur. Das Gebetbuch für einen Festtag heißt Machsor. Zu den Gebeten gehören Tehillim (Psalmen), das Schma Jisrael (Höre, Israel), Amida oder Achtzehnbittengebet (Schmone Esre). In orthodoxen und konservativen Synagogen wird alles in hebräischer Sprache gebetet, im liberalen Judentum werden einige Gebete in der Landessprache gesagt.
Struktur des jüdischen Morgengebets (Schacharit)
- Morgenlobsprüche (ברכת השחר Birkat HaSchachar) - private Brachot und Studientexte, die zwar in den privaten Bereich gehören, aber traditionell in der Synagoge von jedem für sich gesagt werden.
- Psalmverse (פסוקי דזמרא Psuke de Simra) - Psalmen und andere poetische Texte vor allem aus der Bibel zur Vorbereitung auf das Gebet. An Festtagen - dazu gehört auch der Schabbat - wird dieser Gottesdienstteil erheblich erweitert. In liberalen Gemeinden wurde er - bereits im 19. Jh. - drastisch gekürzt und besteht in heutigen liberalen Gebetbüchern vor allem aus Liedern und Meditationstexten, die zum Gottesdienst hinführen sollen.
- Barchu (ברכו) - Aufruf zum Gebet: "Lasst und Gott preisen".
- Schma und seine Brachot (שמע וברכתה) - Das Schma besteht aus drei Tora-Texten, die jeden morgen und abend vor dem Gebet studiert werden: Dewarim (5. Buch Mose) 6,4-9; Dewarim (5. Buch Mose) 11, 13-21 und Bemidbar (4. Buch Mose) 15,37-41. Das Studium von Toratexten wird mit Lobsprüchen begonnen und beendet, daher sagt man Lobsprüche vor und nach dem Schma. Es sind morgens andere Texte als abends.
- Amida (עמידה), auch Schmone Esre (שמנה עשרי) oder Tefilla (תפילה). Das eigentliche Gebet im Judentum. Mit ihm wird das Gebot des täglichen Opfers Opfer (Religion) erfüllt. Es besteht aus einem Anfangsteil aus drei Brachot (Awot "Vorfahren", Gewurot "Machterweise" und Keduschat ha-Schem "Heiligung Gottes"), einem Hauptteil und einem Schluss aus wiederum drei Brachot (Awoda "Kultischer Dienst", Hoda'a "Dank" und Birkat Schalom "Priestersegen und Friedensbitte") Der Hauptteil bezieht sich auf konkrete Anliegen des Tages. An Wochentagen besteht er aus 13 Bitten für ein jüdisches Leben, am Schabbat aus einer Bitte für einen guten Ruhetag, an Festen entsprechend für das jeweilige Fest.
- Ordnung der Toralesung (קריאת תורה) - Am Schabbatmorgen, sowie im Wochentagsgebet am Montag- und Donnerstagmorgen folgt die Aushebung der Torarolle (Sefer Tora) aus dem Toraschrein (Aron), eine Prozession der Rolle durch die Gemeinde, die öffentliche Vorlesung aus der Rolle und die Rückbringung der Rolle in den Schrein. Am Schabbat und an Festtagen wird die Toralesung mit einem Abschnitt aus den Propheten ("Haftara" = Abschluss) beendet. Es folgen Gebete für die Gemeinde, die Regierung, den Staat Israel, etc.
- Mussaf-Amida (תפילת מוסף) - An Festtagen - dazu zählt auch der Schabbat - wird in orthodoxen und konservativen Gemeinden entsprechend dem im der Tora gebotenen Zusatzopfer an einem Fest eine zusätzliche Amida gebetet. Sie enthält in ihrem Hauptteil die Rezitation der Opferanweisungen für das jeweilige Fest. In liberalen Gemeinden ist eine Mussaf-Amida klassisch nicht üblich. In letzter Zeit werden aber an ihrer Stelle Meditiationen oder alternative Formulierungen eingeführt.
- Schlussteil - Das Ende des Gottesdienstes ist traditionell vor allem durch das Kaddisch geprägt. In orthodoxen Gemeinden endet der Gottesdienst mit einer Reihe von Studientexten, auf die ein Kaddisch der Trauernden (Kaddisch Jatom) gesagt wird. Das Alenu-Gebet oder der Tagesspalm ist einer dieser Studientexte. In liberalen Gemeinden hat man die vielen Kaddisch-Wiederholungen abgeschafft, um eine erhöhte Konzentration auf Text und Situation für dieses Gebet zu schaffen. Hier gibt es daher nur das Alenu und ein Kaddisch Jatom, dass von allen Trauernden gemeinsam gesprochen wird.
Struktur des jüdischen Nachmittag und Abendgebets (Mincha und Ma'ariw)
- Psalmverse - Einen Eingangsteil gibt es zwar auch im Nachmittag- und Abendgebet, jedoch nicht in vergleichbarer Ausgestaltung wie im Morgengebet. Das Minchagebet beginnt mit Psalm 145, das Abendgebet mit Psalm 134. Eine Ausnahme bildet das Abendgebet zu Beginn des Schabbat (Erew Schabbat), das einen eigenen, ausgeführten Eingangsteil hat (Kabbalat Schabbat "Empfang des Schabbat". Dieser Teil enstand im 16. Jahrhundert bei Mystikern in Sefat. Man studiert sechs Psalmen in Analogie zu den sechs Wochentagen. (Diese Psalmen sind Psalm 95-99 und Psalm 29. Vor dem siebten Psalm, Psalm 92 "Lied für den Schabbattag", mit dem der Schabbat liturgisch beginnt, singt man eine Hymne zur Begrüßung des Schabbat (Lecha Dodi likrat Kallah).
Für Festtage gibt es weitere besondere Texte, an Jom Kippur zum Beispiel das Gebet Kol Nidre.
- Barchu (ברכו) - Aufruf zum Gebet: "Lasst und Gott preisen".
- NUR IM ABENDGEBET: Schma und seine Brachot (שמע וברכתה) - siehe oben. MINCHA Schabbat und Fasttage: Toralesung. AN ALLEN ANDEREN TAGEN, d.h. den normalen Wochentagen folgt in einem Nachmittagsgebet auf Barchu unmittelbar die Amida.
- Amida (עמידה), auch Schmone Esre (שמנה עשרי) oder Tefilla (תפילה). - siehe oben.
- Schlussteil - Alenu, Kaddisch, eventuell ein Hymnus.
Neben den Gebeten sagen religiöse Juden zu vielen Gelegenheiten Lobsprüche, so u.a. über das Essen oder vor der Ausübung einer Mizwa (hebr. מצות, Gebote). Diese Mini-Gebete heißen "Lobsprüche" (Brachot), weil als "Gebet" nur die Amida verstanden wird.
- Man sagt Lobsprüche vor der Ausübung einer Mitzwa (Birkot ha-Mitzwot ברכת המצות), zum Beispiel vor dem Entzünden der Schabbatkerzen, vor dem Anziehen des Tallit, vor dem Entzünden der Chanukkakerzen, etc. Diese Brachot sagt man stets vor der Ausübung der Tat.
- Man sagt Lobsprüche vor dem Genuss von Dingen (vor dem Schmecken, Riechen, Trinken, Sehen) (Birkot ha-Nehenin ברכות הנהנין), zum Beispiel vor dem Trinken von Wein, vor dem Trinken von anderen Getränken, vor dem Essen von Brot, vor dem Essen von Gemüse oder Früchten, vor dem Riechen an Gewürzen, etc. Die Brachot vor dem Trinken, Schmecken und Riechen sagt man vor der Handlung. Brachot über das Sehen sagt man, nachdem man eine schöne oder bedeutsame Sache - z.B. einen Regenbogen, eine(n) Gelehrte(n), einen berühmten Menschen, eine wiederaufgebaute Synagoge, etc. - entdeckt hat.
- Man sagt Lobsprüche, um Gott zu danken, zu loben oder für etwas zu bitten (Birkot hoda'ah ברכות הודאה), zum Beispiel um Gott zu preisen, dass er Kraftlosen wieder Stärke gibt, etc.
Brachot können in jeder Sprache gesagt werden.
Zum häuslichen Schabbat, der wöchentlichen Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und der Erschaffung der Welt sowie auch ein Zeichen des Bundes Gottes mit dem Volk Israel (Geschenk der Liebe Gottes) gehört das Entzünden der Schabbatkerzen und ein Lobspruch über das Licht sowie der Kiddusch über ein Glas Wein zur Heiligung des Tages. Es liegen zwei zopfartig geflochtene Schabbatbrote (hebr. Challah, jidd. Barches) auf dem Tisch. Sie werden für die Lobspruch über das Brot verwendet, mit dem das Essen am Schabbat beginnt. (Jedes Essen beginnt mit Brot, das besondere am Schabbat sind die Challot.) Die Kerzen werden in der Regel zuhause zu Beginn der Dämmerung entzündet, das festliche Essen mit Kiddusch und Schabbatbrot und dem eigentlichen Essenabendessen folgt nach dem Gottesdienst - sofern der Gottesdienst besucht wird.
Literatur
- Rabb. Chaijm Donin: Jüdisches Gebet heute
- Jakob J. Petuchowski: Gottesdienst des Herzens
- Annette Böckler. Jüdischer Gottesdienst. Wesen und Struktur, Berlin: Jüdische Verlagsanstalt 2000, ISBN 3-934658-9
Christentum.]]
Das Gebet gehörte von Anfang an zu den wichtigsten Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Gebet ist sprechender Glaube, Antworten auf das Wort Gottes, in dem Gott selbst sich den Gläubigen mitteilt. Bereits im Neuen Testament sind viele verschiedene Gebetsformen erwähnt: Psalmen, Bitte, Dank, Fürbitte, Anbetung. Einige der am häufigsten gebrauchten christlichen Gebete stammen aus dem Neuen Testament, z.B. das Vaterunser und das Magnificat. Besonders viele Lobeshymnen sind in der Offenbarung des Johannes enthalten.
Bis heute hat das Gebet einen zentralen Platz in der Praxis aller christlichen Konfessionen.
Alle kennen das Vaterunser und die Psalmen ebenso wie persönlich formulierte Gebete und Kirchenlieder in Gebetsform. Die orthodoxen, katholischen und anglikanischen Kirchen haben eine reiche Tradition von vorformulierten Gebeten für den liturgischen und persönlichen Gebrauch (siehe liturgische Gebete), im Pietismus und im freikirchlichen Raum sind die Gebete in der Regel spontan formuliert.
Alle christlichen Konfessionen wenden sich im Gebet direkt an Gott und gehen davon aus, dass Gott Gebete hört. Christen wenden sich im Gebet an den Dreieinigen Gott, beten zu Gott dem Vater, zu Jesus Christus und manche auch direkt zum Heiligen Geist, wobei es in den meisten Konfessionen, von fest formulierten liturgischen Gebeten abgesehen, dem einzelnen überlassen ist, an wen er sich im Gebet wendet. In der katholischen und der orthodoxen Kirche können Gebete auch an Maria und an Heilige gerichtet werden, wobei diese Gebete eine Bitte um Fürsprache beim dreieinigen Gott sind.
Christen glauben, dass Gott Gebete erhört, wobei es über die Art und Häufigkeit der Gebets-Erhörung sehr unterschiedliche Erkenntnis bzw. Sichtweisen gibt.
Ebenso glauben viele Christen, dass Gott im Gebet durch den Heiligen Geist zum Beter reden kann. Dabei kann es sich um Prophetie, Erleuchtung und persönliche Eingebungen handeln, aber ebenso um alltägliches, wie dass Gott z.B. die Aufmerksamkeit auf einen Bibelvers lenkt, der in die Situation passt, oder ein allgemeines Gefühl des Getröstetseins gibt. Praktisch alle Konfessionen, bei denen Prophetie oder Erleuchtung als Geistesgabe anerkannt sind, haben allerdings gewisse Sicherheitsregeln, um allzu wilde Fantasie in Grenzen zu halten, z.B. Beurteilung durch erfahrene Christen oder Gemeindeleiter, Beurteilung durch die Gemeinschaft anhand der Bibel, Beurteilung durch die kirchliche Lehre.
Das Christentum kennt viele Gebetsformen.
- Im Gottesdienst: bei fast allen Konfessionen gehört das Vaterunser zum Gottesdienstablauf, entweder vom Liturgen oder gemeinsam gesprochen. Daneben gibt es je nach Konfession liturgische Gebete, oft im Wechsel zwischen Einzelnen und der Gemeinde, freie oder vorformulierte Gebete des Gottesdienstleiters oder gemeinsames freies Gebet der Gemeinde.
- In Gruppen: Es gibt feststehende Gebetsliturgien, z. B. das Trisagion der orthodoxen Kirche, der Rosenkranz in der katholischen Kirche, der Evensong in der anglikanischen Kirche oder das Stundengebet. Im März gibt es jedes Jahr einen ökumenischen Frauengebetstag, an dem jedes Jahr überall die gleiche Liturgie gebetet wird, die von Frauen eines bestimmten Landes zusammengestellt wurde. Die Evangelische Allianz hat im Januar jeweils eine Gebetswoche und regelmäßige überkonfessionelle Gebetsabende, die reihum in den Gemeinden der Allianz stattfinden.
- 24 Stunden Gebet vorwiegend im Umfeld der charismatischen Bewegung im Rahmen des Wächterrufs aber auch in der Herrnhuter Brüdergemeine [http://www.bruedergemeine-herrnhut.de/Seiten/bggebet.html] vorhanden geht es darum, dass jeden Tag über 24 Stunden am Stück in verschiedenen Schichten im Verbund gebetet wird.
- Themengebete gibt es ebenfalls zahlreiche Gebetsgruppen, darunter das auch solche, die für ganz spezifische Anliegen beten, z.B. Friedensgebete.
- In der Familie: in manchen christlichen Familien sind noch Tischgebete üblich, häufiger noch gibt es ein Nachtgebet mit den Kindern. Gemeinsame Familienandachten sind heute eher selten. Meist beschränken sich die Eltern auf das Vorlesen der Herrnhuter Losungen oder eines christlichen (Kinder-)Kalenders wie z.B. die "Helle Straße".
- Kindergebete: Sind meist in Reimform vorformulierte Gebete wie z.B.: "Ich bin Klein, mein Herz mach (ist) rein, soll niemand darin wohnen als Jesus (Gott) allein." Doch beten Kinder oft auch ohne Anleitung selbstformulierte Gebete.
- Tischgebete, weit verbreitet ist z.B. "Alle gute Gaben, alles was wir haben, kommt oh Gott von Dir, wir Danken dir dafür."
- Abendgebete dienen dazu den Tag mit Gott zu beschließen.
- Bibeltextbeten - hierbei werden Bibeltexte vorwiegend die Psalmen aus dem AT oder Gebete aus den Briefen des NT im Wortlaut oder in eigene Worte übertragen als Gebet an Gott rezitiert.
- Gebetslieder - Wurden schon zu Biblischer Zeit gesungen und sind in den Psalmen überliefert. Lobpreis sind an Gott gerichtete Lieder, die ihn und seine Eigenschaften und/oder Taten preisen.
- Einzelne: Hier geht das Spektrum von einem Vaterunser vor dem Einschlafen über eine tägliche Stille Zeit bis zu den Exerzitien des Ignatius von Loyola; oder - ziemlich schlicht - freie Gespräche mit Gott, nicht vorformuliert, Eingaben des Heiligen Geistes dialogisieren wiederum mit Gott selber - vorgegebene Rituale dabei außer Acht lassend, wobei die Seele Erquickung im nach außerhalb meist nonverbalen Vorgang erfährt, dabei dennoch unwillkürlich oft die Hände gefaltet (besonders bei Dank) für genaue Beobachter zu erkennen sind.
Das Gebet beinhaltet nicht nur Dank und Bitte oder Fürbitte, der Bittcharakter bildet oft nur ein Aspekt des Gebetes.
Beispielsweise sehen die Mystiker im Gebet vielmehr eine Kontaktaufnahme oder gar ein Zwiegespräch mit Gott, da sie auf das Bibelwort vertrauen, dass Gott selbstverständlich genauestens weiß, was der Betende benötigt: »Denn euer Vater weiß, was ihr nötig habt, ehe ihr ihn bittet« (Mt. 6, 8). So ist die eigentliche Grundform allen christlichen Betens Anbetung: Die alles Begreifen übersteigende Herrlichkeit Gottes anerkennen.
Gebetshaltung/Symbole
In der Kirche wird meist stehend (Ausdruck des Respekts) oder kniend (Ausdruck der Unterwerfung) gebetet, während im persönlichen Gebet (im Kämmerlein, außerhalb der Kirche) keine bestimmte Körperhaltung verbindlich ist.
Typisch für das christliche Beten ist das Falten der Hände. Diese Geste soll verdeutlichen, dass sich der Beter nur auf Gott konzentriert und nicht mit anderen Dingen beschäftigt ist.
Katholische Christen beginnen das Gebet stets mit den Worten "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Außerdem bezeichnen sie sich bei Beginn und Abschluss eines jeden Gebetes mit dem Zeichen des Kreuzes. Orthodoxe Christen bekreuzigen sich ebenfalls, wobei bei denen sogar die Haltung der Finger eine wesentliche Rolle spielt (siehe Kreuzzeichen). Protestantische Christen bekreuzigen sich grundsätzlich nicht. Nach evangelischem Verständnis sind solch äußere Formen nicht notwendig, da Gott in die Herzen der Menschen schauen kann.
Siehe Hauptartikel: Salat (Gebet)
In der Baha'i Religion spielt Gebet eine wichtige Rolle, so wurden von den drei Zentralgestalten der Baha'i Religion zahlreiche Gebete geoffenbart. Abdul Baha sagt: "Es ist die Sprache des Geistes, die zu Gott spricht. Wenn wir uns, befreit von allen äußerlichen Dingen, im Gebet zu Gott wenden, dann ist es, als hörten wir die Stimme Gottes in unserem Herzen. Ohne Worte zu reden, treten wir in Verbindung, sprechen wir mit Gott und vernehmen die Antwort ... Wir alle, wenn wir zu einem wahrhaft geistigen Zustand gelangen, können die Stimme Gottes vernehmen."
Ein Beispiel für ein Baha'i-Gebet, geschrieben von Abdul Baha:
O Du gütiger Herr! Du hast die ganze Menschheit aus dem gleichen Stamm erschaffen. Du hast bestimmt, dass alle der gleichen Familie angehören. In Deiner heiligen Gegenwart sind alle Deine Diener, die ganze Menschheit findet Schutz in Deinem Heiligtum. Alle sind um Deinen Gabentisch versammelt; alle sind erleuchtet vom Lichte Deiner Vorsehung.
O Gott! Du bist gütig zu allen, Du sorgst für alle, Du beschützest alle, Du verleihst allen Leben. Du hast einen jeden mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, und alle sind in das Meer Deines Erbarmens getaucht.
O Du gütiger Herr! Vereinige alle. Gib, dass die Religionen in Einklang kommen und vereinige die Völker, aufdass sie einander ansehen wie eine Familie und die ganze Erde wie eine Heimat. O dass sie doch in vollkommener Harmonie zusammenlebten!
O Gott! Erhebe das Banner der Einheit der Menschheit.
O Gott! Errichte den Größten Frieden.
Schmiede Du, o Gott, die Herzen zusammen.
O Du gütiger Vater, Gott! Erfreue unsere Herzen durch den Duft Deiner Liebe. Erhelle unsere Augen durch das Licht Deiner Führung.
Erquicke unsere Ohren mit dem Wohlklang Deines Wortes und beschütze uns alle in der Feste Deiner Vorsehung.
Du bist der Mächtige und der Kraftvolle, Du bist der Vergebende und Du bist der, welcher die Mängel der ganzen Menschheit übersieht.
Hinduismus
In der Frühzeit des Hinduismus, der vedischen Zeit (1200 v.Chr.), wurden Hymnen an die Götter gerichtet, die oft mit Bitten verbunden waren und einen durchaus utilitaristischen Charakter hatten. Die Rezitation von Mantras (wörtl.: Mittel zum Denken) war von frühester Zeit an ein wichtiges Mittel religiöser Versenkung. Oft dient das Aufsagen von Mantras der Verehrung eines Gottes; meist werden sie gesungen.
Heute ist vor allem im Bhakti Yoga die persönliche Hingabe an einen Gott wichtig und somit die Kommunikation mit Gott. Ein Weg ist die Gotteschau (Darshan), bei der der Gläubige u.a. durch die Versenkung in ein Bild eines Gottes (Bilderverehrung) danach strebt, die Gegenwart des Gottes in sich zu realisieren.
Gebet hat im Hinduismus eine starke Affinität zu Meditation und Versenkung. Es gibt keine allgemeingültigen Vorschriften für Gebete, die für alle Hindus gelten; es gibt jedoch sehr unterschiedliche, gelebte Familientraditionen.
Mrityunjaya-Mantra:
Wir verehren den Dreiäugigen (Gott Shiva), der duftet und alle Wesen nährt.
Wie eine reife Gurke von ihrer Bindung (am Stängel) gelöst wird, möge er uns vom Tod befreien in die Unsterblichkeit.
Zitate
- Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist, ein gebrochenes und reuiges Herz wirst du, Gott, nicht verachten. - (Psalm 51,19)
- Das Werk gibt dem Wort innere Stärke, doch das Gebet erwirbt für Taten und Worte innere Kraft. - Bernhard von Clairvaux
- Der Mensch ist von Gott nie weiter entfernt als ein Gebet. - Mutter Teresa
- Wenn ihr betet, macht es nicht so wie die Heuchler, die sich dazu gern in die Synagogen und an die Straßenecken stellen, damit sie von den Leuten gesehen werden. Ich versichere euch: Mit dieser Ehrung haben sie ihren Lohn schon kassiert. Wenn du betest, geh in dein Zimmer, schließ die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dann wird dein Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen. Beim Beten sollt ihr nicht plappern wie die Menschen, die Gott nicht kennen. Sie denken, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie! Denn euer Vater weiß ja, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet. - Jesus Christus in der Bergpredigt über das Beten, Matthäus 6,5-8; zitiert nach der Neuen evangelistischen Übersetzung (NeÜ) der Bibel
- Gott bitten heißt, sich mit der Hoffnung schmeicheln, durch Worte könne man die ganze Natur ändern. - Voltaire
Gebet und Heilung
Es gibt Hinweise für gesundheitsfördernde Wirkungen des Betens, für andere Menschen wie auch für den Betenden selbst. Wissenschaftliche Untersuchungen hierüber sind jedoch selten.
- Der amerikanische Kardiologe M. Krucoff von der Duke University beispielsweise veröffentlichte 2001 eine Machbarkeitsstudie und im Juli 2005 in der Zeitschrift Lancet eine größere Studie mit 750 Patienten, in der eine bessere Genesung derjenigen, für die unter anderem gebetet worden war, nicht nachgewiesen werden konnte.
- 1988 hat der amerikanische Kardiologe Dr. Randolph Byrd eine Doppelstudie druchgeführt die den positiven Einfluss von Gebet nachgewiesen haben soll. Die Fakten der Untersuchung sollen von der American Heart Association als Vortrag angenommen worden sein. Aus: Medical Tribune, 14.3.1986
- Nach einer Studie der Universität Witten-Herdecke an 112 Krebspatienten und 57 an Multipler Sklerose Erkrankter seien 40 Prozent der Befragten überzeugt gewesen, mit Hilfe spiritueller Quellen ihre Krankheit günstig beeinflussen zu können.
- An der Columbia Universität (New York) wurde unter 219 Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch eine Doppelblindstudie durchgeführt. Für die Hälfte wurde gebetet, ohne daß die Frauen und die Ärzte davon wußten. Die Hälfte der Frauen in der „Betgruppe“ wurden schwanger. Das das waren doppelt so viele wie in der Kontrollgruppe.
Besser untersucht ist, dass betende Menschen selbst häufig einen gesundheitsfördernden Lebensstil haben. Dies könnte auch erklären dass Patienten, die glauben und beten, über ein stärkeres Immunsystem verfügten und sich nach Operationen schneller erholen.
Siehe auch:
- Gebetsarten, Tischgebet, Gebetbuch
Literatur
- M. Krucoff, S. Crater, D. Gallup, J. Blankenship, M. Cuffe, M. Guarneri, R. Krieger, V. Kshettry, K. Morris, M. Oz: Music, imagery, touch, and prayer as adjuncts to interventional cardiac care: the Monitoring and Actualisation of Noetic Trainings (MANTRA) II randomised study. The Lancet, Volume 366, Issue 9481, Pages 211-217
- Krucoff MW, Crater SW, Green CL, Maas AC, Seskevich JE, Lane JD, Loeffler KA, Morris K, Bashore TM, Koenig HG.: Integrative noetic therapies as adjuncts to percutaneous intervention during unstable coronary syndromes: Monitoring and Actualization of Noetic Training (MANTRA) feasibility pilot. PMID 11685160
- O'Connor PJ, Pronk NP, Tan A, Whitebird RR.:Characteristics of adults who use prayer as an alternative therapy PMID 15895540
- [http://www.sciam.com/article.cfm?articleID=000F3258-4028-1179-B50383414B7FFE9F Kritischer Artikel von M. Shermer im Scientific American]
Weblinks
- [http://www.betenonline.de/ Projekt Beten Online: Alles Rund ums Gebet]
- [http://www.katholisch.de/2530.htm katholische Kirche im Internet: Gebete]
- [http://www.preces-latinae.org/ traditionelle katholische Gebete Lateinisch-Englisch]
- [http://www.mailgebet.de/tagesgebet.html Tagesgebet bei mailgebet.de] (viele schöne Gebete, auch Gebetstheorie)
- [http://www.teefax.de/Philosophie/gebet/beten.htm Gedanken zum Beten und zum Gebet] (mehrere Seiten)
- [http://www.talmud.de/index.htm Jüdisches Leben] talmud.de
- [http://www.geistigenahrung.com/forum/forum7.html Bahá'í Gebete]
- [http://www.welt.de/data/2005/06/18/733398.html Die Welt,18.6.05 Können Gebete heilen?]
- [http://www.theologie-systematisch.de/pneumatologie/10gebet.htm Aktuelle Literatur zum Gebet]
http://www.gesundheitstrends.de/gesundheitstrends/interviews/gebet.php
- [http://www.kontemplation.at/uebung.php Kontemplatives Gebet]
- [http://www.bruedergemeine-herrnhut.de/Seiten/bggebet.html Gebet der Herrnhuter Brüdergemeine]
- [http://www.gebetswaechter.de Gebetswächter]
- [http://www.waechterruf.de Wächterruf]
- [http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=984&item=162310 Gebete helfen bei Reagenzglasbefruchtung]
Kategorie:Religion
Kategorie:Esoterik
Kategorie:Gebet
ja:祈り
Muslim
Ein Muslim (arabisch مسلم muslim, „der sich Unterwerfende“ oder „sich Hingebende“), auch Moslem (aus dem Persischen), ist ein Anhänger des Islam. Die Mehrzahl ist Muslime (arab. muslimun) beziehungsweise Moslems. Eine Anhängerin des Islam wird als Muslimin (Mehrzahl Musliminnen) oder auch Muslima (entsprechend arab. مسلمة, Mehrzahl مسلمات muslimat) bezeichnet. Das Adjektiv muslimisch bezieht sich immer auf Personen(gruppen), sonst heißt es islamisch – z.B. islamisches Fest.
Ein Muslim muss nach islamischem Selbstverständnis ein Monotheist sein und Mohammed als letzten und entscheidenden Propheten anerkennen. Die von Mohammed überbrachte Offenbarung ist im Koran aufgezeichnet um sie für ewig den Menschen zu erhalten, da Mohammed ein Mensch und damit sterblich war. Ein Muslim glaubt daran, dass Mohammed der Koran (nach islamischer Sicht das unmittelbare Wort Gottes) durch den Erzengel Gabriel übermittelt wurde.
Die Sufis unterscheiden zusätzlich zwischen einem Muslim und einem Gläubigen. Nach ihrer Auffassung unterwirft sich ein Muslim lediglich den Geboten Gottes äußerlich, ein Gläubiger glaubt jedoch auch unerschütterlich daran und ist sich dessen bewußt, daß er ununterbrochen "vor seinem Schöpfer steht". Laut den Sufis gibt es viele Muslime, die keine Gläubigen sind, aber auch Gläubige, die keine Muslime sind.
Die Bezeichnung „Mohammedaner“ wird von vielen Muslimen abgelehnt, da sie den Eindruck erweckt, Mohammed stünde vor Gott im Zentrum des islamischen Glaubens. Im Persischen ist mohammadi jedoch durchaus gebräuchlich.
Das früher weitverbreitete Wort Muselman oder Muselmane (mit einem „n“, wohl aus der persischen Form musalmân entlehnt), verballhornt sogar „Muselmann“ und „Muselmännin“, ist heute selten geworden, in der verballhornten Form ist es im Deutschen heute ein abfälliger Begriff. Peter Scholl-Latour gebraucht das Wort „Muselmane“ jedoch öfter. Da im Deutschen der Begriff „Muselmane“ teilweise abfällig benutzt wird oder wurde, hat dieser Terminus eine negative Konnotation erhalten und wird aus diesem Grund von Muslimen abgelehnt. Der Begriff Mohammedaner wird auch von vielen als "politisch unkorrekt" gesehen. In einigen überwiegend von Muslimen gesprochenen Sprachen heißt Muslim jedoch ähnlich wie Muselman, z.B. Türkisch müslüman oder im Bosnischen musliman. Sowohl im Französischen und im Spanischen hat das Wort musulman keinerlei negativen Beigeschmack.
Wer ist Muslim
Einigen Religionsgemeinschaften, deren Mitglieder sich selbst als Muslime sehen, wird von anderen Muslimen die Anerkennung als Muslim versagt. Dies trifft vor allem auf die Ahmadiyya zu. Aber auch auch anderen Gemeinschaften wird von konservativer-sunnitischer, besonders wahhabitischer-hanbalitischer Seite die Anerkennung als Muslim verweigert. Dies trifft auf Aleviten und Schiiten imamitischer und ismailitischer Richtung zu, deren Wertschätzung Alis als Schirk (Polytheismus) gewertet wird. Zaiditischen Schiiten und den Ibaditen wird gemeinhin zugestanden, dass sie Muslime sind, auch wenn sie nicht immer geschätzt werden. Die Ibaditen sehen sich als die einzigen wahren Muslime an, was aber zu keinerlei negativen Konsequenzen für andere Muslime führt. Auch die Wahhabiten sehen sich als die einzig wahren Muslime an und haben in der Vergangenheit andere Muslime auch blutig verfolgt.
Neben ganzen Religionsgemeinschaften wird aber auch, vor allem von fundamentalistischer Seite, einzelnen Personen abgesprochen, dass sie Muslime sind, was als Takfir bezeichnet wird. Kriterium ist dabei traditionellerweise, ob derjenige das fünfmal tägliche Ritualgebet Salat verrichtet. Auch wer gegen die Anwendung der Scharia ist, wird von bestimmten Fundamentalisten zum Nichtmuslim erklärt und im Extremfall deswegen nach der Lehre Ibn Taimiyyas ermordet, wie etwa Sadat. Dschihadisten sehen sogar jeden, der nicht am bewaffneten Dschihad teilmehmen will als Murtadd (vom Islam abgefallenen) an. Diese Sichtweise wird insofern vom Koran gestützt, als darin die Munafiqun, die "Heuchler", deren wichtigstes Kennzeichen ihr Unwille zum militärischen Kampf für dem Islam ist, an vielen Stellen aufs heftigste verurteilt und als schlimmer als alle Ungläubigen bezeichnet werden.
Nach muslimischer Auffassung ist jeder Mensch, der einen muslimischen Vater hat oder der zum Islam übergetreten ist Muslim. Rein theoretisch ist aus islamischer Sicht die "natürliche" Religion aller Menschen der Islam, was aber in der Praxis keinerlei Auswirkungen hat. Aus Sicht des muslimischen Rechts (Fiqh) ist es einem Muslimen nicht möglich zu einer anderen Religion zu konvertieren, er kann lediglich vom Islam abfallen (Ridda), was jedoch nach islamischen Recht nicht toleriert wird und auch in der Praxis kaum geduldet wird. Eine Ausnahme findet man beispielsweise bei einigen wenigen Anhängern des Sufismus (islamische Mystik), die sich neben den äußeren auch auf die inneren Aspekte des Islam konzentrieren. Jedoch haben auch in der Vergangenheit vereinzelte Sufiorden andere Muslime, die sie für nicht rechtgläubg hielten, militärisch bekämpft; siehe dazu auch Dschihad der Fulbe, Dschihad von al-Haddsch Omar.
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Mekka
Mekka (arabisch مكة Makka, in neuerer Zeit meist مكة المكرّمة Makka al-Mukarrama) ist eine Stadt mit 1.294.168 Einwohnern (2004) im westlichen Saudi-Arabien, knapp 100 km vom Roten Meer entfernt.
Mekka gilt wegen der Heiligen Moschee in ihrem Zentrum als die heilige Stätte des Islams. Sie ist das Ziel der jährlichen Pilgerfahrt (Haddsch), die für Muslime, die sie sich gesundheitlich und finanziell leisten können, eine religiöse Pflicht ist. Nicht-Muslimen ist der Aufenthalt in Mekka nicht gestattet.
Geographie
Mekka liegt eingeschlossen zwischen zwei Bergketten. Der tiefer gelegene Teil der Stadt um die Kaaba ist der ältere Siedlungkern; die Oberstadt liegt im
Norden. Einige Seitentäler bieten auch Wohnquartiere.
Die Heilige Moschee mit den sieben Minaretten, in deren Mitte die Kaaba steht, gilt als das wichtigste Heiligtum der islamischen Welt.
Alleine während der Haddsch versammeln sich Jahr für Jahr um die 3 Millionen Muslime aus der ganzen Welt in Mekka.
Geschichte
Schon vor Muhammad besaß Mekka eine wirtschaftliche Bedeutung: es lag an
der Weihrauchstraße vom Süden kommend nach Ägypten und es gab
Abzweigungen für die Handelskarawanen nach Schuaiba (Dschidda) sowie
nach Osten zum Persischen Golf und nach Mesopotamien.
Im Jahr 630 unterwirft sich die Stadt Muhammad, der seit 623,
nach seiner Auswanderung nach Yathrib (Medina), mehrfach kriegerische Auseinandersetzungen mit Mekka hatte.
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Im Zuge der Verehrung Mekkas als heilige Stadt hat sich die Verwendung des Namens als Synonym für besondere, herausragende Anlässe und Orte eingebürgert. So kann man Las Vegas als Mekka des Glückspiels, Ballermann 6 als das der Biertrinker bezeichnen.
Kategorie:Islam
Kategorie:Nahost
ja:マッカ
ko:메카
ms:Makkah al-Mukarramah
simple:Mecca
th:มักกะหฺ
RitualEin Ritual ist eine kulturell gebundene menschliche Handlung, die durch strukturierte Mittel die Wandlung eines Lebensbereiches in, über den Alltag hinaus reichende, Zusammenhänge bewirkt.
Rituale sind ein menschheitliches Phänomen. Sie ermöglichen durch den Umgang mit Grundfragen der Existenz das menschliche Miteinander. Dazu zählen Sicherheit, Ordnung ebenso wie die Sterblichkeit. Sie vermögen die Welt einfacher und handhabbarer zu machen und erleichtern Entscheidungen. Manchmal verkehren sich ihre Wirkungen aber auch ins Negative, dann setzt Ritualkritik ein.
Rituale dienen zumal der Rhythmisierung sozialer Abläufe (vgl. Karl Bücher: Arbeit und Rhythmus). So gibt es
- Zyklische Rituale, die dem tageszeitlichen, wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Kalender folgen, (z.B. das Sonnenwendfest);
- Lebenszyklische Rituale, z.B. Initiationsrituale (bei Geburt, Mannbarkeit etc.).
- ereignisbezogene Rituale, die z.B. bei bestimmten Krisen Anwendung finden (z.B. der Tod, eine Hungersnot etc.);
Zur Technologie des Rituals
Das Ritual weist nach Wallace die Aspekte der Technologie, Therapie und Antitherapie, der Ideologie bzw. sozialen Kontrolle, der Salvation und der Revitalisierung auf.
#Das Ritual als Technologie bezieht sich auf den Umgang mit der Umwelt. So werden durch Weissagungen Hinweise von höchster Instanz erwartet, die zur Entscheidungsfindung beitragen. Das Intensivierungsritual erstreckt sich auf Jagd-, Vieh-, Acker-, und Wetterzauber. Das Schutzritual soll Unglück und Katastrophen abwenden.
#Das Ritual als Therapie bzw. Antitherapie bezieht sich auf die Kontrolle des menschlichen Gesundheitsbereichs. Dabei meint Antitherapie Hexerei: übernatürliche Krankheitsursachen werden gefunden, Personen wird die Fähigkeit zugesprochen, andere negativ beeinflussen zu können. Der Hexenglaube fördert in einer Gesellschaft die soziale Kontrolle: Man vermeidet Anstößigkeit, um nicht verhext zu werden. Man sucht auf der anderen Seite die Unauffälligkeit, um nicht als Hexe verdächtigt zu werden. Antitherapeutischen Rituale der Hexen erhöhen Stress und Krankheitsrisiko, therapeutische Rituale verringern dieselben.
#Das Ritual als Ideologie bezieht sich auf Verhalten, Gefühle, Werte und Moralvorstellungen der Gesellschaft. Dies kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden: Übergangsriten beziehen sich auf die Rollenveränderung einer Person oder Gruppe im sozialen oder territorialen Bereich.
#Das Ritual als soziale Intensivierung betont die Identität einer Gruppe, es befriedet sie. Es ist wiederholbar wie die Kommunion oder der Gruß. Ebenso stabilisiert das Tabu das Miteinander. Rebellionsrituale bieten durch ritualisierte soziale Umkehrung eine "Ventilsitte" (Richard Thurnwald) und stabilisieren somit die bestehende Gesel | | |